Migräne ist ein weit verbreitetes Leiden, das den Alltag erheblich beeinträchtigen kann. Viele Betroffene suchen nach Wegen, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren. Dabei rückt zunehmend auch die Kälte als Therapieansatz in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet, wie Kälte bei Migräne helfen kann, welche Formen der Kälteanwendung es gibt und was bei der Anwendung zu beachten ist.
Kältekopfschmerz: Ein Warnsignal
Im Winter kann der Wechsel von beheizten Innenräumen zu kalten Außentemperaturen bei manchen Menschen plötzliche Kopfschmerzen auslösen. Auch der Genuss sehr kalter Getränke oder Speisen kann einen sogenannten Kältekopfschmerz verursachen. Laut Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) ist dieser Schmerz zwar intensiv und stechend in der Stirn, aber in der Regel nicht gefährlich. Mützen und Schals können vorbeugend wirken, und bei bereits aufgetretenem Kältekopfschmerz helfen langsames Aufwärmen und leichte Massagen. Bei Bedarf können auch frei verkäufliche Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen zur Linderung eingesetzt werden.
Kälte als Trigger und Therapie
Kälte kann jedoch nicht nur Kopfschmerzen auslösen, sondern auch zur Linderung von Migräne beitragen. Wurde durch die Kälte ein Migräneanfall ausgelöst, können die Schmerzen unter Umständen über Stunden andauern. Leichte und mittelschwere Migräneattacken können ebenfalls mit herkömmlichen Kopfschmerzmitteln behandelt werden.
Kälteanwendung bei Migräne: Verschiedene Möglichkeiten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kälte bei Migräne einzusetzen:
- Kühlpacks: Bei einer Migräneattacke weiten sich die Blutgefäße in der Schläfenregion. Kühlpacks können hier für eine lokale Kühlung sorgen. Direkter Hautkontakt sollte vermieden werden.
- Pfefferminzöl: Ähnlich wie Kühlpacks wirkt Pfefferminzöl kühlend und kann auf die Schläfen aufgetragen werden. Hauptbestandteile sind Menthol und Menthon, die auch in Kaugummi enthalten sind.
- Kältetherapie: Die Kältetherapie kühlt das Blut an den Handflächen ab, was die körpereigenen Heilungsprozesse aktiviert. Dies hilft, Schmerzen zu lindern und die Regeneration zu unterstützen. Regelmäßige Anwendungen können die Häufigkeit und Intensität der Anfälle verringern.
- Kryotherapie (Eiskammer): Astrid, eine Notarin, die unter häufiger Migräne litt, hat durch die Kryotherapie in einer Eiskammer eine deutliche Verbesserung erfahren. Sie geht regelmäßig in die Eiskammer und hat dadurch die Anzahl ihrer Migränetage deutlich reduzieren können.
Die Kältemütze
Die Kältemütze ist ein weiteres Hilfsmittel zur Migränebehandlung. Sie wirkt entzündungshemmend und beruhigend und kann das Einschlafen erleichtern. Die Mütze kann im Kühlschrank oder in der Mikrowelle gekühlt bzw. erwärmt werden.
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Wärme als Alternative
Während Kälte bei vielen Migränepatienten Linderung verschafft, bevorzugen andere Wärme. Wärme kann die Durchblutung in verspannten Muskeln fördern und so Verspannungen lösen. Wärmekissen, Wärmepflaster oder warme Bäder sind beliebte Hilfsmittel. Es gibt sogar Geräte, die sowohl Kühlung als auch Wärmung ermöglichen, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Ursachenforschung und Vorbeugung
Menschen, die allgemein anfällig für Kopfschmerzen sind, sollten beobachten, in welchen Situationen oder bei welchen Verhaltensweisen sie diese Beschwerden entwickeln. Für Kopfschmerzen können oft individuelle Auslöser, so genannte Trigger, verantwortlich sein. Verschiedenste Reize wie bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln, Alkohol aber auch Lichtreize, unregelmäßige Schlafzeiten oder Stresssituationen kommen als Auslöser in Frage. Insbesondere bei Migräne oder auch Cluster-Kopfschmerzen stehen individuelle Trigger im Vordergrund.
Kopfschmerztagebuch
Bei häufigen Problemen mit Kopfschmerzen ist das Führen eines Kopfschmerztagebuchs hilfreich, um Zusammenhänge mit Auslösefaktoren zu identifizieren. In einem Tagebuch können jeweils Stärke, Dauer, Beschaffenheit und Begleitbeschwerden sowie mögliche Auslöser der Schmerzen notiert werden. Auch sämtliche Medikamente, die eingenommen wurden, sollten vermerkt werden, um die Einnahme von Schmerzmitteln effektiv kontrollieren zu können. Denn ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann zu einem Dauerkopfschmerz führen.
Weitere vorbeugende Maßnahmen
- Regelmäßiges Training: Moderates Ausdauertraining kann Migräneattacken vorbeugen und ihre Häufigkeit reduzieren.
- Anpassung an das Wetter: Um die Anpassungsfähigkeit an das Wetter zu verbessern, ist es von Vorteil, so oft wie möglich wetterunabhängig im Freien spazieren zu gehen. Sportarten wie Bergwandern, Walken, Radfahren oder Langlaufen sind optimal. Saunagänge in Kombination mit Wechselduschen trainieren die Gefäße, damit diese wieder rasch auf unterschiedliche Temperaturreize reagieren.
- Stressmanagement: Stress, Schlafmangel oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Migräne auslösen.
Ärztliche Abklärung
Wichtig bei Kopfschmerzen ist grundsätzlich, dass sie fachärztlich abgeklärt werden, um eine gezielte Behandlung oder auch Prophylaxe vornehmen zu können. Bei plötzlich auftretenden starken Kopfschmerzen, die in dieser Art und Weise noch nicht wahrgenommen wurden, sollte die hausärztliche Praxis aufgesucht werden.
Natürliche Helfer
Neben Kälte und Wärme gibt es weitere natürliche Mittel, die bei Kopfschmerzen helfen können:
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- Viel Wasser trinken: Mindestens zwei Liter Wasser pro Tag können Migräneschmerzen lindern.
- Kräutertees: Weidenrinde, Wacholder oder Ingwer können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
- Koffein: In geringen Mengen kann Koffein in Form eines Espressos Kopfschmerzen lösen. Es regt die Freisetzung des schmerzlindernden Hormons Noradrenalin an.
- Zitrone und Espresso: Der Saft einer halben Zitrone zu einer Tasse Espresso kann bei manchen Menschen Kopfschmerzen vertreiben.
- Ätherische Öle: Pfefferminzöl und Lavendelöl werden häufig gegen Kopfschmerzen eingesetzt. Lavendel wirkt entspannend und kann in der Anfangsphase einer Migräne helfen.
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