Parese durch Antibiotika: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Eine Parese, definiert als eine unvollständige Lähmung, kann verschiedene Ursachen haben. Während viele Menschen das Gefühl von Taubheit oder "Einschlafen" von Gliedmaßen kennen, ist eine Parese durch anhaltende Empfindungs- und Bewegungsstörungen gekennzeichnet. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Paresen, insbesondere im Zusammenhang mit Antibiotika, und bietet einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist eine Parese?

Eine Parese bezeichnet eine Störung der Motorik, die durch die Lähmung einzelner Muskeln oder Muskelgruppen der Extremitäten oder des Rumpfes hervorgerufen wird. Diese Störungen entstehen, wenn die Nerven, die für die Kommunikation zwischen Gehirn, Muskeln und Nervensystem verantwortlich sind, geschädigt werden. Dies kann durch Verletzungen oder Erkrankungen verursacht werden, was zu Empfindungs- und Bewegungsstörungen in den betroffenen Körperteilen führt.

Formen der Parese

Es gibt verschiedene Formen der Parese, die sich je nach betroffenem Körperbereich unterscheiden:

  • Monoparese: Betrifft nur ein Bein oder einen Arm.
  • Diparese: Unvollständige Lähmung von zwei Gliedmaßen.
  • Tetraparese: Bewegungsunfähigkeit beider Arme und Beine.

Zusätzlich wird zwischen schlaffen und spastischen Paresen unterschieden, wobei die Dauer der Parese von der zugrunde liegenden Ursache abhängt.

Ursachen von Paresen

Die Ursachen für eine Parese sind vielfältig und reichen von Verletzungen im Kopf- oder Rückenmarkbereich über Infekte bis hin zu angeborenen Erkrankungen oder Tumoren. Auch Nervenschädigungen durch Operationen, Einklemmungen oder Gifte können eine Parese verursachen. Ein Bandscheibenvorfall, bei dem der Kern der Bandscheibe auf das Rückenmark drückt, kann ebenfalls zu Lähmungserscheinungen führen.

Lesen Sie auch: Parese und Kontrakturen: Ein Überblick

Arzneimittelbedingte Neuropathien

Arzneimittelbedingte Neuropathien, einschließlich Paresen, hängen oft von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens bessern sie sich nach Therapieabbruch, aber nicht immer. Der Mechanismus der Schädigung ist oft unbekannt. Pathophysiologisch wird unterschieden zwischen Noxen, die primär die Nervenzelle angreifen, und solchen, die Prozesse in der Nervenfaser stören.

Antibiotika als Ursache von Paresen

Obwohl fast alle Antibiotika grundsätzlich Schädigungen zentraler oder peripherer Nervenstrukturen verursachen können, gibt es erhebliche Häufigkeitsunterschiede. Eine Antibiotika-assoziierte Enzephalopathie ist häufiger als man glaubt, besonders bei älteren Intensivpatienten. Einige Antibiotika können auch zu erheblichen neuromuskulären Problemen führen.

Antibiotika, die Paresen auslösen können

Einige Antibiotika sind bekanntermaßen mit einem erhöhten Risiko für periphere Neuropathien verbunden:

  • Isoniazid: Dieses Medikament, das zur Behandlung von Tuberkulose eingesetzt wird, greift in den Vitamin-B6-Stoffwechsel ein und kann periphere Polyneuropathien mit Parästhesien und Sensibilitätsstörungen verursachen. Daher wird es standardmäßig in Kombination mit Pyridoxin (Vitamin B6) gegeben, um diesen Nebenwirkungen vorzubeugen.
  • Ethambutol: Kann Optikusneuropathie auslösen.
  • Linezolid: Kann Optikusneuropathien und periphere Neuropathien auslösen. Linezolidinduzierte Neuropathien können irreversibel sein.
  • Nitrofurantoin: Kann periphere Neuropathien auslösen.
  • Metronidazol: Kann periphere Neuropathien auslösen. Unter der Therapie mit Metronidazol können bis zu 85 % der behandelten Patienten neurologische Symptome zeigen.
  • Des Weiteren: Können Ethambutol und Nitrofurantoin periphere Neuropathien auslösen.

Risikofaktoren für Antibiotika-induzierte Neuropathien

Mehrere Faktoren können das Risiko für die Entwicklung von Antibiotika-induzierten Neuropathien erhöhen:

  • Hohes Alter: Ältere Patienten sind anfälliger für die neurotoxischen Wirkungen von Antibiotika.
  • Niereninsuffizienz: Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann zu erhöhten Antibiotikakonzentrationen im Serum führen, was das Risiko für Neurotoxizität erhöht.
  • Vorerkrankungen des Nervensystems: Patienten mit bestehenden neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma haben ein erhöhtes Risiko.
  • Diabetes mellitus: Patienten mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Polyneuropathien.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Polyneuropathien.

