Blaue Flecken, medizinisch als Hämatome bezeichnet, sind Blutansammlungen im Gewebe unter der Haut. Meistens entstehen sie durch Stöße oder Verletzungen, an die man sich erinnert. Treten sie jedoch ohne erkennbare Ursache auf, kann dies Anlass zur Sorge geben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für blaue Flecken, insbesondere auf der Handfläche, wann sie harmlos sind und wann eine medizinische Abklärung erforderlich ist, sowie Tipps zur Vorbeugung und Behandlung.
Was ist ein blauer Fleck?
Ein blauer Fleck entsteht, wenn Blut aus verletzten Blutgefäßen ins umliegende Gewebe austritt. Der Farbwechsel des Hämatoms im Laufe der Zeit - von Rot über Blau und Grün bis Gelb - zeigt den Abbau des Blutes im Gewebe an.
Ursachen für blaue Flecken auf der Handfläche
Blaue Flecken auf der Handfläche können verschiedene Ursachen haben:
- Verletzungen: Stöße, Schläge oder Prellungen, bei denen Blutgefäße unter der Haut reißen und zu einem blauen Fleck oder ausgeprägten Hämatom führen. Meist erinnert man sich noch genau an die Kollision mit der Tischkante oder dem Badezimmerhocker, bei der man sich einen blauen Fleck zugezogen hat.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Blutverdünner (z.B. Acetylsalicylsäure (ASS), Warfarin), Cortison oder Antibiotika können dazu führen, dass Blutgefäße leichter platzen und blaue Flecken verursachen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin C oder K kann die Blutgerinnung beeinträchtigen und zu erhöhter Anfälligkeit für blaue Flecken führen. Zur Vorbeugung empfiehlt Maria Makartchenko, auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin C und K zu achten, da beide Vitamine die Gefäßwände stärken können. Jedoch sollten Sie, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, Rücksprache mit Ihrem Hausarzt beziehungsweise Ihrer Hausärztin halten.
- Alter: Mit zunehmendem Alter wird die Haut dünner und das schützende Unterhautfettgewebe nimmt ab, was dazu führen kann, dass blaue Flecken leichter auftreten. Bei älteren Menschen ist zudem häufig weniger Unterhautfettgewebe vorhanden, so dass sich eine Einblutung leichter im Gewebe ausbreitet und in Form eines blauen Flecks sichtbar wird. Das belegt auch eine amerikanische Studie, in der festgestellt wurde, dass Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 83 Jahren mehr zu spontanen Hämatomen neigen, gerade wenn sie gerinnungshemmende Mittel einnehmen.
- Blutgerinnungsstörungen: Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie A oder B (Bluterkrankheit) oder das Von-Willebrand-Syndrom (VWS) können dazu führen, dass blaue Flecken leichter auftreten. Eine bekannte Erbkrankheit ist Hämophilie A oder B, im Volksmund Bluterkrankheit. Bei beiden Formen fehlt im Blut ein Eiweiß, das für die Gerinnung sorgt. Dadurch treten häufiger blaue Flecken auf. Die am häufigsten vorkommende Blutstillungsstörung ist laut der Deutschen Hämophiliegesellschaft das angeborene Von-Willebrand-Syndrom (VWS), bei dem die Wundverschließung gestört ist.
- Sonneneinstrahlung: Langfristige Sonneneinstrahlung dünnt die Haut aus und schwächt die Blutgefäße, was zu erhöhter Anfälligkeit für blaue Flecken führen kann.
- Krankheiten: Krankheiten wie Lebererkrankungen, bestimmte Krebsarten oder Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitis) gehen oft mit vermehrten blauen Flecken einher. Dermatologin Makartchenko rät dazu, bestimmte Arten von Hämatomen wie sogenannte Petechien genauer untersuchen zu lassen. Diese kleinen punktförmigen Einblutungen unter der Haut könnten ein Hinweis auf eine Erkrankung wie zum Beispiel Vaskulitis (Gefäßentzündung) oder eine Gerinnungsstörung sein. Petechien sind punktförmige Blutansammlungen, die entstehen, wenn Blut aus den feinsten Blutgefäßen austritt.
