Krampfanfall durch Magen-Darm-Ursachen und andere Auslöser: Ein umfassender Überblick

Krampfanfälle können beängstigend sein, sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen. Sie äußern sich durch unkontrollierte Muskelzuckungen, Bewusstseinsverlust oder andere neurologische Symptome. Obwohl im Mittelalter noch dämonische Kräfte hinter solchen Anfällen vermutet wurden, wissen wir heute, dass sie oft auf eine Störung im Gehirn zurückzuführen sind. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Krampfanfällen, einschließlich solcher, die mit dem Magen-Darm-Trakt in Verbindung stehen, sowie andere mögliche Auslöser und Behandlungsansätze.

Was ist ein Krampfanfall?

Ein Krampfanfall ist ein plötzliches, unwillkürliches Ereignis, das mit krampfartigen oder zuckenden Bewegungen einhergeht. Je nach Art des Anfalls kann der Betroffene das Bewusstsein verlieren. Typischerweise wird ein Krampfanfall durch eine Funktionsstörung von Nervenzellen (Neuronen) in der Hirnrinde hervorgerufen. Die normale Aufgabe einer Nervenzelle ist es, elektrische Signale zu erzeugen, zu empfangen und weiterzuleiten. Bei einem zerebralen Krampfanfall geht jedoch jede Ordnung verloren, sodass sich plötzlich bestimmte Gruppen von Nervenzellen gleichzeitig entladen und synchron ihre unkoordinierten Signale weiterleiten. Dies kann man sich als ein "Gewitter im Gehirn" vorstellen.

Gelegenheitsanfälle vs. Epilepsie

Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen Gelegenheitsanfällen und Epilepsie. Im Verlauf verschiedener Erkrankungen kann es zu einzelnen epileptischen Anfällen kommen, die nach Abklingen der akuten Krankheitssituation nicht wieder auftreten. Solche Anfälle bezeichnet man als Gelegenheitsanfälle. Von Epilepsie spricht man nur dann, wenn sich die Anfälle selbst ohne besonderen Anlass wiederholen.

Ursachen von Gelegenheitskrämpfen

Als Ursache für Gelegenheitskrämpfe kommen in Frage:

  • Entzündungen: z.B. Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Hirntraumen: z.B. Gehirnerschütterung
  • Stoffwechselstörungen: z.B. Zuckerkrankheit, Rachitis, Störungen des Aminosäurestoffwechsels u.a.
  • Vergiftungen: Medikamente, Schwermetalle
  • Schwere chronische Sauerstoffmangelzustände: z.B. bei angeborenen Lungenmissbildungen
  • Starke Durchblutungsstörungen

Fieberkrämpfe

Besonders hervorzuheben sind die Fieber- oder Infektkrämpfe, die inzwischen als fiebergebundene Anfälle eingestuft werden. Unter einem Fieberkrampf versteht man ein Ereignis des Säuglings- oder Kleinkindesalters, das in der Regel im Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auftritt und mit Fieber verbunden ist ohne Hinweis auf eine Infektion des Gehirns oder eine andere definierte Ursache. Ein Fieberkrampfanfall dauert nur 1-2 Minuten. Bei Jungen treten Fieberkrämpfe häufiger auf als bei Mädchen. Eine familiäre Belastung wird bei ca. 30% der Fälle gefunden. Das Vorliegen eines Fieberkrampfes darf erst angenommen werden, wenn andere Ursachen für einen Krampf bei Fieber (z. B. eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ausgeschlossen wurden. In wenigen Familien leiden Angehörige auch noch im Schulalter bei Fieber unter epileptischen Anfällen. Die Anfälligkeit klingt erst mit der Pubertät aus.

