Meningitis, meist durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, ist ein medizinischer Notfall, der eine schnelle Diagnose und Behandlung erfordert. Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Bewusstseinseintrübung und Fieber. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Meningitis, einschließlich ihrer Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung, wobei besonderes Augenmerk auf die Bedeutung von Blutdruck und Puls bei der Erkennung und dem Management dieser Erkrankung gelegt wird.
Was ist Meningitis?
Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Pia mater, Arachnoidea, Dura mater), die das zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, umhüllen. Bei einer Meningomyelitis ist das angrenzende Rückenmark mit entzündet, bei einer Meningoenzephalitis sind Hirnhäute und Hirngewebe betroffen.
Ursachen und Erreger
Die Ursachen einer Meningitis, Meningomyelitis und Meningoenzephalitis sind vielfältig. Hierzulande sind es vorwiegend Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken, Listerien oder Haemophilus influenzae und Viren wie das Masernvirus, Herpesvirus oder Eppstein-Barr-Virus. Auch Pilze (Candida, Aspergillus und Kryptokokken) und Parasiten (Echinokokken und Toxoplasma gondii) können selten die Ursache sein. Neben erregerbedingten Ursachen gibt es auch nicht-infektiöse Ursachen, die eine Entzündung der Hirnhäute hervorrufen können, wie beispielsweise maligne Zellen bei Meningeosis neoplastica oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
Epidemiologie
Meningitiden treten in jedem Alter auf, betreffen aber besonders häufig Kinder. Etwa 70% der Fälle treten bei Kindern unter fünf Jahren auf. Die Inzidenz der viralen Meningitis liegt in Deutschland bei etwa 20 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Bei der bakteriellen Meningitis wird die jährliche Inzidenz mit 1 bis 10 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner angegeben. Die Inzidenz der tuberkulösen Meningitis liegt mit etwa 2 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr darunter. Weltweit sind keine genauen Zahlen bekannt, am besten ist die Meningokokken-Meningitis untersucht. Die Inzidenz dieser bakteriellen Hirnhautentzündung wird pro Jahr weltweit auf 0,5 Fälle pro 100.000 Personen geschätzt. Große Epidemien gab es in den vergangenen Jahrzehnten im sogenannten Meningitisgürtel der Subsaharazone und in Asien. Während der Trockenzeit sind Erkrankungsraten von 800/100.000 Einwohner pro Jahr keine Seltenheit.
In den Industrieländern sind Meningokokken-Erkrankungen stark zurückgegangen, in nichtindustriellen Staaten gehören sie dagegen zu den häufigsten Erkrankungen. Die Mehrzahl der Meningokokken-Meningitiden in Europa wird durch die Serogruppen B und C verursacht. In China oder bei Mekka-Reisenden finden sich bevorzugt Meningokokken der Gruppe A, im Meningitisgürtel dominieren die Gruppen A und C. In Europa und Nordamerika kommen Meningokokken-Meningitiden vor allem im Winter und im Frühjahr vor. Von Januar bis März sind 30 bis 40% der Erkrankungen zu verzeichnen.
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Es fallen jedoch zwei Morbiditätsgipfel auf. Die höchsten Inzidenzen werden im 1. und 2. Lebensjahr mit rund 7 bzw. 5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner beobachtet. Zudem erkranken Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren vermehrt an Meningitis.
Pathogenese: Wie entsteht eine Meningitis?
Bei einer bakteriellen Meningitis dringen Bakterien in den Liquor ein und gehen auf die Pia mater, Arachnoidea und Dura mater über. Bei einer Meningitis sind in der Regel alle drei Schichten der Hirnhaut entzündet.
Die Bakterien können die Hirnhäute grundsätzlich auf drei Wegen erreichen:
- Durch hämatogene Streuung: auf dem Blutweg über die Blut-Hirn- bzw. Blut-Liquor-Schranke (insbesondere über den Plexus choroideus). Bei Neugeborenen sind ein Viertel der Fälle durch hämatogene Streuung von Streptokokken der Gruppe B verursacht.
