Bewegungsunfähigkeit bei Parkinson: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dieser Dopaminmangel führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.

Was ist Parkinson?

Morbus Parkinson, im Volksmund auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. Die deutsche Bezeichnung "Schüttellähmung" bezieht sich auf das charakteristische Zittern von Armen oder Beinen im Ruhezustand, obwohl echte Lähmungen bei den Patienten nicht auftreten. Stattdessen handelt es sich um unterschiedliche Formen von Bewegungsstörungen und Muskelverhärtungen, bei denen die Muskelkraft nicht verringert ist.

Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich meist erst zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, kann aber auch jüngere Menschen betreffen. Die Erkrankung schreitet langsam fort und ist nicht ansteckend. Die Symptome entstehen durch das Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra, einer Hirnregion, die für die Produktion des Botenstoffs Dopamin zuständig ist. Dopamin sorgt für eine reibungslose Verbindung an den Kontaktstellen der Nervenzellen. Der entstehende Mangel an Dopamin kann vom Organismus zunächst noch weitgehend kompensiert werden, führt aber im Laufe der Jahre zu deutlichen Bewegungsstörungen und weiteren neuronale Einschränkungen.

Obwohl Morbus Parkinson zurzeit noch nicht heilbar ist, lässt sich die Erkrankung gut behandeln. Dank moderner Therapien müssen Patienten bei der klassischen Parkinson-Krankheit keine signifikante Verkürzung der Lebenszeit befürchten.

Formen der Parkinson-Erkrankung

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Parkinson-Erkrankung:

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  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Dies ist die häufigste Form, von der etwa 75 Prozent der Parkinson-Patienten betroffen sind. Die Ursache ist unbekannt, aber die Betroffenen profitieren von der guten Behandelbarkeit des Dopaminmangels, beispielsweise mit dem Medikament L-Dopa. Die Lebenserwartung der Patienten ist dank der Wirksamkeit der Medikamente kaum geringer als die des Bevölkerungsdurchschnitts. Die Krankheit entwickelt sich sehr langsam, wobei erste Symptome meist erst zwölf Jahre nach dem eigentlichen Beginn der Krankheit auftreten.
  • Genetisch bedingter Parkinson: In manchen Familien treten gehäuft Fälle von Morbus Parkinson auf, was auf einen genetischen Defekt zurückzuführen sein kann. Das familiäre Parkinson-Syndrom kann auch Menschen in jüngeren Jahren betreffen, ist aber eher selten.
  • Atypisches Parkinson-Syndrom: Parkinson-Symptome können auch im Rahmen anderer Erkrankungen des Nervensystems auftreten, wie z.B. der Lewy-Body-Demenz oder der Multisystematrophie (MSA). In diesen Fällen sterben Nervenzellen in mehreren Hirnbereichen ab, weshalb das Medikament L-Dopa nur geringe oder keine Wirkung zeigt.
  • Sekundäres Parkinson-Syndrom: Diese Form ist Ausdruck einer anderen vorliegenden Erkrankung und kann durch Vergiftungen, Schadstoffe, Medikamente, Gehirntumore, Gehirnentzündungen oder Gehirnverletzungen verursacht werden.

Ursachen von Parkinson

Die Ursachen für das Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen beim idiopathischen Parkinson-Syndrom sind bisher nicht vollständig aufgeklärt. Es gibt jedoch Hypothesen darüber, was den allmählichen Zelltod herbeiführen könnte. Bekannt sind aber die Abläufe, welche im Verlauf der Parkinson-Krankheit zu den typischen Symptomen führen:

  • Der zunehmende Mangel des Botenstoffs Dopamin führt im Gehirn zu Problemen bei der Reizübertragung zwischen den Nervenzellen. Der Patient leidet dadurch unter verlangsamter Reaktionsfähigkeit und unkoordinierteren Bewegungsabläufen.
  • Muskelverspannungen behindern ihrerseits die Beweglichkeit, während die Mimik des Gesichtes allmählich verloren geht. Muskelzittern und Muskelsteifigkeit treten auf.
  • Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung kann es zu vorübergehenden Phasen von körperlicher Starre kommen, in der keine Bewegung möglich ist.
  • Durch das fortschreitende Absinken des Dopamin-Spiegels im Blut kann es zu einem Ungleichgewicht der im Hirn aktiven Botenstoffe kommen, was die charakteristischen Bewegungsstörungen und Steuerungsprobleme zusätzlich verstärkt.
  • Jüngste Forschungen haben ergeben, dass nicht nur im Bereich der Substantia nigra des Gehirns Zellen absterben, sondern auch im Nervengeflecht des Darms und der Nase. Das erklärt, warum die Betroffenen teilweise auch Verdauungsprobleme haben und im Krankheitsverlauf den Geruchssinn verlieren können.

