Blutspende nach gutartigem Hirntumor: Was Sie wissen müssen

Die Frage, ob man nach einer überstandenen Krebserkrankung oder einer Bluttransfusion Blut spenden darf, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte und gibt Antworten auf häufige Fragen im Zusammenhang mit Blutspenden und gutartigen Hirntumoren.

Blutspende nach Bluttransfusion: Die wichtigsten Regeln

Wer eine Bluttransfusion erhalten hat und nun selbst Blut spenden möchte, muss einige Regeln beachten. Bluttransfusionen gelten in Deutschland als sehr sicher, dennoch gelten hohe Sicherheitsstandards zum Schutz der Patienten.

  • Wartezeit: Nach einer Bluttransfusion ist eine Wartezeit von 12 Monaten einzuhalten, bevor man wieder Blut spenden darf. Diese Frist gilt für den Erhalt von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und Plasmaspenden. Nach einer Eigenbluttransfusion beträgt die Wartezeit 4 Monate.
  • Besondere Regelung: Personen, die nach dem 01.01.1980 in Großbritannien oder Nordirland eine Übertragung von roten Blutkörperchen, Blutplättchen oder Blutplasma erhalten haben, sind bis auf Weiteres von der Blutspende ausgeschlossen. Hintergrund ist die von 1980 bis 1996 in Großbritannien grassierende bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) und das vermehrte Auftreten der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen. Eine Übertragung der Erreger über das Blut kann nicht ausgeschlossen werden.
  • Vollständige Genesung: Vor einer Blutspende sollte die vollständige Genesung im Vordergrund stehen. Manche Krankheiten führen zu einem dauerhaften Ausschluss von der Blutspende. Auch die Einnahme von Medikamenten kann die Eignung als Spender beeinflussen.

Blutspende nach Krebserkrankung: Ein dauerhafter Ausschluss?

Krebserkrankungen sind ein häufiger Grund für Bluttransfusionen, da die Erkrankung oder deren Behandlung oft zu einem Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen führen. Krebspatienten dürfen jedoch selbst kein Blut spenden.

  • Hämotherapie-Richtlinie: Die Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer und des Paul-Ehrlich-Instituts schreibt vor, dass Krebspatienten auch nach der Genesung dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen sind. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, um das Risiko einer erneuten Krebserkrankung und die Übertragung von Krebszellen im Spenderblut auszuschließen.
  • Ausnahmen: Eine Blutspende kann nach einem sogenannten in situ Karzinom oder einem Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs) möglich sein, wenn der Tumor vollständig entfernt wurde und keine Beschwerden mehr bestehen. Ein in situ Karzinom ist ein bösartiger Tumor, der noch nicht invasiv ist.
  • Chemotherapie: Nach einer Chemotherapie zur Behandlung einer Tumorerkrankung ist eine Blutspende nicht erlaubt. Dies gilt auch für weißen Hautkrebs und ein in situ Karzinom, bei denen ein Blutspendeausschluss nicht zwangsläufig dauerhaft besteht.

Blutspende nach gutartigem Hirntumor: Was gilt?

Neben bösartigen Tumoren gibt es auch gutartige Tumore. Ob ein gutartiger Tumor zu einem Dauerausschluss von der Blutspende führt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Entfernung und Beschwerdenfreiheit: Entscheidend ist, wo sich der Tumor befand und ob er vollständig entfernt wurde. Außerdem dürfen keine Beschwerden mehr bestehen. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Blutspende nach einer Tumorerkrankung möglich.
  • Fallbeispiel: Ein Erfahrungsbericht einer Spenderin zeigt, dass es trotz telefonischer Auskunft, nach sechs Monaten wieder spenden zu dürfen, vor Ort zu einer Ablehnung kam, da kein Attest vorgelegt werden konnte. Die Spenderin wurde sogar dauerhaft gesperrt. Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung einer klaren Kommunikation und der Vorlage aller relevanten Unterlagen.

Weitere wichtige Fragen rund um die Blutspende

Neben den spezifischen Fragen zu Krebserkrankungen und Tumoren gibt es noch weitere Faktoren, die die Eignung als Blutspender beeinflussen.

