Lähmung des Arms bei Plexus: Ursachen und Behandlungsansätze

Eine Lähmung des Arms, auch Parese genannt, kann verschiedene Ursachen haben, wobei Schädigungen des Plexus brachialis, eines Nervengeflechts im Bereich der Halswirbelsäule, eine bedeutende Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Armplexuslähmung, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu vermitteln.

Einführung in die Parese

Eine Parese beschreibt eine inkomplette Lähmung, die durch eine Schädigung des motorischen Nervs verursacht wird. Je nach Lokalisation der Schädigung unterscheidet man zwischen zentraler und peripherer Parese. Bei der zentralen Parese liegt die Ursache im Gehirn oder Rückenmark, während bei der peripheren Parese der Nerv in seinem Verlauf in Armen oder Beinen geschädigt ist. Eine Schädigung mehrerer Nerven im Bereich des Nervengeflechts wird als Plexusparese bezeichnet, wobei man zwischen Armplexusparese (Plexus brachialis) und Beinplexusparese (Plexus lumbalis) unterscheidet.

Ursachen der Armplexuslähmung

Die Ursachen für eine Armplexuslähmung können vielfältig sein und sowohl traumatische als auch nicht-traumatische Auslöser haben.

Geburtsbedingte Plexusparese (Erb-Lähmung)

Die Erb-Lähmung, auch Plexusparese genannt, ist eine schwerwiegende Geburtsverletzung, die zu einer dauerhaften Lähmung des Arms führen kann. Sie entsteht meist, wenn die Schulter des Babys während der Geburt eingeklemmt wird (Schulterdystokie). Dabei kann es durch übermäßiges Ziehen oder Dehnen des Kopfes des Babys während der vaginalen Entbindung zu einer Schädigung des Plexus brachialis kommen. Risikofaktoren für eine Schulterdystokie sind unter anderem ein makrosomes Kind (großes Baby), beispielsweise bei mütterlichem Schwangerschaftsdiabetes, eine Steißlage des Babys, verlängerte Wehen oder Komplikationen, die den Einsatz von Zange oder Saugglocke erforderlich machen.

Traumatische Ursachen

Traumatische Ursachen gehören zu den Hauptursachen für die Entstehung einer Armplexuslähmung. Dazu zählen Unfälle, bei denen es zu einer direkten Schädigung des Plexus brachialis kommt, beispielsweise durch Stürze, Verkehrsunfälle oder Sportverletzungen. Auch Überlastung, starke und chronische Überlastungen können dazu führen, dass das Nervengeflecht im Bereich der Halswirbelsäule komprimiert wird.

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Nicht-traumatische Ursachen

Neben traumatischen Ursachen können auch nicht-traumatische Faktoren eine Armplexuslähmung verursachen. Dazu gehören:

  • Nervenkompressionssyndrome: Anatomische Engstellen im oberen Halsbereich, beispielsweise durch Halsrippen, accessorische Muskeln oder Bänder, können im Laufe der Jahre zu einer Irritation und Kompression der Nerven führen.
  • Tumore: Seltene Primärtumoren am peripheren Nerven (Neurinome, Schwannome, bösartige Nervenscheidentumore) oder Lymphknotenmetastasen, insbesondere beim Mammakarzinom, können den Plexus brachialis komprimieren.
  • Isolierte Stammnervenverletzungen: Verschiedene chirurgische Eingriffe, beispielsweise Schulteroperationen mit Kompression oder Verletzung des N. axillaris oder radialis, oder Hüftoperationen mit Beeinträchtigung des N. ischiadicus, können zu Nervenschädigungen führen.
  • Entzündliche und metabolische Radikulopathien: Multisegmentale Schädigungen der spinalen Nervenwurzeln können durch entzündliche oder metabolische Prozesse verursacht werden.

Symptome einer Armplexuslähmung

Die Symptome einer Armplexuslähmung können je nach Schweregrad und Lokalisation der Nervenschädigung variieren. Typische Symptome sind:

  • Schwäche im Arm
  • Gefühllosigkeit im Arm
  • Lähmung im Arm
  • Schmerzen im Arm
  • Einschränkung der Beweglichkeit
  • Atrophie der Muskeln (Muskelabbau)

Bei Neugeborenen mit Erb-Lähmung kann es schwierig sein, die Symptome zu erkennen. Betroffene Kinder halten den Arm meist schlaff herunter oder er ist leicht angewinkelt und nach innen rotiert. Sie haben Probleme beim Greifen, lassen Gegenstände fallen und zeigen Sensibilitätsprobleme, die sich in einer reduzierten Interaktion mit der Außenwelt äußern.

Diagnose einer Armplexuslähmung

Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist entscheidend für den Behandlungserfolg einer Armplexuslähmung. Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden.
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Muskelkraft, Beweglichkeit, Reflexe und Sensibilität des Arms.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) und Elektroneurographie (ENG/NLG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelaktivität.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Hochauflösender Nervenultraschall: Ermöglicht die Beurteilung der Struktur und Kontinuität der Nervenfaszikel.
    • MR-Neurographie: Bietet detaillierte Einblicke in die Nervenstrukturen und kann bei der Lokalisation von Schädigungen hilfreich sein.
    • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): Können bei zentralen Ursachen der Parese Aufschluss geben.

