Migräne mit Aura und Taubheitsgefühl: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne mit Aura ist eine besondere Form der Migräne, die von neurologischen Symptomen begleitet wird, die vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten. Diese Symptome, die als Aura bezeichnet werden, können vielfältig sein und das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Ein häufiges Symptom ist die sensorische Aura, die sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in verschiedenen Körperregionen äußert, meist in Händen, Armen oder im Gesicht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von Migräne mit Aura und Taubheitsgefühlen.

Was ist Migräne mit Aura?

Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von vorübergehenden neurologischen Symptomen, der sogenannten Aura, begleitet werden. Diese Aura tritt typischerweise vor dem Kopfschmerz auf, kann aber auch gleichzeitig oder danach auftreten. Etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura.

Die verschiedenen Phasen einer Migräne

Eine Migräne verläuft typischerweise in mehreren Phasen, die nicht alle Patienten bei jeder Attacke durchlaufen müssen:

  1. Prodromalphase: Bei etwa 30 % der Migränepatienten kündigt sich die Migräne durch Vorboten wie Heißhunger, Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen an. Diese Phase dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
  2. Auraphase: 10 bis 15 % der Betroffenen erleben vor den Kopfschmerzen eine Aura, die zwischen 5 Minuten und 72 Stunden andauern kann. Während dieser Zeit treten visuelle, neurologische oder motorische Störungen auf, die nach der Auraphase wieder verschwinden.
  3. Kopfschmerzphase: In dieser Phase treten die typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen auf, die mittelstark bis stark pochen und pulsieren. Übelkeit, Erbrechen und Überempfindlichkeit können hinzukommen.
  4. Auflösungsphase: Die Symptome lassen nach.
  5. Erholungsphase: Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig zu erholen.

Die Migräne-Dauer liegt bei bis zu einer Woche, wenn alle Phasen durchlaufen werden. Die eigentliche Attacke dauert meist zwischen vier und 72 Stunden.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Sie lassen sich in visuelle, sensible und sprachliche Störungen unterteilen.

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Visuelle Störungen

Visuelle Störungen treten bei fast allen Migränepatienten mit Aura (99 %) auf. Sie können sich äußern als:

  • Flimmernde Lichter
  • Blindflecken (Skotom)
  • Zickzacklinien
  • Blitzlichter
  • Sternschnuppen
  • Verlust der Sehkraft innerhalb eines Gesichtsfeldes

Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind, und bilden sich in der Regel innerhalb von einer Stunde zurück.

Sensorische Störungen

Sensorische Störungen treten bei 30 bis 54 % der Betroffenen auf. Sie äußern sich durch:

  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen, Armen oder Wangen

Sprachliche Störungen

Sprachstörungen sind seltener (9 bis 31 %) und können sich äußern als:

  • Schwierigkeiten bei der Aussprache
  • Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden

Atypische Auren

Neben den typischen Auren gibt es auch atypische Formen:

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  • Migräne mit Hirnstammaura: Betroffene leiden an Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
  • Hemiplegische Migräne: Die Aura geht mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einher.
  • Retinale Migräne: Es treten vorübergehende visuelle Phänomene wie Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle oder Erblindung auf.

Das Alice-im-Wunderland-Syndrom

In seltenen Fällen kann es im Rahmen einer Migräne mit Aura zum Alice-im-Wunderland-Syndrom kommen. Dabei nehmen die Betroffenen ihren eigenen Körper oder die Umgebung verzerrt wahr.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren

Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.

Neurologische und biochemische Mechanismen

Es wird vermutet, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migränepatienten mit Aura eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein.

Triggerfaktoren

Bestimmte Triggerfaktoren können Migräneattacken mit Aura auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruationszyklus)
  • Schlafmangel
  • Bestimmte Lebensmittel und Getränke (z.B. Käse, Schokolade, Rotwein, koffeinhaltige Getränke)
  • Starke Gerüche
  • Grelles Licht
  • Starke körperliche Anstrengung
  • Wetterumschwünge

Diagnose der Migräne mit Aura

Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte von einem Arzt gestellt werden. Dieser wird eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, da beispielsweise Sehstörungen auch ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein können. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Behandlung der Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit verschiedenen Maßnahmen gut behandelt werden.

Akutbehandlung

Zur Akutbehandlung von Migräneattacken mit Aura stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen.
  • Triptane: Diese Medikamente wirken spezifischer gegen Migräne, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Entzündung hemmen. Sie sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich (Tabletten, Zäpfchen, Schmelztabletten, Nasenspray).
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.

Es ist wichtig, Medikamente nicht länger als drei Tage einzunehmen, um eine Chronifizierung der Migräne zu vermeiden.

Vorbeugende Maßnahmen

Neben der Akutbehandlung können auch vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren:

  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten sowie ausreichend Bewegung können sich positiv auswirken.
  • Vermeidung von Triggern: Das Führen eines Migränetagebuchs kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
  • Akupunktur: Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente wie Betablocker, Antiepileptika oder Antidepressiva vorbeugend eingesetzt werden. Auch eine Kombination von Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 wird als Migräneprophylaxe empfohlen.
  • Technische Geräte: Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, können Migräneanfälle lindern oder verhindern.

Hausmittel

Hausmittel können in erster Linie Begleitsymptome eines leichteren Migräneanfalls lindern:

  • Tee: Ingwer- oder Kamillentee wirkt gegen Übelkeit. Tee mit Gewürznelken oder Weidenrinde kann zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Äußerliche Anwendungen: Coolpacks oder Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken können helfen.

Spezielle Situationen

  • Menstruelle Migräne: Bei Migräneattacken während der Regelblutung können langwirksame Schmerzmittel wie Naproxen helfen.
  • Migräne am Wochenende: Stressabbau durch Entspannungsmethoden kann vorbeugend wirken.
  • Vestibuläre Migräne: Bei Schwindelattacken können spezielle Medikamente helfen.
  • Migräne in der Schwangerschaft: Schwangere sollten Migräneauslöser meiden. Nach ärztlicher Absprache können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Triptane sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen, allerdings ist Sumatriptan hier im Off-Lable-Use unter ärztlicher Aufsicht sehr gut erprobt.

Leben mit Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Es ist wichtig, die Erkrankung anzunehmen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen.

Tipps für den Alltag

  • Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich bei einer Attacke in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück.
  • Kühlende Umschläge: Legen Sie kühle Umschläge auf Stirn und Nacken.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie Hunger, indem Sie regelmäßig essen.
  • Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Erkrankung.

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