- Per continuitatem: von Entzündungen im Nasen- und Rachenraum (beispielsweise Otitis und Sinusitis) oder nach offenen Verletzungen wie Schädel-Hirntrauma und Wirbelsäulenverletzungen, Cerebral-Shunt und Cochlea-Implantat oder nach verabreichten Medikamenten in den Liquorraum.
- Direkt übertragen: durch Tröpfcheninfektion (bei etwa 10% der europäischen Bevölkerung ist der Nasen-Rachenraum von Meningokokken besiedelt).
Bei einer aseptischen Meningitis sind die Meningen gereizt, ohne dass Erreger in einer Bakterienkultur wachsen. Bei mehr als 90% der viralen aseptischen Meningitis sind Enteroviren und Herpes-simplex-Viren verantwortlich (bei Kindern 50%).
Das Immunsystem reagiert auf die Keimbesiedlung mit einer Immunantwort. Dabei produzieren Leukozyten sowie Endothel-, Glia- und Plexuszellen nervenzellschädigende Zytokine. Die setzen eine weitere Immunkaskade in Gang. Die Blut-Hirn-Schranke wird beeinträchtigt und die Permeabilität der Hirngefäße nimmt zu (vasogenes Hirnödem). Flüssigkeit dringt in das Hirngewebe ein und Leukozyten wandern in den Liquorraum (interstitielles Hirnödem). Zudem werden die Hirngefäßwände gereizt und entzünden sich. Die zerebrale Vaskulitis geht mit einem zytotoxischen Hirnödem einher. Mit den vasogenen, interstitiellen und zytotoxischen Hirnödemen steigt der intrakranielle Druck und das Gehirn wird minderdurchblutet.
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Symptome: Wie äußert sich eine Meningitis?
Die Beschwerden einer Meningitis richten sich nach der Art der Hirnhautentzündung. Als klassische Symptom-Trias gelten Nackensteifigkeit, hohes Fieber und Bewusstseinsminderung. Diese Trias ist aber nicht zwingend bei jeder Meningitis anzutreffen. Jedes dieser Symptome weist aber auf eine Meningitis hin. Fehlen alle drei Symptome ist eine Meningitis nahezu ausgeschlossen. Weitere Anzeichen für Meningitis sind ein positives Kernig-, Brudzinski- und Lasègue-Zeichen sowie das jolt accentuation maneuver.
Symptome bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern
Bei Kindern sind die Beschwerden in der Regel nicht so stark und klassisch ausgeprägt. Mitunter zeigen sie nur unspezifische Symptome, sind leicht reizbar, lethargisch und weinerlich. Bei Säuglingen und Kleinkindern werden klassischerweise ein spitzes, schrilles Schreien oder anhaltendes Wimmern sowie eine ausgeprägte Trinkschwäche beschrieben. Weitere hinweisgebende Symptome sind:
- vorgewölbte Fontanelle
- kalte Extremitäten und blasse Hautfarbe
- Berührungsempfindlichkeit
- Schlaffheit oder Opisthotonus
- Atembeschwerden (Dyspnoe, Tachypnoe)
- Hyperexzitabilität
- Ödeme
- aufgeblähtes Abdomen
- Hypothermie
- Ikterus
- Hauterscheinungen wie Petechien und papulöse oder konfluierende Hautinfiltrate
Bakterielle Hirnhautentzündung
Eine bakterielle Hirnhautentzündung beginnt in der Regel prodromal mit einem kurzen allgemeinen Krankheitsgefühl. Darauf folgen rasch heftigste Kopfschmerzen, häufig mit Nackensteifigkeit. Die Betroffenen reagieren sehr empfindlich auf Licht, Geräusche und Berührung. Zudem treten Übelkeit und Erbrechen auf, mitunter auch neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit und Bewusstseinseintrübung sowie Krampfanfälle und Hirnnervenlähmungen.
