Bilaterale Spastische Parese: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Die bilaterale spastische Parese ist eine Form der Zerebralparese, die durch eine Schädigung des Gehirns in der frühen Kindheit verursacht wird. Diese Schädigung führt zu Bewegungsstörungen, insbesondere in den Armen und Beinen, sowie zu Muskelverkrampfungen, die schmerzhaft sein können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und verschiedene Therapieansätze, um Betroffenen und ihren Familien ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist eine bilaterale spastische Parese?

Die Zerebralparese (CP), oft auch infantile Zerebralparese genannt, ist eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit, die auf eine frühkindliche Schädigung des sich entwickelnden Gehirns zurückzuführen ist. Der Begriff "Parese" bezeichnet eine teilweise Lähmung, während "zerebral" darauf hinweist, dass die Ursache im Gehirn liegt. Die bilaterale spastische Parese ist eine spezifische Form, bei der beide Körperseiten (Arme und Beine) von spastischen Lähmungen betroffen sind.

Ursachen

Die Ursachen für eine bilaterale spastische Parese sind vielfältig und können während der Schwangerschaft, der Geburt oder in den ersten Lebensjahren des Kindes auftreten. Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Zerebralparese nicht mit der Zeit verschlechtert.

Pränatale Ursachen (vor der Geburt)

  • Entwicklungsstörungen im Mutterleib: Verminderte Blut- oder Sauerstoffversorgung des Gehirns, die zu Schäden in der weißen Substanz führen kann (periventrikuläre Leukomalazie, PVL).
  • Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft: Zytomegalievirus, Röteln, Windpocken oder Toxoplasmose.
  • Genetische Mutationen: Mutationen in Genen, die die Entwicklung des Gehirns steuern (Dysgenesie).
  • Schlaganfall des Babys im Mutterleib: Blutgerinnsel in der Plazenta, die den Blutfluss zum Gehirn blockieren.
  • Verletzung des Kindes im Mutterleib.

Perinatale Ursachen (während der Geburt)

  • Sauerstoffmangel: Kann bei einer schweren Geburt auftreten.

Postnatale Ursachen (nach der Geburt)

  • Infektionen des Gehirns des Säuglings: Meningitis oder Enzephalitis.
  • Kernikterus: Ablagerung von Bilirubin (Abbauprodukt des Hämoglobins) im Gehirn.
  • Schwere Kopfverletzungen.
  • Sauerstoffmangel: Durch beinahe Ersticken oder Ertrinken.
  • Nachgeburtlicher Schlaganfall.
  • Kindesmisshandlung: Auslösung eines Schütteltraumas.

Risikofaktoren

Einige Faktoren erhöhen das Risiko für eine Zerebralparese:

  • Frühgeburt: Vor der 37. Schwangerschaftswoche.
  • Niedriges Geburtsgewicht.
  • Unterdurchschnittliche Geburtsgröße.
  • Mehrlingsgeburt.
  • Rauchen, Alkoholkonsum oder Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft.

Symptome

Die Symptome einer bilateralen spastischen Parese können variieren, aber einige häufige Anzeichen sind:

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  • Verzögerte oder ausbleibende Bewegungsentwicklung: Im Vergleich zu anderen Kindern.
  • Schwäche in einem oder beiden Armen oder Beinen.
  • Wechsel zwischen steifen und schlaffen Muskeln.
  • Steife oder angespannte Muskeln und gesteigerte Reflexe.
  • Zittern der Hände.
  • Zappelige, ruckartige oder unbeholfene Bewegungen.
  • Schwierigkeiten mit präzisen Bewegungen und Koordination.
  • Zehenspitzengang, gebückter Gang oder Scherengang.
  • Muskelkrämpfe.
  • Sprachprobleme.
  • Lernschwierigkeiten.
  • Geistige Behinderung (in unterschiedlichem Ausmaß).
  • Schielen.
  • Schwerhörigkeit.
  • Schluckbeschwerden.
  • Inkontinenz.
  • Epilepsie.

Diagnose

Die Diagnose einer Zerebralparese, einschließlich der bilateralen spastischen Form, erfolgt in der Regel innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. Der Prozess umfasst:

  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen): Überprüfung der motorischen Entwicklung des Kindes.
  • Bewegungstests: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten des Kindes.
  • Überwachung: Wachstum, Körperhaltung und Koordination der Bewegungen, Muskelspannung sowie Hör- und Sehvermögen.
  • Weitere Untersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns: Zur Darstellung der zugrunde liegenden Hirnläsion.

Therapie

Die Behandlung der Zerebralparese ist multimodal und zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da eine Zerebralparese nicht heilbar ist, konzentriert sich die Therapie darauf, die Beweglichkeit und Unabhängigkeit zu erhalten und zu fördern.

  • Physiotherapie: Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit und Verbesserung von Bewegungsproblemen. Das Bobath-Konzept und die Vojta-Therapie sind bewährte Ansätze.
  • Logopädie: Unterstützung bei Sprach- und Kommunikationsproblemen sowie bei Schluckbeschwerden.
  • Ergotherapie: Erleichterung der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.
  • Medikamente: Gegen Muskelversteifung (z.B. Muskelrelaxanzien, Botulinumtoxin).
  • Operationen: In bestimmten Fällen zur Behandlung von Bewegungs- oder Wachstumsproblemen (z.B. Sehnenverlängerungen, Muskelansatzverlagerungen, knöcherne Umstellungsoperationen).
  • Orthopädische Hilfsmittel: Orthesen, Gehhilfen oder Rollstühle.
  • Lokale Vibrationstherapie: Kann unterstützend eingesetzt werden, um den Muskeltonus herabzusetzen.
  • Psychologische Betreuung: Unterstützung der Patienten und ihrer Familienangehörigen.

Spezifische Therapieansätze bei Spastik

  • Botulinumtoxin (Botox): Injektionen zur Hemmung der Reizweiterleitung von Nervenfasern zu Muskeln, wodurch Verspannungen reduziert werden.
  • Orthesen zur dynamischen Redression: Unterstützung der Therapie bei Kontrakturen durch kontrolliertes Aufdehnen verkürzter Strukturen.
  • Medikamente zur Minderung der Spastischen Lähmung.

Leben mit Zerebralparese

Eine Zerebralparese ist eine bleibende Störung, die erhebliche Einschränkungen mit sich bringen kann. Die meisten Kinder mit Zerebralparese erreichen das Erwachsenenalter. Viele besuchen eine Regelschule, während andere besondere Unterstützung benötigen. Die Erkrankung selbst schreitet zwar nicht fort, aber die Einschränkungen können im Laufe der Zeit zu Folgeproblemen wie Gelenk- und Muskelschmerzen führen. Die täglichen Anforderungen können psychische Probleme wie Depressionen verursachen.

Herausforderungen und Bewältigungsstrategien

  • Muskelverkürzungen und Gelenkkontrakturen: Entwicklung von Muskelverkürzungen mit nachfolgenden Gelenkkontrakturen und -instabilitäten sowie knöchernen Deformitäten.
  • Multimodales Therapiekonzept: Umfasst konservative und operative Maßnahmen zur Senkung des Muskeltonus und Vermeidung von Kontrakturen.
  • Kenntnisse über Biomechanik des Gehens: Für die Durchführung von Operationen bei spastischer bilateraler Zerebralparese erforderlich.
  • Psychische Belastung: Die täglichen Anforderungen des Lebens mit einer Zerebralparese können schwer zu bewältigen sein und zu psychischen Problemen wie Depressionen führen.

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