Vitamin B6 und Migräne: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Obwohl die genauen Ursachen von Migräne noch nicht vollständig verstanden sind, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Nährstoffe, einschließlich Vitamin B6, eine Rolle bei der Vorbeugung und Linderung von Migräne spielen könnten. Dieser Artikel untersucht die potenziellen Auswirkungen von Vitamin B6 auf Migräne, wobei die verfügbaren Forschungsergebnisse und klinischen Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Die Rolle von Vitamin B6 im Körper

Vitamin B6, auch bekannt als Pyridoxin, ist ein wasserlösliches Vitamin, das an über 100 Enzymreaktionen im Körper beteiligt ist. Es spielt eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel, insbesondere im Fett- und Proteinstoffwechsel. Darüber hinaus ist Vitamin B6 an der Bildung von Hämoglobin, Nukleinsäuren und Neurotransmittern beteiligt. Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA) sind für die Regulierung der Stimmung, des Schmerzempfindens und anderer neurologischer Funktionen unerlässlich.

Ein Mangel an Vitamin B6 kann verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen, darunter neurologische Symptome wie Depressionen, Reizbarkeit und Kopfschmerzen. Ein zu geringer Vitamin-B6-Gehalt in der Nahrung ist sehr häufig, auch weil Vitamin B6 in Nahrungsmitteln durch den Kochprozess verloren geht. Vitamin B6 trägt zur Absenkung des Homocystein- und Cholesterinspiegels bei und hat dadurch eine günstige Wirkung auf Herz und Blutgefäße und den Hirnstoffwechsel.

Vitamin B6 und Migräne: Die Verbindung

Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Vitamin B6 und Migräne untersucht. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Vitamin B6 dazu beitragen kann, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren.

Einfluss auf Neurotransmitter

Vitamin B6 ist ein wichtiger Kofaktor bei der Synthese von Neurotransmittern wie Serotonin. Serotonin spielt eine wichtige Rolle bei der Schmerzregulation und der Stimmung. Ein Mangel an Serotonin kann die Schmerzschwelle senken und die Anfälligkeit für Migräne erhöhen. Vitamin B6 fördert die Bildung von Serotonin. Der auch als Glückshormon bezeichnete Botenstoff spielt eine wichtige Rolle für unser Schmerzempfinden. Mangelt es an Serotonin, wird die Schmerzschwelle gesenkt und man nimmt Schmerzen schneller wahr. Außerdem ist Serotonin die Vorstufe von Melatonin. Das wiederum macht uns am Abend müde und ist mitverantwortlich für einen erholsamen Schlaf. Durch die Förderung der Serotoninproduktion kann Vitamin B6 dazu beitragen, das Schmerzempfinden zu modulieren und Migräneanfälle zu reduzieren.

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Homocystein-Spiegel

Vitamin B6 spielt auch eine Rolle im Homocystein-Stoffwechsel. Homocystein ist eine Aminosäure, die im Körper produziert wird. Erhöhte Homocysteinspiegel wurden mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Störungen, einschließlich Migräne, in Verbindung gebracht. Vitamin B6 trägt zur Absenkung des Homocysteinspiegels bei. Vitamin B6, Folsäure (Vitamin B9) und Vitamin B12 werden für den Abbau des giftigen Stoffwechselprodukts Homocystein benötigt. Erhöhtes Homocystein schädigt Blutgefäße und Nervenzellen und kann die Neigung zu Migräne erhöhen. Durch die Beteiligung am Homocystein-Stoffwechsel kann Vitamin B6 dazu beitragen, die Homocysteinspiegel zu senken und möglicherweise das Migränerisiko zu verringern.

Entzündungshemmende Wirkung

Einige Studien deuten darauf hin, dass Vitamin B6 entzündungshemmende Eigenschaften besitzen kann. Entzündungen spielen eine Rolle bei der Pathophysiologie von Migräne. Vitamin B6 verringert möglicherweise Nebenwirkungen von Antipsychotika wie z. B. Durch die Reduzierung von Entzündungen kann Vitamin B6 dazu beitragen, Migränesymptome zu lindern.

Vitamin B6 in der Migräneprophylaxe

Die Forschungsergebnisse zu Vitamin B6 und Migräne sind vielversprechend, aber es sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Mechanismen und die optimale Dosierung zu bestimmen. Einige Studien haben jedoch gezeigt, dass Vitamin B6 als Teil einer umfassenden Migräneprophylaxe wirksam sein kann.

Nahrungsergänzung

Eine Möglichkeit, den Vitamin-B6-Spiegel zu erhöhen, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Es gibt verschiedene Formen von Vitamin B6-Ergänzungsmitteln, darunter Pyridoxin-Hydrochlorid und Pyridoxal-5-Phosphat (P5P). P5P stellt die biologisch aktive Form von Vitamin B6 dar. Die Supplementierung mit Vitamin B6 in Form von P5P hat den Vorteil, dass das Vitamin vom Körper nicht mehr in seine biologisch aktive Form umgesetzt werden muss, ein Prozess, der nicht bei allen Menschen gleich effizient verläuft. Die Wahl des richtigen Nahrungsergänzungsmittels und die Dosierung sollten jedoch mit einem Arzt oder Ernährungsberater besprochen werden. Die Anlage I (OTC-Übersicht) regelt die verordnungsfähigen Ausnahmen von apothekenpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zur Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen. Sie wurde um die Nummer 42a ergänzt: "Vitamin B6 (als Monopräparat) nur zur Behandlung von angeborenen pyridoxinabhängigen Störungen mit schwerwiegender Symptomatik.

Ernährung

Vitamin B6 ist in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten, darunter Geflügel, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an diesen Lebensmitteln ist, kann dazu beitragen, den Vitamin-B6-Spiegel aufrechtzuerhalten und möglicherweise das Migränerisiko zu verringern.

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Weitere Mikronährstoffe

Es ist wichtig zu beachten, dass Vitamin B6 nicht der einzige Nährstoff ist, der bei Migräne eine Rolle spielen kann. Andere Mikronährstoffe wie Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10 wurden ebenfalls mit Migräne in Verbindung gebracht. Eine umfassende Ernährungsstrategie, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist, kann die besten Ergebnisse erzielen.

Sicherheit und Dosierung

Die tolerierbare Höchstaufnahmemenge für Vitamin B6 wurde für Erwachsene auf 25 mg/Tag (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EBL) bzw. 100 mg/Tag (Food and Nutrition Board, American Institute of Medicine) festgelegt. Der NOAEL (no observed adverse effect level) beträgt 200 mg/Tag, der LOAEL (lowest observed adverse effect level) 500 mg/Tag. Dosierungen zwischen 50 und 200 mg pro Tag werden meist gut vertragen, jedenfalls wenn das Vitamin- B6-Ergänzungsmittel über einen begrenzten Zeitraum (einige Wochen bis Monate) eingenommen wird.

Es ist wichtig, die empfohlene Dosierung von Vitamin B6 nicht zu überschreiten, da hohe Dosen zu Nebenwirkungen führen können. Vitamin B6 (insbesondere Pyridoxin) kann eine sensorische Polyneuropathie (Kribbeln in Händen und Füßen, Taubheitsgefühl, verminderter Tastsinn, unsicheres Laufen) verursachen, besonders bei länger währender Einnahme von mindestens 500 mg Vitamin B6 pro Tag (8 mg/kg/Tag). Gelegentlich sind neuropathische Beschwerden bei einer geringeren Dosis aufgetreten, besonders wenn neben Vitamin B6 kein Vitamin-B-Komplex eingenommen wurde. Wichtig ist, bei Symptomen, die auf eine sensorische Polyneuropathie hinweisen können, die Einnahme von P5P sofort zu beenden. Die Beschwerden verschwinden danach fast immer innerhalb einiger Monate.

Weitere Behandlungsansätze bei Migräne

Die Wirkstoffe zur Migräneprophylaxe Amitriptylin und Topiramat, Vitamin B 6 und Lipidsenker können unter bestimmten Voraussetzungen verordnet werden. Das hat der Gemeinsame Bundesauschuss mit neuen Beschlüssen für die Anlagen der Arzneimittel-Richtlinie jetzt festgelegt. Damit wurde in weiteren Fällen entschieden, dass Arzneimittel auf einem Kassenrezept (Muster 16) verordnet werden können. Die Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie regelt Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse. Die Wirkstoffe Amitriptylin und Topiramat zur Migräneprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen wurden in Teil B der Anlage VI (Off-Label-Use) aufgenommen.

Medikamente

Bei einer leichten bis mittelschweren Migräne-Attacke kann beispielsweise Ibuprofen eingesetzt werden, bei mittelschweren bis schweren Attacken stehen Triptane zur Verfügung. Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken. Während der Aura, solange keine Kopfschmerzen bestehen, entfalten sie keine Wirkung.

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Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Bei häufiger und sehr belastender Migräne kann eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe sinnvoll sein, die durch nicht medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren ergänzt wird. Hier erlernen Migräne-Betroffene insbesondere Übungen und Techniken, um besser mit Stress und herausfordernden Situationen umgehen zu können, die eine Migräne-Attacke triggern können. Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräne-Attacken sogar fördern.

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