Taubheitsgefühl nach Chips: Ursachen und Zusammenhänge

Ein Taubheitsgefühl im Mund nach dem Verzehr von Chips kann verschiedene Ursachen haben. Es kann mit Inhaltsstoffen der Chips zusammenhängen, wie beispielsweise Geschmacksverstärkern oder scharfen Gewürzen. Im Folgenden werden mögliche Ursachen und Zusammenhänge erläutert.

Allergien und Unverträglichkeiten als Ursache

Lebensmittelallergien

Lebensmittelallergien können vielfältige Reaktionen im Körper auslösen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte, eigentlich harmlose Substanzen in Lebensmitteln, sogenannte Allergene. Dies führt zu einer übermäßigen Produktion von Antikörpern, insbesondere Immunglobulin E (IgE).Allergiker müssen oft kleinste Mengen von Allergenen meiden, da bereits Spuren eine Reaktion auslösen können. Da Spuren von Allergenen nicht immer auf der Verpackung angegeben werden müssen, kann es zu unerwarteten Reaktionen kommen. Viele Hersteller sichern sich freiwillig mit dem Hinweis "Kann Spuren von … enthalten" ab. Die Europäische Kommission hat beschlossen, dass die zwölf häufigsten Allergieauslöser auf der Zutatenliste erscheinen müssen, wenn sie als Zutat verwendet wurden. Dazu gehören Eier, Milch, Nüsse, Fisch, Krebstiere, Erdnüsse, Schwefeldioxid, Gluten, Soja, Sellerie, Sesam und Senf.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Nicht jede Reaktion auf Lebensmittel ist eine Allergie. Unverträglichkeiten können sich in Form von Widerwillen gegen bestimmte Speisen oder als Pseudoallergien äußern. Im Gegensatz zu echten Allergien ist bei Pseudoallergien das Immunsystem nicht beteiligt. Sie werden durch natürliche Inhaltsstoffe wie Histamin oder durch Zusatzstoffe ausgelöst und sind oft mengenabhängig.

Ein Hinweis auf eine echte Allergie kann eine bestehende Pollenallergie sein, die zu Kreuzallergien führt. Stark verarbeitete Produkte enthalten oft Allergene wie Erdnuss, Soja, Sellerie oder Gewürzmischungen.

Glutamat und seine potenziellen Auswirkungen

Was ist Glutamat?

Glutamat ist eine Aminosäure, die natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vorkommt und eine wichtige Rolle im Körper spielt. Es ist Bestandteil von Proteinen und fungiert als Neurotransmitter im Nervensystem. Als Zusatzstoff wird Glutamat in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, um den Umami-Geschmack zu verstärken. Mononatriumglutamat (E621) ist besonders in Fertiggerichten, Chips, Gewürzmischungen oder Instantprodukten enthalten.

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Glutamatunverträglichkeit

Die Glutamatunverträglichkeit ist eine pseudoallergische Reaktion, die bei manchen Menschen nach dem Verzehr von glutamatreichem Essen auftritt. Symptome können Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle oder Herzrasen sein. Glutamat ist ein beliebter Geschmacksverstärker in industriell hergestellten Nahrungsmitteln. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Glutaminsäure und Glutamate als Lebensmittelzusatzstoffe (E620 bis E625) im Jahr 2017 neu bewertet und eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 30 mg pro kg Körpergewicht und Tag abgeleitet.

Symptome einer Glutamatunverträglichkeit

Eine Glutamatunverträglichkeit kann sich durch vielfältige Symptome äußern, darunter Kopfschmerzen, Migräne, Hautrötungen, Schweißausbrüche, Druckgefühl im Kopf- und Nackenbereich, Herzklopfen, Nervosität, Schwäche, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Juckreiz oder Kribbeln im Mundraum.

Diagnose und Behandlung der Glutamatunverträglichkeit

Es gibt keine einzelne Untersuchungsmethode, um eine Glutamatunverträglichkeit sicher zu diagnostizieren. Im Verdachtsfall sollte ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen. Allergietests, ein Symptom-Ernährungstagebuch sowie Eliminations- und Provokationsdiäten können bei der Diagnose helfen. Die Behandlung besteht in der Vermeidung glutamatreicher Lebensmittel.

Glutamat in Lebensmitteln erkennen

Glutamat verbirgt sich auf dem Lebensmitteletikett oft unter der Bezeichnung Hefeextrakt. Hersteller müssen Lebensmittelzusatzstoffe wie Glutamat kennzeichnen, entweder namentlich (z.B. Mononatriumglutamat) oder als E-Nummer (z.B. E621). Natürliches Glutamat findet sich in Tomaten, Parmesan, Sojasauce, Fleisch oder Pilzen.

