Die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzformen stellen eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Die Früherkennung und Dokumentation sind entscheidend, um Betroffenen und ihren Familien die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Früherkennung, Diagnose und Behandlung von Demenz, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu vermitteln.
Frühe Anzeichen und Symptome von Demenz
Verschiedene Anzeichen im Verhalten einer Person können auf eine Demenz hindeuten. Eine mögliche Auffälligkeit ist es, wenn eine Person mehrmals am Tag die gleiche Geschichte erzählt, ohne das selbst wahrzunehmen. Außerdem fehlen betroffenen Personen gelegentlich die richtigen Worte während des Gesprächs (auch Wortfindungsstörung genannt).
Die meisten Demenzerkrankungen beginnen schleichend, viele von ihnen bleiben lange sogar unbemerkt. Es ist wichtig, auf subtile Veränderungen im Gedächtnis und im Verhalten zu achten, um eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen.
Häufige frühe Symptome:
- Schleichender Verlust der Gedächtnisleistung, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses
- Verlegen von Dingen
- Wortfindungsstörungen
- Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben
- Veränderungen der Stimmung und des Verhaltens
- Mehrmals am Tag die gleiche Geschichte erzählen, ohne es zu merken
Die Bedeutung der Früherkennung
Die Früherkennung von Alzheimer und Demenz ist von entscheidender Bedeutung, da die Behandlung dann viel mehr Aussicht auf Erfolg verspricht. Eine frühe Diagnose kann das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung bremsen. Bestimmte Therapien sind nur im Frühstadium der Erkrankung erfolgsversprechend.
Vorteile der Früherkennung:
- Eine effektive Demenztherapie wird möglich und verzögert den weiteren Verlauf der Krankheit um lange Zeit.
- Die Diagnose Demenz bietet eine Erklärung für bislang unerklärliches Verhalten und andere Auffälligkeiten.
- Die Möglichkeit, frühzeitig Behandlungs- und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.
- Betroffene können eigenständige informierte Entscheidungen in Bezug auf die eigene Lebensplanung treffen (z.B. Advance Care Planning).
Diagnoseverfahren zur Früherkennung
Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist die erste Anlaufstelle meist die hausärztliche Praxis. Zunächst findet ein Anamnese-Gespräch statt: Die Ärztin oder der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren. Im Anschluss an das Gespräch folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.
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Besteht ein Verdacht auf Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, einer sogenannten kognitiven Störung, stehen Kurztests zur Verfügung. So kann eine gute Ersteinschätzung vorgenommen werden, ob tatsächlich Hinweise auf eine Alzheimer-Demenz vorliegen. Außerdem können mögliche andere Ursachen wie Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel ausgeschlossen werden.
Psychometrische Tests
Ein gutes Mittel zur Früherkennung sind regelmäßige psychometrische Tests. Diese messen, wie gut das Denkvermögen einer Person ist. Es gibt verschiedene psychometrische Tests, mit denen Sie selbst zuhause das Denkvermögen einer Person einordnen können. Die Ergebnisse können ein Hinweis auf eine Demenz oder Alzheimer sein. Besonders bekannt und ziemlich zuverlässig sind „DemTect“, der „Mini-Mental-Status-Test (MMST)“, der „MoCa-Test“ und der „Uhrentest“. All diese Tests können aber nur Hinweise auf eine mögliche Demenz geben.
Bekannte Demenz-Tests:
- Der Demenz-Detektions-Test (DemTect): Ein einfaches Verfahren, das nicht sehr lange dauert und kaum Vorwissen braucht.
- Der Mini-Mental-Status-Test (MMST): Etwas voraussetzungsreicher und aufwändiger, aber dafür auch aussagekräftiger.
- Der Montreal-Cognitive-Assessment-Test (MoCa-Test): Sollte von geschultem Personal durchgeführt werden.
- Der Uhrentest: Ein sehr bekannter Demenz-Test, der sich in wenigen Minuten nur mit einem Blatt Papier und einem Stift durchführen lässt.
- Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD): Hier geht es vor allem darum, eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen.
- Der Syndrom-Kurztest (SKT): Erfasst vor allem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.