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Ursachen von Fieberkrämpfen

Warum Fieberkrämpfe entstehen, konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Mediziner gehen davon aus, dass das Gehirn in bestimmten Entwicklungsphasen bei Anstieg der Körpertemperatur mit einem Krampf reagiert. Das Nervensystem des Kindes ist noch nicht vollständig entwickelt, sodass es im kindlichen Gehirn schneller zu überhöhten elektrischen Entladungen kommen kann, die sich als Krampf äußern. Die hohe Körpertemperatur von über 38 Grad Celsius ruft in den Nervenzellen des Gehirns ungeplante Entladungen hervor. Dadurch verringert sich die Schwelle für die Krampfauslösung schneller als normalerweise. Es entsteht eine Kettenreaktion, die einem Feuerwerk gleicht. Das gesamte Gehirn ist aktiviert, wodurch gleichzeitig alle Körpermuskeln zucken. Als mögliche Ursachen für Fieberkrämpfe gelten fieberhafte Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden. Mitunter sind es auch Masern und Impfungen gegen Keuchhusten, die einen Fieberkrampf verursachen. Ausschlaggebend ist nicht die Höhe der Körpertemperatur, sondern die Geschwindigkeit, mit der die Temperatur ansteigt. In gewissem Maße können Fieberkrämpfe auch vererbt werden.

Symptome von Fieberkrämpfen

In den meisten Fällen ist das Kind nicht ansprechbar, wird blass oder blau, verdreht die Augen oder hat einen starren Blick. Bei einigen betroffenen Kindern verlangsamt sich die Atmung oder sie halten einen Moment die Luft an, wodurch sie kurzzeitig das Bewusstsein verlieren. Weiterhin charakteristisch ist der zuckende Körper, wobei auch nur einzelne Körperteile betroffen sein können. In den meisten Fällen verläuft der Fieberkrampf bei betroffenen Kindern unkompliziert. Die bedrohlich wirkenden Symptome sind in der Regel harmlos. Beim einfachen Fieberkrampf ist der gesamte Körper betroffen. Ein unkomplizierter Fieberkrampf endet meist nach wenigen Minuten (nie länger als 15 Minuten). Ist der Krampf überstanden, kehrt die Gesichtsfarbe zurück und das Kind fühlt sich oft müde und möchte schlafen. Häufig kann sich der Nachwuchs nach dem Ereignis an nichts erinnern.

Arten von Fieberkrämpfen

  • Einfache (unkomplizierte) Fieberkrämpfe: Sie enden nach spätestens 15 Minuten von allein und treten innerhalb eines Tages nur einmal und ohne Hinweis auf eine Entzündung des Gehirns oder Rückenmarks auf.
  • Komplexe (komplizierte) Fieberkrämpfe: Sie dauern gewöhnlich länger als 15 Minuten und wiederholen sich innerhalb von 24 Stunden. Sie zeigen sich oft als fokale Anfälle, betreffen dann also nur einen Körperteil. Komplizierte Fieberkrämpfe treten meist vor dem sechsten Lebensmonat oder nach dem fünften Geburtstag auf, und zwar vor allem bei Kindern mit neurologischen Vorschädigungen. Nach dem Fieberkrampf lassen sich oft noch neurologische Auffälligkeiten beobachten, etwa eine vorübergehende Lähmung.

Was tun bei einem Fieberkrampf?

  • Ruhe bewahren
  • Das krampfende Kind so lagern, dass es sich nicht verletzen kann. Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus seinem Umfeld.
  • Die Eltern sollten nicht versuchen, die Zuckungen ihres krampfenden Kindes zu stoppen oder ihm Getränke einzuflößen.
  • Muss sich das krampfende Kind übergeben, sollte es vorsichtig in die stabile Seitenlage gedreht werden, damit es das Erbrochene nicht einatmet.
  • Nach dem ersten Fieberkrampf sollten die Eltern ihr Kind unmittelbar vom Kinderarzt untersuchen lassen.
  • Nur wenn der Krampf länger als zehn Minuten andauert oder mit einer Störung der Atmung einhergeht, ist es erforderlich, einen Notarzt zu rufen, der dem Kind ein krampflösendes Mittel (Antikonvulsivum) geben kann.

