Die Parkinson-Krankheit kann erhebliche Einschränkungen im Alltag mit sich bringen. Die Ausprägung der Symptome und die spezifische Form der Parkinson-Erkrankung bestimmen dabei, wie stark diese Einschränkungen sind. Eine individuelle Behandlung ist daher unerlässlich, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Verschiedene Hilfsmittel können dazu beitragen, den Alltag für Parkinson-Patienten zu erleichtern, darunter auch der Bettgalgen.
Parkinson verstehen
Parkinson betrifft viele Menschen in Deutschland und beeinträchtigt unwillkürliche Bewegungsabläufe. Typische Merkmale sind eine nach vorn gebeugte Haltung, leicht angewinkelte Fingergelenke und ein kleinschrittiger, schlurfender Gang. Auch Mimik und Gestik können vermindert sein, und die Feinmotorik kann durch eine Schreibstörung beeinträchtigt werden. Bei manchen Patienten liegt eine Hypophonie vor, eine Störung der Stimmbildung.
Ein weiteres Symptom ist der Tremor, der sich in Ruhe zeigt und durch das sogenannte "Pillendrehen" oder "Münzenzählen" erkennbar ist. Der Aktionstremor, der bei Bewegung auftritt, beeinträchtigt die Betroffenen oft stärker im Alltag. Weitere Symptome sind Rigor (Muskelsteifheit) und Akinese (Bewegungsarmut). Beim Rigor ist der Widerstand bei passiven Bewegungen immer gleich, beispielsweise beim Beugen des Arms. Viele Parkinson-Patienten leiden auch unter einer erhöhten Talgsekretion (Seborrhoe oleosa).
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Intellekt der Betroffenen häufig erhalten bleibt. Nahestehende sollten sich bewusst sein, dass Parkinsonpatienten Gemütsregungen anders zeigen.
Lebensqualität trotz Parkinson
Lebensqualität ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Nicht die Diagnose „Parkinson“ allein ist entscheidend, sondern vor allem der Umgang mit der Erkrankung. Betroffene sollten versuchen, weiterhin so zu leben, wie es für sie sinnvoll und angenehm ist und wie es der Verlauf der Erkrankung zulässt.
Lesen Sie auch: Epilepsie bei Kindern: Alltagshilfen
Um das Leben mit Parkinson wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen Betroffene vielfach umdenken und manche Dinge und Ziele anders als bisher angehen. Es gilt zu lernen und zu üben, um trotz einer teilweise eingeschränkten Beweglichkeit möglichst viele Verrichtungen des täglichen Lebens selbst zu tun und so die Lebensqualität zu erhalten. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass man sich bewusst auf einen Stuhl zugeht und sich erst umdreht, wenn die Kniekehlen die Sitzkante berühren. Beim Aufstehen sollte man zuerst den Oberkörper beugen und den Schwung nutzen.
Hilfsmittel für verschiedene Lebensbereiche
Die beschriebenen Hilfsmittel bei Parkinson können die alltäglichen Aktivitäten zusätzlich unterstützen.
Mobilität
- Anti-Freezing-Stock: Hilft, plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.
- Rollator: Unterstützt die Mobilität, insbesondere bei Startschwierigkeiten.
- Treppenhausmarkierungen: Farbige Markierungen an den Vorderkanten der Stufen verbessern die Orientierung.
Körperpflege
- Verstellbare Badmöbel: Höhenverstellbare Waschbecken und Spiegel erleichtern das Waschen, Zähneputzen und Rasieren im Sitzen.
- Wasserfeste Sitzmöbel/Duschhocker: Ermöglichen das Duschen oder Baden im Sitzen.
- Langer Schuhlöffel: Erleichtert das Anziehen von Slippern.
- Elektrozahnbürste: Unterstützt die Zahnpflege durch automatische Putzbewegungen.
Ernährung
- Besteck mit Griffverdickung: Erleichtert das Halten und Führen von Besteck.
- Becher mit Henkeln: Erleichtern das Trinken.
- Anpassung der Konsistenz der Nahrung: Mundgerecht zugeschnittene Happen oder eingeweichtes Gebäck erleichtern die Nahrungsaufnahme bei Schluckbeschwerden.
Schlaf und Ruhe
- Bettgalgen: Ermöglicht das Aufrichten und Umsetzen im Bett.
- Geeignete Matratze: Eine nicht zu weiche Matratze erleichtert die Beweglichkeit im Bett.
- Aufrichtevorrichtung über dem Bett: Erleichtert das Aufsetzen.
Kleidung
- Kleidung mit Klettverschlüssen: Ersetzt Knöpfe und Reißverschlüsse.
