Eine Blutbildstörung im Gehirn bei Ungeborenen kann schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für diese komplexen Erkrankungen. Es ist wichtig zu betonen, dass alle netDoktor.de-Inhalte von medizinischen Fachjournalisten überprüft werden, um die höchstmögliche Qualität und Genauigkeit zu gewährleisten.
Einleitung
Blutbildstörungen im Gehirn von Ungeborenen sind seltene, aber ernste Zustände, die eine schnelle Diagnose und Behandlung erfordern. Diese Störungen können verschiedene Ursachen haben, von mütterlichen Erkrankungen bis hin zu Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt.
HELLP-Syndrom: Eine Ursache für Blutbildstörungen
Das HELLP-Syndrom, eine Form der Schwangerschaftsvergiftung (Gestose), kann in Verbindung mit schwerem Bluthochdruck während der Schwangerschaft auftreten. In etwa 30 Prozent der Fälle tritt es erst nach der Geburt auf (postpartal). Der Name HELLP leitet sich von den Laborbefunden "Hemolysis, Elevated Liver Enzymes and Low Platelets" ab.
Beschreibung des HELLP-Syndroms
Das HELLP-Syndrom ist eine ernste, behandlungsbedürftige Erkrankung, die schwere Folgen für Mutter und Kind haben kann und im schlimmsten Fall tödlich endet. Es betrifft besonders die Leber und zeigt sich in charakteristischen Laborbefunden:
- H steht für Hämolyse, also die Auflösung der roten Blutkörperchen.
- EL steht für erhöhte Leberwerte (elevated liver enzymes).
- LP steht für niedrige Blutplättchenzahl (low platelet).
Zwei von 1000 Schwangeren sind vom HELLP-Syndrom betroffen, meistens Erstgebärende. Der Großteil der Patientinnen erkrankt zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels.
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Ursachen des HELLP-Syndroms
Die Ursachen des HELLP-Syndroms sind bislang nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch Erklärungsansätze, die auf eine Entzündung der Endothelzellen (flache Zellen, die das Innere der Blutgefäße auskleiden) in den Blutgefäßen der Plazenta hinweisen. Durch diese Entzündung entstehen kleine „Klümpchen“ im Blut (Mikrothromben), die die Leberzellen schädigen und die Leberwerte im Blutbild ansteigen lassen.
Eine andere Theorie vermutet eine Immunreaktion als Ursache. Antikörper der Mutter treffen auf Antigene der Umwelt oder des Kindes und bekämpfen diese, was zur Bildung von Mikrothromben führt, die der Leber und anderen Organen schaden.
Risikofaktoren für das HELLP-Syndrom
Zu den Risikofaktoren zählen:
- Mehrere Schwangerschaften einer Patientin
- Hohes mütterliches Alter
- Ethnische Zugehörigkeit (afroamerikanische Abstammung)
- Vorbekanntes HELLP-Syndrom in früheren Schwangerschaften oder in der Familie
- Rheumatische Erkrankungen
- Präeklampsie
Therapie des HELLP-Syndroms
Die einzige Möglichkeit, das HELLP-Syndrom ursächlich zu behandeln, ist die Entbindung. Je nach Schwangerschaftswoche muss die Entscheidung für oder gegen eine schnellstmögliche Geburt sorgfältig abgewogen werden. Bis zur 34. Woche versuchen Ärzte, eine frühzeitige Entbindung zu vermeiden. Treten Komplikationen auf oder ist die 34. Schwangerschaftswoche erreicht, beenden sie die Schwangerschaft in der Regel mit einem Kaiserschnitt.
Vor der Entbindung wird die Schwangere im Krankenhaus medizinisch überwacht und das HELLP-Syndrom mit Medikamenten behandelt. Ziel ist es, den Bluthochdruck zu senken, um Hirnblutungen vorzubeugen. Nifedipin ist das Mittel der ersten Wahl zur Blutdrucksenkung.