In gut einem Fünftel der Fälle von Parkinson ist eine erbliche Komponente beteiligt. Die Parkinsonforschung hat bislang 13 Gene bzw. genetische Formen von Parkinson identifiziert, die als PARK 1 bis PARK 13 bezeichnet werden. Bei mehr als 80 % der Fälle weiß man aber nach wie vor nicht, warum es zum Absterben der dopaminproduzierenden Hirnzellen kommt.

Es wird diskutiert, ob Faktoren wie Umweltgifte oder Drogen Parkinson begünstigen können. Eine Studie der Universität von Utah fand Hinweise darauf, dass Aufputschmittel wie Amphetamine das Risiko für Parkinson deutlich erhöhen könnten.

Symptome von Parkinson

Die Parkinson-Krankheit zeigt sich oft erst spät und äußert sich anfangs durch eher unauffällige und unspezifische Symptome. Eine Ausnahme ist die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der Menschen sich heftig im Traumschlaf bewegen oder sprechen, was ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Morbus Parkinson oder auch für bestimmte Formen von Demenz darstellt.

Frühe Anzeichen der Parkinson-Krankheit:

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Beeinträchtigung oder Ausfall des Geruchssinnes
  • Muskel- und Gelenkschmerzen an Schultern und Armen
  • Verlangsamte Bewegungsabläufe
  • Darmträgheit
  • Gang wird kaum noch durch Armbewegungen unterstützt
  • Veränderungen der Handschrift, Einschränkungen der Feinmotorik
  • Depressionen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Sehstörungen, zum Beispiel bei der Farbwahrnehmung
  • Unsicheres, zittriges Körpergefühl

Hauptsymptome von Parkinson:

  • Muskelzittern im Ruhezustand, vornehmlich an Armen und Beinen
  • Versteifte Muskulatur, die sich nur ruckartig bewegen lässt
  • Stark verlangsamte Bewegungsabläufe, besonders beim Aufstehen und Hinsetzen
  • Im Extremfall bis hin zur zeitweisen Bewegungsunfähigkeit durch unvermittelt auftretendes Erstarren
  • Kleine, schlurfende Schritte, nach vorne gebeugt
  • Maskenhafte Gesichtszüge mit eingeschränkter Mimik, fettige Gesichtshaut
  • Instabilität bei aufrechter Körperhaltung, dadurch erhöhte Sturzgefahr
  • Magen-Darm-Probleme, Inkontinenz, Harnverhaltung, Impotenz
  • Verwaschene, monotone und auch sehr leise Sprache

Neben den Leitsymptomen gibt es noch viele weitere Anzeichen bzw. Begleiterscheinungen von Parkinson wie sensible, psychische, vegetative und kognitive Störungen. Typisch sind beispielsweise ein verminderter Geruchssinn oder Riechstörungen mit der Wahrnehmung von nicht vorhandenen schlechten Gerüchen, Missempfindungen (Dysästhesien) auf der Haut oder fettig-glänzende Gesichtshaut infolge von erhöhter Talgproduktion (Salbengesicht). Zudem verursacht das Ungleichgewicht der Nervensteuerung nicht selten Störungen der Kreislaufregulation und Blasenfunktionsstörungen.

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Psychische Symptome wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen treten sehr oft deutlich vor den typischen Bewegungsstörungen auf. Ein Beispiel dafür sind sogenannte REM-Schlafverhaltensstörungen.

Im Laufe von Parkinson können Gedächtnisstörungen auftreten, die auf eine beginnende Demenz hinweisen. Etwa 40 Prozent der Patient*innen mit Parkinson entwickeln im Laufe der Zeit eine Demenz: Ihre Aufmerksamkeit ist zunehmend gestört, das Denkvermögen verlangsamt und das räumliche Sehen beeinträchtigt. Darüber hinaus sind Persönlichkeitsveränderungen bei einer Parkinson-Demenz typisch. Möglich sind vor allem eine zunehmende Sturheit und Dickköpfigkeit.