Meningokokken-Meningitis
Die Meningokokken-Meningitis ist eine bakterielle Hirnhautentzündung, die durch das Bakterium Neisseria meningitidis verursacht wird. Neben den klassischen Beschwerden kommt es häufig zu makulopapulösen Exanthemen an Rumpf, unteren Extremitäten, Schleimhäuten und Konjunktiven. Typisch sind dabei massenhaft rote oder lilafarbene Flecken. Diese Purpura tritt nicht zwingend auf, ist aber ein sehr starkes Indiz für Meningokokken als Erreger.
Etwa ein Drittel der Fälle ist mit einer Sepsis assoziiert. Bei 10 bis 15% der Patienten dominiert diese als besonders lebensbedrohliche Form des septischen Schocks, dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Blutdruck und Blutgerinnung nehmen rapide ab. Eine disseminierte intravasale Koagulopathie führt zu einem Ausfall der Nebennieren und schließlich zum Multiorganversagen.
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Tuberkulöse Meningitis
Eine tuberkulöse Meningitis ist eine bakterielle Hirnhautentzündung, die durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und im Sekundärstadium einer Tuberkulose auftritt. Sie betrifft vor allem Jugendliche und Erwachsene sowie Menschen mit einer Immunschwächekrankheit. Nach den unspezifischen Tuberkulose-Symptomen entwickeln die Betroffenen Fieber (oft auch Fieberschübe), Kopf- und Rückenschmerzen. Darüber hinaus sind Augenmuskellähmungen oder Lähmungen der Gesichtsmuskulatur typisch. Die Betroffenen können nicht mehr die Stirn runzeln, die Augenbrauen heben oder lächeln. Eine tuberkulöse Meningitis endet unbehandelt tödlich.
Eitrige Meningitis
Eine eitrige Meningitis wird vor allem durch Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae verursacht. Nach Lokalisation und Ausbreitung werden die Haubenmeningitis und die basale Meningitis unterschieden. Bei der Haubenmeningitis ist das eitrige Infiltrat über den Großhirnhemisphären (meist frontoparietal) lokalisiert, bei der basalen Meningitis ist die Hirnbasis betroffen. Die Symptomatik setzt akut ein. Typische Anzeichen sind hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Pupura und Petechien. Als Komplikation sind ein Hirnabszess, Hirnödem, subdurales Empyem und Hydrozephalus occlusus oder malresorptivus sowie eine septische Sinusvenenthrombose oder zerebrale Arteriitis gefürchtet. Ohne rasche intensivmedizinische Behandlung drohen ein septischer Schock, eine Verbrauchskoagulopathie und ein daraus resultierendes Multiorganversagen.
Virale Meningitis
An einer viralen Meningitis erkranken vor allem Schulkinder und junge Erwachsene, Haupterkrankungszeit sind Sommer und Herbst. Häufig gehen einer viralen Meningitis Magen-Darm-Infekte sowie Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung oder Infektionskrankheiten wie Windpocken, Masern oder Mumps voraus. Eine viral ausgelöste Meningitis verläuft meist harmloser und milder als eine bakterielle Hirnhautentzündung. Sie heilt üblicherweise auch ohne Behandlung nach Tagen bis wenigen Wochen von selbst und folgenlos ab. Schwere Komplikationen, Spätfolgen oder ein tödlicher Ausgang sind bei viralen Hirnhautentzündungen eher selten.
Meningitis durch Pilze oder Parasiten
Pilze oder Parasiten sind nur selten die Ursache von Meningitis. Betroffen sind insbesondere abwehrgeschwächte Patienten mit Krebs oder AIDS. Hirnhautentzündungen durch Pilze oder Parasiten können akut mit den klassischen meningitischen Symptomen einhergehen oder chronisch mit einer über circa vier Wochen andauernden Entzündung der Meningen verlaufen.
Nicht-infektiöse Meningitis
Nicht-infektiöse Hirnhautentzündungen entwickeln sich vor allem bei Autoimmunkrankheiten wie SLE, Sarkoidose und Morbus Wegener sowie bei Krebserkrankungen oder nach Bestrahlungen. Die Symptome ähneln denen einer viralen Meningitis.
Diagnose: Wie wird eine Meningitis festgestellt?