- Lipödem: Auch beim Lipödem, einer chronischen Fettverteilungsstörung, neigen Betroffene oft zu blauen Flecken. Bei dieser Krankheit sind die feinen Blutgefäße im Unterhautgewebe besonders fragil, was kleine Einblutungen und damit Hämatome begünstigt, erklärt Dermatologin Makartchenko. Hämatome treten häufig als eines von vielen Symptomen bei Lipödem auf.
Blaue Flecken und das weibliche Geschlecht
Frauen neigen eher zu blauen Flecken oder spontanen Hämatomen als Männer. Kurz erklärt: Frauen haben eine andere Fett- und Bindegewebsverteilung, die nicht nur der femininen Erscheinung dient, sondern insbesondere auch für die funktionelle Hormonproduktion des weiblichen Organismus unentbehrlich ist. Durch das insgesamt höhere Volumen unter der Haut reagieren kleinste Blutgefäße mit Verhärtung als Schutz vor dem Druck. Doch diese Verhärtung, im medizinischen „Sklerose“ genannt hat auch einen Nachteil: Die Blutgefäße werden brüchiger, da sie an Elastizität verlieren. Frauen entwickeln durch die Einnahme der Pille oder während hormoneller Schwankungen (zum Beispiel in den Wechseljahren, d. Red.) häufiger Hämatome.
Blaue Flecken durch Lipödem
Hämatome treten häufig als eines von vielen Symptomen bei Lipödem auf. Diese sind zwar unangenehm, aber zum Glück keine ernsthafte Bedrohung. Aber warum bekommt man insbesondere bei Lipödem blaue Flecken? Die Ursache für blaue Flecken beim Lipödem liegt in der genetisch veranlagten unterschiedlichen Gewebezusammensetzung von Frauen und Männern, denn es gilt: je mehr Druck, desto mehr blaue Flecken. Insbesondere bei Frauen mit Lipödem kommt es also durch das vermehrte Fett- und Bindegewebe zu der typisch schmerzhaften Drucksymptomatik und in der Folge zu vermehrter Hämatombildung. Nun ist uns klar, warum die Blutgefäße beim Lipödem anfälliger für Verletzungen sind und schon kleinste Stöße oder Druck schnell zu blauen Flecken führen können. Ein weiterer druckerhöhender Faktor kommt beim Lipödem dazu: die Durchlässigkeit der Blutgefäße. Wir alle kenne das: Je länger und wärmer der Tag, desto mehr Schwellung, insbesondere um die Knöchel herum. Bis zu einer gewissen Symptomatik ist das normal und tritt auch bei vielen Frauen ohne Lipödem auf. Durch das höhere Fettvolumen bei Lipödem entsteht jedoch ein Stau in den kleinsten rückführenden Blutgefäßen. Dadurch gelangen Flüssigkeiten und rote Blutkörperchen leichter in das umliegende Gewebe. Die überschüssige Flüssigkeit kann nicht ausreichend vom Lymphsystem abtransportiert werden und erhöht somit den Gewebedruck. Blaue Flecken allein sind nicht ausreichend, um eine Diagnose Lipödem zu stellen. Es ist durchaus möglich, an einem Lipödem zu leiden, ohne häufige Blutergüsse zu haben. Viele Betroffene beklagen blaue Flecken als häufigstes Symptom ihrer Lipödemerkrankung. Insbesondere bei den äußeren Oberschenkelvorderseiten sowie den rückseitigen Oberarme, denn an diesen Körperarealen zeigt sich aufgrund der anatomischen Eigenschaften der höchste Druck bei Lipödem. Durch die große Fläche der Beine sind diese bei Lipödem am stärksten exponiert und somit vermehrt Stößen und Druck ausgesetzt. Auch blaue Flecken an den Armen können ein Anzeichen für ein Lipödem sein. Dies jedoch seltener als an den Beinen. Grund hierfür ist wiederum der unterschiedliche Gewebedruck, der an den Armen prinzipiell