Diagnose von Parkinson

Für die Diagnose von Morbus Parkinson ist im ersten Schritt das ausführliche Gespräch von Arzt und Betroffenem von zentraler Bedeutung. Die detaillierte Beschreibung des Befindens und der Symptome gibt wichtige Hinweise. Durch die genauen Antworten des Patienten erhält der Arzt ein präzises Bild der Krankheit und des aktuellen Krankheitsfortschrittes. Vorzugsweise sollte für die Diagnose eine neurologische Praxis ausgewählt werden mit einer Spezialisierung auf die Behandlung von Parkinson.

Körperliche Untersuchung

Bei der Untersuchung testet der Arzt die Reflexe, die Berührungsempfindlichkeit der Haut und die Beweglichkeit der Muskeln und Gelenke. Er prüft, ob im Ruhezustand die Hände oder auch die Beine zittern. Er winkelt Unterarm und Unterschenkel an, um festzustellen, ob die Bewegungen immer wieder zahnradartig einrasten. Der Patient wird aufgefordert, sich zu erheben und einige Schritte durch die Praxis zu laufen. Der Arzt achtet darauf, ob die Bewegungen verlangsamt erscheinen und ob Unsicherheiten im Gang und in der Körperhaltung zu beobachten sind.

Bildgebende Verfahren

Durch eine Ultraschalluntersuchung des Gehirns (TCS) können ein Primäres Parkinson-Syndrom (die weitaus häufigste Parkinson-Erkrankung) aufgezeigt oder andere Parkinson-Formen gegebenenfalls ausgeschlossen werden. Kernspintomografie (MRT) und Computertomografie (CT) können andere mögliche Ursachen für die neurologischen Probleme, zum Beispiel einen Hirntumor, darstellen. Mittels einer speziellen Computertomografie, der DAT-SPECT, kann man diejenigen Nervenenden abbilden und erkennen, die durch die Parkinson-Krankheit verändert sind.

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Testverfahren

Einen Hinweis auf ein Primäres Parkinson-Syndrom kann ein L-Dopa-Test geben. Das Medikament sorgt dafür, dass der für Parkinson symptomatische Dopamin-Mangel im Gehirn ausgeglichen wird. Zeigt sich etwa 30 Minuten nach der Einnahme eine Verbesserung der Bewegungsstörungen oder Muskelverspannungen, so liegt eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung an Parkinson vor. Durch die testweise Verabreichung von L-Dopa lassen sich allerdings andere mögliche Erkrankungen nicht absolut sicher ausschließen, da auch diese eine positive Reaktionen auf L-Dopa aufweisen können. Umgekehrt zeigen einige Parkinson-Patienten keine wahrnehmbare Reaktion auf die L-Dopa-Gabe. Auch ein Apomorphin-Test kann Hinweise auf eine Parkinson-Erkrankung geben. Ähnlich wie beim L-Dopa-Test ist die Aussagekraft des Testes mittels einer Apomorphin-Spritze nicht völlig eindeutig.

Für die Diagnose von Parkinson muss neben der charakteristischen Bewegungsverlangsamung mindestens eines der Leitsymptome nachgewiesen sein. Anschließend folgen in der Regel bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT). Eine weitere Möglichkeit ist die versuchsweise Gabe von Levodopa, einer Vorstufe des bei Parkinson fehlenden Nervenbotenstoffes Dopamin. Bessern sich die Symptome nach der Einnahme von Levodopa, auch L-Dopa genannt, ist Parkinson wahrscheinlich.

Behandlung von Parkinson

Leider gibt es keine Behandlung, die die Ursache des Primären Parkinson-Syndroms beseitigen kann. Für die mit großem Abstand häufigste Form der Parkinson Erkrankung existiert noch keine Therapie, die das kontinuierliche Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen beendet. Dafür gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten der Beschwerden und des Dopamin-Mangels, den Parkinson mit sich bringt. Jeder Patient hat so trotz der Parkinson-Erkrankung gute Aussichten auf ein selbstbestimmtes Leben.

