Bettlägerigkeit ist ein Zustand, in dem eine Person aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, das Bett zu verlassen oder sich eigenständig zu bewegen. Dieser Zustand kann vorübergehend oder dauerhaft sein und ist oft mit erheblichen körperlichen und psychischen Einschränkungen verbunden. Jeder Mensch und insbesondere jeder Pflegebedürftige kann bettlägerig werden. Oft ist eine Bettlägerigkeit das Ergebnis eines langen und schleichenden Prozesses, der zu Beginn nicht als solcher wahrgenommen wird. Zu wenig Bewegung, Angst vor Unfällen oder Stürzen und psychische Faktoren können eine solche Situation begünstigen. In der Pflege stellt dies eine große psychische und auch körperliche Belastung dar - sowohl für Pflegende als auch für Gepflegte. Können sich Pflegebedürftige kaum noch bewegen, zieht dies auch das Selbswertgefühl in Mitleidenschaft. Bei bettlägerigen Menschen schreitet der körperliche Abbau schnell voran, was auch die Lebenserwartung sinken lässt. Nicht zuletzt ist auch die Lebensqualität betroffen, da Betroffene stark abhängig von Pflegepersonen sind. Pflegende Angehörige und Pflegekräfte trifft eine enorme Verantwortung. In vielen Fällen kann durch eine frühe Mobilisierung nach einer Erkrankung oder andere Maßnahmen einer dauerhaften Unterbringung im Bett vorgebeugt werden.
Ursachen von Bettlägerigkeit
Bettlägerigkeit kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, die oft miteinander zusammenhängen. Die Gründe für Bettlägerigkeit sind vielseitig. Plötzliche Unfälle oder Krankheiten, aber auch Altersschwäche und chronische, kräftezehrende Beschwerden können einen Menschen in seiner Bewegung und Mobilität so sehr einschränken, dass dieser langfristig auf sein Bett angewiesen ist. Im Bereich der Pflege, vor allem in der Altenpflege, ist Bettlägerigkeit unter den Patientinnen und Patienten bzw. den Bewohnerinnen und Bewohnern ein gängiges Problem. Aufgrund sogenannter Multimorbidität sind ältere Menschen verstärkt betroffen. Multimorbidität, auch Polymorbidität genannt, kommt aus dem Latein und kann mit Mehrfacherkrankung übersetzt werden. Ist ein Mensch multimorbide hat die Person also mit zwei oder mehreren Krankheiten gleichzeitig zu kämpfen. Ein typisches Beispiel aus höheren Altersgruppen wäre das parallele Vorliegen chronischen Bluthochdrucks, von Diabetes Typ 2 und einer gefäßbedingten Demenz. Ein weiteres Beispiel, ungeachtet der Altersgruppe, wäre eine Person mit gebrochenem Bein, chronischem Asthma und einer akuten Lungenentzündung. Bettlägerigkeit kann aufgrund verschiedener Ursachen auftreten, wie chronische Krankheiten, Verletzungen, Behinderungen oder Altersschwäche. Häufige Ursachen sind Unfälle oder schwächende und demobilisierende Erkrankungen. Aber auch psychische Faktoren können eine dauerhafte Unterbringung im Bett begünstigen und auslösen. Unfälle wie Stürze führen im fortgeschrittenen Alter oft zu Knochenbrüchen oder ähnlich schweren Verletzungen. Damit verbunden sind dann langwierige Krankenhausaufenthalte und Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit, was zu Muskelabbau und damit Immobilität führt. Ein Sturz kann bei Senioren also einen Teufelskreis bis hin zur Bewegungsunfähigkeit auslösen. Deshalb ist eine durchdachte Sturzprävention für ältere Menschen, die auch Wohnraumanpassungen, Geh- und Sehhilfen beinhaltet, besonders wichtig. Die Bewegungsfreiheit kann aber auch durch Krankheiten eingeschränkt werden. Zum Dauerliegen Bettlägerigkeit führen insbesondere Erkrankungen, die körperlich schwächen und ans Pflegebett fesseln, wie beispielsweise Morbus Parkinson, Multiple Sklerose oder andere Krankheiten des Nervensystems Koma, Locked-in-Syndrom Infektionskrankheiten Herzinsuffizienz und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen COPD, Lungenfibrose und andere Lungenkrankheiten Schwindel, Demenz, amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Pick-Krankheit oder andere neurologische Erkrankungen