Blutegeltherapie: Linderung von Rückenschmerzen und Nervenschmerzen durch die Kraft der Natur

Die Blutegeltherapie, ein uraltes naturheilkundliches Verfahren, erlebt eine Renaissance in der modernen Schmerzbehandlung. Seit Jahrhunderten werden Blutegel zur Linderung von Gelenkschwellungen, Furunkeln und Entzündungen eingesetzt. Insbesondere bei Rückenschmerzen und Nervenschmerzen (Neuralgien) bietet diese Therapie eine vielversprechende Alternative oder Ergänzung zur klassischen Schulmedizin.

Die Bedeutung der Blutegeltherapie in der Schmerzmedizin

Chronische Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen, sind weit verbreitet und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dr. Maximiliane Deckart, Chefärztin für Schmerzmedizin, betont, dass Patienten mit starken Schmerzen oft einen Ausweg suchen, besonders wenn sie durch Schmerzmedikamente zusätzlich beeinträchtigt sind. Hier kann die Blutegeltherapie eine wertvolle Unterstützung bieten, um Verkrampfungen zu lösen, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen zu lindern.

Wie Blutegel Schmerzen aufspüren und lindern

Blutegel sind äußerst sensibel für Temperaturunterschiede. Entzündete und schmerzende Bereiche weisen häufig eine höhere Temperatur auf, die die Egel gezielt anzieht. Das Entscheidende ist jedoch nicht die geringe Menge Blut, die der Egel aufnimmt, sondern die Substanzen, die er während des Saugvorgangs in die Blutbahn abgibt.

Der Speichel als „Wundermittel“

Der Speichel des Blutegels ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen, die eine Vielzahl von positiven Wirkungen entfalten:

  • Entzündungshemmend: Substanzen wie Eglin wirken entzündungshemmend und können Entzündungsprozesse im Gewebe reduzieren.
  • Schmerzlindernd: Der Speichel enthält schmerzlindernde Stoffe, die zur Reduktion von Schmerzen beitragen.
  • Gerinnungshemmend: Hirudin, ein weiterer wichtiger Bestandteil des Speichels, wirkt blutverdünnend und gerinnungshemmend. Dies fördert die Durchblutung und kann Verkrampfungen lösen.
  • Durchblutungsfördernd: Die verbesserte Durchblutung trägt dazu bei, das Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und Stoffwechselprodukte abzutransportieren.
  • Gewebelockernd: Der Speichel kann das Gewebe lockern und somit zur Entspannung beitragen.

Patienten berichten oft von einer deutlichen Schmerzlinderung bereits kurz nach der Behandlung. Eine Patientin äußerte sich beispielsweise, dass sie einen Tag nach der Behandlung keine Schmerzen mehr hatte.

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Anwendungsbereiche der Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie findet Anwendung bei einer Vielzahl von Beschwerden, insbesondere bei:

  • Rückenschmerzen: Sowohl akute als auch chronische Rückenschmerzen können durch die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften des Blutegelspeichels gelindert werden.
  • Nervenschmerzen (Neuralgien): Bei Nervenschmerzen, wie beispielsweise nach einer Gürtelrose, kann die Blutegeltherapie ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Arthrose: Insbesondere bei Knie- und Daumengrundgelenksarthrose hat sich die Blutegeltherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen reduzieren und den Bewegungsumfang verbessern.
  • Schulter-Nacken-Beschwerden: Verspannungen und Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich können durch die krampflösenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften der Blutegeltherapie gelindert werden.
  • Rheuma: Auch bei rheumatischen Erkrankungen kann die Blutegeltherapie zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden.
  • Tennisellbogen: Die entzündungshemmenden Eigenschaften des Blutegelspeichels können auch bei einem Tennisellbogen Linderung verschaffen.
  • Sprunggelenksschmerzen: Auch hier kann die Therapie zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit beitragen.

Der Ablauf einer Blutegeltherapie

Eine professionelle Blutegeltherapie umfasst mehrere Schritte:

  1. Vorbereitung: Die zu behandelnde Region sollte ein bis zwei Tage vor der Therapie nicht mit Seife, Cremes, Parfüms oder anderen Duftstoffen behandelt werden, da dies die Blutegel abschrecken kann. Auch auf stark über die Haut ausgeschwitzte Nahrungsmittel wie Knoblauch sollte verzichtet werden.
  2. Platzierung der Blutegel: Je nach Lokalisation werden in der Regel zwei bis sechs Blutegel auf die betroffene Stelle gesetzt. Bei einem Daumengrundgelenk rechnet man beispielsweise mit zwei bis drei Egeln, bei einem Kniegelenk mit vier bis fünf.
  3. Der Saugvorgang: Die Blutegel suchen sich eine geeignete Stelle und beißen zu. Dies kann als leichtes Zwacken oder Brennen wahrgenommen werden. Während des Saugvorgangs, der etwa 30 bis 120 Minuten dauert, geben die Egel ihren Speichel in das Gewebe ab.
  4. Nachblutung und Wundversorgung: Nachdem die Egel sich vollgesogen haben und von selbst abfallen, werden die kleinen Wunden einige Minuten nachbluten gelassen, um sie zu reinigen. Anschließend wird ein Druckverband angelegt, der bis zum nächsten Tag belassen werden sollte.