Der zentrale Ansatzpunkt für die Behandlung von Parkinson ist der Ausgleich des zunehmenden Dopamin-Mangels. Dieser Mangel ist Auslöser der hauptsächlichen Symptome des Primären Parkinson-Syndroms. Die direkte Einnahme von Dopamin bleibt allerdings völlig wirkungslos, da der Botenstoff selbst nicht die natürliche Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Deshalb werden nur Medikamente, die eine Vorstufe des Dopamins darstellen, verabreicht. Diese erreichen die Nervenzellen im Gehirn und werden dort in Dopamin umgewandelt.

Medikamentöse Therapie

Medikamente sollen vor allem den Dopaminmangel und das Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe ausgleichen. Mittel der Wahl ist Levodopa (L-Dopa), eine Dopaminvorstufe. Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe von Dopaminagonisten. Diese Medikamente verstärken die noch vorhandene Dopaminwirkung. Typische Wirkstoffe sind die klassischen Mutterkornalkaloide Lisurid, Bromocriptin und Cabergolin sowie die neueren selektiven D2-Rezeptoragonisten wie Piribedil, Pramipexol und Ropinirol. COMT-Hemmer wie Entacapon und Tolcapon verringern Dopaminschwankungen. MAO-B-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin bremsen den Dopaminabbau. Gegen Muskelzittern wurden früher häufig Anticholinergika wie Biperiden oder Bornaprin verordnet. Aufgrund vieler Nebenwirkungen geht der Einsatz dieser Arzneimittel bei Parkinson aber immer weiter zurück. Eine verbesserte Beweglichkeit kann mit Amantadin erreicht werden.

L-Dopa sollte nicht früher als eine Stunde vor oder nach eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, denn eiweißreiche Nahrung kann die Aufnahme von L-Dopa ins Blut stören. Dopaminagonisten wiederum werden zu den Mahlzeiten eingenommen. Eine Einnahme zum falschen Zeitpunkt kann die Beschwerden verstärken.

Häufig bleibt es nicht bei der Einnahme eines Medikaments. Die Behandlung wird oft mit nur einem Medikament begonnen. Am wirksamsten sind Levodopa und Dopaminagonisten. Beide haben jeweils Vor- und Nachteile, die bei der Entscheidung für eine Behandlung eine wichtige Rolle spielen.

Dopaminagonisten werden meist Menschen unter 60 bis 70 Jahren empfohlen, um das Auftreten von Bewegungsstörungen hinauszuzögern. Zu Levodopa wird besonders älteren Menschen geraten, weil es verträglicher ist. Welches Medikament sich wann am ehesten eignet, ist derzeit schwer zu beurteilen. So kann es auch für Menschen unter 70 Jahren gute Gründe geben, direkt mit Levodopa zu beginnen. Neben dem Alter spielen zum Beispiel die Stärke der Beschwerden oder die Sorge um bestimmte Nebenwirkungen eine Rolle.

Dopaminagonisten sind im Allgemeinen schlechter verträglich als Levodopa. Sie führen häufiger zu Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, Schläfrigkeit, Verstopfung, Schwindel, Halluzinationen und Übelkeit. Menschen, die Dopaminagonisten einnehmen, neigen dadurch eher dazu, die Behandlung abzubrechen oder Medikamente unregelmäßig einzunehmen.

Mögliche Nebenwirkungen von Levodopa sind Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, gesteigerter Antrieb, Depression und Verwirrtheit. Bei hohen Dosen können auch Bewegungsstörungen auftreten. In niedrigen Dosen wird Levodopa meist gut vertragen.

Besonders ältere Menschen können auf beide Medikamente mit Halluzinationen und Verwirrtheit reagieren. Es kann auch impulsives, zwanghaftes Verhalten auftreten wie etwa eine Kauf- oder Spielsucht, ein Drang nach Essen oder auch nach Sex - oder ständig wiederholte, ziellose Tätigkeiten wie das Ordnen von Gegenständen.

Da die Parkinson-Beschwerden in späteren Krankheitsstadien zunehmen, wird dann meist die Dosis der Medikamente erhöht. Dadurch kommt es auch zu mehr Nebenwirkungen. Oft nehmen Menschen mit Parkinson gegen die Nebenwirkungen oder andere Beschwerden dann weitere Medikamente ein. Dies erhöht wiederum das Risiko für Wechselwirkungen. Manchmal wiegt die Belastung durch die Nebenwirkungen sogar schwerer als der Nutzen der Medikamente.