Der Verdacht auf Meningitis wird meist nach einer kurzen Anamnese und dem klinischen Bild gestellt. Es sollten (je nach Verlauf und Schwere der Symptomatik) anamnestisch Zeckenbisse, Immundefekterkrankungen, Kontakt zu infizierten Personen, Infektionskrankheiten wie Otitis, Sinusitis, Pneumonie und Endokarditis und Auslandsaufenthalte abgefragt werden. Darüber hinaus ist der Impfstatus zu erheben.
Die neurologische Untersuchung umfasst neben der Abklärung von Hirnnervenlähmungen, Stupor, Bewusstseinszustand und Vigilanz eine Meningismus-Prüfung mit typischen Diagnosezeichen. Dazu zählen vor allem:
- Brudzinski-Zeichen: reflexartiges Anziehen der Beine bei Vorbeugung des Kopfes
- Lasègue-Zeichen: einschießender Schmerz in das ipsilaterale Bein mit Ausbreitung im motorischen/sensiblen Areal der betroffenen Nervenwurzel bei Anheben des gestreckten Beines in Rückenlage (durch den Untersucher)
- Kernig-Zeichen: einschießende Schmerzen und reflektorische Beugung im Kniegelenk bei Anheben des gestreckten Beines (durch den Untersucher)
- Amoss-Zeichen (Dreifuß-Zeichen): im Sitzen seitliches Abstützen der Hände nach hinten bei gebeugten Knie- und Hüftgelenken (insbesondere bei Kindern)
- Kniekuss-Versuch: Unfähigkeit, mit dem Mund das Knie zu berühren (bei Kindern Aufforderung, das Knie zu küssen)
- jolt accentuation maneuver: Verstärkung der Kopfschmerzen bei raschem Hin- und Herschütteln des Kopfes (zwei- bis dreimal pro Sekunde) wie bei einer Verneinung
Labor und Mikrobiologie
Bei Verdacht auf eine Meningitis sind Blut- und Liquoranalysen unverzichtbar. Im Blut finden sich entzündungstypische Veränderungen wie erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leukozytenanzahl, C-reaktives Protein, Procalcitonin und Interleukin-6. Bei bakterieller Meningitis sind eine Leukozytose mit Neutrophilie und Linksverschiebung sowie erhöhte CRP- und Procalcitoninkonzentrationen zu erwarten. Darüber hinaus wird eine Blutkultur angesetzt.
Der Liquor wird mittels Lumbalpunktion untersucht. Beurteilt werden Zellzahl und Zelldifferenzierung, Proteingehalt, Grampräparat, Glucose und Laktat . Zudem wird eine Liquorkultur bebrütet. Muss mit einer Antibiose vor der ersten Liquorpunktion begonnen werden, sollte zunächst ein Latexagglutinationstest erfolgen. Damit sind Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae über einen Antigennachweis im Nativliquor nachzuweisen.
Liquorbefunde
Je nach Ursache der Meningitis unterscheiden sich die Liquorbefunde. Als Referenz bei gesunden Menschen erscheint die Flüssigkeit klar, die Zellzahl ist unter 5/µl, der Laktatwert beträgt 1,5 bis 2,1 mmol/l, die Gesamtproteinkonzentration 150 bis 400 mg/l und der Glucosegehalt liegt zwischen 2,7 bis 4,2 mmol/l (Liquor-Serum-Quotient > 0,5). Unterschiedliche Meningitiden sind mit folgenden Befunden assoziiert:
- bakterielle Meningitis: Flüssigkeit trüb bis eitrig, Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat deutlich erhöht (> 3,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (1.000 bis 6.000), massive Granulozytose (Neutrophilie)
- tuberkulöse Meningitis: Flüssigkeit klar - aber mit weiß-gelblichen, schleierartigen Gerinnseln (Spinngewebsgerinnsel), Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat erhöht (> 2,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (30 bis 500), Lymphozytose, Monozytose, Granulozytose (buntes Bild)
- virale Meningitis: Flüssigkeit klar, Glucose normal, Protein normal (evtl. leicht erhöht), Laktat normal, Zellzahl erhöht (10 bis 500), Lymphozytose, evtl. Monozytose
- Meningitis bei Neuroborreliose: Flüssigkeit klar, Glucose normal
Blutdruck und Puls als wichtige Indikatoren
Bei der Beurteilung von Patienten mit Verdacht auf Meningitis spielen Blutdruck und Puls eine wichtige Rolle. Insbesondere bei bakteriellen Meningitiden, die mit einer Sepsis einhergehen, können Veränderungen dieser Vitalparameter auf einen lebensbedrohlichen Zustand hinweisen.