Behandlungsmöglichkeiten der Armplexuslähmung

Die Behandlung einer Armplexuslähmung richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Diagnose. Ziel der Behandlung ist es, die Nervenfunktion wiederherzustellen, die Muskelkraft zu verbessern, Schmerzen zu lindern und dieFunktionsfähigkeit des Arms im Alltag zu optimieren.

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Konservative Therapie

In vielen Fällen, insbesondere bei leichteren Nervenschädigungen, kann eine konservative Therapie ausreichend sein. Diese umfasst:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination des Arms.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Durchführung alltäglicher Aktivitäten und Anpassung der Umgebung, um die Selbstständigkeit zu fördern.
  • Schmerztherapie: Medikamentöse Behandlung von Schmerzen, beispielsweise mit Schmerzmitteln, Antineuropathika oder Muskelrelaxantien.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Anregung der Muskeln durch elektrische Impulse, um die Muskelkraft zu verbessern und Atrophie zu verhindern.
  • Ruhigstellung: In bestimmten Fällen kann eine vorübergehende Ruhigstellung des Arms in einem Verband sinnvoll sein, um die Nerven zu entlasten.

Operative Therapie

Bei schweren Nervenschädigungen oder wenn die konservative Therapie nicht ausreichend ist, kann eine operative Behandlung erforderlich sein. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Art und Lokalisation der Nervenschädigung in Frage kommen:

  • Dekompression: Bei Nervenkompressionssyndromen wird der Nerv von einengenden Strukturen befreit, beispielsweise durch Entfernung von Halsrippen oder Bändern.
  • Nervenrekonstruktion: Bei Durchtrennung des Nervs wird die Kontinuität durch mikrochirurgische Naht wiederhergestellt. Bei Substanzverlust können Nerventransplantate erforderlich sein, wobei körpereigene Spendernerven (z.B. Nervus suralis) oder allogene Nerventransplantate (von Organspendern) zum Einsatz kommen können.
  • Nerventransfer: Bei weit proximal gelegenen Läsionen kann ein Nerventransfer in Erwägung gezogen werden, bei dem ein gesunder Nerv auf den geschädigten Nerven umgeleitet wird, um die Regenerationsstrecke zu verkürzen.
  • Sehnentransfer: Bei dauerhaften Lähmungen kann ein Sehnentransfer durchgeführt werden, bei dem eine gesunde Sehne auf die Funktion eines gelähmten Muskels übertragen wird.
  • Neurolyse: Entfernung von Narbengewebe, das den Nerv komprimiert.

Spezielle Behandlungen bei Neuromen

Neurome sind schmerzhafte Nervenverdickungen, die nach Nervenverletzungen entstehen können. Die Behandlung von Neuromen kann konservativ oder operativ erfolgen. Konservative Maßnahmen umfassen ergotherapeutische Desensibilisierung, Spiegeltherapie und Schmerztherapie. OperativeBehandlungsmöglichkeiten sind die Resektion des Neuroms mit oder ohne Nervenrekonstruktion oder die Verlagerung des Neuroms an eine weniger schmerzhafte Stelle.

Kompressionssyndrome als Ursache

Kompressionssyndrome, auch Engpasssyndrome genannt, sind seltene Krankheiten, bei denen Nerven und Gefäße eingeklemmt werden. Sie können an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten und reichen von Schmerzen und Taubheitsgefühlen bis hin zu Durchblutungsstörungen. Zu den häufiger auftretenden Kompressionssyndromen zählt das Thoracic Outlet-Syndrom (TOS), bei dem ein Engpass im Bereich des Schultergürtels dazu führt, dass bei erhobenem Arm die Schlagader (Arterie) und die dort verlaufenden Nervenbündel (Plexus) eingeklemmt werden.

Diagnose von Kompressionssyndromen

Da die Symptome vielfältig und oft unspezifisch sind, erfordern Kompressionssyndrome eine umfassende Untersuchung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt. Die Diagnostik kombiniert in der Regel Anamnese (Aufnahme der Krankengeschichte), körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren.

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Behandlung von Kompressionssyndromen

Die Behandlung von Kompressionssyndromen richtet sich nach der Art und dem Schweregrad des Syndroms. In einigen Fällen können konservative Maßnahmen wie Physiotherapie und Schmerzmanagement ausreichend sein. In anderen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die komprimierenden Strukturen zu entfernen und den Druck auf die Nerven und Gefäße zu verringern.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung einer Armplexuslähmung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, darunter Neurologen, Radiologen, Nervenchirurgen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Schmerztherapeuten. Nur durch eine koordinierteHerangehensweise kann eine optimale Versorgung der Patienten gewährleistet werden.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Für Betroffene und ihre Angehörigen ist es wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und Unterstützung zu suchen. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, dieInformationen, Austauschmöglichkeiten und praktischeHilfestellung anbieten. Plexuskinder e.V. ist beispielsweise eine Selbsthilfegruppe betroffener Familien, die sich auf die kindliche Plexusparese spezialisiert hat.

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