geringer ist als an den Beinen. Die Aktivität trägt selbstverständlich auch zu dem Ausmaß der Hämatombildung an den Armen bei. An den Armen sind beim Lipödem am häufigsten die äusseren und hinteren Oberarme betroffen. Weniger von Lipödem betroffen Körperareale und damit weniger blaue Flecke finden sich zum Beispiel in der Körpermitte wie dem Oberbauch oder dem Rücken. Das Lipödem kann auch andere Bereiche als die Beine und Arme betreffen. Daher ist es auch möglich, dass blaue Flecken am Bauch oder gar der Brust als Folge eines Lipödems auftreten. Grundsätzlich gilt die Regel: je weniger Druck, desto seltener blaue Flecken. Der erhöhte Gewebedruck bei Lipödem verringert die Durchblutung der Hautoberfläche. Die Haut ist dadurch kalt und braucht insbesondere im Winter länger, bis sie sich wieder erwärmt. Die verringerte Durchblutung ist auch der Grund, warum blaue Flecke bei Lipödem länger verbleiben.
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Wann sind blaue Flecken harmlos und wann nicht?
In den meisten Fällen sind blaue Flecken nicht weiter bedenklich. Wenn sie allerdings gehäuft und spontan auftreten, ohne dass man sich an einen Stoß oder Sturz erinnern kann, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Wenn die Größe der blauen Flecken unverhältnismäßig groß für die vorangegangene Prellung ist, oder sie spontan auftreten, könnte eine Störung des Blutgerinnungssystems vorliegen.
Wie kann man blauen Flecken vorbeugen?
Wirklich vermeiden lassen sich Blutergüsse im Lauf des Lebens nicht. Zur Vorbeugung empfiehlt es sich:
- Ausgewogene Ernährung: Auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin C und K achten, da beide Vitamine die Gefäßwände stärken können.
- Sonnenschutz: Ausreichender Sonnenschutz, beispielsweise durch lange Kleidung, kann einer Hautalterung durch Sonnenlicht vorbeugen.
- Bindegewebestärkung: Stärken Sie Ihr Bindegewebe durch eine gesunde Ernährung, die reich an Antioxidantien und kollagenfördernden Nährstoffen ist. Regelmäßige Bewegung, primär Krafttraining und spezielle Übungen für das Bindegewebe, können helfen, die Haut elastisch und stark zu halten.
- Kompressionskleidung: Um den Druck zu reduzieren, kann das regelmäßige Tragen von Kompressionskleidung helfen.
Wie lassen sich blaue Flecken behandeln?
Sollten Sie einen blauen Fleck bemerken, sollten Sie die „PECH-Regeln beachten“: Pause (z.B. vom Sport), Eis (Kühlen), Compression (z.B. Druckverband), Hochlagern. So ziehen sich die Gefäße etwas zusammen und die Ausbreitung des blauen Flecks wird verringert. Coolpacks aus dem Kühl- oder Gefrierschrank nie direkt auf der Haut verwenden, sondern eingeschlagen in ein Tuch. Sonst drohen Erfrierungsschäden! Nach ein bis zwei Tagen darf die geprellte Stelle gewärmt werden, um den Abbau des Blutes im Gewebe zu fördern. Cremes mit Arnika oder Heparin können den Heilungsprozess beschleunigen. Gegen blaue Flecken bei Lipödem helfen jedoch erwärmende Massnahmen wie die Anwendung von durchblutungsfördernder Heparinsalbe. Zudem kann regelmäßige manuelle Lymphdrainage helfen, den Lymphfluss zu verbessern und Schwellungen zu reduzieren. Schwimmen hilft ebenfalls, für den Moment den Druck im Gewebe zu entlasten. Dies sind jedoch alles konservative Maßnahmen, die das Grundproblem des vermehrten Druckes nur kurzzeitig lindern.