Osteoporose, Oberschenkelhalsbruch und andere den Körper beeinträchtigende Erkrankungen. Der Umgang mit Krankheiten ist für die Genesung entscheidend. Der Heilungsprozess wird positiv beeinflusst, wenn Betroffene gegen die steigende Immobilität ankämpfen statt sie einfach in Kauf zu nehmen. Soziale Isolation, traumatische Erlebnisse, Trauer oder andere psychische Belastungen können einen Rückzug ins Bett und Depressionen auslösen sowie als Ursache in die Bettlägerigkeit führen. Zu den größten Risiken für eine Bettlägerigkeit zählt hingegen zu wenig Muskelbewegung, was zum Abbau von Muskeln führt. Die verringerte Mobilität kann durch zunehmenden Kraftverlust zur Bettlägerigkeit führen. Oft entwickelt sich diese über Jahre hinweg und manchmal wird aus einer wegen eines Unfalls oder einer Krankheit verordneten Bettruhe eine Bettlägerigkeit. Deshalb ist es auch bei körperlichen Erkrankungen oder nach operativen Eingriffen entscheidend wichtig, an Physiotherapien teilzunehmen und regelmäßig an der Mobilität zu arbeiten.
Bettlägerigkeit bei Demenz
Bettlägerigkeit bei Demenz ist besonders verbreitet, da sie oft Schwierigkeiten haben, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren. Schätzungen zufolge ist die Alzheimer-Demenz mit einem Anteil von circa 60 bis 65 Prozent die häufigste irreversible Demenzform. Mit etwa 20 bis 30 Prozent folgen die gefäßbedingten („vaskulären“) Demenzen. Bei etwa 15 Prozent liegt eine Kombination beider Demenzformen vor. Die Alzheimer-Demenz ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns, in deren Verlauf Nervenzellen des Gehirns unumkehrbar zerstört werden. Diese Demenzform verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Es lassen sich jedoch grundsätzlich drei Stadien feststellen, die fließend ineinander übergehen. Charakteristisch ist ihr schleichender, nahezu unmerklicher Beginn. Anfangs treten leichte Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen auf, die Lern- und Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Hinzu kommen erste Sprachschwierigkeiten. Die Menschen mit Demenz benutzen einfachere Wörter und kürzere Sätze oder stocken mitten im Satz und können ihren Gedanken nicht mehr zu Ende bringen. Örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen machen sich bemerkbar. In diesem Stadium nehmen die Menschen mit Demenz bewusst die Veränderungen wahr, die in ihnen vorgehen. Im weiteren Krankheitsverlauf werden die Symptome unübersehbar, spätestens jetzt müssen Beruf und Autofahren aufgegeben werden. Bei alltäglichen Tätigkeiten wie Körperpflege, Toilettengang oder Essen und Trinken sind die Betroffenen zunehmend auf die Unterstützung anderer Personen angewiesen. Im Spätstadium sind Menschen mit Demenz vollkommen auf Pflege und Betreuung durch andere Personen angewiesen. Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt, eine Verständigung mit Worten ist unmöglich. Vermehrt treten körperliche Symptome wie Gehschwäche und Schluckstörungen auf. Die Kontrolle über Blase und Darm nimmt ab. Vereinzelt kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen. Bettlägerigkeit erhöht die Gefahr von Infektionen. Die Ursachen der Alzheimer-Demenz sind bislang noch nicht ausreichend erforscht. Bekannt ist aber eine Reihe von Veränderungen im Gehirn, die bei Menschen mit Alzheimer-Demenz auftreten. So kommt es bei der Demenz zu einem Absterben von Nervenzellen und der Zerstörung ihrer Verbindung untereinander. Darüber hinaus werden Eiweißablagerungen im Gehirn (Plaques beziehungsweise Fibrillen) sowie die Verminderung eines für das Gedächtnis wichtigen Botenstoffs (Acetylcholin) beobachtet. Diese Veränderungen geben aber noch keine Auskunft darüber, warum die Demenz entsteht. Genetische Faktoren als alleinige Ursache liegen nur in weniger als zwei Prozent der Fälle vor. Insgesamt betrachtet spielen sie daher bei der Entstehung von Alzheimer eine untergeordnete Rolle. Je älter die Menschen werden, umso größer ist bei ihnen das Risiko