Symptome einer Antibiotika-induzierten Parese

Die Symptome einer Parese können je nach betroffenem Bereich und Schweregrad variieren. Häufige Symptome sind:

Lesen Sie auch: Zerebralparese: Ein umfassender Überblick

  • Muskelschwäche: Schwierigkeiten beim Anspannen oder Bewegen von Muskeln.
  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheit, Brennen oder Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen.
  • Koordinationsprobleme: Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts oder bei der Durchführung präziser Bewegungen.
  • Reflexveränderungen: Abgeschwächte oder fehlende Reflexe.
  • Gangunsicherheit: Insbesondere im Dunkeln.
  • Fehlendes Temperaturempfinden: Mit schmerzlosen Wunden.

Diagnose von Paresen

Die Diagnose einer Parese umfasst in der Regel eine umfassende Anamnese, eine neurologische Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche Tests:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Verletzungen und andere relevante Informationen.
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Muskelkraft, Sensibilität, Reflexe und Koordination.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) und Elektroneurographie (ENG) zur Messung der Nerven- und Muskelfunktion.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Beurteilung von Gehirn, Rückenmark und Nerven.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen zur Identifizierung von Infektionen, Entzündungen oder anderen zugrunde liegenden Erkrankungen.

Behandlung von Paresen

Die Behandlung einer Parese richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Antibiotika-induzierten Paresen stehen folgende Maßnahmen im Vordergrund:

  • Absetzen des Antibiotikums: Das Auslösen des Medikaments sollte sofort gestoppt werden.
  • Symptomatische Behandlung: Medikamente zur Linderung von Schmerzen, Kribbeln oder Muskelkrämpfen.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Muskeln, Verbesserung der Koordination und Erhaltung der Beweglichkeit.
  • Ergotherapie: Anpassung des Alltags und Einsatz von Hilfsmitteln zur Erleichterung der Aktivitäten des täglichen Lebens.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei Paresen, die durch andere Erkrankungen wie Diabetes oder Entzündungen verursacht werden, ist die Behandlung der Grunderkrankung entscheidend.

Weitere Therapieansätze

  • Medikamentöse Behandlung: Bei Entzündungen der Nerven und Muskeln können virushemmende Medikamente oder Antibiotika eingesetzt werden. Kortison kann bei Entzündungen helfen. Bei Vitamin-B12-Mangel werden Präparate aus dem Vitamin-B-Komplex eingesetzt.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Ziel ist es, den betroffenen Patienten wieder fit für den Alltag zu machen, auch mit krankheitsbedingten Handicaps. Moderne Therapieansätze stellen das aktive, selbstständige Üben von Bewegungen und Aktivitäten in den Mittelpunkt. Aufgabenorientiertes Training und Spiegeltherapie können alltagspraktische Fähigkeiten fördern und Hirnareale zur Bewegungssteuerung anregen.
  • Operation/Strahlenbehandlung: Bei Paresen, die durch einen Tumor verursacht werden, kann eine Operation oder Strahlenbehandlung erforderlich sein.

Prävention von Antibiotika-induzierten Paresen

Um das Risiko für Antibiotika-induzierte Paresen zu minimieren, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Sorgfältige Auswahl und Dosierung von Antibiotika: Insbesondere bei älteren Patienten, Patienten mit Niereninsuffizienz oder Vorerkrankungen des Nervensystems.
  • Regelmäßiges Monitoring: Bei Patienten, die ein Antibiotikum mit hohem Neurotoxizitätsrisiko erhalten, sollte ein engmaschiges Monitoring erfolgen, einschließlich EEG, Spiegelmessungen von Antikonvulsiva, ophthalmologischen Untersuchungen und klinischer sowie elektrophysiologischer Überwachung von Neuropathiezeichen.
  • Vermeidung von potenziell neurotoxischen Medikamenten: Bei Patienten mit Polyneuropathien oder einem erhöhten Risiko für Polyneuropathien sollten potenziell neurotoxische Medikamente vermieden werden, sofern möglich.
  • Frühzeitige Reaktion auf Symptome: Bei Auftreten von neurologischen Symptomen unter Antibiotikatherapie sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um frühzeitig reagieren und unnötige Leiden vermeiden zu können.

Lesen Sie auch: Behandlungserfolg bei Spinalkanalstenose

tags: #parese #durch #antibiotika