Nach fünf Jahren Medikamenten-Behandlung spüren etwa 20 bis 40 von 100 Menschen mit Parkinson, dass die Wirkung der Mittel nachlässt. Sie beginnt dann stark zu schwanken: Mal können sich die Betroffenen gar nicht mehr bewegen, dann wieder ganz normal. Als Nebenwirkung der Medikamente kann es auch zu unwillkürlichen Bewegungen kommen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass in manchen Hirnregionen zu viel Dopamin vorhanden ist.

Ein Ziel der Behandlung ist dann eine möglichst gleichmäßige Wirkung der Medikamente. Dies kann erreicht werden durch:

  • die Einnahmezeiten und die Häufigkeit der Einnahme ändern
  • Retard-Tabletten einnehmen, die den Wirkstoff verzögert freisetzen
  • Dosierungen ändern und zusätzliche Medikamente wie COMT-Hemmer, NMDA-Antagonisten, Anticholinergika oder MAO-B-Hemmer einnehmen
  • zusätzlich zu Levodopa einen Dopaminagonisten einnehmen

Durch die Einnahme zusätzlicher Medikamente kann sich die Beweglichkeit wieder verbessern. Es kommt auch seltener zu plötzlicher Bewegungsunfähigkeit. Wie schon beschrieben, können aber mit mehr Medikamenten auch mehr Nebenwirkungen auftreten.

Damit ein Mittel gleichmäßig wirkt, kann auch eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden. Dabei kann der Wirkstoff zum einen über eine tragbare Pumpe kontinuierlich unter die Haut (subkutan) gespritzt werden - ähnlich wie bei einer Insulinpumpe. Eine zweite Möglichkeit kommt infrage, wenn wegen Schluckstörungen eine Ernährungssonde nötig ist. Sie wird durch die Bauchwand direkt in den Magen gelegt (sogenannte PEG-Sonde). Über diese Sonde kann auch eine Pumpe angeschlossen werden, die den Wirkstoff direkt in den Dünndarm abgibt.

Tiefe Hirnstimulation

Reicht die medikamentöse Behandlung nicht mehr aus, können operative Verfahren erwogen werden. Dabei werden dem Betroffenen unter Vollnarkose sogenannte Hirnschrittmacher eingesetzt. Diese Geräte reizen über Elektroden bestimmte Hirnareale und lindern so die Symptome von Parkinson. Diese Hirnschrittmacher können fest programmiert sein oder es bleibt den Patienten nach einer Einleitungsphase überlassen, den Schrittmacher selbst zu steuern.

Bei manchen Patient*innen reicht die medikamentöse Behandlung nicht aus, um die Beschwerden wie unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) zu lindern. Diese erhalten dann meist eine sogenannte tiefe Hirnstimulation (THS). Dabei erzeugen Elektroden, die in einem bestimmten Bereich im Gehirn implantiert werden, elektrische Impulse. Diese regen vorübergehend gewisse Gehirnregionen an, ohne Gewebe zu schädigen. Dadurch lassen sich beim Parkinson-Syndrom oft Symptome lindern. Die THS kann jedoch den fortschreitenden Erkrankungsprozess nicht aufhalten.

Komplementäre Behandlungsformen

Physiotherapie sowie krankengymnastische Übungen, Entspannungsverfahren, Sprach- und Schlucktraining sowie Ergotherapie helfen, um möglichst lange die Bewegungsunfähigkeit hinauszuzögern.

  • Physiotherapie: Die sogenannte „BIG-Methode“ ist eine spezifische Bewegungstherapie bei Parkinson. Der Patient macht einen großen Ausfallschritt, reißt die Arme hoch und schreit „HALLO“. Durch den großen Ausfallschritt und das laute Schreien, können die Patienten größere Schritte wieder erlernen und auch lauter sprechen. An einen geschickten Physiotherapeuten als Parkinsonpatient zu geraten, ist eine große Hilfe.
  • Logopädie: Wenn die Stimme immer leiser wird und die Patienten undeutlich sprechen, könnte eine Übung sein, sich in einen Raum zu setzen und dreimal am Tag für fünf Minuten A-E-I-O-U zu schreien - richtig laut. Durch bewusstes Schreien wird die Stimme wieder lauter und besser verständlich.