Kritische Betrachtung von Glutamat

Obwohl Glutamat als Zusatzstoff in Lebensmitteln laut Regulierungsbehörden wie der EFSA als sicher gilt, wird sein Einsatz oft kritisch gesehen. Dies liegt daran, dass es in stark verarbeiteten Lebensmitteln in hohen Mengen vorkommen kann und bei empfindlichen Personen Beschwerden auslösen kann.

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Schärfe und ihre Auswirkungen

Schärfeempfinden

Liebhaber von scharfem Essen spüren manchmal ihre Zunge unmittelbar nach dem Genuss nicht mehr richtig. Verschiedene Stoffe sorgen für ein Schärfe-Empfinden, wobei Capsaicin in vielen Paprika- und Chilisorten der bekannteste ist. Schärfe zählt nicht zu den Geschmacksrichtungen, die unsere Zunge wahrnehmen kann (süß, sauer, salzig, bitter, umami).

Mythos zerstörter Geschmacksnerven

Der Mythos, dass Schärfe die Geschmacksnerven zerstört, hält sich hartnäckig, obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt. Im Gegenteil: Die durch Schärfe ausgelöste Hitzereaktion sorgt dafür, dass die Zunge stärker durchblutet wird. Wenn es aber vorrangig um die Schärfe geht, dann kann es auch sein, dass sich Ihr Mund komplett taub anfühlt und keine Geschmacksempfindung mehr zulässt. Das Schmerzempfinden und die Taubheit durch zu scharfes Essen ist nur ein temporärer Effekt und wirkt sich also nicht dauerhaft auf das Geschmacksempfinden aus.

Negative Folgen von Schärfe

Dennoch kann zu viel Schärfe negative Folgen haben. Es wird mehr Magensäure gebildet, was zu Sodbrennen führen kann. Auch Schleimhautreizungen oder Bluthochdruck können körperliche Reaktionen sein. In manchen Fällen kann Schärfe sogar tödlich enden. Das für die Schärfe verantwortliche Capsaicin kann laut Experten Herzrhythmusstörungen verursachen.

Warnungen vor extrem scharfen Produkten

Die Verbraucherzentralen fordern, dass Lebensmittel mit einem Capsaicin-Gehalt von über 6.000 Milligramm pro Kilo auf ihre Sicherheit geprüft werden sollen. Auch ein Verbot wurde angesprochen.

Pseudoallergien durch Inhalts- und Zusatzstoffe

Bestimmte Inhalts- und Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln können Pseudoallergien auslösen. Nach dem Verzehr kann es zu Schwellungen im Mund- und Rachenraum oder zu Magen-Darm-Beschwerden kommen - obwohl keine Allergie gegen die Nahrungsmittel nachtgewiesen werden kann. Häufig werden diese Reaktionen durch Nahrungszusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Säuerungsmittel sowie Farb- und Aromastoffe verursacht. Aber auch natürliche Inhaltsstoffe etwa in Ananas, Erdbeeren und Aprikosen könnten pseudoallergische Reaktionen hervorrufen.

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Typische Auslöser einer pseudoallergischen Reaktion sind beispielsweise die Konservierungsstoffe Sorbinsäure (E 200 - E 203), Benzoesäure (E 210 - E 213) sowie Schwefeldioxid (E 220 - E 223). Farbstoffe wie Tartrazin (E 102), Chinolingelb (E104) oder Azorubin (E122) können ebenfalls als Pseudoallergene wirken. Eine weitere Gruppe von Substanzen, die Pseudoallergien auslösen könnten, seien die sogenannten biogenen Amine in Sauerkraut, Salami, Thunfisch, gereiftem Hartkäse, Bananen, Rotwein und Schokolade.

Das "China-Restaurant-Syndrom"

Ursprung und Symptome

Erstmals vom „China-Restaurant-Syndrom“ war 1986 in einem Leserbrief von Dr. Robert Ho Man Kwok die Rede. Er berichtete von Kopfschmerzen, Herzklopfen und einem Taubheitsgefühl im Nacken, nachdem er in chinesischen Restaurants gegessen hatte.

Glutamat als Auslöser

Der Verdacht kam auf, das Phänomen sei durch Mononatriumglutamat im asiatischen Essen ausgelöst worden. Es gibt längst wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Glutamat nicht schädlich ist. Es gibt auch keine korrekt durchgeführten Studien, die eine negative Wirkung von Glutamat auf den Körper nachweisen können.

Geschmacksverstärker E621

Geschmacksverstärker haben keinen kulturellen Hintergrund und können nicht nur einer bestimmten Küche zugeordnet werden. Der Glutamatgehalt in chinesischem Essen ist weder gesünder noch ungesünder als das Glutamat in deutschen Lebensmitteln. Wer aber trotzdem auf Glutamat verzichten will, sollte die Inhaltsstoffe von allen Lebensmitteln checken und dabei auf den Zusatz von E621 achten.

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