Vorbeugung von Fieberkrämpfen

Bei Kindern, die bereits einen Fieberkrampf erlitten haben, empfiehlt es sich, frühzeitig fiebersenkende Maßnahmen zu ergreifen, um weiteren Anfällen vorzubeugen. Dabei können neben lockerer Bekleidung auch Waden- und Pulswickel und ab einer Körpertemperatur von 38,5 Grad Celsius fiebersenkende Medikamente helfen. Wichtig ist es, sich dabei an die Anweisungen des Arztes/der Ärztin zu halten und die Dosierung dem Alter beziehungsweise Körpergewicht des Kindes anzupassen. Allerdings lässt sich auch durch eine solche Vorgehensweise nicht in allen Fällen verhindern, dass ein erneuter Fieberkrampf auftritt.

Folgeerkrankungen von Fieberkrämpfen

Kinder mit Fieberkrämpfen unterscheiden sich in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung nicht von solchen, die nie einen solchen Anfall erlitten haben. Lernschwierigkeiten, eine verzögerte Entwicklung oder ein verminderter Intelligenzquotient konnten in entsprechenden Studien nicht nachgewiesen werden. Selbst komplizierte Fieberkrämpfe hinterlassen normalerweise keine Folgeschäden, weisen aber möglicherweise auf eine Krampfneigung hin: So sind sie bei manchen Kindern die ersten Anzeichen einer Epilepsie.

Krampfanfälle durch Magen-Darm-Ursachen

Obwohl der Zusammenhang zwischen Magen-Darm-Problemen und Krampfanfällen weniger bekannt ist, gibt es verschiedene Mechanismen, durch die der Magen-Darm-Trakt eine Rolle spielen kann:

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  • Dehydration: Oftmals wird eine Dehydratation, also ein Wassermangel oder Austrocknung, als mögliche Ursache aufgeführt. Der menschliche Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser, das Gehirn sogar zu 90 Prozent. Hat man zu wenig getrunken, schwitzt man sehr stark oder verliert beispielsweise durch Erbrechen oder Durchfall zu viel Flüssigkeit, ist der Flüssigkeitshaushalt gestört. Wird die Flüssigkeit nicht schnell ersetzt, dickt unser Blut ein und der Organismus wird in einen Alarmzustand versetzt. Besonders heikel ist diese Gefahr einer Dehydratation bei Kindern oder älteren Menschen, da das Durstgefühl im Alter abnimmt und ältere Menschen schlicht nicht merken, dass sie einen Wassermangel haben.

  • Darmkrämpfe: Darmkrämpfe können verschiedene Ursachen haben, von einer schwer verdaulichen Mahlzeit über psychischen Stress bis hin zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Ein zu voller Magen-Darm-Trakt, blähende Lebensmittel (Brokkoli, Bohnen, Kohl etc.) sowie ungewohntes oder hastiges Essen können vorübergehend zu Darmkrämpfen und Bauchschmerzen beitragen. Stellen Sie fest, dass die Darmkrämpfe regelmäßig nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auftreten, kann auch eine Unverträglichkeit ursächlich sein. Eine weitere mögliche medizinische Ursache für Darmkrämpfe ist das sogenannte Reizdarmsyndrom (RDS), welches unter anderem durch Stress, Infektionen des Magen-Darm-Traktes oder eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora ausgelöst werden kann. Dazu kommen Entzündungen in diesem Bereich des Körpers, wie sie etwa durch Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa ausgelöst werden, eine Magen-Darm-Grippe oder ein Darmverschluss. Gerade im letzten Fall ist schnelle Hilfe gefragt, denn ein unbehandelter Darmverschluss kann lebensgefährlich sein. Symptome sind heftige Darmkrämpfe, Schmerzen im Bauchraum sowie Übelkeit und Erbrechen.

