Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Viele Migränepatienten suchen nach nicht-medikamentösen Optionen zur Vorbeugung und Behandlung von Migräneattacken. Magnesium, ein essentieller Mineralstoff, hat sich als vielversprechende Option erwiesen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Magnesium bei Migräne, die verschiedenen Anwendungsformen, die wissenschaftliche Evidenz und wichtige Aspekte für die Anwendung.
Der Zusammenhang zwischen Magnesium und Migräne
Migränepatienten haben häufig einen Mangel an wichtigen Nährstoffen, darunter Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) und Coenzym Q10. Diese Stoffe spielen eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel der Nervenzellen, insbesondere in den Mitochondrien. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Störungen im Energiestoffwechsel des Gehirns zur Entstehung von Migräne beitragen können. Eine Abnahme der ATP-Konzentration (Adenosintriphosphat), dem zentralen Energieträger im Stoffwechsel, kann Migräneattacken auslösen.
Magnesium ist an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel. Es trägt dazu bei, dass ATP effizient in den Mitochondrien hergestellt wird. Darüber hinaus ist Magnesium für die Reizübertragung von Nerven auf Muskeln sowie die Muskelkontraktion wichtig. Es trägt auch zu einer normalen Funktion des Nervensystems sowie zur Erhaltung von Knochen und Zähnen bei.
Ein Magnesiummangel kann verschiedene Symptome verursachen, darunter Zittern, Krämpfe, Verwirrtheit und Herzrhythmusstörungen. Im Zusammenhang mit Migräne kann ein Magnesiumdefizit Muskelkrämpfe und -verspannungen verursachen oder Kopfschmerzen verstärken. Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten eine verringerte Magnesiumkonzentration im Gehirn aufweisen können.
Die Wirkung von Magnesium auf das Nervensystem
Magnesium übt eine Kernfunktion für die Steuerung des Nervensystems aus, indem es das elektrische Potenzial der Neuronen moduliert. Ein zentraler Ansatzpunkt ist hier der NMDA-Rezeptor, eine Art Schaltstelle für die Signalübertragung im Gehirn, an der der Neurotransmitter Glutamat andockt. Magnesium blockiert den NMDA-Rezeptor und schützt die Zelle so vor einer Überregung. Die Folge davon können dann oxidativer Stress oder eine Streudepolarisation sein. Beides trägt vermutlich zur Entstehung von Migräne bei.
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Anwendung von Magnesium bei Migräne
Magnesium kann sowohl zur Akutbehandlung als auch zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden.
Akutbehandlung
In einer Observationsstudie zeigte sich, dass intravenös verabreichtes Magnesium bei einer akuten Migräne helfen kann. Diese Art der Behandlung führte bei 54 Prozent der Probanden zu einer signifikanten Schmerzreduktion, und 44 Prozent benötigten keine weiteren Heilmittel mehr. Eine intravenöse Magnesiumtherapie von ein bis zwei Gramm Magnesiumsulfat, je nach Schwere der Symptomatik, wird beim akuten Migräneanfall empfohlen.
Migräneprophylaxe
Die orale Magnesiumsupplementierung hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Durch Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg traten in verschiedenen Studien im Vergleich zu Placebo weniger Anfälle auf, die zudem auch in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten. Kurz gesagt: Durch oral substituiertes Magnesium kann eine signifikante Reduktion der Migränetage und Migräneattacken erreicht werden.
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe ist für Personen infrage, die an mindestens drei Migräneattacken pro Monat über mehrere Monate leiden oder Migräneattacken haben, die länger als 72 Stunden dauern oder die nicht auf die Akutmedikation ansprechen. Über eine solche Migräneprophylaxe sollten Betroffene laut der aktuellen Leitlinie nachdenken, wenn die Anfälle länger als 72 Stunden anhalten, pro Monat mindestens drei schwere Anfälle auftreten, die Häufigkeit der Anfälle zunimmt, von Auren begleitet sind und/oder eine Akuttherapie mit Triptane oder Analgetika nicht wirksam bzw. verträglich ist.
Zweimal täglich 250 mg Magnesium könnte einen Versuch wert sein, wenn man öfter unter Migräneattacken leidet, diese sehr lang andauern oder nicht auf die Akutmedikation ansprechen.