Wichtige Hinweise zur Nachsorge

  • Wundkontrolle: Am Tag nach der Behandlung sollte die Wunde kontrolliert werden.
  • Wundversorgung: In der Regel kann die Bissstelle dann mit einem normalen Pflaster versorgt werden, das für etwa drei Tage belassen werden sollte.
  • Wasseranwendungen: Solange das Pflaster angebracht ist, sollten Wasseranwendungen in diesem Bereich vermieden werden.
  • Schonung: Schonen Sie sich und ruhen Sie sich aus. Es ist normal, dass die Blutung bis zu 12 Stunden nach Ende der Behandlung anhält. Empfehlenswert sind generelle Regeln zur Wundnachsorge: betroffene Körperteile hochlagern, viel trinken und keinen anstrengenden Tätigkeiten nachgehen.

Worauf Sie bei der Blutegeltherapie achten sollten

  • Qualität und Hygiene: Medizinische Blutegel werden speziell gezüchtet und unterliegen strengen Qualitätskontrollen. Sie dürfen nur einmalig und nur an einem Patienten eingesetzt werden.
  • Professionelle Durchführung: Die Blutegeltherapie sollte nur von erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden, die mit der Technik und den möglichen Risiken vertraut sind.
  • Ausschluss von Kontraindikationen: Vor der Behandlung sollte abgeklärt werden, ob Kontraindikationen wie Blutgerinnungsstörungen, Immunschwäche oder Allergien vorliegen.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie bei jeder medizinischen Behandlung können auch bei der Blutegeltherapie Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten gehören:

  • Nachblutungen: Durch die gerinnungshemmende Wirkung des Speichels kann es zu Nachblutungen kommen, die in der Regel jedoch harmlos sind und von selbst aufhören.
  • Juckreiz: An den Bissstellen kann Juckreiz auftreten, der durch eine allergische Reaktion auf den Speichel verursacht werden kann.
  • Schwellungen und Rötungen: Die Bissstellen können leicht anschwellen und sich röten.
  • Infektionen: In seltenen Fällen kann es zu Infektionen der Bissstellen kommen.

Die Kosten der Blutegeltherapie

Die Kosten für eine Blutegeltherapie variieren je nach Anwendungsbereich, Anzahl der benötigten Egel und dem Stundensatz des Therapeuten. In der Regel müssen die Kosten selbst getragen werden, da die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung nicht übernehmen. Es gibt jedoch private Zusatzversicherungen, die alternative Heilmethoden abdecken.

Blutegeltherapie vs. Selbstbehandlung

Es ist wichtig zu betonen, dass Blutegeltherapie nicht zur Selbstbehandlung geeignet ist. Medizinische Blutegel werden speziell gezüchtet und müssen vor der Anwendung in Quarantäne leben. Blutegel aus dem Gartenteich sind nicht steril und können Krankheiten übertragen.

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Weitere komplementärmedizinische Optionen bei Schmerzen

Neben der Blutegeltherapie gibt es eine Vielzahl weiterer naturheilkundlicher Verfahren, die bei Schmerzen eingesetzt werden können:

  • Osteopathie: Eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die Funktionsstörungen des Bewegungsapparates behandelt.
  • Akupunktur: Ein Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei dem feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte anzuregen.
  • Schröpfen: Ein traditionelles Heilverfahren, bei dem Gläser auf die Haut gesetzt werden, um einen Unterdruck zu erzeugen und die Durchblutung anzuregen.
  • Neuraltherapie: Eine Regulationstherapie, bei der Lokalanästhetika in bestimmte Punkte oder Regionen des Körpers gespritzt werden, um Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
  • Dorn-Breuss-Therapie: Eine manuelle Technik, die Elemente aus der Meridianlehre der TCM und der sanften Chirotherapie verbindet, um Wirbelsäulenprobleme zu behandeln.
  • Chiropraktik: Eine manuelle Therapie, die Gelenkblockaden löst und die Funktion von Gelenken und Muskulatur normalisiert.
  • Kinesiotaping: Eine Methode, bei der elastische Bänder auf die Haut geklebt werden, um Muskelverspannungen zu lösen, die Gelenkfunktion zu verbessern und die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
  • Progressive Muskelentspannung nach Jakobson: Eine Entspannungstechnik, bei der durch An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung erreicht wird.
  • Yoga: Kombiniert Körperhaltungen, Atemtechniken und Meditation, um die Muskulatur zu dehnen, das Nervensystem zu aktivieren und die Körperwahrnehmung zu verbessern.
  • Meditation und Achtsamkeitsübungen: Helfen, den Schmerz zu akzeptieren und einen besseren Umgang mit ihm zu finden.

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