- Erhöhter Blutdruck und Puls: In frühen Stadien einer Meningitis kann es zu einer Erhöhung von Blutdruck und Puls kommen. Dies ist eine Reaktion des Körpers auf die Entzündung und den erhöhten intrakraniellen Druck. Die vegetativen Parameter stehen zunächst alle auf "plus", d.h., die Betroffenen hyperventilieren, Blutdruck, Puls und Temperatur sind erhöht.
- Abfallender Blutdruck: Bei einer Meningokokken-Meningitis mit Sepsis, insbesondere beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, kann der Blutdruck rapide abfallen. Dies ist ein Zeichen für einen septischen Schock und erfordert sofortige intensivmedizinische Maßnahmen. Blutdruck und Blutgerinnung nehmen rapide ab.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Blutdruck- und Pulswerte im Kontext des Gesamtbildes des Patienten interpretiert werden müssen. Andere Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme können ebenfalls Einfluss auf diese Vitalparameter haben.
Therapie: Wie wird eine Meningitis behandelt?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Eine bakterielle Meningitis ist lebensbedrohlich und muss kalkuliert antibiotisch behandelt werden. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Heilungsaussichten.
Bakterielle Meningitis
Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis sollte umgehend mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden. Penicillin G ist das Mittel der Wahl, Alternativen sind Cephalosporine der 3. Generation (zum Beispiel Cefotaxim oder Ceftriaxon). Nötig ist die sofortige stationäre Einweisung. Es ist sinnvoll, wenn Ärzte die Patienten im Notarztwagen begleiten. Von unterwegs kann schon veranlasst werden, dass in der Klinik eine Computertomografie des Kopfes und eine Liquorpunktion vorbereitet werden.
Virale Meningitis
Eine viral ausgelöste Meningitis verläuft meist harmloser und milder als eine bakterielle Hirnhautentzündung. Sie heilt üblicherweise auch ohne Behandlung nach Tagen bis wenigen Wochen von selbst und folgenlos ab.
Weitere Therapieansätze
Weitere Therapieansätze bestehen darin, etwaige epileptische Anfälle medikamentös zu beenden und weiteren Anfällen vorzubeugen sowie erhöhten Hirndruck zu senken. Bei septischen Verläufen verbessern die Stabilisierung von Atmung- und Kreislauf sowie die Therapie von Gerinnungsstörungen die Überlebenschancen.
Komplikationen: Welche Folgen kann eine Meningitis haben?
Die Heilungsaussichten bei Meningokokken-Meningitis hängen sehr stark davon ab, welche Schäden zum Zeitpunkt des Therapiebeginns schon eingetreten sind. Bei einer Sepsis besteht eine Sterblichkeitswahrscheinlichkeit (Letalität) von 13 Prozent, beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom sind es etwa 33 Prozent. Überleben Patienten einen septischen Verlauf, kommt es darüber hinaus nicht selten zum Absterben von Finger- und Zehenendgliedern oder ganzen Fingern und Zehen. Oft bleibt keine andere Wahl, als die abgestorbenen (nekrotisierten) Gliedmaßen zu amputieren.
Auch bei einem komplikationsfreien Verlauf heilt die Meningokokken-Meningitis nicht immer ohne dauerhafte Folgen aus. In etwa 10 bis 20 Prozent bleiben Hirnnervenausfälle, halbseitige Lähmungen, Lernschwierigkeiten oder Konzentrationsschwäche. In einigen Fällen entwickelt sich eine Epilepsie. Nicht selten sind zudem Schädigungen des Innenohrs mit Schwerhörigkeit oder komplettem Hörverlust sowie Sehschwäche bis hin zum Sehverlust.