  • Darm-Hirn-Achse: Ein Einfluss der Darmmikrobiota auf Gesundheit, Verhalten und kognitive Funktionen durch die Produktion von Metaboliten, Hormonen und Immunfaktoren konnte bereits aufgezeigt werden. Einige Darmbakterien können beispielsweise direkt inhibitorische Neurotransmitter, die die Blut-Hirn-Schranke passieren können, sowie kurzkettige Fettsäuren, die zur Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke und der Regulation von Neurotransmittern beitragen, produzieren. Der Aufbau und die Zusammensetzung des Darmmikrobioms im Zusammenhang mit Epilepsie wurden bislang noch nicht eingehender analysiert, es gibt aber Hinweise darauf, dass Darmbakterien einen Einfluss auf die Kontrolle von Anfällen haben könnten.

    Hunde mit Epilepsie wiesen im Vergleich zu den gesunden Kontrollhunden einen signifikant reduzierten Anteil von GABA- (Pseudomonadales, Pseudomonadaceae, Pseudomonas und Pseudomonas graminis) und SCFA-produzierenden Bakterien (Peptococcaceae, Ruminococcaceae und Anaerotruncus) sowie von Bakterien, die mit einer Reduktion für das Risiko von Hirnerkrankungen in Verbindung gebracht werden konnten (Prevotellaceae), auf. Pseudomonaden können aus Glutamat GABA synthetisieren. Eine Reduktion der Pseudomonadenpopulationen führt so vermutlich zu einer verminderten Verfügbarkeit von GABA, einem essenziellen Neurotransmitter zur Anfallskontrolle, im zentralen Nervensystem. GABA selbst könnte wiederum über die Darm-Hirn-Achse regulierende Effekte auf die Pseudomonadenpopulation im Gastrointestinaltrakt ausüben. Ruminococcaceae und Peptococcaceae wiederum können kurzkettige Fettsäuren produzieren, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren und im Hypothalamus zur Regulation von Neurotransmittern beitragen. Diese Ergebnisse tragen zum Verständnis des Erkrankungsbildes der kaninen idiopathischen Epilepsie bei. Sie schaffen die Möglichkeit zur Untersuchung neuer therapeutischer Ansätze, einschließlich der Gabe von Probiotika zur Wiederherstellung des Darmmikrobioms bei Hunden mit Epilepsie. Neurotransmitter liefern einen Ansatz für weitere Studien. Die Rolle anderer Bakteriengruppen in der Darm-Hirn-Achse bedarf weiterer Untersuchungen.

Andere Ursachen von Krampfanfällen

Neben Magen-Darm-Ursachen gibt es zahlreiche andere Faktoren, die Krampfanfälle auslösen können:

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  • Epilepsie: Epileptische Krampfanfälle sind "unprovoziert", es gibt also keinen erkennbaren Auslöser, und sie treten wiederholt auf. Zum Teil werden sie durch Gehirnerkrankungen, Schlaganfälle und Tumoren ausgelöst.
  • Schlafmangel
  • Konsum von Alkohol und Drogen
  • Flackerlicht: z. B. Stroboskoplicht oder Videospiele
  • Andere medizinische Ursachen: Oftmals ist ein Krampfanfall das Symptom einer Epilepsie. Epileptische Krampfanfälle sind "unprovoziert", es gibt also keinen erkennbaren Auslöser, und sie treten wiederholt auf. Zum Teil werden sie durch Gehirnerkrankungen, Schlaganfälle und Tumoren ausgelöst. Entscheidend ist, wann dieser Tremor auftritt. Geschieht es, wenn man in Bewegung oder wenn man im Ruhezustand ist. Tritt das Zittern dagegen in der Ruhephase auf, können bestimmte Muskelpartien nicht oder nicht mehr angespannt und damit ruhig gehalten werden. Häufiger ist jedoch der sogenannte "essentielle Tremor". Dies ist eine - vermutlich erbliche - neurologische Bewegungsstörung, die zwischen dem 20. Und 60. Zu den Symptomen kommt es häufig, wenn man Körperpartien länger in einer anstrengenden Position halten muss oder wenn man bewusst eine Bewegung ausführen will.