für das Auftreten von Demenzerkrankungen. Auch wenn die Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht hinreichend bekannt sind, lässt sich aus entsprechenden Studien ableiten, dass neben nicht veränderbaren Faktoren (wie Alter, Geschlecht und Genetik) und Vorerkrankungen auch Verhaltensweisen und Lebensumstände das Risiko beeinflussen, daran zu erkranken. Das Risiko sinkt beispielsweise durch körperliche Aktivität und ausgewogene Ernährung, geistige Aktivität und soziale Teilhabe. Neuere Untersuchungen weisen zudem auf ein erhöhtes Risiko durch folgende Faktoren hin: Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Diabetes, schwere Kopfverletzungen, Infektionen, Depression, chronischer Stress sowie das Vorliegen einer Hör- oder Sehminderung, erhöhte Cholesterinwerte. Bei gefäßbedingten Demenzen kommt es infolge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zum Absterben von Nervengewebe. Eine besondere Form vaskulärer Demenz ist die „Multiinfarktdemenz“. Hierbei führen wiederholte kleine örtliche Durchblutungsstörungen zum Absterben von Hirnzellen. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Demenz, oftmals kommen jedoch körperliche Beschwerden wie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen oder sonstige neurologische Auffälligkeiten hinzu.
Folgen von Bettlägerigkeit
Bettlägerigkeit kann weitreichende Folgen für die Lebensqualität einer Person haben. Die Auswirkungen der Bettlägerigkeit können die Lebensqualität einer Person erheblich beeinträchtigen und sollten daher ernst genommen und angegangen werden. Da die Muskeln im Bett kaum beansprucht werden, kommt es zu einem fortschreitenden Muskelabbau. Die liegende Position führt zu einer flacheren Atmung mit dem Risiko, dass die Lunge nicht richtig durchlüftet wird und bei Komplikationen eine Lungenentzündung entstehen kann. Auch die Leistung des Herzens kann abnehmen, während der Bewegungsmangel die Gefahr für Thrombosen erhöht. Durch das lange Liegen kann es verstärkt zur Ausscheidung von Urin kommen, wodurch Elektrolyte in Verlust gehen. Auch der Stoffwechsel verlangsamt sich, was sich durch Gewichtsverlust oder -zunahme, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder harten Stuhl bemerkbar macht. Zusätzlich nimmt die Knochendichte ab, was zur Versteifung von Gelenken führen kann. Durch das kontinuierliche Liegen können sich Druckgeschwüre, wie Dekubitus auch genannt werden, bilden. Bettlägerige Patienten sind stets auf Hilfe angewiesen und verlieren in einem großen Umfang ihre Selbstständigkeit, was auch das Selbstvertrauen beeinflussen kann. Depressionen sind bei bettlägerigen Menschen nicht selten. Durch die Bettlägerigkeit leiden auch die sozialen Kontakte, die sich auf Besucher und Pflegepersonen beschränken. Dies kann sich negativ auf die psychische Gesundheit von Betroffenen auswirken.
Körperliche Folgen
Der Verlust der eigenen Mobilität kann sich auf vielen Ebenen auf die Gesundheit auswirken. Auch oder vor allem auf körperlicher Ebene werden die direkten Auswirkungen verminderter Bewegung deutlich. Nebst Druckgeschwür-Risiko besteht bei anhaltendem Bewegungsmangel die Möglichkeit, dass es zu Verstopfungen, verkümmerten Muskeln und Lungenbeschwerden kommt. Letzteres kommt u. a. deshalb zustande, weil die Lunge durch langes Liegen nicht ausreichend belüftet wird. Infolgedessen wird das Immunsystem geschwächt, womit Patienten u. a. verstärkt zu Lungenerkrankungen neigen. So z. B. zu Lungenentzündungen oder Lungenembolien. Eine Lungenembolie ist ein Verschluss einer oder mehrerer Lungenarterien, beispielsweise aufgrund eines Blutgerinnsels. Neben den genannten Risiken zählen auch mögliche Inkontinenz, sowie die Anpassung des eigenen Kreislaufs an eine aufrechte Körperhaltung zu den Herausforderungen, die im engen Zusammenhang mit schwindender Mobilität stehen. Nicht zuletzt ist die Thrombosegefahr erhöht, weil durch die fehlende Bewegung die Muskelstränge nicht regelmäßig massiert werden.