Weitere Diagnoseverfahren
Welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der vermuteten Demenzform ab. Bei der Alzheimer-Diagnostik steht der Nachweis bestimmter Biomarker im Vordergrund - etwa im Nervenwasser (Liquor) oder Blut. Bei anderen Demenzformen kommen teilweise andere Verfahren zum Einsatz.
Beispiele für spezifische Diagnoseverfahren:
- Alzheimer-Krankheit: Der Nachweis bestimmter Proteine (Amyloid-beta, Tau) im Nervenwasser oder Blut kann die Diagnose absichern.
- Frontotemporale Demenz: Bildgebende Verfahren (MRT) sind besonders wichtig, um den für diese Form typischen Abbau im Stirn- oder Schläfenlappen zu erkennen.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Hier helfen zusätzliche Untersuchungen, etwa zur Beweglichkeit oder zum Schlafverhalten. Auch spezielle bildgebende Verfahren wie DAT-SPECT oder MIBG-Szintigrafie können zum Einsatz kommen.
- Vaskuläre Demenz: Die Diagnose basiert auf MRT-Aufnahmen, die Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle zeigen.
Die Rolle des Hausarztes und Spezialisten
Demenz ist eine Nervenkrankheit, also ist prinzipiell ein Nervenarzt (Neurologe) zuständig. Für eine vorläufige Diagnose ist dennoch der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Es gibt aber auch Psychiater, die sich auf Demenz spezialisiert haben. Sie können ebenfalls zuverlässige Diagnosen stellen. Psychologen hingegen können keine ärztliche Diagnose stellen, da sie keine Mediziner sind.
Patienten mit subjektiven und zunehmenden Gedächtnisstörungen haben derzeit Schwierigkeiten, eine zeitnahe diagnostische Aufarbeitung zu bekommen. Wichtig sei es daher, in den Ambulanzen der Krankenhäuser die notwendigen Strukturen zu schaffen und die notwendigen Ressourcen für die frühe Diagnostik bereitzustellen, so Duning.
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Innovative Technologien für die Früherkennung
Die Alzheimer-Früherkennung ist essenziell, damit gezielte Maßnahmen ergriffen werden können, um Gehirnschäden und Kognitionsverlust entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit zur Früherkennung sind neue digitale Tools, wie z. B. die App neotivCare. Sie kann Neurolog:innen, Psychiater:innen und Hausärzt:innen dabei unterstützen, bei Menschen mit leichten kognitiven Störungen bzw.
Die neotivCare-App
Die App neotivCare ist darauf ausgelegt, frühzeitig ein aussagekräftiges Bild der Gedächtnisleistung zu erstellen und somit eine rechtzeitige Intervention zu ermöglichen. Die neotivCare-App basiert auf der Entwicklung neuartiger kognitiver Gedächtnistests.
Die App enthält eine Reihe sensibler kognitiver Tests, die spezifische Gehirnregionen ausleuchten und auf subtile kognitive Veränderungen hinweisen. Diese Tests sind darauf ausgelegt, frühe Anzeichen von Alzheimer zu erkennen, die in herkömmlichen Tests möglicherweise nicht erfasst werden. Patienten und Patientinnen können die Tests in ihrer eigenen Zeit und Umgebung durchführen, was den Aufwand für Arztbesuche und aufwändige Tests reduziert. Die Ergebnisse werden dem behandelnden Arzt oder der Ärztin zur Verfügung gestellt, der basierend auf diesen entscheiden kann, ob weitere Untersuchungen notwendig sind.
Therapiemöglichkeiten und Medikamente
Im frühen Stadium zeigen Musik- oder Bewegungstherapien wirkungsvolle Effekte, indem sie den Verlauf bremsen. Daneben ist es wichtig, Risikofaktoren für klassische kardiovaskuläre Erkrankungen zu minimieren, wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen oder einen schlecht eingestellten Blutzucker bei Diabetes.
Seit circa 15 Jahren gibt es Medikamente, die symptomatisch wirken. Sie erhöhen die Acetylcholin-Konzentration, die bei Alzheimer in der Regel zu gering ist.
