Blutspiegel bei Epilepsie-Medikamenten: Ein umfassender Überblick

Die Behandlung von Epilepsie erfordert eine sorgfältige und individuelle Anpassung der Medikation, um Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dabei spielen Blutspiegelkontrollen eine wichtige Rolle, insbesondere im Zusammenhang mit Anfallssuppressiva (ASMs), früher auch Antiepileptika genannt. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Blutspiegeln bei der Epilepsiebehandlung, die verschiedenen Aspekte der Laborkontrollen und die Herausforderungen, die mit der Umstellung auf Generika verbunden sein können.

Bedeutung der Blutspiegelkontrolle bei Epilepsie

Epileptische Anfälle entstehen durch plötzliche und heftige synchrone Signale von Nervenzellen im Gehirn. Die Behandlung von Epilepsien erfolgt zunächst im Sinne einer symptomatischen medikamentösen Therapie, die zu einer Unterdrückung der Übererregbarkeit von Nervenzellverbänden führt. Sie stellt keine kausale Therapiemöglichkeit dar. Eine medikamentöse Langzeittherapie erfordert begleitende Blutspiegelbestimmungen. Das Therapeutische Drug Monitoring (TDM) ist ein Werkzeug für den Arzt für die individuelle Therapieführung. So ist es möglich, Dosisreserven, Interaktionen mit anderen Medikamenten, Intoxikationen und die Compliance zu erfassen. Mithilfe der Blutspiegel bestimmen Labormediziner die aktuelle Serum-Konzentration eines Medikaments. Je nach Ergebnis kann der Arzt unter Umständen die Therapie anpassen.

Gründe für Laborkontrollen

Indikationen für Laborkontrollen bei Epilepsien ergeben sich aus unterschiedlichen Gründen:

  • Erkennung von Nebenwirkungen: Anfallssupprimierende Medikamente können Nebenwirkungen auf verschiedene Organsysteme haben.
  • Differenzialdiagnostische Abklärung: Nach einem Anfallsereignis können Laborkontrollen wertvolle Informationen für die differenzialdiagnostische Abklärung von epileptischen Anfällen gegenüber anderen Anfallsereignissen liefern.

Überwachung von Nebenwirkungen

Da die medikamentöse Behandlung von Epilepsien eine symptomatische Therapie darstellt und somit in der Regel über viele Jahre erfolgt, sind die Erkennung und die Überwachung von Nebenwirkungen durch die anfallssupprimierenden Medikamente erforderlich. Es gilt, therapieabhängige Nebenwirkungen auf Organsysteme wie etwa das hämatopoetische System, die Leber- oder Nierenfunktion sowie den Elektrolythaushalt zu erkennen und rechtzeitig zu erfassen.

Das Risiko für solche Nebenwirkungen ist zwischen den einzelnen Substanzen sehr unterschiedlich. Die Frage, wie häufig welche Laborkontrollen erfolgen sollten, um entsprechende Konsequenzen aus veränderten Laborwerten ziehen zu können, lässt sich somit nicht einheitlich beantworten.

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Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass für die sogenannten „alten“ anfallssupprimierenden Medikamente, insbesondere Valproinsäure, wesentliche detaillierte Daten zu laborchemischen und hämatopoetischen Veränderungen zur Verfügung stehen, da bei Valproat bereits innerhalb kurzer Zeit hepatotoxische Reaktionen vor allem im Kindesalter möglich sind. Allerdings sind auch unter neuen anfallssupprimierenden Medikamenten Veränderungen des Blutbildes möglich, wie etwa seltene Fälle eines DRESS-Syndroms unter Cenobamat oder aplastische Anämien unter Felbamat.

Als pragmatische Empfehlung sollten Verlaufskontrollen 1-3 Monate nach Behandlungsbeginn bzw. bei Dosisanpassungen erfolgen, im Verlauf nach 4-6 Monaten, bei Anfallsfreiheit und guter Verträglichkeit im Verlauf auch in größeren Intervallen (z.B. 1x/Jahr), wobei substanzspezifische Besonderheiten bedacht werden müssen, die dann ggf.

Die Rolle des Blutspiegels bei der Dosisfindung

Die Festlegung der Referenzwerte für die Blutspiegel der anfallssupprimierenden Therapie erfolgte für die ersten und alten Substanzen, insbesondere Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin und Valproinsäure, unter Berücksichtigung ausführlicher Studien zur Dosis-Wirkungs-Relation. Dies hat angesichts der Interaktionen und teilweise komplexen Verstoffwechselungsprozesse, etwa der nichtlinearen Kinetik von Phenytoin, direkte Bedeutung für die Bestimmung der Zieldosis.