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Eine Entbindung ist notwendig bei:
- Auffälligkeiten beim Kind
- Anzeichen für ein einsetzendes Multiorganversagen der Mutter
- Komplikationen des HELLP-Syndroms, wie die disseminierte intravasale Gerinnung (DIG), Leberfunktionsstörungen und Nierenversagen
- Vorzeitige Plazentaablösung
Diagnostik des HELLP-Syndroms
Die Diagnostik umfasst ein allgemeines Gespräch (Anamnese) mit Untersuchung, Blutbild und bildgebenden Verfahren.
- Anamnese: Fragen nach Symptomen, Dauer und bisherigen Schwangerschaftsverlauf sowie nach Medikamenten, Krankengeschichte und familiären Vorerkrankungen.
- Blutdruckmessung: Bei einem HELLP-Syndrom ist der Blutdruck oft erhöht.
- Blutbild: Untersuchung des Blutes auf Hämolyse, erhöhte Leberwerte und verminderte Anzahl von Blutplättchen (Thrombozytopenie).
- Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchung der Leber.
Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE)
Der hypoxische Hirnschaden (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, auch HIE) beim Erwachsenen ist eine Hirnschädigung aufgrund eines schweren Sauerstoffmangels im Gehirn (Hypoxie). Häufig tritt er nach einem Kreislaufstillstand mit erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation) auf. In der Folge kommt es zu unterschiedlich stark ausgeprägten neurologischen Störungen bis hin zu Komazuständen oder einem Wachkoma.
Ursachen und Auswirkungen
Die Nervenzellen des Gehirns, vor allem die für höhere Funktionen des Bewusstseins wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen und besonders empfindlichen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sterben aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Minuten ab. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, wird das Gehirn irreparabel geschädigt und es entsteht ein hypoxischer Hirnschaden. Das Ausmaß des hypoxischen Hirnschadens hängt unter anderem davon ab, wie lange die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen war.
Diagnose
Bevor die Diagnose eines hypoxischen Hirnschadens gestellt werden kann, untersucht ein interdisziplinäres Team aus Spezialisten aus Innerer Medizin, Anästhesie bzw. Notfallmedizin und Neurologie die vorliegende Schädigung genauer. Insbesondere bei unbekannter Vorgeschichte müssen andere mögliche Erkrankungen der Gehirnfunktion (Enzephalopathien) ausgeschlossen werden, die durch eine Blutvergiftung (Sepsis) oder durch Medikamente ausgelöst oder stoffwechselbedingt (metabolisch) sein können.
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Neben einem ausführlichen Anamnesegespräch mit Ihnen und/oder Ihren Angehörigen zur Krankengeschichte stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Welche bildgebenden Verfahren wir einsetzen, hängt unter anderem von der vorliegenden oder vermuteten Ursache Ihres Kreislaufstillstands ab. Mit Ultraschall (Dopplersonografie, trans- und extrakranial) können wir alle großen Arterien untersuchen, die das Hirn versorgen. Die Magnetresonanztomografie des Schädels (kraniale MRT, cMRT) mit Blutgefäßdarstellung (Angiografie) macht Verengungen (Stenosen) oder Verschlüsse von Schlagadern sichtbar. Mit der kranialen Computertomografie (cCT) können wir Gehirn, Hirnhäute und knöchernen Schädel, mit der Thorax-CT die Lunge in Schnittbildern darstellen und beurteilen. Mit der CT-Angiografie und der Koronarangiografie können wir die Blutgefäße sowie die Herzkranzgefäße sichtbar machen.
Epilepsie bei Kindern
Epilepsie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich in epileptischen Anfällen äußert. Diese Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen: Manche dauern nur Sekunden und machen sich kaum bemerkbar, andere lösen starke Krämpfe aus, zum Teil am ganzen Körper. Bei Kindern werden die Symptome anfangs oft falsch gedeutet: zum Beispiel eine kurze „Abwesenheit“ als Tagtraum oder leichte Zuckungen als Schluckauf.
Formen der Epilepsie im Kindesalter
Es gibt verschiedene Epilepsieformen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten:
- Absence-Epilepsie: Das Kind ist während eines Anfalls für wenige Sekunden abwesend, wird blass, hat einen starren Blick und reagiert nicht auf Ansprache.
- Rolando-Epilepsie: Während des Anfalls zuckt eine Gesichtshälfte, manchmal auch ein Arm oder ein Bein.