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Neue Medikamente zur ursächlichen Behandlung
Anfang September ist das erste Medikament zur Behandlung von Alzheimer auch für Patienten in Deutschland verfügbar. Zwei vielversprechende Medikamente, die kürzlich die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf sich gezogen haben, sind Lecanemab und Donanemab.
Lecanemab erhielt 2023 in den USA die volle Zulassung. Die intravenöse Infusionstherapie soll die Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn entfernen und zeigte in klinischen Studien eine Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Für Europa sprach sich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Sommer allerdings gegen die Zulassung von Lecanemab aus.
Ein großes Potenzial zeigt auch der Wirkstoff Donanemab, der ebenfalls Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn entfernt und im Juli 2024 in den USA zugelassen wurde. Bei 75 Prozent der Studienteilnehmer:innen, die das Medikament in einem frühen Stadium der Krankheit erhielten, waren die Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nach 76 Wochen Therapie fast vollständig abbaut.
Sowohl Lecanemab als auch Donanemab sind jedoch Wirkstoffe, die ausschließlich an Menschen mit Alzheimer im frühen Stadium gerichtet sind, wenn Symptome die Alltagstätigkeiten der Betroffenen noch wenig beeinträchtigen.
Leben mit Demenz: Unterstützung und Perspektiven
Drei Prozent der Menschen mit Demenz sind jünger als 65. Für sie und ihr Umfeld ist die Krankheit besonders schlimm, denn sie werden mitten aus einem aktiven Leben gerissen, haben manchmal noch junge Kinder.
Ehefrau Ute und die Freunde versuchen, Bernhard ein normales Leben zu ermöglichen: Er fährt jeden Tag zur Arbeit, trifft sich mit seinen Freunden zum Volleyball, macht am Wochenende Ausflüge und bekocht alle mit seiner Paella. Ein außergewöhnliches Leben für einen Menschen mit Demenz. Mit Gelassenheit und Liebe meistert Ute die Betreuerrolle, doch es schmerzt, nach und nach den Partner zu verlieren. Und es kostet sie viel Kraft, die Familie in dieser außergewöhnlichen Situation zusammenzuhalten und allein für die Söhne zu sorgen. Immer wieder steht sie vor dem Dilemma, Bernhard möglichst viel Freiheit gewähren zu wollen, aber dabei die Bedürfnisse der Söhne nicht aus dem Blick zu verlieren.
Eine drohende Demenz-Erkrankung belastet Betroffene, Angehörige und Freunde schon im Vorfeld. Unterstützung von außen und Aufklärung sind die wichtigsten Mittel, um sich dem Thema Demenz konstruktiv zu nähern. Es gibt viele regionale Anlaufstellen für das Thema Demenz, die Sie mit Ihren Fragen und Sorgen kontaktieren können.
Initiative „Demenz braucht Dich“
Im September 2016 startete das Bundesministerium für Gesundheit die Initiative „Demenz braucht Dich“. Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Demenz-Erkrankungen weiter zunehmen werden und da Demenz nicht heilbar ist, sollte jeder Mensch wissen, wie er Betroffenen begegnen kann. Menschen mit Demenz mögen krank sein, aber sie sind auch Teil der Gesellschaft, in der wir alle leben.
Forschung und zukünftige Entwicklungen
Weltweit arbeiten Demenzforscherinnen und -forscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen.
Amyloid-PET-Studie ENABLE
Laut aktueller Prognosen wird die Zahl von Demenzerkrankungen in Deutschland bis 2050 auf 2,4 Millionen steigen. Eine exakte und schonende Erkennung der Ursache ist bereits im frühen Stadium mithilfe von Amyloid-PET (Positronen-Emissions-Tomographie) möglich und wird von der S3-Leitlinie „Demenz“ mit höchster Evidenz empfohlen, wenn eine eindeutige Diagnose nicht gestellt werden kann.
Im Mai soll die ENABLE-Studie starten, die an 1.126 Patienten den Zusatznutzen der Amyloid-PET im Vergleich zur S3-Leitliniendiagnostik ohne Amyloid-PET zeigen soll.
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