Symptome von Krampfanfällen

Ein Krampfanfall zeichnet sich durch verschiedene Symptome aus, die sich je nach Art und Ausprägung des Anfalls unterscheiden:

  • Unwillkürliche, krampfende oder zuckende Bewegungen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • Bewusstlosigkeit
  • Kurzzeitige Bewusstseinstrübung mit anschließendem Gedächtnisverlust (»Absence«)
  • Schrei zu Beginn des Anfalls (»Initialschrei«)
  • Schnelles Zucken bestimmter Muskelgruppen (»myoklonischer Anfall«)
  • Versteifung der Gliedmaßen mit möglicher Bewusstseinstrübung (»tonischer Anfall«)
  • Zungenbiss (meist am seitlichen Zungenrand)
  • Harn- und Stuhlverlust
  • Plötzlicher Spannungsverlust einzelner Muskeln (»atonischer Anfall«)

Die häufigsten Anzeichen eines fokalen Anfalls sind:

  • Sensorische Störungen - die sog. »Aura« (verändertes Riechen, Fühlen, Hören, Sehen, Schmecken).
  • Sprachstörungen (z.B. unvermitteltes Stammeln, plötzliche Lautäußerungen) »speech arrest«
  • Schwindel, Halluzinationen oder Ängste können ebenfalls zu einer Aura gehören. Oft beginnt ein später generalisierender Anfall damit.
  • Schweißausbrüche, Blässe
  • Übelkeit und/oder Erbrechen, komisch aufsteigendes Gefühl aus dem Bauch (»gastrale Aura«)
  • Harn- und Stuhlinkontinenz

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Nach einem ersten Krampfanfall - egal ob im Kindes- oder Erwachsenenalter - ist es in jedem Fall sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Nur so lassen sich mögliche Ursachen abklären und eventuelle Grundkrankheiten diagnostizieren. Der zuständige Spezialist für Krampfanfälle ist ein Neurologe.

Wann bei einem Krampfanfall den Notarzt rufen?

  • Wenn ein Krampfanfall erstmals auftritt
  • Wenn ein Krampfanfall länger als drei Minuten andauert (Gefahr eines sogenannten Status epilepticus)
  • Wenn mehrere Krampfanfälle innerhalb von 30 Minuten auftreten
  • Wenn der Betroffene sich ernsthaft verletzt hat (z. B. durch einen Sturz)

Untersuchungen und Diagnose

Zunächst klärt der Arzt, ob tatsächlich ein Krampfanfall vorlag. Dazu schließt er zunächst andere Ursachen aus, die ähnliche Symptome hervorrufen. Hat der Patient tatsächlich einen Krampfanfall, gilt es, die Ursache abzuklären und gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten.

