Das menschliche Gehirn ist ein Wunderwerk der Natur, eine hochkomplexe Struktur, die uns zu dem macht, was wir sind. Seit Jahrtausenden fasziniert es die Wissenschaft, und noch immer sind längst nicht alle seine Geheimnisse gelüftet. Wusstest du, dass dieses erstaunliche Organ im Durchschnitt 1400 Gramm wiegt und etwa 100 Milliarden Nervenzellen enthält? Bereits 1500 v. u. Z. gab es in Ägypten Aufzeichnungen über den Aufbau des Gehirns. Es ist ein lebenswichtiges, sensibles Organ, das durch verschiedene Schutzeinrichtungen vor äußeren Einflüssen geschützt wird. Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Reise durch den Aufbau und die Funktion des Gehirns, von seinen schützenden Hüllen bis hin zu den komplexen Prozessen, die in ihm ablaufen.
Schutzmechanismen des Gehirns
Das Gehirn ist ein sensibles Organ und benötigt daher besonderen Schutz. Gleich mehrere Schichten schützen es vor mechanischen Einwirkungen und Krankheitserregern:
- Der knöcherne Schädel: Die äußerste Schutzschicht bildet der Schädel, der in Gesichts- und Hirnschädel unterteilt ist. Der Hirnschädel umgibt das Gehirn und schützt es vor allem vor Stößen und Schlägen.
- Die Hirnhäute (Meningen): Unterhalb des Schädels liegen die Hirnhäute, drei verschiedene Schichten, die das Nervengewebe zusätzlich schützen.
- Die harte Hirnhaut (Dura mater) ist die äußerste, feste Schicht.
- Die Spinnengewebshaut (Arachnoidea) ist die mittlere Hirnhaut und besteht aus Bindegewebe mit kollagenen Fasern, die wie Spinnenweben aussehen. Der Raum zwischen Spinnengewebshaut und weicher Hirnhaut ist mit Hirnflüssigkeit gefüllt.
- Die weiche Hirnhaut (Pia mater) liegt dem Gehirn direkt an.
- Die Blut-Hirn-Schranke: Diese Barriere zwischen den Blutgefäßen und den Nervenzellen verhindert, dass schädliche Substanzen aus dem Blut ins Gehirn gelangen. Es gibt aber keinen direkten Kontakt zwischen den Blutgefäßen und den Nervenzellen.
Wichtig zu wissen: Das Gehirn selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren. Schmerzen, die im Kopf wahrgenommen werden, entstehen in den Hirnhäuten, Blutgefäßen oder der Kopfhaut.
Trotz dieser Schutzmechanismen können Bakterien und Viren in seltenen Fällen die Barrieren durchdringen und eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen. Dies kann durch offene Kopfwunden, über den Blutkreislauf oder durch sich ausbreitende Infektionen aus Nasennebenhöhlen und Mittelohr geschehen.
Der Aufbau des Gehirns: Eine Gliederung in verschiedene Bereiche
Das menschliche Gehirn unterscheidet sich in seinem grundlegenden Aufbau nicht wesentlich von den Gehirnen anderer Wirbeltiere. Während der pränatalen Entwicklung ist die Gliederung besonders gut zu erkennen. Für jeden Abschnitt des Gehirns existiert in der Gehirnanlage des Embryos ein Hirnbläschen. Mit fortschreitender Entwicklung vergrößern und differenzieren sich diese Bläschen.
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Das Gehirn lässt sich in folgende Hauptbereiche unterteilen:
- Großhirn (Cerebrum): Das Großhirn ist der größte Teil des Gehirns und macht etwa 80 % des Gehirnvolumens aus. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch den Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Der Balken ist ein Strang aus Nervenfasern, der den Informationsaustausch zwischen den beiden Hemisphären ermöglicht. Die äußerste Schicht des Großhirns ist die Großhirnrinde (Cortex cerebri), die nur wenige Millimeter dick ist, aber eine enorm wichtige Rolle spielt. Um seine Oberfläche noch weiter zu vergrößern, ist es stark gefaltet. Es bildet viele Gehirnwindungen (Gyri), die durch Gräben (Sulci) voneinander getrennt sind. Auf der Großhirnrinde befinden sich 52 Rindenfelder, die nach verschiedenen Funktionen eingeteilt werden. Das Großhirn ist für höhere Gehirnfunktionen wie Lernen, Denken, Sprache, Gedächtnis und bewusste Wahrnehmung zuständig. Die Großhirnrinde bildet die Oberfläche des Großhirns. Darauf befinden sich 52 Rindenfelder, die nach verschiedenen Funktionen eingeteilt werden. Das sind Hirnareale mit verschiedenen Aufgaben, in denen die Nervenbahnen enden oder entspringen.