Achenbach-Syndrom
In einen Finger fährt ein stechender Schmerz, der Finger verfärbt sich blau und schwillt auch noch an. Auf diese Weise äußert sich das seltene Achenbach-Syndrom. Die Symptomatik beim Achenbach-Syndrom erscheint durchaus bedrohlich. Doch der plötzlich schmerzende, verfärbte und geschwollene Finger ist kein Grund für übermäßige Besorgnis. Die Erkrankung ist gutartig und die Beschwerden bilden sich in der Regel von selbst wieder zurück. Das Achenbach-Syndrom trägt den Namen seines Erstbeschreibers - des deutschen Arztes Walter Achenbach (1921-2015). Aussagekräftiger ist hingegen eine weitere Bezeichnung dieser seltenen Erkrankung: paroxysmales Fingerhämatom. Das heißt, es kommt anfallsweise (paroxysmal) zu Hämatomen in den Fingern. Die subkutanen Blutergüsse bilden sich, weil ein kleines Blutgefäß reißt. Das kann auch den plötzlichen Schmerz verursachen. Das Fingerhämatom tritt meist nur an einem oder wenigen Fingern gleichzeitig auf, vorwiegend auf der Fingerinnenseite. Selten sind alle Finger oder die gesamte Hand betroffen. Über die Ursache des Achenbach-Syndroms herrscht noch Unklarheit. Vermutet wird eine lokale Gefäßwandschwäche von Venolen (kleinen Venen). Die Blutgerinnungswerte sind dagegen normal und auch sonst finden sich keine pathologischen Laborparameter. Das Fingerhämatom kann spontan oder nach kleinen Belastungen auftreten, etwa durch das Tragen einer Einkaufstasche. In erster Linie sind Frauen betroffen, vor allem im mittleren Lebensalter. Dem Achenbach-Syndrom lässt sich nicht vorbeugen. Es gibt auch keine spezifische Behandlungsmöglichkeit. Am besten wird der vom Hämatom betroffene Bereich geschont und gekühlt. Dann bildet sich der Bluterguss nach einigen Tagen von selbst zurück. Allerdings kann es immer mal wieder zu neuen Hämatomen kommen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn plötzliche blaue Flecken ohne erkennbare Verletzung auftreten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten. Besonders wenn die blauen Flecken ohne erkennbaren Grund auftreten und ungewöhnlich erscheinen, starke Schmerzen verursachen oder mit anderen Symptomen auftreten, solltest du unbedingt untersucht werden. Wenn Sie häufig blaue Flecken ohne ersichtlichen Grund bemerken und zudem Symptome eines Lipödems bei sich feststellen, ist es wichtig, die richtige Hilfe und Unterstützung zu finden. Ein Facharzt kann durch eine gründliche Anamnese und entsprechende Untersuchungen die Ursache feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten.
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Senile Purpura
Unter seniler Purpura versteht man Einblutungen in die Haut, die bei älteren Menschen ohne größeres Einwirken von außen entstehen. Die Einblutungen unter der Haut entstehen ohne große äußere Einwirkungen - beispielsweise durch einen leichten Stoß. Grund dafür sind Hautveränderungen: Durch die Hautalterung, insbesondere durch UV-Strahlung, wird das Hautgewebe dünner und weniger elastisch. Es kann die brüchigen Blutgefäße darunter nicht ausreichend stützen. Diese bluten deshalb leicht und es entstehen Blutergüsse. Die Blutergüsse sind häufig violett und können unterschiedlich groß sein - ihr Durchmesser liegt bei 1 bis 4 Zentimetern. Meistens treten die Blutergüsse am Handrücken und an den Unterarmen auf. Sie können aber auch andere Körperstellen - wie die Beine, den Hals oder das Gesicht - betreffen. Die Blutergüsse bilden sich nach 1 bis 3 Wochen zurück. Manchmal bleiben bräunliche Pigmentflecken bestehen. Eine senile Purpura verläuft komplikationsfrei.
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