Psychotherapie

Immer mehr Experten raten dazu, mehr Augenmerk auf eine frühzeitige psychotherapeutische Behandlung von parkinsonbedingten seelischen Erkrankungen zu legen. Die gezielte Therapie von Depressionen oder Angststörungen trage dazu bei, den Verlauf von Parkinson günstig zu beeinflussen. Zudem steigere sie die Lebensqualität insgesamt.

Notfälle bei Parkinson

Neben den langfristigen Behandlungsstrategien ist es wichtig, auf mögliche Notfälle bei Parkinson-Patienten vorbereitet zu sein:

  • Akinetische Krise (Parkinsonkrise): Akute motorische Verschlechterung bei bekanntem M. Parkinson mit zunehmender Bewegungsunfähigkeit, erhöhtem Muskeltonus (Rigor) und typisch Hyperthermie. Hohe Letalität! Typische Auslöser sind Probleme mit der Parkinson-Medikation (verminderte/unterlassene Einnahme, verminderte Resorption), Gabe von Neuroleptika/Antiepileptika, Infekt, Exsikkose oder Trauma/OP. Die Therapie umfasst Volumengabe bei Exsikkosezeichen, Fiebersenkung, Infektbehandlung, Behandlung von Elektrolytstörungen und Blutzucker-Entgleisungen, Amantadin i.v. und ggf. Apomorphin s.c. oder Levodopa über Magensonde.
  • Akute dystone Reaktion (Frühdyskinesien): Mögliche Form extrapyramidal-motorischer Störungen (EPS) als Frühdyskinesien nach Einnahme von Dopaminantagonisten (z.B. Antipsychotika, MCP). Typischerweise Stunden bis Tage nach Einnahme akut auftretende, unwillkürliche Muskelkontraktionen. Symptome sind z.B. Torticollis, Retrocollis, okulogyre Krise, Opisthotonos, Akathisie oder Zungen- und Schlundkrämpfe. Die Therapie umfasst Biperiden i.v. oder ggf. Benzodiazepine.

Verlauf und Lebenserwartung

Morbus Parkinson ist eine sehr langsam fortschreitende Krankheit, meist ohne erkennbare Ursache. Es kann mehr als ein Jahrzehnt vergehen, bevor die Betroffenen erste deutliche Anzeichen der Erkrankung zeigen. Die Symptome der Parkinson-Krankheit lassen sich durch Medikamente und andere Mittel sehr gut behandeln. Bei der gewissenhaften Anwendung der nutzbaren Therapie-Möglichkeiten gibt es heute kaum eine Einschränkung der zu erwartenden Lebenserwartung. Vollständig ausheilen lässt sich die häufigste Form des Parkinsons, das sogenannte Idiopathisches Parkinson-Syndrom, allerdings bisher nicht.

Wie genau sich Parkinson entwickelt, lässt sich nicht ohne Weiteres vorhersagen. In den meisten Fällen ist der Verlauf der Erkrankung langsam. Wie rasch sich erste Anzeichen zeigen und welche Beeinträchtigungen damit verbunden sind, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Einige Patient*innen mit Parkinson sind viele Jahre lang kaum beeinträchtigt - andere leiden schon früh unter starken Beschwerden.

Die Lebenserwartung von Mesnchen mit Parkinson hingegen hat sich seit der Einführung der medikamentösen Therapie mit L-Dopa deutlich verbessert. Im Durchschnitt sterben Parkinsonkranke mit etwa 70 Jahren. Häufigste Todesursachen sind Herzkreislauferkrankungen, Tumorerkrankungen und Schlaganfälle. Damit entsprechen Lebenserwartung und Todesursachen fast der von Mesnchen gleichen Alters.

Vorbeugung

Da die Ursache von Parkinson bislang noch ungeklärt ist, können Sie Parkinson nicht gezielt vorbeugen. Andererseits gehört Parkinson aber zu den degenerativen neurologischen Erkrankungen. Daher könnte die rege Beanspruchung der Nervenzellen im Gehirn das Erkrankungsrisiko möglicherweise senken. Schaden kann es jedenfalls nicht, wenn man seine grauen Zellen trainiert und sein Gehirn mit unterschiedlichen Reizen stimuliert.

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