Für die „neuen“ anfallssupprimierenden Medikamente fehlen entsprechende Studien für die Bestimmung der Referenzwerte jedoch weitgehend, sodass diese arbiträr festgelegt wurden. Die Referenzwerte für Serumspiegelkonzentrationen unter anfallssupprimierender Medikation sind zwar für die alten anfallssupprimierenden Medikamente gut untersucht, bei den neuen anfallssupprimierenden Medikamenten fehlen jedoch ausreichende klinische Daten zur Festlegung der Referenzwerte, sodass diese in vielen Fällen willkürlich festgelegt wurden und sich eine direkte Dosis-Wirkungs-Beziehung anhand der Werte nicht ableiten lässt.

Blutspiegelkontrollen bei neuen Medikamenten

Blutspiegelkontrollen dienen daher insbesondere bei neuen anfallssupprimierenden Medikamenten im Allgemeinen NICHT der Festsetzung der Zieldosis, da anerkannte Referenzwerte für neue anfallssupprimierende Medikamente bezüglich der Dosis-Wirkungs-Beziehung fehlen. Sie können jedoch hilfreiche Zusatzinformationen für die Frage der Compliance oder veränderter Stoffwechselbedingungen (Schwangerschaft, Interaktionen) liefern. Insofern dient die Serumkonzentrationsbestimmung nicht der Findung der Zieldosis dieser Medikamente, kann jedoch wertvoll für Fragen zur Compliance oder zur Prüfung von Interaktionen bzw.

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Differenzialdiagnostische Bedeutung

Für die differenzialdiagnostische Abgrenzung von epileptischen Anfällen gegenüber anderen Anfallsereignissen eignet sich die Bestimmung der Kreatinkinase, von Prolaktin und Laktat.

Prolaktin

Die Bestimmung von Prolaktin unmittelbar nach dem Anfallsereignis erlaubt nach einem tonisch-klonischen Anfall mit einer Spezifität von bis zu 96% und einer Sensitivität von 46% die differenzialdiagnostische Zuordnung gegenüber einem psychogenen Anfall, unterliegt allerdings einer zirkadianen Rhythmik. Der Prolaktinwert steigt innerhalb der ersten 20 Minuten nach einem tonisch-klonischen Anfall, fällt danach aber rasch wieder ab, sodass er unmittelbar nach dem Anfall und 24 Stunden danach bestimmt werden muss. Er eignet sich zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung eines tonisch-klonischen Anfalls gegenüber einem psychogenen Anfall, weniger gut zur Abgrenzung eines tonisch-klonischen Anfalls gegenüber einer Synkope.

Kreatinkinase

Die Kreatinkinase (CK) als Ausdruck der Rhabdomyolyse eignet sich ebenso vor allem für die Erfassung von tonisch-klonischen Anfällen, kann jedoch nach intensiver körperlicher Belastung erhöht sein. Der Anstieg der CK erfolgt üblicherweise innerhalb der ersten 24 Stunden und erreicht 24-72 Stunden nach dem Anfall sein Maximum, sodass eine zu frühe Bestimmung mit falsch negativen CK-Werten einhergehen kann und die Bestimmung im Bedarfsfall am Folgetag wiederholt werden sollte.

Laktat

Die Bestimmung von Laktat hat in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Laktat kann aus der Blutgasanalyse sowie aus dem Serum bestimmt werden, auch im Liquor ist ein Laktatanstieg nach tonisch-klonischen Anfällen messbar.

Liquorpunktion

Die Liquorpunktion ist unerlässlich für die Diagnostik von erregerbedingten Enzephalitiden und Autoimmunenzephalitiden. Allerdings ist sie nicht in jedem Fall bei einem erstmaligen Anfall erforderlich. Da die Liquorpunktion in der überwiegenden Anzahl der Erstmanifestationen einer Epilepsie unauffällig ist, insbesondere wenn der epileptische Anfall das einzige Symptom der Erkrankung ist, wird eine generelle Lumbalpunktion nach einem ersten unprovozierten Anfall grundsätzlich nicht empfohlen. Allerdings wäre jedoch ein fehlender Liquorbefund im Falle eines ersten Anfalls bei einer akuten Enzephalitis mit fatalen Folgen verbunden, sodass eine klare Empfehlung erforderlich ist, in welchen Fällen eine Liquorpunktion nach einem ersten Anfall erforderlich ist.

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Generell ist eine Zellzahlerhöhung als Folge eines isolierten epileptischen Anfalls stets sehr gering, während das Laktat innerhalb der ersten 6 Stunden nach einem Anfall deutlich ansteigt. Daher muss eine Zellzahlerhöhung von mehr als 10 Zellen/µl im Liquor immer als Red Flag gesehen werden und darf nicht als Reizpleozytose nach einem Anfall verkannt werden. In diesen Fällen sollte eine probatorische antivirale Therapie unmittelbar begonnen werden, bis die weitere virologische, mikrobiologische bzw. gegebenenfalls auch immunologische Diagnostik erfolgt ist. Die autoimmunologische Diagnostik sollte stets aus Serum und Liquor erfolgen. Sofern der klinische Verdacht auf eine Autoimmunenzephalitis besteht, also etwa eine klinisch rasch progrediente therapieresistente Epilepsie oder neuropsychologische bzw. psychiatrische Symptome in Kombination mit der Erstdiagnose einer Epilepsie (Graus-Kriterien), so sollte auch bei unauffälligem MRT oder Liquorroutinebefund die autoimmunologische Diagnostik erfolgen.

