Bluthochdruck und das vegetative Nervensystem: Ursachen und Zusammenhänge

Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, ist ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das oft unbemerkt bleibt und langfristig schwerwiegende Folgen haben kann. Die enge Verbindung zwischen Blutdruckregulation und dem vegetativen Nervensystem spielt dabei eine zentrale Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Bluthochdruck, insbesondere im Zusammenhang mit dem vegetativen Nervensystem, und gibt Einblicke in Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Bluthochdruck?

Als Bluthochdruck (Hypertonus) wird der erhöhte Druck in den arteriellen Blutgefäßen bezeichnet. Die Erkrankung bezeichnen Mediziner als „Arterielle Hypertonie" oder Hypertonie. Das Gegenteil dazu ist meist eher unbedenklicher niedriger Blutdruck (Hypotonie). Der Blutdruck wird in zwei Werten angegeben: dem systolischen und dem diastolischen Wert. Der systolische Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien pumpt, während der diastolische Wert den Druck misst, wenn sich das Herz entspannt und wieder mit Blut füllt. Aktuell (Stand ) gelten laut WHO ein systolischer Wert von mindestens 140 mm Hg und ein diastolischer Blutdruckwert von gleich oder mehr 90 mm Hg als hyperton - ein Blutdruck ab 140/90 mm Hg ist also erhöht. Nach dieser Definition muss die Blutdruckerhöhung jedoch dauerhaft bestehen und darf nicht nur vorübergehend sein.

Die Rolle des vegetativen Nervensystems

Das vegetative Nervensystem reguliert lebenswichtige Körperfunktionen, die nicht bewusst steuerbar sind. Es wirkt dabei durch die zwei Nervenbahnen: Während der Sympathikus Aktivität ermöglicht, sorgt sein Gegenspieler, der Vagus, für Entspannung und Regeneration. Das vegetative Nervensystem steuert Körperfunktionen wie Atmung und Verdauung und beeinflusst ebenfalls Harnblase, Herz und Blutgefäße. Wir nehmen die Arbeit des vegetativen Nervensystems normalerweise nicht wahr, denn es arbeitet selbstständig (autonom) im Hintergrund.

Sympathikus und Parasympathikus im Gleichgewicht

Sympathikus und Parasympathikus bilden ein Gleichgewichtssystem für die Herzfunktion. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sympathikus und Parasympathikus ist entscheidend für die langfristige Herzgesundheit. Der Sympathikus ist der aktivierende Teil des vegetativen Nervensystems. Bei Stress oder körperlicher Anstrengung sorgt er dafür, dass das Herz schneller schlägt und der Blutdruck steigt. In der modernen Welt aktivieren jedoch auch beruflicher Druck, Zeitnot oder emotionale Belastungen den Sympathikus. Das Problem dabei: Der Körper unterscheidet nicht zwischen einer echten Gefahr und psychischem Stress. Der Parasympathikus bildet den Gegenspieler zum Sympathikus. Er wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet und sorgt für Erholung und Regeneration. Die Aktivierung des Parasympathikus geschieht nicht automatisch in ausreichendem Maße, besonders bei Menschen mit stressreichem Alltag.

Vegetative Dystonie: Wenn das Gleichgewicht fehlt

Gerät das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, spricht man von einer vegetativen Dysbalance oder Dystonie. Die Vielfalt an unspezifischen Symptomen macht es oft schwierig, ein überreiztes Nervensystem unmittelbar zu erkennen. Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche, als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten ist es eine Kombination aus beiden.

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Ursachen von Bluthochdruck

Man unterscheidet zwischen primärer (essenzieller) und sekundärer Hypertonie.

Primäre (essenzielle) Hypertonie

Besteht ein Bluthochdruck, ohne dass andere Erkrankungen zugrunde liegen, spricht man von einer primären oder essenziellen Hypertonie. Die essentielle Hypertonie kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Neben einer genetischen Komponente spielt auch der Lebensstil eine große Rolle.

Genetische Veranlagung

Manche Ursachen lassen sich nicht beeinflussen. Bluthochdruck tritt vermehrt auf, wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind. Die Gefahr, an Bluthochdruck zu erkranken, steigt um 50 bis 80%, wenn ein Elternteil darunter leidet. Sind beide Eltern betroffen, steigt das Risiko sogar um 140%. Erkranken die Eltern schon vor dem 55. Lebensjahr, ist die Bluthochdruckgefahr für Kinder mehr als 6mal so hoch. Haben sie die Erkrankung bereits vor dem 35.