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Psychische Folgen
Die Bettlägerigkeit kann nicht nur körperliche, sondern auch schwerwiegende psychische Auswirkungen haben. Körperlich sowie mental und seelisch spiegeln sich plötzliche oder langfristige Einschränkungen der eigenen Bewegungsfreiheit oft merklich wider. Angefangen bei Gefühlen wie Unwohlsein, Beklommenheit und Antriebslosigkeit, über bedrückende Abhängigkeitsverhältnisse bis zu ausgewachsenen Depressionen, hinterlassen Ortsgebundenheit und Bettlägerigkeit ihre Spuren in der menschlichen Gefühlswelt. Dem liegt in der Regel die wahrgenommene verminderte Selbstwirksamkeit, die reduzierte Teilnahme am öffentlichen Leben und der Mangel an anregenden sozialen Interaktionen zugrunde. Depressionen, Angstzustände, Gefühle der Hilflosigkeit und Isolation sind häufige Begleiterscheinungen.
Phasen der Bettlägerigkeit
Eine Bettlägerigkeit entsteht extrem selten über Nacht, sondern verläuft in den meisten Fällen in verschiedenen Phasen. Die Bettlägerigkeit beginnt mit ihrem Verlauf viel früher; wird aber erst in der letzten Phase als solche bezeichnet:
- Instabilität: Oft beginnt es mit allgemeinen Gangunsicherheiten, bei denen zu Gehhilfen gegriffen werden muss. Aus Angst vor Stürzen oder Unfällen schränken sich Senioren selbst ein oder werden sogar dazu motiviert. Durch wenig Bewegungsfreiheit und Bewegung verstärken sich Gangunsicherheiten zusätzlich.
- Ereignis: Die zweite Phase ist durch einen Sturz, Klinikaufenthalt oder anderes Ereignis geprägt. Wegen fehlender Motivation und Ängsten bleiben Patienten „lieber“ im Bett liegen. Auch der Umzug in ein Pflegeheim führt zu einem verringerten Bewegungsradius. Durch den Aktivitätsmangel verringert sich automatisch auch die Beweglichkeit.
- Immobilität im Raum: In der dritten Phase bestehen bereits starke Einschränkungen, die Hilfe bei Bewegungen in Räumen erfordern. Alle Positionswechsel können nur mit Unterstützung durchgeführt werden. Die Selbstständigkeit von Betroffenen ist eingeschränkt. Um die Bettlägerigkeit hinauszuzögern müssen Betroffene aktiv motiviert und aktiviert werden.
- Örtliche Fixierung: Durch eine örtliche Fixierung sind betroffene Menschen komplett auf Hilfe von anderen angewiesen. Sie können Rollstuhl oder Bett nich eigenständig aufsuchen oder verlassen. In der vierten Phase beginnen Betroffene und Angehörige wahrzunehmen, dass eine unumkehrbare Bettlägerigkeit bevorsteht.
- Bettlägerigkeit bzw. vollständige Immobilität: Betroffene verbringen die fünfte Phase komplett im Bett. Sie verlassen das Bett auch nicht mehr für Toilettengänge und empfinden diesen Kontrollverlust als sehr belastend.
Prävention von Bettlägerigkeit
In vielen Fällen kann durch eine frühe Mobilisierung nach einer Erkrankung oder andere Maßnahmen einer dauerhaften Unterbringung im Bett vorgebeugt werden. Bevor es überhaupt zu langfristiger Bettlägerigkeit und ggf. sogar zu Wundliegegeschwüren kommt, können Sie als Betroffener aber auch als pflegende Angehörige bereits hilfreiche Maßnahmen zur Entlastung des Alltags leisten.
- Regelmäßige Mobilisierung: Versuchen Sie, die Person so oft wie möglich zu mobilisieren, indem Sie sie aufsetzen, aus dem Bett holen oder leichte Bewegungsübungen durchführen lassen. Regelmäßige körperliche Aktivität ist für bettlägerige Menschen von größter Bedeutung, um Muskelschwund, Gelenksteifheit und andere Komplikationen zu vermeiden.