- Juvenile myoklonische Epilepsie: Sie zeigt sich erstmals in der Pubertät mit Muskelzuckungen und mitunter ausfahrenden Arm- und Schulterbewegungen.
- West-Syndrom: Diese schwere Epilepsieform beginnt fast immer im Säuglingsalter mit Verkrampfungen der Nacken-, Hals- und Rumpfmuskulatur.
Ursachen und Diagnose
Manche Epilepsien haben keine erkennbare Ursache, andere sind durch eine Hirnschädigung, Stoffwechselkrankheiten oder genetische Faktoren bedingt. Bei Neugeborenen und Säuglingen sind Anfälle meist die Folge einer Erkrankung, wie Sauerstoffmangel, Blutungen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn.
Behandlung und Verlauf
Viele Kinder haben eine leichtere Epilepsie, die nach einigen Jahren verschwindet. Bei anderen Kindern hält die Epilepsie dauerhaft an und ist mitunter sehr ausgeprägt. Ärztinnen und Ärzte können oft schon innerhalb einiger Wochen oder Monate nach der Diagnose einschätzen, wie eine Epilepsie langfristig verlaufen wird. Etwa 60 % aller Kinder werden durch die Behandlung mit dem ersten Medikament anfallsfrei.
Bei schwer behandelbaren Epilepsien empfehlen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine bestimmte Ernährungsform - die ketogene Diät. Eine Operation kommt infrage, wenn sich eine belastende Epilepsie nicht gut mit Medikamenten behandeln lässt.
Hirnblutungen
Platzt ein Blutgefäß im Schädel, spricht man von einer Hirnblutung. Die Folge kann ein Schlaganfall sein. Je nach dem, wo die Einblutung stattfindet, wird zwischen unterschiedlichen Arten von Hirnblutungen unterschieden:
- Intrazerebrale Blutung: Eine Einblutung im Hirngewebe.
- Subarachnoidalblutung: Sie entsteht unterhalb der mittleren Hirnhaut.
- Epiduralhämatom: Blut sammelt sich auf der harten Hirnhaut.
- Subduralhämatom: Blut sammelt sich unterhalb der harten Hirnhaut.
Ursachen und Risikofaktoren
Zu den Ursachen und Risikofaktoren einer Hirnblutung gehören alle Umstände, die eine Arteriosklerose (Gefäßerkrankung) indirekt begünstigen. In den meisten Fällen ist ein chronischer Bluthochdruck Ursache für eine intrazerebrale Blutung. Eine Kopfverletzung ist die häufigste Ursache für eine Subarachnoidalblutung. Auslöser eines Epiduralhämatoms ist in der Regel ein Schädel-Hirn-Trauma. Eine akute subdurale Blutung wird durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst.
Symptome
Typische Symptome für eine Hirnblutung sind:
- Sprach- und Sprechstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Plötzlich sehr starke Kopfschmerzen
- Nackensteifheit
- Einseitig auftretende Lähmung am Körper
- Generelles Taubheitsgefühl
- Schluckstörung
- Sehstörung und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge
- Pupillenerweiterung
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Schwindel mit Gangunsicherheit
- Verwirrtheit oder Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Koma
- Krampfanfälle
Diagnose
Um eine Hirnblutung schnell zu erkennen und eine exakte Diagnose zu stellen, sollten Sie sofort den Notarzt verständigen, sobald jemand die Anzeichen einer Hirnblutung aufzeigt. Je schneller eine Blutung im Hirn behandelt wird, desto besser. Je nach Form der Hirnblutung erhöhen sich dadurch die Überlebenschancen.
Ein wichtiges Verfahren zur Bildgebung bei einer Hirnblutung ist eine Computertomografie des Kopfes (CT). Damit lässt sich eine Blutung im Gehirn bildlich direkt nachweisen. Eine weitere wichtige Untersuchung, um eine akute Hirnblutung festzustellen, ist das Gefäßröntgen (Angiografie) im Schädelbereich.
Behandlung
Was man bei einer Hirnblutung tun kann, hängt von der Größe, Lage und dem Auslöser ab. In der Regel ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig, meistens auch auf der Intensivstation. Die Symptome einer Hirnblutung und auch die zusätzlich entstandenen Komplikationen werden nach Bedarf versorgt. In manchen Fällen muss die Hirnblutung operativ versorgt werden.
