Die vierte Staffel der britischen Anthologieserie "Black Mirror" wurde am 29. Dezember veröffentlicht und wirft erneut spannende Fragen über unsere Abhängigkeit von Technologie auf. Die Staffel besteht aus sechs unabhängigen Episoden, die jeweils eine in sich geschlossene Geschichte erzählen.
USS Callister: Virtuelle Realität und Rachefantasien
Die erste Episode, "USS Callister", entführt den Zuschauer in die unendlichen Weiten des Weltraums. Robert Daly, ein brillanter, aber sozial unbeholfener Programmierer, hat eine eigene Version seines Online-Spiels "Infinity" erstellt, in der er als Captain das Raumschiff USS Callister befehligt. Seine Crew besteht aus digitalen Klonen seiner Kollegen, deren DNA er von benutzten Kaffeebechern gewonnen hat. In dieser virtuellen Realität lebt Daly seine Machtfantasien aus und rächt sich an denjenigen, die ihn im realen Leben verärgert haben.
Die Episode ist eine Hommage an "Star Trek", aber auch ein Psychothriller, der die dunklen Seiten der virtuellen Realität und die Gefahren von Rachefantasien thematisiert. Jesse Plemons spielt die Rolle des Robert Daly überzeugend und verkörpert den Prototyp des sadistischen Nerds. Die Episode ist clever geschrieben und spannend inszeniert, mit einem überraschend heiteren Ende für "Black Mirror"-Verhältnisse. Einige Kritiker bemängelten jedoch, dass die Erklärungen der Twists etwas wacklig erscheinen und die Thematik der Sexualität nicht gänzlich überzeugend umgesetzt wurde.
Trotzdem ist "USS Callister" eine unterhaltsame und sehenswerte Episode, die das Potenzial für ein Spin-off bietet. Regisseur Toby Haynes äußerte sich positiv zu der Idee einer "USS Callister"-Serie und bezeichnete die Episode als "die beste Pilotfolge einer Weltraum-Serie aller Zeiten".
Arkangel: Überbehütung und Kontrollsucht
Die zweite Episode, "Arkangel", unter der Regie von Jodie Foster, thematisiert die Frage, was passiert, wenn eine Mutter die Handlungen ihres Kindes per Mikrochip im Kopf verfolgen kann. Marie Sabrell entscheidet sich, ihrer Tochter Sara ein Implantat einsetzen zu lassen, nachdem diese auf einem Spielplatz verschwunden ist. Mit dem "Arkangel"-System kann Marie Sara jederzeit lokalisieren, ihre Vitalwerte überprüfen und ihre Sinneseindrücke mitverfolgen. Belastende Bilder werden einfach ausgeblendet.
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Je älter Sara wird, desto mehr Probleme bringt diese Totalüberwachung mit sich. Marie muss tiefgreifende Entscheidungen treffen, als sie feststellt, dass ihre Tochter durch die ständige Kontrolle Verhaltensauffälligkeiten entwickelt. Die Episode wirft die Frage auf, ab wann Liebe und Fürsorge in schädliche Kontrollsucht umschlagen.
"Arkangel" ist eine beklemmende Episode, die zum Nachdenken anregt und viele offene Fragen hinterlässt. Jodie Foster gelingt es, Marie nicht als Unmensch, sondern als Kranke darzustellen. Die Episode zeigt die Gefahren von Überbehütung und die Notwendigkeit, Kindern Freiräume zu lassen.
Krokodil: Erinnerungen und Schuld
Die dritte Episode, "Krokodil", spielt auf Island und erzählt die Geschichte von Mia, einer erfolgreichen Architektin, die in einen vertuschten Verkehrsunfall verwickelt ist. Jahre später wird sie von ihrem alten Freund Rob wiederaufgesucht, der die Tat gestehen will. Es entspinnt sich eine Spirale von verhängnisvollen Entscheidungen, als Mia beschließt, Rob zu töten, um ihre Lebenslüge zu schützen.
Eine Versicherungsmitarbeiterin namens Shazia untersucht einen anderen Fall und verwendet eine Apparatur, mit der sie die Erinnerungen anderer Menschen visualisieren kann. Als Shazia auf den Unfall aufmerksam wird, droht Mias Geheimnis aufzufliegen. Mia sieht keinen anderen Ausweg, als Shazia und alle anderen Zeugen zu töten.
"Krokodil" ist eine düstere und spannende Episode, die die Thematik von Schuld und Sühne behandelt. Die auf Island gefilmte Episode sieht toll aus, könnte aber auch eine "Tatort"-Folge in naher Zukunft sein. Einige Kritiker bemängelten jedoch, dass die Episode ihren Fokus nicht recht finden kann und die interessante Figur der Versicherungsangestellten Shazia zu schnell verabschiedet wird.
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Hang the DJ: Dating-Apps und freier Wille
Die vierte Episode, "Hang the DJ", spielt in einer abgeschirmten Gesellschaft, in der eine Dating-App Beziehungen ein automatisches Ablaufdatum zuweist. Amy und Frank werden von dem System zusammengeführt und verlieben sich ineinander. Ihre gemeinsame Zeit ist jedoch begrenzt, und sie müssen sich dem System beugen und wieder getrennte Wege gehen.
Trotz neuer Beziehungen können sie sich nicht vergessen. Das System führt sie schließlich wieder zusammen, aber ihre gemeinsame Zeit schwindet aufgrund eines Fehlers von Frank. Sie müssen sich entscheiden, ob sie dem System vertrauen oder rebellieren.
"Hang the DJ" ist eine romantische und zugleich dystopische Episode, die die Frage nach dem freien Willen in einer von Algorithmen gesteuerten Welt aufwirft. Die Episode zeigt die kühle Distanz von Dating-Apps und die Sehnsucht nach echter Liebe.
Metallkopf: Postapokalypse und Roboterhunde
Die fünfte Episode, "Metallkopf", ist in Schwarz-Weiß gedreht und spielt in einer postapokalyptischen Welt. Eine Frau wird von einem unbarmherzigen Roboterwachhund verfolgt, nachdem sie und ihre Freunde in eine Lagerhalle eingebrochen sind. Die Episode ist adrenalingeladen und spannend, hat aber keine tiefergründige Botschaft.
"Metallkopf" ist die kürzeste Episode der Staffel und konzentriert sich auf Action und Spannung. Das Stilmittel des Schwarz-Weiß verstärkt den Pessimismus der Episode. Einige Kritiker bemängelten jedoch, dass die Episode keine tiefergründige Botschaft hat.
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Black Museum: Gräueltaten und Rache
Die sechste Episode, "Black Museum", spielt in einem Museum, in dem allerlei Exponate zu spektakulären Verbrechen ausgestellt sind. Eine junge Touristin erfährt die verstörenden Geschichten hinter den Stücken und entdeckt, dass der Betreiber des Museums an einigen ausgestellten Gräueltaten beteiligt war. Sie plant eine Rache.
"Black Museum" ist eine düstere und verstörende Episode, die die Thematik von Rache und Vergeltung behandelt. Die Episode ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine andere Geschichte erzählen. Einige Kritiker bemängelten jedoch, dass die Episode erzählerisch zerfasert und die Hauptattraktion unmenschlicher ist, als man es sich hätte vorstellen können.