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Formen von Magnesium
Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten bei Migräne einnehmen können, um sich das benötigte Magnesium zuzuführen, enthalten entweder Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat oder Magnesiumcitrat. Welches Magnesium man nun genau bei Migräne anwenden kann, hängt von der individuellen Situation und Verträglichkeit ab: Bei Magnesiumoxid erfolgt der Einsatz meist zur Prävention von Migräne-Attacken, Magnesiumcitrat findet Verwendung bei akuten Beschwerden. Möglicherweise speichert der Körper Magnesiumoxid besser im Körper - Citrat nimmt er hingegen schneller auf. Die Magnesium-Art nimmt keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Präparaten - Unterschiede gibt es nur in der Zeit, die der Körper benötigt, um es aufzunehmen.
Für die Einnahme von Magnesium bei Migräne kann man auf verschiedene Darreichungsformen zurückgreifen: Tabletten, Granulate, Kapseln oder Kaudragees.
Dosierungsempfehlungen
Die tägliche Magnesium-Zufuhr insgesamt soll gemäß Deutscher Gesellschaft für Ernährung 300 mg für Frauen und 350 mg für Männer betragen. In einer Studie aus dem Jahr 2021 nahmen die Teilnehmenden im Magnesium-Arm zweimal täglich 250 mg Magnesiumoxid pro Tag über zwölf Wochen ein. Auch in anderen Studien betrug die Dosierung zwischen 500 und 600 mg Magnesium täglich.
Laut dem National Institute of Health liegen die allgemeinen täglichen Empfehlungen für Erwachsene je nach Alter und Geschlecht zwischen 310 und 420 mg. Diese Dosierungsempfehlungen orientieren sich auch an den Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.
Vorsicht gilt bei der Dosierung: Durchfall, Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit können mögliche Folgen einer Überversorgung sein. Während einer Schwangerschaft kann man bei Migräne auf Magnesium zur Prophylaxe zurückgreifen. Hierzu wird empfohlen, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten.
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Evidenzbasierte Bewertung
Die Evidenz für Magnesium zur Migräne-Prophylaxe ist gering, heißt es in der S1-Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne«. Das heißt aber nicht, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt.
In einem Newsletter zur evidenzbasierten Selbstmedikation wird das Fazit gezogen: »Wenn Patient:innen ein verschreibungsfreies Präparat zur Migräneprophylaxe wünschen, scheint Magnesium eine vielversprechende Option zu sein, die Migränehäufigkeit, -stärke und -länge der Attacken zu verringern«, auch wenn es insgesamt zu wenig Studiendaten gebe und die vorliegenden Studien zum Teil methodische Schwächen haben.
Eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie untersuchte die Wirksamkeit einer fixen Kombination aus Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q10 und weiteren Vitaminen und Mineralstoffen an 150 Migränepatientinnen mit und ohne Aura. Die Studienteilnehmerinnen nahmen über drei Monate entweder das Prüfpräparat (Verum) oder ein Scheinpräparat (Placebo) ein. Die Dosierung betrug zweimal täglich zwei Kapseln. Teilnehmen konnten Patient*innen, die mindestens drei Migräneattacken pro Monat hatten. Die Studie zeigte, dass eine Behandlung mit hochdosiertem Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 die Ausprägung von Migränesymptomen gegenüber Placebo deutlich und signifikant senkt und damit die Lebensqualität erhöht.
Magnesiumreiche Ernährung
Ein gesunder Mensch kann in der Regel seinen Tagesbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung decken. Magnesiumreiche Lebensmittel sind beispielsweise:
- Grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl)
- Nüsse und Samen (Mandeln, Cashews, Kürbiskerne)
- Vollkornprodukte
- Hülsenfrüchte
- Avocado
- Dunkle Schokolade
Synergieeffekte
Es gibt einen Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D. Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Ohne ausreichend Magnesium kann diese Umwandlung gestört sein, so dass weniger Calcitriol für den Stoffwechsel zur Verfügung steht. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption.
Migräneärzten aus Deutschland ist es gelungen, die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachzuweisen. Die international publizierte Studie zeigt, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität.