Bluthochdruck und seine Folgen für das Gehirn: Ein umfassender Überblick

Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der in Deutschland etwa jeder dritte Erwachsene betroffen ist. Oftmals bleibt ein erhöhter Blutdruck lange Zeit unbemerkt, da er zunächst keine offensichtlichen Symptome verursacht. Unbehandelt kann er jedoch schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, insbesondere für das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auswirkungen von Bluthochdruck auf das Gehirn, von subtilen kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Demenz und Schlaganfall.

Die Auswirkungen von Bluthochdruck auf die kognitive Leistungsfähigkeit

Bereits ein leicht erhöhter Blutdruck kann die kognitive Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen. Eine Studie aus Münster hat gezeigt, dass neben Faktoren wie Bildung, Alter und Geschlecht auch Blutdruck, Blutzucker und Körpergewicht das geistige Leistungsvermögen beeinflussen. Dabei spielte der Blutdruck eine besonders wichtige Rolle: Je höher der Wert, desto schlechter die kognitive Leistung. Dies gilt sogar für Blutdruckwerte im sogenannten hochnormalen Bereich (systolischer Wert zwischen 130 und 139 mmHg).

Die Forscher untersuchten verschiedene kognitive Fähigkeiten wie Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und räumliches Denken. Die Auswertung ergab, dass bereits ein hochnormaler Blutdruck zu kontinuierlichen Schäden im Gehirn und damit zu kognitiven Einschränkungen führen kann. Es ist daher wichtig, frühzeitig aktiv zu werden, idealerweise ab dem 40. Lebensjahr, um den kognitiven Abbau zu verzögern und im Alter länger geistig fit zu bleiben.

Interessanterweise wirkte sich der Blutdruck vor allem bei den 40- bis 60-jährigen Probanden auf die geistigen Fähigkeiten aus. Bei den über 70-jährigen Studienteilnehmern beobachteten die Wissenschaftler diesen Effekt nicht, da in dieser Altersgruppe verschiedene andere Faktoren in den Vordergrund rücken könnten.

Bluthochdruck und die Entstehung von Demenz

Ein bislang unterschätzter Risikofaktor für die Entstehung von Demenz ist Bluthochdruck. Studien weisen darauf hin, dass bereits geringfügig erhöhte Blutdruckwerte das Demenz-Risiko erhöhen können. Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann zu chronischen Durchblutungsstörungen im Gehirn führen. Durch Gefäßveränderungen kann eine vaskuläre Demenz entstehen.

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Mini-Schlaganfälle, die sich in den Enden der kleinsten Blutgefäße ereignen, können ebenfalls Verbindungen zwischen den Nervenzellen zerstören und zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen. Mikro-Blutungen, bei denen winzige Blutmengen aus den Gefäßen austreten, können ebenfalls zu Schäden im Gehirn führen.

Eine Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts hat gezeigt, dass bereits bei Menschen mit niedrigen oder normalen Blutdruckwerten Veränderungen im Gehirn sichtbar sein können. Die Forscher sahen dabei eine Reduzierung des Gehirns, auch in den Bereichen, in denen das Gedächtnis liegt.

Bluthochdruck und Schlaganfall

Bluthochdruck schädigt Herz, Gehirn und Blutgefäße. Ein erhöhter Blutdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen, die durch Bluthochdruck verursacht werden können:

  • Ischämischer Schlaganfall: Dabei wird ein Blutgefäß im Gehirn verengt oder verschlossen, weil ein kleines Blutgerinnsel ins Gehirn gelangt ist. Menschen mit Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko für dauerhaftes Vorhofflimmern, das die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Hierbei kommt es wegen des Bluthochdrucks zu einer Blutung im Gehirn.

Bluthochdruck und Schädigung der Hirngefäße

Ein langjähriger und/oder schlecht eingestellter Bluthochdruck schädigt das Gehirn über verschiedene Mechanismen wie zum Beispiel Minderdurchblutung und Entzündungsprozesse. Weiße Flecken im Gehirn (White Matter Hyperintensities = WMH) sind häufig auf Magnetresonanztomographie-Aufnahmen älterer Menschen zu sehen und gelten als Indikator für Kleingefäßerkrankungen. Eine Studie hat gezeigt, dass WMH bei Bluthochdruck auftreten und besonders stark ausgeprägt sind, wenn der Bluthochdruck zwar medikamentös behandelt wird, aber trotzdem nicht gut eingestellt ist.

Ein hoher und vor allem ein schlecht eingestellter Blutdruck verursacht Schäden im Gehirn und kann somit auch die Funktion des Gehirns schädigen. WMH sind offensichtlich späte Folgen von Bluthochdruck.

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Die Rolle des Immunsystems bei Bluthochdruck und Hirnschäden

Bluthochdruck steht ganz oben auf der Rangliste der chronischen Gesundheitsprobleme. Ist der Druck in den Blutgefäßen erhöht, leiden die Organe des Körpers, allen voran, das Gehirn, das Herz und die Gefäße. Das steigert nicht nur das Risiko für schwerwiegende Herzkreislauferkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Herz, Hirn und Gefäße sind im gesunden Körper auch maßgeblich daran beteiligt, den Blutdruck zu regulieren.