Lesen Sie auch: Die Zusammenhänge zwischen Blut, Gehirn und Massakern

  • Diabetes: Typ-I-Diabetiker dürfen in der Regel kein Blut spenden, da während der Blutspende das Risiko einer Blutzuckerentgleisung besteht. Typ-II-Diabetiker können unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden, sofern ihr Blutzucker gut eingestellt ist und sie kein Insulin injizieren. Die endgültige Entscheidung trifft der Spende-Arzt vor Ort.
  • Antidepressiva: Die Einnahme bestimmter Antidepressiva kann eine Blutspende ausschließen, während sie bei anderen möglich ist. In manchen Fällen darf die Spende nicht für Kinder und Schwangere verwendet werden. Auch hier entscheidet der Spende-Arzt.
  • Andere Medikamente: Die Einnahme mancher Medikamente schließt eine Blutspende aus. Dazu zählen beispielsweise Antibiotika, auch, weil ein Infekt besteht. Betablocker zur Blutdruckregulierung sind in der Regel unproblematisch, es sei denn, sie werden nach einem Herzinfarkt eingenommen. Auch Medikamente, die einen Fötus schädigen könnten, schließen eine Blutspende während und nach der Einnahme aus. Die Antibabypille und andere hormonelle Verhütungsmittel sind hingegen unkritisch.
  • Menstruation: Bei einem grundsätzlich niedrigen Eisenspiegel, wie er bei vielen Frauen durch die Menstruation bedingt ist, wird der Spende-Arzt vermutlich von der Blutspende abraten. Wenn es der Spenderin hingegen auch während der Regelblutung gut geht und kein Eisenmangel besteht, kann während dieser Zeit Blut gespendet werden.
  • Impfung: Nach einer Impfung mit abgetöteten oder gentechnisch hergestellten Erregern kann man schon nach einem Tag wieder Blut spenden. Bei einer Impfung mit lebenden/abgeschwächten Viren sind längere Wartezeiten einzuhalten.
  • Herpes: Erst nach der vollständigen Abheilung einer Herpesblase ist eine Blutspende wieder möglich.

Neuroonkologische Zentren: Spezialisierte Versorgung bei Hirntumoren

Die Neuroonkologie, also die Diagnostik und Behandlung von Hirn- und Rückenmarkstumoren, ist ein klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt an spezialisierten Zentren wie dem Uniklinikum Erlangen.

  • Interdisziplinäre Teams: In einem Neuroonkologischen Zentrum arbeiten interdisziplinäre Teams mit viel Erfahrung zusammen, um im Tumorboard die beste Entscheidung für den Patienten zu treffen.
  • Moderne Diagnostik und Therapie: Um Veränderungen im Gewebe zu beurteilen, können Neurochirurgen Ultraschall-, CT-, MRT- und PET-Bilder miteinander kombinieren. Während eines Eingriffs blendet das OP-Team millimetergenaue Markierungen über dem Operationsfeld ein und kennzeichnet mit dieser Neuronavigation, wo die Schnittlinien verlaufen sollen.
  • Wachoperationen: Bei Tumoren in funktional wichtigen Bereichen des Gehirns können Wachoperationen durchgeführt werden, um die Sprachfunktionen während der Operation zu überwachen.
  • Forschung: Neben der wissenschaftlichen Untersuchung molekularer Veränderungen von Tumoren ist die Erforschung der psychosozialen Bedürfnisse von Hirntumor-Patienten und deren Angehörigen ein wichtiges Anliegen.

Farbtest zur Risikoabschätzung bei Meningeomen

Ein Team aus Medizinern, Biophysikern und Chemikern hat einen Farbtest entwickelt, der innerhalb weniger Minuten das Risiko einer Verschlechterung bei Meningeomen anzeigen kann.

  • Hintergrund: Meningeome sind gutartige Hirntumore, die jedoch in seltenen Fällen aggressiv wachsen können. Bisherige Nachweismethoden für die Abschätzung des Risikos sind zeit- und ressourcenaufwändig.
  • Funktionsweise: Der Farbtest basiert auf dem Nachweis der alkalischen Phosphatase, einem Enzym, das bei der Entartung von Meningeomen eine zentrale Rolle spielt. Die Verbindung "AlkaPhos" verfärbt sich binnen weniger Minuten von Türkis zu Gelb, wenn das Enzym noch aktiv ist. Verfärbt es sich nicht mehr, ist die alkalische Phosphatase inaktiv, was auf ein erhöhtes Risiko für aggressives Wachstum hindeutet.
  • Vorteile: Die Methode ist einfach, schnell und kostengünstig und könnte in Zukunft auch in Gegenden der Welt eingesetzt werden, in denen hochspezialisierte Verfahren nicht verfügbar sind.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Hirnblutungen nach Sturz

Lesen Sie auch: Wie das Gehirn den Blutzucker steuert

tags: #blut #spenden #mit #gutartigem #hirntumor