- Schuhe mit Klettverschlüssen oder Gummizug: Erleichtern das An- und Ausziehen.
Der Bettgalgen im Detail
Der Bettgalgen, auch Bettaufrichter oder Aufrichthilfe genannt, ist ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Er unterstützt beim Positionswechsel und Aufrichten im Bett und fördert so die Selbstständigkeit.
Arten von Bettgalgen
- Bettgalgen für Pflegebetten: Werden einfach in eine vorhandene Halterung am Pflegebett eingesteckt.
- Bettgalgen zur Wand- oder Deckenmontage: Werden fest an der Wand oder Decke montiert.
- Freistehende Bettgalgen: Bestehen aus einem robusten Gestell, das unter das Bett geschoben wird.
Auswahlkriterien
- Tragkraft: Achten Sie auf eine ausreichende Tragkraft, die dem Gewicht des Nutzers entspricht.
- Stabilität: Der Bettgalgen sollte stabil und sicher stehen.
- Höhenverstellbarkeit: Der Griff sollte höhenverstellbar sein, um ihn an die individuellen Bedürfnisse anzupassen.
- Griffbeschaffenheit: Der Griff sollte gut in der Hand liegen und rutschfest sein.
Montage und Anwendung
Die Montage ist in der Regel einfach und erfordert kein zusätzliches Werkzeug. Der Bettgalgen wird entweder eingesteckt, an der Wand oder Decke befestigt oder unter das Bett geschoben. Bei der Anwendung ist es wichtig, dass der Nutzer noch über ausreichend Armkraft verfügt, um sich am Griff hochziehen zu können.
Alternativen zum Bettgalgen
- Bettleiter: Wird am Fußende des Bettes montiert und ermöglicht das langsame Hochziehen Sprosse für Sprosse.
- Bettgriff: Wird seitlich am Bett angebracht und dient als Stütze beim Aufstehen.
- Elektrischer Lattenrost: Kann als Aufstehhilfe genutzt werden, indem er den Körper in eine angenehme Position bringt.
Weitere Maßnahmen zur Unterstützung
Neben den genannten Hilfsmitteln gibt es weitere Maßnahmen, die den Alltag von Parkinson-Patienten erleichtern können:
Lesen Sie auch: Parkinson-Symptome lindern
- Physiotherapie: Ein individuelles Programm aus Gymnastikübungen kann die Beweglichkeit verbessern.
- Ergotherapie: Hilft, den Alltag trotz Einschränkungen selbstständig zu bewältigen.
- Logopädie: Unterstützt bei Sprach- und Schluckbeschwerden.
- Entspannungstechniken: Helfen, Unruhe entgegenzuwirken.
- Anpassung der Wohnumgebung: Barrierefreie Gestaltung des Wohnraums ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben zu Hause.
- Regelmäßige Atemübungen und Singen: Können die Atmung verbessern.
- Kneippmedizin: Kann den Kreislauf stabilisieren.
Umgang mit Begleiterscheinungen
Parkinson-Patienten leiden häufig unter Begleiterscheinungen wie:
- Starke Schweißausbrüche: Achten Sie auf eine gründliche Intimhygiene und verwenden Sie saugfähige Unterlagen.
- Mundtrockenheit: Führen Sie eine sorgfältige Zahn- und Mundpflege durch und verwenden Sie Speichelersatzmittel.
- Schluckbeschwerden: Passen Sie die Konsistenz der Nahrung an und achten Sie auf eine aufrechte Sitzposition beim Essen.
- Verstopfung: Verwenden Sie natürliche Abführmittel nach Absprache mit dem Arzt.
- Hautprobleme: Versorgen Sie Rhagaden an den Mundwinkeln mit fetthaltigen Salben und achten Sie auf kleine Hautdefekte bei der Pflege.
- Sehstörungen: Verabreichen Sie Tränenersatzpräparate nach ärztlicher Anordnung.
Finanzierung von Hilfsmitteln
Der Bettgalgen ist im Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelistet. Mit einem Rezept vom Arzt kann das gewählte Modell in der Regel komplett finanziert werden. Auch bei der privaten Krankenversicherung können die Kosten erstattet werden, abhängig von den vertraglichen Bedingungen. Eine Aufstehhilfe kann auch als Pflegehilfsmittel beantragt werden, wofür kein ärztliches Rezept, aber ein Pflegegrad erforderlich ist.
Lesen Sie auch: Unterstützung für Parkinson-Patienten
tags: #bettgalgen #hilfsmittelnummer #bei #parkinson #verschreibungstabelle