Lebensstilfaktoren

Der Blutdruck wird stark vom individuellen Lebensstil beeinflusst. Zu den wesentlichen Risikofaktoren, die das Entstehen einer essenziellen Hypertonie beitragen und die beeinflussbar sind zählen Faktoren unseres Lebensstils:

  • Übergewicht: Eine häufige Ursache für zu hohen Blutdruck ist Übergewicht, also ein Body-Mass-Index (BMI) über 25. Hierbei kommt der Fettverteilung im Körper eine große Bedeutung zu. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes steigt mit wachsendem Bauchumfang (sog. „Apfeltyp"). Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) mit erhöhtem Insulinspiegel senkt den Spiegel des atrialen natriuretischen Peptid (ANP). Dieser Botenstoff wird im Herz bei zu hohem Blutvolumen gebildet und wirkt blutdrucksenkend. Er hemmt das Durstgefühl und führt dazu, dass verstärkt Harn ausgeschieden wird. ANP senkt so das Blutvolumen und damit den Blutdruck. Ist der Insulinspiegel chronisch erhöht, werden verstärkt ANP-Abbau-Rezeptoren im Fettgewebe produziert. Übergewicht und Bluthochdruck sind Faktoren des metabolischen Syndroms, das die arteriellen Gefäße schädigt und die koronare Herzkrankheit (KHK) begünstigt. Zu den weiteren Faktoren zählt die Fettstoffwechselstörung mit Erhöhung der Triglyceride im Blut (Hypertriglyzeridämie) bei erniedrigtem HDL-Cholesterin.
  • Erhöhter Alkoholkonsum: Schon geringe Mengen Alkohol lassen den Blutdruck steigen. Denn Alkohol aktiviert das vegetative Nervensystem, das Herz schlägt schneller und pumpt mehr Blut in die Arterien.
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung: (erhöhte Salzzufuhr, übermäßiger Alkoholkonsum)
  • Anhaltender Stress

Stress und psychische Belastungen

Stress und andere psychische Belastungen können entweder nur vorübergehend den Blutdruck erhöhen oder auch zu langfristigem Leiden beitragen. Der hohe Druck kann durch verschiedene mögliche Ursachen oder Verstärker hervorgerufen werden: Stress und innere Unruhe kann zu einer vorübergehenden Erhöhung des Blutdrucks der Betroffenen führen, da der Körper in Stresssituationen Hormone freisetzt, die das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Wird der Stress chronisch, weil Stressoren kontinuierlich vorhanden sind und Stress-Hormone nicht ausreichend abgebaut werden, kann das zu anhaltender Hypertonie führen. Starke Emotionen durch Angst, Sorgen, Ärger oder Frustration führen dazu, dass das Herz schneller schlägt und die Blutgefäße sich verengen. Auf diese Weise können sie ebenfalls kurzzeitig zu hohem Blutdruck führen, der bei gesunden Menschen aber zügig wieder zu den Werten eines normalen Blutdrucks zurückkehrt, sobald das vegetative Nervensystem wieder im Normalzustand ist. Ebenso können chronischer Schlafmangel oder Schlafstörungen Ursache für einen erhöhten Druck des Blutes sein. Auch bei fehlenden sozialen Kontakten ist bekannt, dass Menschen, die sozial isoliert oder einsam sind, ein erhöhtes Risiko aufweisen können. Manche Menschen greifen in Stress-Situationen zu ungesunden Bewältigungsmechanismen wie übermäßigem Alkoholkonsum, Rauchen oder ungesunder Ernährung, die wiederum das Problem intensivieren können.

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Sekundäre Hypertonie

Eine sekundäre Hypertonie liegt vor, wenn ein erhöhter Blutdruck als Folge einer anderen Erkrankung auftritt. Zu den Hauptursachen zählen:

  • Störungen des Hormonhaushaltes (endokrines System).
  • (chronischen) Nierenerkrankungen, insbesondere Schädigungen der Nierenarterien und des Nierengewebes.
  • Nierenerkrankungen (wie Glomerulonephritis, Zystennieren, diabetische Nephropathien oder Nierenarterienverengungen)
  • Gefäßerkrankungen (wie Arteriosklerose oder angeborene Missbildungen der Hauptschlagader)
  • Hormonstörungen (wie Cushing-Syndrom, Erkrankungen der Nebennierenrinde, Phäochromozytom oder Diabetes)
  • Schlafapnoesyndrom.

Auch Medikamente, zum Beispiel hormonelle Verhütungsmittel (Antibabypille) oder Kortison, können Bluthochdruck verursachen.

Isolierte klinische Hypertonie (Weißkittel-Hypertonie)

Zu beachten ist auch die isolierte klinische Hypertonie (sog. Praxis-Hypertonie oder Weißkittel-Bluthochdruck). Die vom Arzt gemessenen Blutdruckwerte liegen hierbei über denen, die der Betroffene zu Hause selbst gemessen hat.