- Sitzübungen: Wenn möglich, sollten Sitzübungen in einem Stuhl oder Rollstuhl durchgeführt werden. Es ist wichtig, die Aktivitäten an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Person anzupassen und regelmäßig durchzuführen.
- Sturzprävention: Stürze sind eine häufige Ursache für Bettlägerigkeit. Um für mehr Sicherheit auf den Beinen zu sorgen und die Sturzgefahr zu verringern, eignen sich verschiedene Maßnahmen zur Sturzprophylaxe. Dazu zählen Mobilitätshilfen, Bewegungsübungen zur Verbesserung der Kraft und des Gleichgewichts oder die Beseitigung von möglichen Gefahren im Alltag (zum Beispiel rutschige Teppiche, freiliegende Kabel et cetera).
- Frühzeitiger Einsatz von Hilfsmitteln: Schon in Phase 1 der sich anbahnenden Immobilität kann der bestehenden Instabilität des Betroffenen durch Hilfsmittel begegnet werden. Für kurze Strecken zu Fuß bietet sich z. B. ein Rollstuhl an, für längere Strecken könnten Sie auf elektrische Rollstühle (E-Mobile) zurückgreifen. Letztere schonen die Kraft der Betroffenen und ermutigen dazu, das Bett oder die eigene Häuslichkeit auch mal hinter sich zu lassen. Auch die körperliche und geistige Fitness werden auf diese Weise nach Möglichkeit ebenso wie die Selbständigkeit weiter erhalten. Der frühzeitige Einsatz von Hilfsmitteln und die Anwendung erprobter Hilfe-Techniken bedeuten auch, dass Personen mit eingeschränkter Mobilität möglichst lange im eigenen Heim leben können, ohne einen Umzug auf sich nehmen zu müssen.
- Eine ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist für bettlägerige Menschen von großer Bedeutung, um den Körper mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Prinzipiell sollte bei Bettlägerigkeit die Kalorienaufnahme reduziert werden, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Der Grund dafür ist, dass der Körper des Patienten aufgrund von Bewegungsmangel generell weniger Energie benötigt. Nichtsdestotrotz ist der Körper auf eine ausreichende Menge an Nährstoffen und Vitaminen angewiesen. Auch auf eine ausreichende Zufuhr von tierischem oder pflanzlichem Eiweiß sollte bei der Ernährungsanpassung geachtet werden.
- Psychosoziale Unterstützung: Die psychische Gesundheit von bettlägerigen Personen ist ebenso wichtig wie ihre körperliche Gesundheit. Kommunikation und Interaktion: Betreuungspersonen sollten bettlägerigen Menschen die Möglichkeit bieten, sich zu äußern und am sozialen Leben teilzunehmen.
Umgang mit Bettlägerigkeit
Die Bewältigung der Bettlägerigkeit erfordert ein ganzheitliches Vorgehen, das sowohl körperliche als auch psychische und soziale Aspekte berücksichtigt. Wenn eine Person bettlägerig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Situation zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Psychotherapie: Eine professionelle Psychotherapie kann dabei helfen, negative Gedankenmuster und Emotionen zu bearbeiten sowie Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Unterstützungsgruppen: Der Austausch mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen kann das Gefühl der Gemeinschaft und Verbundenheit stärken.
- Beschäftigungstherapie: Kreative Aktivitäten wie Malen, Basteln oder Musizieren können eine sinnvolle Ablenkung bieten und das Selbstwertgefühl stärken.
- Meditation und Achtsamkeitsübungen: Meditationstechniken und Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, Stress abzubauen, Ängste zu reduzieren und im Moment zu leben.
- Musiktherapie: Musik kann eine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung haben.
- Positive Einstellung: Eine positive Grundhaltung und die Konzentration auf das, was noch möglich ist, anstatt auf Einschränkungen, können eine große Rolle spielen.
- Sinnstiftende Aktivitäten: Beschäftigungen, die Spaß machen und ein Gefühl der Erfüllung geben, können dazu beitragen, die Motivation und Lebensfreude aufrechtzuerhalten.
- Soziale Einbindung: Regelmäßiger Kontakt zu Angehörigen, Freunden und anderen Menschen ist wichtig, um das Gefühl der Isolation zu reduzieren und soziale Bindungen aufrechtzuerhalten.
- Anpassung der Umgebung: Eine gemütliche und persönliche Umgebung im Schlafzimmer oder Wohnbereich kann das Wohlbefinden steigern.