Vorbeugung und Heilungschancen
Es gibt einige Faktoren, die Sie positiv beeinflussen können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen. Die Heilungschancen einer Hirnblutung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören neben Alter, Grunderkrankungen und eventuellen Begleitverletzungen der Patientin oder des Patienten auch die Lokalisation und Ausdehnung der Einblutung.
Weitere Ursachen für Blutbildstörungen im Gehirn bei Ungeborenen
Neben den oben genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu Blutbildstörungen im Gehirn bei Ungeborenen führen können:
- Sauerstoffmangel unter der Geburt (Asphyxie): In der Folge kann es zu Funktionsausfällen und Untergang von Gewebe verschiedener Organe kommen.
- Infektionen: Bakterielle Infektionen können vorzeitige Wehen und somit eine Frühgeburt auslösen.
- Rhesus-Inkompatibilität: Wenn eine Mutter und ihr ungeborenes Kind verschiedene Blutgruppen haben, können Antikörper aus dem Blut der Mutter in den kindlichen Kreislauf gelangen und mit roten Blutkörperchen des Kindes reagieren.
- Frühgeburt: Frühchen sind unreif, da sie mit weniger als 37 Schwangerschaftswochen (SSW) zur Welt kommen und sie sind demgemäß leichter als reife Neugeborene.
Autoimmune Enzephalitis
Eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) wird meist durch Bakterien oder Viren ausgelöst. Seltener ist eine Fehlreaktion des Immunsystems der Grund. Eine autoimmune Enzephalitis kann vielfältige Symptome hervorrufen. Bei der Erkrankung greifen fehlgeleitete Antikörper die Nervenzellen im Gehirn an. In den meisten Fällen ist die Ursache unklar. Eine Krebserkrankung kann Auslöser sein: Wenn der Krebs Eiweiße produziert, die nur im Gehirn vorkommen, bekämpfen die vom Immunsystem gebildeten Antikörper gegen den Krebs auch das Gehirn.
Diagnose und Behandlung
Besteht der Verdacht auf autoimmune Enzephalitis, wird neben einer Blutentnahme auch eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion) durchgeführt. In Blut und Nervenwasser wird nach speziellen Antikörpern gegen Rezeptoren oder Eiweißstoffe auf der Oberfläche von Nervenzellen gesucht. Ist die Erkrankung erkannt, muss die Behandlung sofort beginnen, damit das Immunsystem den eigenen Körper nicht weiter angreifen kann. Die frühe Behandlung ist der wichtigste Faktor für eine langfristige positive Prognose.
Intrazerebrale Blutungen
Bei intrazerebralen Blutungen liegt das Hämatom direkt im Hirnparenchym. Ursächlich werden zwei ICB-Formen unterschieden: spontane Blutungen und Blutungen als sekundäre Folge. Die meisten intrazerebralen Blutungen haben eine sekundäre Ursache. Mit rund 35% gehen intrazerebrale Blutungen bei zwischen 40- und 70-Jährigen auf eine arterielle Hypertonie zurück.
Subarachnoidalblutung
Eine Subarachnoidalblutung kann traumatisch oder atraumatisch verursacht werden. Rund 40% aller Schädel-Hirn-Traumata sind mit einer SAB assoziiert. Atraumatische SAB machen 85% aller Subarachnoidalblutungen aus.
Subduralhämatom
Ein Subduralhämatom ist meist Folge einer Brückenvenen-Ruptur. Diese Venen verbinden die oberflächlichen Hirnvenen mit dem Sinus durae matris. Meist geht der Ruptur ein Unfall bzw. Trauma voraus. Mitunter entstehen Blutungen auch spontan, insbesondere während einer Therapie mit Antikoagulantien.
Epiduralhämatom
Das Epiduralhämatom hat nahezu immer eine traumatische Ursache. Nach äußerer Gewalteinwirkung rupturiert in der Regel die Arteria meningea media oder seltener ein venöser Sinus. Mitunter sind Epiduralhämatome auch Folge hirnchirurgischer Eingriffe.
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