- Zwischenhirn (Diencephalon): Das Zwischenhirn liegt zwischen dem Großhirn und dem Mittelhirn und ist ein wichtiges Regulationszentrum. Es besteht aus verschiedenen Strukturen, darunter:
- Thalamus: Der Thalamus wird oft als "Tor zum Bewusstsein" bezeichnet. Er empfängt fast alle Sinneswahrnehmungen und leitet sie an das zuständige Rindenfeld im Großhirn weiter.
- Hypothalamus: Der Hypothalamus ist das oberste Regulationszentrum des vegetativen Nervensystems. Er überwacht lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmus, Appetit- und Durstempfinden sowie Sexualverhalten. Er kontrolliert den Hormonhaushalt und stellt die Verbindung zwischen Hormon- und Nervensystem dar. Der Hypothalamus ist verbunden mit der Hypophyse. Sie ist die Hormondrüse am Gehirn.
- Mittelhirn (Mesencephalon): Das Mittelhirn verbindet das Zwischenhirn mit dem Kleinhirn und ist an der Steuerung von Augenbewegungen, akustischen und visuellen Reflexen beteiligt. Zusammen mit dem verlängerten Rückenmark und der dazwischenliegenden Brücke bildet es den Hirnstamm.
- Kleinhirn (Cerebellum): Das Kleinhirn liegt unterhalb des Großhirns und hinter dem Hirnstamm. Genau wie das Großhirn, lässt sich auch das Kleinhirn in zwei Hemisphären einteilen. Zwischen den beiden Hälften liegt der Kleinhirnwurm. Das Kleinhirn ist vor allem für die Koordination von Bewegungen, das Gleichgewicht und die Feinmotorik verantwortlich. Es speichert auch erlernte Bewegungsabläufe und Gewohnheiten.
- Hirnstamm (Truncus cerebri): Der Hirnstamm bildet den untersten Teil des Gehirns und verbindet es mit dem Rückenmark. Er besteht aus Mittelhirn, Brücke (Pons) und verlängertem Rückenmark (Medulla oblongata). Der Hirnstamm ist für die Steuerung lebenswichtiger Funktionen wie Atmung, Herzschlag, Blutdruck und Reflexe zuständig. Im Nachhirn überkreuzen sich viele Nervenbahnen unserer beiden Körperhälften.
Die Funktionsweise des Gehirns: Ein komplexes Zusammenspiel
Das Gehirn ist die Steuerzentrale des Körpers. Es empfängt Informationen von den Sinnesorganen und aus dem Körperinneren, verarbeitet diese und sendet Befehle an Muskeln und Organe. Es ist zuständig für alle bewussten und unbewussten Prozesse, die in unserem Körper ablaufen.
Die Arbeitsweise des Gehirns basiert auf der Kommunikation zwischen Nervenzellen (Neuronen). Diese sind über Synapsen miteinander verbunden.
- Nervenzellen (Neuronen): Nervenzellen sind die Bausteine des Gehirns. Sie bestehen aus einem Zellkörper (Soma), Dendriten (die Informationen empfangen) und einem Axon (das Informationen weiterleitet).
- Synapsen: Synapsen sind die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. An den Synapsen werden Informationen in Form von chemischen Botenstoffen (Neurotransmittern) übertragen.
- Neuronale Netze: Nervenzellen sind zu komplexen Netzwerken verbunden. Durch die Aktivität dieser Netzwerke entstehen Gedanken, Gefühle und Handlungen.
Die Synapsen können dabei nutzungsabhängig optimiert und verändert werden. Dieser Prozess wird als neuronale oder synaptische Plastizität bezeichnet. Lernfähigkeit kommt dadurch zustande, dass durch ständiges Wiederholen entsprechende Synapsen verstärkt werden.