Symptome und Diagnose

Erhöhter Blutdruck macht sich anfangs häufig gar nicht bemerkbar. Die betroffenen Personen fühlen sich oft sogar besonders fit und munter. Erst sehr hoher Blutdruck löst mitunter Beschwerden aus. Typische Symptome bei Hypertonie sind Kopfschmerzen (häufig morgens), Schwindel, Übelkeit, Gesichtsrötung, Nasenbluten, Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit und Ohrensausen (Tinnitus). Um Folgeschäden und Komplikationen durch Bluthochdruck zu vermeiden, sollte die Therapie von Hypertonie so früh wie möglich beginnen. Hoher Blutdruck wird einfach mit einer ersten und zweiten Blutdruckmessung festgestellt. Bei Verdacht auf Hypertonie folgt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Im weiteren Verlauf sollten Blutuntersuchungen, Augen- und Urinuntersuchungen, ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sowie der Hals- und Beingefäße veranlasst werden. Um andere Erkrankungen als Ursache von Hypertonie auszuschließen, helfen zudem bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Natürlich ist für die Diagnose von Bluthochdruck nicht immer das komplette Spektrum dieser Untersuchungsmethoden notwendig.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von hohem Blutdruck, der mit psychischen Faktoren zusammenhängen kann, sollte idealerweise eine Kombination sein, aus Lebensstil-Anpassung, blutdrucksenkenden Medikamenten und Einwirken auf die Psyche:

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Änderungen des Lebensstils

Erste Maßnahme sollte der Wechsel zu einem gesunden Lebensstil sein. Hierzu gehört gesunde Ernährung genauso wie ausreichende, regelmäßige Bewegung. Beides wird auch dazu führen, Übergewicht abzubauen. Auch Rauchen und Alkohol sollten zum Wohle der Gesundheit weitestgehend vermieden oder komplett gestrichen werden.

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Therapie der Hypertonie werden sogenannte Blutdrucksenker gegeben. Es gibt eine ganze Reihe von blutdrucksenkenden Medikamenten, die unterschiedlich wirken. Die Auswahl des geeigneten Medikamentes hängt unter anderem vom Alter, den Vor- und Begleiterkrankungen sowie vom Ansprechen des Blutdrucks auf die Medikamente ab.

  • Diuretika
  • Betablocker
  • Kalziumantagonisten
  • ACE-Hemmer
  • AT-1-Rezeptor-Antagonisten und Renin-Antagonisten
  • Alphablocker
  • Kaliumkanalöffner
  • Alpha-2-Agonisten
  • NO-Donatoren

Psychologische Unterstützung und Entspannungstechniken

Hierzu gehören z.B. Stressmanagement-Techniken, die eingesetzt werden können, um entweder dauerhaft ruhiger und belastbarer zu werden oder in Akutsituationen, wenn Puls und Blutdruck hochschnellen. Gegebenenfalls bedarf es auch psychologischer Unterstützung in Form von Psychotherapie, wenn die psychische Belastung sehr hoch ist.

Medikamente für die Psyche

Arzneimittel für die Psyche können auch zum Einsatz kommen, wenn eine psychische Ursache mitverantwortlich ist für hohe Blutdruckwerte. Hierbei ist aber wichtig zu unterscheiden: Solche Medikamente senken nicht selbst den Blutdruck im Herz-Kreislauf, sondern zielen auf die Auslöser und Verstärker ab, die die hohen Werte verursachen. Werden die psychischen Auslöser behandelt, kann sich dies positiv auf die Hypertonie auswirken. Eine solche medikamentöse Therapie kann z.B. pflanzliche Medikamente umfassen, die auf das Neurotransmitter-Gleichgewicht im Gehirn einwirken, etwa zur Beruhigung bei nervösen Unruhezuständen.

Homöopathie

Bei nervösen Störungen und Verstimmungszuständen kann das homöopathische Arzneimittel Pascolibrin® ausgleichende Unterstützung bieten. Bei Bluthochdruck könnte zudem Hypercoran® eingesetzt werden. Es zielt nicht darauf ab, den arteriellen Druck direkt zu senken, sondern soll als natürlicher Anstoß zur Verbesserung der körpereigenen Blutdruckregulation dienen. Die Tropfen sollen also den Körper dazu anregen, selbst aktiv zu werden. Damit ist Hypercoran® eine ideale Ergänzung zu den anderen natürlichen Maßnahmen zur Regulation eines erhöhten Blutdruckes aber auch zur Einnahme von klassischen Blutdrucksenkern. Auch, wenn die Hypertonie so stark ausgeprägt ist, dass chemisch-synthetische Arzneimittel eingenommen werden müssen, kann die Einnahme von Hypercoran® sinnvoll sein. Hypercoran® ist zur unterstützenden Therapie des Bluthochdrucks geeignet und es sind keine unerwünschten Wechselwirkungen mit schulmedizinischen Blutdruckmedikamenten bekannt. Das macht es zu einer geeigneten Option für ältere Menschen.

Prävention

Die gute Nachricht ist, dass sich das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen lässt. Tiefes und bewusstes Atmen, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sowie ausreichend Schlaf fördern die parasympathische Aktivität. Auch Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gesundheit des autonomen Nervensystems unterstützen. Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und Regeneration des Nervensystems. Dazu sollte die Schlafumgebung eine Temperatur von etwa 18 Grad haben und sich gut abdunkeln lassen. Fernseher oder mobile Geräte wie Smartphones sollten abends ausgeschaltet werden, um Ablenkung und laute Geräusche zu vermeiden. Deftiges Essen, Alkohol und Stress am Abend können die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen.

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