  • Anamnese: Die genaue Schilderung der Symptome - entweder durch den Patienten selbst oder durch Angehörige - ist bereits sehr hilfreich. Außerdem fragt der Arzt unter anderem: Wie lange hat der Krampfanfall angehalten? Was ist dem Anfall vorausgegangen? Wie rasch haben Sie sich / hat sich der Patient nach dem Anfall erholt? Gibt es irgendwelche Faktoren, die als Auslöser des Krampfanfalls in Frage kommen? Liegt eine Vor- bzw. Grunderkrankung oder eine kürzliche Kopfverletzung vor? Konsumieren Sie / konsumiert der Patient Drogen wie etwa Alkohol? Findet gerade ein Entzug statt?
  • Elektroenzephalografie (EEG): Mittels Elektroenzephalografie (EEG) werden dann die Hirnströme des Patienten gemessen und aufgezeichnet, um eventuelle Auffälligkeiten zu entdecken. Der Arzt versucht gegebenenfalls auch während der Messung, einen Anfall zu provozieren - zum Beispiel durch bestimmte Lichtreize oder indem er den Patienten absichtlich hyperventilieren lässt. Ein EEG lässt sich auch über längere Zeit aufzeichnen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Patienten währenddessen zu filmen (Video-EEG-Überwachung), sodass der Arzt genau sieht, was während eines (möglichen) weiteren Krampfanfalls passiert.
  • Bildgebung: Um mögliche Ursachen für Krampfanfälle ausfindig zu machen, fertigt der Arzt gegebenenfalls mithilfe von Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) detaillierte Schnittbilder des Gehirns an. Möglicherweise lassen sich darauf strukturelle Veränderungen (wie durch einen Schlaganfall oder einen Tumor) erkennen, die Anfälle hervorrufen.
  • Blut- und Urinuntersuchungen: Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Stoffwechselstörungen als eventuelle Auslöser von Krampfanfällen. Urinuntersuchungen sind ebenfalls manchmal hilfreich - etwa zum Nachweis von konsumierten Drogen, die der Patient nicht angegeben hat.
  • Lumbalpunktion: Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen angezeigt. Dazu zählt etwa die Entnahme und Analyse einer Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Lumbalpunktion), wenn der Verdacht auf eine Infektion des Gehirns als Ursache von Krampfanfällen besteht.

Behandlung von Krampfanfällen

Die Behandlung von Krampfanfällen richtet sich nach der Ursache. Bei Gelegenheitskrämpfen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei Epilepsie werden in der Regel Medikamente zur Anfallskontrolle eingesetzt.

  • Medikamentöse Therapie: Der behandelnde Arzt verschreibt gezielt Medikamente, die das Anfallsrisiko senken (»Antikonvulsiva«).
  • Chirurgische Eingriffe und Stimulationsverfahren: In bestimmten Fällen kann auch eine Operation oder ein Stimulationsverfahren helfen.

Was tun bei einem Krampfanfall?

  • Ruhe bewahren
  • Den Betroffenen vor Verletzungen schützen
  • Nicht versuchen, den Krampf zu unterdrücken
  • Nach dem Anfall den Betroffenen beruhigen und betreuen
  • Bei Bedarf den Notruf wählen

Ist ein Krampfanfall gefährlich?

Manche Anfälle können auf anwesende Außenstehende sehr dramatisch wirken. Ein einzelner Anfall aber ist nicht gefährlich für das Gehirn und hört üblicherweise nach ein bis zwei Minuten von selbst wieder auf. Es besteht allerdings ein gewisses Verletzungsrisiko, so durch unkontrollierte Muskelbewegungen. In sehr seltenen Fällen kommt es während eines epileptischen Krampfanfalls zu einem tödlichen Herz-Kreislaufversagen (»SUDEP«). Ebenfalls sehr selten - aber durchaus lebensgefährlich - sind Anfälle von längerer Dauer und Anfallsserien (»Status epilepticus«). Hier kann auch das Gehirn geschädigt werden.

Besonderheiten kindlicher Epilepsien

Im Kindesalter gibt es einige Epilepsiearten, welche altersgebunden auftreten-das heißt, dass sie sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes wieder zurückbilden. Das betrifft verschiedene Altersgruppen (Säuglingsalter, Schulalter). Häufig gehen diese Epilepsieformen mit nächtlichen Krampfanfällen einher, deshalb ist zur Diagnosestellung zu Beginn meist eine Schlaf-EEG-Untersuchung erforderlich. Ganz besonders wichtig ist, dass bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörung in der Schule eine Absence-Epilepsie mittels EEG ausgeschlossen wird, da diese gut behandelbar ist. Im Gegensatz zu den Epilepsien im Erwachsenenalter ist die medikamentöse Therapie bei Kindern oft nur über einen bestimmten Zeitraum (zwei bis fünf Jahre) erforderlich.

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