Die Entwicklung des Gehirns
Das Gehirn eines Embryos entwickelt sich etwa ab der vierten Schwangerschaftswoche. Dazu bilden sich aus dem vorderen Teil Neuralrohr drei bläschenförmige Erweiterungen aus. Bereits in dieser frühen Entwicklungsphase wird das Gehirn also in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt. Aus den drei ersten Bläschen bilden sich das Vorder-, das Mittel- und das Rautenhirn. Im Laufe der Entwicklung gehen daraus dann weitere Hirnbläschen hervor, welche die restlichen Gehirnabschnitte bilden.
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Die Entwicklung des Gehirns ist ein lebenslanger Prozess. Auch im Erwachsenenalter können sich neue Nervenzellen bilden und bestehende Verbindungen verstärkt oder geschwächt werden.
Energiebedarf und Schutz des Gehirns
Da der Energieverbrauch des Gehirns so hoch und der Stoffwechsel dort so aktiv ist, benötigt es sehr viel Sauerstoff und Glucose (Energielieferant). Denn obwohl das Gehirn nur 2% des Körpergewichts ausmacht, geht ungefähr ein Fünftel unseres gesamten Sauerstoffbedarfs an das Gehirn. Die Durchblutung des Gehirns läuft über zwei große, jeweils in Paaren angelegte Arterien ab. Seitlich am Hals entlang verläuft die innere Halsschlagader (Arteria carotis interna), die aus der Halsschlagader (Arteria carotis communis) entspringt.
Um das Gehirn vor schädlichen Substanzen zu schützen, die über das Blut gelangen könnten, gibt es eine Schranke: die Blut-Hirn-Schranke. Sie stellt eine Barriere zwischen den Blutgefäßen und den Nervenzellen dar.
Erkrankungen des Gehirns
Das Gehirn kann durch verschiedene Ursachen in seiner Funktion gestört oder beschädigt werden. Am besten können Schädigungen durch ein Gehirn-MRT festgestellt werden. Bei der Magnetresonanztomographie (MRT) wird der Kopf sozusagen gescannt und ein Bild erstellt. Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns beschädigt wird, können ganz unterschiedliche Symptome auftreten.
Einige Beispiele für Erkrankungen des Gehirns sind:
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- Schlaganfall: Eine Durchblutungsstörung im Gehirn durch den Verschluss eines Blutgefäßes, die zu Sauerstoffunterversorgung im entsprechenden Gebiet führt.
- Gehirntumor: Es gibt gutartige und bösartige Hirntumore.
- Demenz: Unter Demenz versteht man die Abnahme von Gedächtnis- und Denkleistungen. Eine Art der Demenz ist Alzheimer.
- Parkinson: Bei Parkinson kommt es zum Absterben einer bestimmten Art von Nervenzellen im Gehirn. Dadurch herrscht eine geringere Konzentration des Botenstoffs Dopamin vor.
Lernen und Gedächtnis
Lernvorgänge laufen im Gehirn ununterbrochen ab. Informationen werden zunächst in den Sinnesorganen aufgenommen und gelangen dann ins Gehirn. Im Kurzzeitgedächtnis werden Informationen circa zehn Sekunden bis wenige Minuten gespeichert. Die Aufnahmefähigkeit ist jedoch auf wenige Einheiten beschränkt.
Emotionen spielen eine wichtige Rolle beim Speichern von Informationen. Emotionsbetonte Informationen werden besser behalten. Eine wichtige Rolle beim Speichern spielt das Limbische System mit dem Mandelkern, der Amygdala.
Das Wissen wird verstreut im Gehirn gespeichert. Beim Erinnern setzt das Gehirn das Gelernte aus den abgelegten Eckwerten wieder zusammen. Das Gehirn interpretiert neue Informationen auf Grundlage persönlicher Lernerfahrungen.
Künstliche Intelligenz und das menschliche Gehirn
Expertinnen und Experten streiten darüber, ob künstliche Intelligenz irgendwann die Komplexität des menschlichen Gehirns erreichen kann. Einige Forscherinnen und Forscher sind optimistisch und glauben, dass wir das Gehirn in naher Zukunft vollständig nachbilden können. Andere warnen, dass die neuronalen Netze und Verbindungen im Gehirn zu komplex sind, um jemals vollständig von Maschinen imitiert zu werden.
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