Vitamin D3 und seine Auswirkungen auf Migräne: Aktuelle Studien und Erkenntnisse

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa jede zehnte Person betroffen ist, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Charakteristisch sind wiederkehrende Attacken von halbseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, die von Übelkeit, Erbrechen und Lärmaversion begleitet sein können. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend den Zusammenhang zwischen Vitamin D3 und Migräne untersucht. Studien deuten darauf hin, dass Migränepatienten häufig signifikant reduzierte Vitamin-D-Spiegel aufweisen und dass eine Supplementierung mit Vitamin D3 die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken positiv beeinflussen kann.

Der Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Migräne

Mehrere Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten oft niedrige Vitamin-D-Spiegel haben. Eine Arbeitsgruppe um die Neurologin Dr. Mona Hussein von der Universität in Beni-Suef, Ägypten, untersuchte den Zusammenhang von Migränekopfschmerzen mit der Serumkonzentration von 25(OH)-Vitamin-D. An ihrer Fall-Kontroll-Studie waren 40 Patienten mit Migräne und ebenso viele gesunde Kontrollprobanden beteiligt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Migränepatienten im Vergleich zu den Kontrollen signifikant niedrigere Serumspiegel an Vitamin D hatten. Darüber hinaus war die Inzidenz von Auren, Phono- und Fotophobie, von autonomen Manifestationen, Allodynie und Medikamentenresistenz bei Migränepatienten mit Vitamin-D-Mangel erhöht. Je niedriger der Vitamin-D-Spiegel, desto häufiger und heftiger waren die Migräneattacken und umso länger dauerten sie an.

Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Studien, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und Migräne festgestellt haben. Es scheint, dass ein Vitamin-D-Defizit die Beschwerden verschlimmern und das Auftreten von Begleiterscheinungen wie Auren, Phono- und Fotophobie, autonomen Symptomen, Allodynie und Medikamentenresistenz verstärken kann.

Die Rolle von Vitamin D3 bei der Migräneprophylaxe

Einzelfallstudien lassen vermuten, dass eine Supplementation mit Vitamin D die Migränebeschwerden von Frauen sowohl vor als auch nach der Menopause lindern kann: Frequenz und Dauer der Attacken gingen zurück. Allerdings gab es keine Auswirkungen auf Schmerzstärke und -schwelle. Auch Begleiterscheinungen wie Aura, Übelkeit, Foto- und Phonophobie sowie Allodynie blieben unbeeinflusst.

Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie untersuchte, ob eine tägliche Einnahme von Vitamin D die Eigenschaften von Migräneanfällen verbessern und entzündliche Prozesse im Körper reduzieren kann. 80 erwachsene Migränepatienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt täglich 2.000 I.E. Vitamin D, die andere ein Placebo. Die Studienteilnehmer dokumentierten für 4 Wochen vor Beginn der Intervention und für 12 Wochen ab Beginn der Intervention verschiedene Parameter wie Kopfschmerzintensität, -häufigkeit und -dauer. Die Studie zeigte, dass eine tägliche Supplementierung mit 2.000 I.E. Vitamin D3 über zwölf Wochen positive Effekte auf Migräneanfälle haben kann. Sowohl die Anzahl und Intensität der Kopfschmerzen als auch der Einsatz von Schmerzmitteln gingen zurück.

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Eine weitere Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte die Auswirkungen von aerobem Training und Vitamin-D-Supplementierung auf psychiatrische Komorbiditäten bei Männern mit Migräne und Vitamin-D-Mangel. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Supplementierung mit Vitamin D3 einen günstigen Effekt bei Kopfschmerzen hatte und die Entzündungsaktivität bei Migräne vermindern konnte. Die Patienten der Vitamin-D3-Gruppe berichteten über signifikant weniger Kopfschmerz-Tage pro Monat, einer verminderten Dauer der Kopfschmerzattacken und über einen geringeren Analgetikaverbrauch im Vergleich zur Placebogruppe. Die Patienten der Vitamin-D-Gruppe hatten auch etwas geringere Konzentrationen von Interleukin-6 im Vergleich zu den Patienten der Placebogruppe.

Mögliche Mechanismen der Wirkung von Vitamin D3

Auf welche Weise Migränebeschwerden und Vitamin D kausal zusammenhängen, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Hypothesen, die mögliche Mechanismen erklären könnten:

  • Magnesiumspiegel: Eine Rolle spielt womöglich der Magnesiumspiegel, der zusammen mit Vitamin D erniedrigt ist. Magnesiummangel ist eng mit menstrueller Migräne verbunden, wird er behoben, verschafft das den Patientinnen spürbare Erleichterung ihrer Symptome. Magnesium ist ein wichtiger Biofaktor und Mineralstoff, der neben weiteren Aufgaben auch für die Funktion der Nerven erforderlich ist. Als zentraler Mechanismus gilt die Modulation der NMDA-Rezeptoren im Nervensystem. Diese sind unter anderem für die Schmerzübertragung zuständig. Eine übermäßige Aktivierung der NMDA-Rezeptoren kann die neuronale Erregbarkeit erhöhen und die Schmerzwahrnehmung verstärken, was zu chronischen Schmerzen wie beispielsweise Migräne führen kann. Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen. Es gibt einen Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D. Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Ohne ausreichend Magnesium kann diese Umwandlung gestört sein, so dass weniger Calcitriol für den Stoffwechsel zur Verfügung steht. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption.
  • Entzündungshemmende Eigenschaften: Die antientzündlichen Eigenschaften von Vitamin D könnten ebenfalls entscheidend sein. Physiologische Konzentrationen von Vitamin D unterdrücken die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) oder Interleukin-6 (IL-6). Umgekehrt steigert das Vitamin die Produktion antientzündlicher Zytokine wie Interleukin-10 (IL-10). Eine Studie zeigte, dass durch die Vitamin D-Gabe reduzierte entzündliche Prozesse eine wichtige Rolle bei der episodischen Migräne spielen können. Die Werte des proentzündlichen Markers iNOS sanken signifikant. iNOS ist ein Enzym, das die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) reguliert. NO wirkt als gefäßerweiternder Botenstoff und spielt eine wichtige Rolle in Entzündungsprozessen. Auch die Konzentration des Entzündungsmarkers IL-6 reduzierte sich leicht.
  • Darm-Hirn-Achse: Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Darm-Hirn-Achse bei der Entstehung der Kopfschmerzattacken eine Rolle spielt. Daher könnten Substanzen, die das Darmmikrobiom positiv beeinflussen, eine Therapieoption der Migräne darstellen. In einer Studie erhielten Migränepatienten über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder ein Probiotikum plus Vitamin D oder ein Placebo. Das Ergebnis: In der Interventionsgruppe sank die Zahl der Migräneattacken pro Monat stärker als in der Placebogruppe. Auch der Schweregrad der Attacken nahm in der Gruppe mit der Nahrungsergänzung ab. Die Autoren vermuten, dass die Gabe von Vitamin D und Probiotika die Symptome von Migränekopfschmerzen lindert, indem sie die Dysbiose der Darmmikrobiota und die damit verbundenen Entzündungs- und Immunreaktionen verbessert.

Vitamin D-Mangel erkennen und behandeln

Die Symptome eines Vitamin D-Mangels können unspezifisch sein, sodass der Mangel nicht immer sofort erkannt wird. Niedrige Vitamin D-Werte können durch ganz unterschiedliche Faktoren begünstigt werden. Sonnenexposition, Alter und andere Risikofaktoren sind Gründe, weshalb man besonders schnell einen Vitamin D-Mangel bekommen kann. Bereits ein geringer Mangel an Vitamin D im Blut kann Schmerzen auslösen. Bei kritischen Vitamin D-Werten erhöht sich die Spannung der Muskeln. Durch einen permanent erhöhten Muskeltonus nimmt man Schmerzen viel schneller und intensiver wahr. Die Anspannung zieht allerdings nicht nur Muskelschmerzen nach sich. Denn sind die Muskeln in Daueranspannung, verkürzen sie und das wirkt sich auf den gesamten Organismus aus.

Um festzustellen, ob ein Vitamin D-Mangel vorliegt, sollte man bei seinem Arzt den Serumspiegel im Blut testen lassen. Mit dem Arzt kann man dann auch besprechen, wie hoch die Dosis des Vitamin D-Präparats sein sollte.

Weitere Maßnahmen zur Linderung von Kopfschmerzen und Migräne

Neben der Einnahme von Vitamin D gibt es noch weitere Maßnahmen, die zur Linderung von Kopfschmerzen und Migräne beitragen können:

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  • Magnesiumsupplementierung: Da ein Magnesiummangel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Spannungskopfschmerzen und Migräne korreliert, kann eine Magnesiumsupplementierung sinnvoll sein. Eine intravenöse Magnesiumtherapie von ein bis zwei Gramm Magnesiumsulfat empfiehlt sich beim akuten Migräneanfall. Die orale Magnesiumsupplementierung hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Durch Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg traten in verschiedenen Studien im Vergleich zu Placebo weniger Anfälle auf, die zudem auch in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten.
  • Entspannungsübungen: Entscheidend bei akuten Kopfschmerzen und Migräneattacken sind Übungen, die die Muskeln entspannen und überhöhte Spannungen schnell abbauen. Denn wie bereits erklärt, sorgen diese für ein stärkeres Schmerzempfinden. Wichtig ist, dass man die Übungen wirklich täglich anwendet und die Dehnungen lange genug ausführt.
  • Bewegung an der frischen Luft und Sonnenstrahlen: Bewegung an der frischen Luft und Sonnenstrahlen auf der Haut bilden definitiv eine ganz wichtige Grundlage für den Körperspeicher an Vitamin D.
  • Stressmanagement: Stress ist ein bekannter Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne. Daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Ausreichend Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf können helfen, Kopfschmerzen und Migräne vorzubeugen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen und das Risiko von Kopfschmerzen und Migräne zu reduzieren.

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