Migräne ist mehr als nur Kopfschmerzen. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Ein besonderes Merkmal einiger Migräneformen ist die Aura, eine Phase neurologischer Symptome, die dem eigentlichen Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten kann. Diese Aura kann sich auf vielfältige Weise äußern, unter anderem durch Kribbeln, Juckreiz, Sehstörungen und andere sensorische Veränderungen.
Was ist Photophobie?
Photophobie, wörtlich übersetzt "Angst vor Licht", ist ein häufiges Symptom bei Migräne. Menschen mit Photophobie meiden helles Licht, da es Schmerzen oder Unbehagen verursachen kann. Dies kann sowohl natürliches Licht als auch künstliches Licht betreffen. Die Ursachen für Photophobie sind vielfältig und reichen von Augenerkrankungen bis hin zu neurologischen Problemen wie Migräne.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
- Genetische Veranlagung: Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Veränderungen in bestimmten Genen können das Risiko für Migräne erhöhen.
- Auslöser (Trigger): Verschiedene Faktoren können bei entsprechender Veranlagung eine Migräneattacke auslösen. Dazu gehören Stress, Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Reizüberflutung, Wetterwechsel, bestimmte Lebensmittel und hormonelle Veränderungen.
Formen von Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne, darunter:
- Migräne ohne Aura: Dies ist die häufigste Form der Migräne. Typisch sind anfallsartige, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität, die sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form der Migräne treten neurologische Symptome (Aura) vor oder während der Kopfschmerzphase auf. Die Aura kann sich durch Sehstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Sprachstörungen oder andere neurologische Symptome äußern.
- Chronische Migräne: Von chronischer Migräne spricht man, wenn jemand an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate hinweg an Kopfschmerzen leidet, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen.
- Migränekomplikationen: Dazu gehören seltene, aber schwerwiegende Komplikationen wie Status migraenosus (ein Migräneanfall, der länger als 72 Stunden anhält), migränöser Infarkt (Schlaganfall im Zusammenhang mit Migräne) und epileptischer Anfall, der durch eine Migräne-Aura ausgelöst wird.
- Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können: Dazu gehören wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne) und vestibuläre Migräne (Schwindel im Zusammenhang mit Migräne).
Migräne mit Aura im Detail
Die Migräne mit Aura ist eine besondere Form der Migräne, bei der neurologische Symptome, die sogenannte Aura, dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. Die Aura kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und wird von den Betroffenen individuell wahrgenommen. Sie dauert in der Regel höchstens eine Stunde.
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Symptome der Aura
Die Symptome der Aura lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:
- Kortikale Symptome: Diese betreffen vor allem die Hirnrinde und äußern sich häufig als Sehstörungen wie Flimmerskotom (Flimmern im Gesichtsfeld), negatives Skotom (Gesichtsfeldausfall), positives Skotom (Wahrnehmung von gezackten Linien) oder Lichtblitze. Auch Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln und Taubheit sowie Sprachstörungen (Aphasie) können auftreten.
- Hirnstammsymptome: Diese betreffen den hinteren Teil des Kopfes und äußern sich durch beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder, Sprachstörungen (Dysarthrie), Bewegungsstörungen (Ataxie), Hörminderung, Tinnitus, Schwindel und Bewusstseinsstörungen.
Seltenere Formen der Migräne mit Aura
- Hemiplegische Migräne: Bei dieser Form der Migräne äußert sich die Aura vor allem durch eine vorübergehende Muskelschwäche.
- Retinale Migräne: Das Kennzeichen dieser Form sind Sehstörungen, die immer nur ein Auge betreffen.
Ursachen der Aura
Die Aura entsteht durch eine übermäßige Erregung von Nervenzellen im Gehirn, die sich wellenartig ausbreitet. Die genauen Ursachen für diese Übererregung sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren und individuelle Auslöser eine Rolle spielen.
Diagnose
Die Diagnose der Migräne mit Aura basiert auf den typischen Symptomen und dem zeitlichen Verlauf der Anfälle. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung der Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Anfälle in ihrer Intensität zu mindern und die Häufigkeit einzudämmen. Dies lässt sich vor allem erreichen, indem man die Auslöser meidet und frühzeitig schmerzlindernde Medikamente einnimmt. In manchen Fällen kann auch eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein.
Medikamente
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Anfällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen.
- Mittel gegen Übelkeit: Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleiterscheinungen von Migräne. Antiemetika können helfen, diese Symptome zu lindern.
- Prophylaktische Medikamente: Bei häufigen oder schweren Migräneanfällen kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierfür werden verschiedene Medikamente eingesetzt, darunter Betablocker, Kalziumkanalblocker, Antidepressiva und Antiepileptika.
Vorbeugung
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräne beitragen können:
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- Vermeidung von Triggerfaktoren: Es ist wichtig, die individuellen Auslöser für Migräne zu identifizieren und diese so gut wie möglich zu meiden.
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten können helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneanfälle zu vermeiden.
Alternative Behandlungsmethoden
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch einige alternative Ansätze, die bei Migräne helfen können:
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräne wirksam sein kann.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der man lernt, bestimmte Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen. Dies kann helfen, Stress abzubauen und Migräneanfälle zu reduzieren.
- Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10 können bei der Vorbeugung von Migräne hilfreich sein.
Sensibilitätsstörungen und Migräne
Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Juckreiz können im Rahmen einer Migräne mit Aura auftreten. Diese Missempfindungen treten häufig im Gesicht oder den Extremitäten auf und gehören zur sogenannten Aura-Phase, die der eigentlichen Kopfschmerzphase vorausgeht.
Ursachen von Sensibilitätsstörungen
Sensibilitätsstörungen können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Erkrankungen des Nervensystems: Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall
- Erkrankungen des Bewegungsapparats: Bandscheibenvorfall
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Vitaminmangel
- Infektionen: Borreliose, Gürtelrose
- Psychische Erkrankungen: Angststörungen, Panikattacken
- Migräne mit Aura
Diagnose von Sensibilitätsstörungen
Um die Ursache für Sensibilitätsstörungen herauszufinden, wird der Arzt zunächst einige Fragen stellen und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. Eine häufige Untersuchung zur Diagnose einer Sensibilitätsstörung ist der Monofilament-Test.
Behandlung von Sensibilitätsstörungen
Die Behandlung von Sensibilitätsstörungen richtet sich nach der Ursache. Bei Migräne mit Aura können die Sensibilitätsstörungen durch die Behandlung der Migräne gelindert werden.
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Wann sollte man zum Arzt gehen?
Gehen Sie bei erhöhter Blendempfindlichkeit oder Lichtscheu baldmöglich zum Augenarzt (Ophthalmologe). Lassen Sie sich unverzüglich zum Ophthalmologen oder in die Notaufnahme einer Augenklinik bringen, wenn Sie weitere Beschwerden haben wie starke Rötung eines oder beider Augen, Schmerzen, Augentränen, Sekretabsonderung, Lichtscheu, Sehminderung, Lidkrampf, Trübung am Auge, Verfärbung des Augenweiß oder andere Veränderungen des Augapfels, zum Beispiel Verhärtung oder Verlagerung. Rufen Sie bei Symptomen wie zum Beispiel ungewöhnliche oder besonders starke Kopfschmerzen und Lichtscheu, hohes Fieber, ausgeprägter Schwindel, starke Übelkeit, Nackensteifigkeit, Lähmungen oder Sehstörungen den Notarzt (Notruf 112).