Vorbeugung: Wie kann man sich vor Meningitis schützen?
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Meningitis ist die Impfung. Da Meningokokken in unterschiedlichen Subgruppen (z. B. A, B, C, W, Y) vorkommen, gibt es verschiedene zugelassene Impfstoffe, die auf unterschiedliche Subgruppen abzielen.
Impfempfehlungen
Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat die Empfehlungen für die Meningokokken-Schutzimpfung aktualisiert. Seit November 2025 sollen Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren demnach mit dem quadrivalenten Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) geimpft werden. Nachholimpfungen sollen bis zum 25. Geburtstag erfolgen. Gleichzeitig hat die STIKO die Empfehlung gestrichen, Kinder im zweiten Lebensjahr einmalig mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff zu impfen.
Der MenACWY-Konjugatimpfstoff kann ab dem ersten Lebensjahr verabreicht werden und eignet sich auch für Auffrischimpfungen. Er wird für bestimmte Risikogruppen empfohlen.
STIKO-Impfempfehlungen für Risikogruppen
Die Impfung mit einem quadrivalenten Meningokokken-Konjugatimpfstoff (ACWY) wird empfohlen für:
- Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, insbesondere bei fehlender oder funktionsloser Milz
- Laborpersonal mit Kontakt zu Meningokokken
- Enge Kontaktpersonen eines Erkrankten (z. B. Haushaltsangehörige), zusätzlich zur postexpositionellen Chemoprophylaxe
- Reisende in Länder mit hoher Krankheitslast oder verpflichtender Impfvorgabe (z. B. bei Pilgerreisen nach Mekka)
- Schüler und Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit allgemeiner Meningokokken-Impfpflicht
- Personen im Umfeld von regionalen Ausbrüchen (nach behördlicher Einschätzung)
Die MenB-Impfung wird ebenfalls für bestimmte Risikogruppen empfohlen, z. B. für:
- Haushaltskontaktpersonen von Erkrankten
- Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, insbesondere ohne Milz
- Laborpersonal mit Exposition gegenüber MenB
Chemoprophylaxe nach Meningokokken-Kontakt
Was können ungeimpfte Menschen tun, die mit gutem Grund glauben, sich mit Meningokokken infiziert zu haben? Das ist beispielsweise der Fall, wenn man Kontakt zu infektiösem Speichel hatte. In diesem Fall kann eine medikamentöse Chemoprophylaxe, die sogenannte postexpositionelle Prophylaxe, das Erkrankungsrisiko deutlich senken.
Die postexpositionelle Prophylaxe muss spätestens 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Erkrankten beginnen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die postexpositionelle Prophylaxe sinnlos. Bei Kontaktpersonen im gleichen Haushalt sowie enger Nähe in Gemeinschaften mit haushaltsähnlichem Charakter sollte - sofern es sich um eine Untergruppe handelt, gegen die Impfstoffe zur Verfügung stehen - zusätzlich zur Chemoprophylaxe eine Meningokokken-Impfung erfolgen.
Für Kinder ist Rifampicin das Mittel der Wahl. Für Erwachsene ist außerdem Ciprofloxacin für die Chemoprophylaxe zugelassen. Weiterhin ist eine Prophylaxe mit Ceftriaxon bei Kindern unter 12 Jahren und bei Kontaktpersonen über 12 Jahren möglich. Bei Schwangeren ist Ceftriaxon das Mittel der Wahl.
Bei im Krankenhaus liegenden Patienten mit einer Meningokokken-Infektion, die eine Therapie mit Penicillin G erhalten haben, wird ebenfalls eine Chemoprophylaxe vor der Entlassung aus der Klinik empfohlen. Das ist sinnvoll, weil Penicillin G nicht die Meningokokken erfasst, die im Nasen-Rachen-Raum siedeln.
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