Entzündungsreaktionen im Körper tragen zum Bluthochdruck bei und ziehen Organe in Mitleidenschaft. Um den verantwortlichen biologischen Mechanismen auf den Grund zu gehen, wurden Zebrafischlarven im Wasser mit niedriger Ionenkonzentration aufgezogen, um bei den Tieren ein Ionenungleichgewicht im Körper zu erzeugen, das vergleichbar ist mit übermäßigem Salzkonsum beim Menschen und das zu Bluthochdruck führt.

Nach den Beobachtungen der Forschenden führt Bluthochdruck zu mehr Makrophagen und Mikroglia, spezielle Immunzellen des Gehirns, die vermehrt auf Gefäßoberflächen treffen können. Sie treten dort mit dem Endothel in Kontakt, der Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleiden, und schwächen die Gefäßwände zunehmend. Auch die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen und Krankheitserregern schützt, nimmt Schaden.

Interessanterweise schützen Makrophagen und Mikroglia bei gesundem Blutdruck normalerweise die Gefäße. Eine wichtige Rolle spielen dabei Entzündungsbotenstoffe wie IFN-Gamma, die unter Bluthochdruckbedingungen vermehrt ausgeschüttet werden.

Prävention und Behandlung von Bluthochdruck zur Erhaltung der Hirngesundheit

Um die negativen Auswirkungen von Bluthochdruck auf das Gehirn zu minimieren, ist eine frühzeitige Prävention und Behandlung entscheidend. Hier sind einige wichtige Maßnahmen:

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  • Regelmäßige Blutdruckmessung: Um einen erhöhten Blutdruck frühzeitig zu erkennen, ist eine regelmäßige Messung unerlässlich.
  • Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene und salzarme Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, der Verzicht auf Rauchen und die Reduktion von Übergewicht können helfen, den Blutdruck zu senken.
  • Medikamentöse Behandlung: Bei Bedarf kann der Blutdruck mit Medikamenten gesenkt werden. Ziel ist es, den Blutdruck auf Werte unter 140/90 mmHg, idealerweise zwischen 120-130 mmHg (systolisch), zu senken.
  • Frühzeitige Intervention: Es ist wichtig, bereits in jungen Jahren auf einen gesunden Blutdruck zu achten, um langfristige Schäden am Gehirn zu vermeiden.

Psychische Gesundheit und Bluthochdruck

Unsere psychische Gesundheit und die unseres Herz-Kreislauf-Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung. Eine Studie hat gezeigt, dass ein höherer systolischer Blutdruck mit weniger depressiven Symptomen, größerem Wohlbefinden und geringerer emotionsbezogener Gehirnaktivität verbunden ist. Gleichzeitig geht eine Hypertoniediagnose mit einer schlechteren psychischen Gesundheit einher.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass psychische Faktoren die Behandlung von Bluthochdruck erschweren können. Betroffene fühlen sich häufig müde und abgeschlagen und nehmen dann ihre Medikamente gegen den höheren Blutdruck nicht, weil das zusätzlich auf die Stimmung schlägt.

Die Bedeutung der Blutdrucksenkung für das Demenzrisiko

Die Ergebnisse mehrerer aktueller Studien sprechen inzwischen für einen positiven Effekt der Blutdrucksenkung auch auf das Demenzrisiko. So haben australische Forscher in einer Auswertung von fünf Studien ermittelt, dass bereits das medikamentöse Absenken des Blutdrucks um 10 mmHg systolisch und 4 mmHg diastolisch das Demenzrisiko um über zehn Prozent verringern kann. Und: Je ausgeprägter die Blutdrucksenkung war, desto mehr wurde das Risiko einer Demenz vermindert.

Eine chinesische Beobachtungsstudie bestätigt den positiven Effekt einer guten Blutdruckkontrolle auf geistige Fähigkeiten. Die Behandlung erhöhter Blutdruckwerte nutzt in jedem Alter und schützt dabei nicht nur vor einem akuten Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-Ereignissen. Auch längerfristig zahlt es sich aus, da es seltener zu einer Demenz kommt.

Sport und Bewegung zur Blutdrucksenkung

Regelmäßiges Ausdauertraining - wie Radfahren, Walken, Joggen oder Schwimmen - kann den Bluthochdruck sowie die Wahrscheinlichkeit, weitere Risikofaktoren für Herzkrankheiten zu entwickeln senken. Die Herzstiftung empfiehlt Bluthochdruckpatienten, sich mindestens dreimal pro Woche für 30 bis 45 Minuten bei moderater Intensität zu bewegen.

Ein moderates, dynamisches Kräftigungstraining hat einen positiven Effekt, wenn es richtig durchgeführt wird. Ratsam sind Kräftigungsübungen mit niedrigerer Belastung und hoher Wiederholungsrate. Pressatmung sollte beim Training unbedingt vermieden werden. Auch ein isometrisches Krafttraining, also ein Training mit Halteübungen, hat laut aktuellen Studien einen großen Effekt auf den Blutdruck.

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