- Kontinuierliche Anpassung: Die Bedürfnisse und Fähigkeiten einer bettlägerigen Person können sich im Laufe der Zeit verändern.
Hilfsmittel und Technologien
Für bettlägerige Menschen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln und technologischen Lösungen, die den Alltag erleichtern und die Selbstständigkeit fördern können. Die Auswahl der richtigen Hilfsmittel und technologischen Lösungen sollte individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der bettlägerigen Person abgestimmt werden. Geeignet für die Pflege von bettlägerigen Pflegebedürftigen sind insbesondere Hilfsmittel wie Spezialbetten, Matratzen und Kissen zur Dekubitusprophylaxe Positionierungshilfen Hebehilfen, Umsetzhilfen und Haltegurte Pflegehilfsmittel wie Urinflaschen für die Hygiene Geräte zur Überwachung von Funktionen wie Blutdruckmessgeräte.
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Pflegehilfsmittel
Pflegebedürftigen mit Pflegegrad in häuslicher Versorgung stehen pro Monat Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bis zu 40,00 € zu. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und andere Hygieneprodukte.
Pflegetipps für Angehörige
Auch bei einer Bettlägerigkeit können pflegende Angehörige gezielte Maßnahmen ergreifen, die den Pflegealltag für alle Beteiligten erleichtern. Bettlägerige Menschen können sich nicht mehr selbst versorgen. Sie müssen mehrmals am Tag umgelagert werden, um schmerzhaften Dekubitus Geschwüren vorzubeugen. Zu der grundlegenden Versorgung zählen auch Aufgaben wie Körperpflege, An- und Auskleiden, Toilettengänge, Mahlzeiten, Thrombose-Vorsorge und insbesondere Aktivierung durch Bewegungsübungen, damit der Muskelabbau nicht schneller fortschreitet. Trotz dieser umfangreichen Pflegebedürftigkeit sollten Betroffene weiterhin als Mensch mit eigenen Wünschen wahrgenommen werden, was insbesondere folgende Bereiche betrifft: Auswahl der Kleidung Maßnahmen der Körperpflege wie bspw. Kosmetik oder Frisur Vorlieben bei den Mahlzeiten altersgerechte Ernährung mit viel Eiweiß gegen Muskelabbau. Pflege und Versorgung von bettlägerigen Pflegebedürftigen erfordert viel Kraft und kann bei unsachgemäßer Durchführung auf Dauer körperlich schädigen. Pflegepersonen sollten über ausreichend Kenntnisse und Techniken verfügen, die sie sich in Pflegekursen aneignen können. Die Pflegekasse bietet kostenlose Kurse an. Hilfreich ist auch das Einbinden von Bewegungsübungen nach dem Bobath Konzept oder der Bewegungsförderung durch kinästhetische Mobilisation in den Pflegealltag einzubinden. Die regelmäßige Mobilisierung kann dazu beitragen, dass wesentliche körperliche Fähigkeiten länger erhalten bleiben. Durch einfache Techniken wie Greifübungen oder Drei-Schritte-Training und körperschonende Maßnahmen werden Bewegungsabläufe wieder aktiviert. Bettlägerige benötigen häufig etwas Motivation, sich überhaupt wieder zu bewegen. Bewegungen sind aber wichtig, um den Muskelschwund aufzuhalten. Auch das Bobath Konzept stellt eine oft angewendete Methode dar, durch einfache Übungen die Beweglichkeit zu fördern.
Pflegegrade und Leistungen
Bettlägerige Patienten haben in der Regel Anspruch auf einen der fünf Pflegegrade. Sie sind auf eine grundlegende Versorgung und umfangreiche Betreuung angewiesen. In welchen Pflegegrad bettlägerige Menschen eingegliedert werden, hängt von verschiedenen Komponenten ab. Die Vergabe des Pflegegrades wird von der Pflegeversicherung vorgenommen, nachdem Gutachter des Medizinischen Dienstes oder von Medicproof bei Privatversicherten eine Begutachtung und Einschätzung vorgenommen haben. Ein Pflegegrad wird jedoch stets nur dann erteilt, wenn ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt wird. Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen Pflegebedürftigen umfangreiche Sach- und Geldleistungen von der Pflegekasse zu.
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