Langzeittherapie und Laborkontrollen

Bei der Langzeittherapie mit anfallssupprimierenden Medikamenten sollten aufgrund von potenziellen Organveränderungen Laborkontrollen vor und unter Therapie erfolgen. Ausmaß und Häufigkeit der Kontrollen sind abhängig von der Substanz, dem Alter des Patienten und dem klinischen Behandlungsverlauf. Die Referenzwerte für die Blutspiegel unter anfallssupprimierender Therapie sind insbesondere für die alten, anfallssupprimierenden Medikamente gut untersucht, bei den „neuen“ anfallssupprimierenden Medikamenten fehlen jedoch entsprechende Studien zur Festlegung der Referenzwerte, sodass diese willkürlich festgelegt wurden. Insofern dient die Spiegelbestimmung nicht für die Findung der Zieldosis dieser Medikamente, kann jedoch wertvoll für Fragen zur Compliance oder zur Prüfung von Interaktionen bzw.

Die Liquorbestimmung nach dem ersten Anfall ist nicht in jedem Fall grundsätzlich erforderlich, ist aber unerlässlich, sofern sich klinisch oder anamnestisch der Anhalt für eine Enzephalitis ergibt.

Herausforderungen bei der Interpretation von Blutspiegeln

Viele Labors, die die Serumkonzentrationen von Antiepileptika bestimmen, benutzen Referenzbereiche, in denen sich die ideale Konzentration befinden sollte, der sogenannte therapeutische Bereich. Werte unterhalb dieses Bereiches können mit Unwirksamkeit einhergehen, Blutspiegel oberhalb dieses Bereiches zu Überdosen führen.

Professor Bernhard Steinhoff vom Epilepsiezentrum Kork hat berichtet, dass sich die therapeutischen und toxischen Bereiche überlappen und individuell sehr unterschiedlich sein können. Zum Teil seien Referenzbereiche frei erfunden, und die von älteren Antiepileptika seien an Kollektiven von nur 20 bis 50 Patienten erhoben worden.

Steinhoff plädierte dafür, die individuelle klinische Situation zu betrachten und dann bei Bedarf zielgerichtet den Serumspiegel zu bestimmen. Eine jahrelange Routinebestimmung alle drei Monate bei einem Epilepsie-Patienten sei überflüssig. Hingegen ist die Bestimmung bei Ersteinstellung sinnvoll, wenn Anfallsfreiheit oder die angestrebte Zieldosis erreicht sind.

Wichtige Aspekte bei der Bestimmung

  • Welche Medikamente wurden wann eingenommen?
  • Wird das Antikonvulsivum in Mono- oder Kombinationstherapie gegeben?
  • Unterschiedliche Wirkungs- und Toxizitätsschwellen je nach Anfallstyp, Epilepsiesyndrom und Lebensalter beachten.
  • Die gesamten therapeutischen Bereiche gelten nicht für die älteren Patienten.

Medikamentenspiegel im Steady State und Talspiegel

Antiepileptika haben einen sehr engen therapeutischen Bereich und ihr Wirkspiegel wird durch zahlreiche Arzneimittelinteraktionen beeinflusst, insbesondere auch durch wichtige Vertreter der eigenen Wirkstoffklasse wie z. B. Carbamazepin oder Phenytoin. Medikamentenspiegel sollten prinzipiell im Steady State (Fließgleichgewicht) und Talspiegel bestimmt werden. Ein Steady State wird nach Ablauf von 5 Eliminations-Halbwertzeiten des verabreichten Wirkstoffes erreicht. Den Talspiegel erreichen Sie mit einer Blutabnahme unmittelbar vor erneuter Medikamenteneinnahme.

Generika und ihre Auswirkungen auf den Blutspiegel

Ein unkritischer Herstellerwechsel bei Antikonvulsiva kann für Epilepsie-Betroffene das Risiko für weitere epileptische Anfälle erhöhen. Dies könnte auf der Tatsache basieren, dass generische Produkte hinsichtlich der Bioverfügbarkeit (Blutspiegel) Abweichungen nach oben von bis zu 25 % und nach unten von bis zu 20 % aufweisen dürfen. Entsprechende Änderungen der Wirkstoffkonzentration im Blut können sich bei der Therapie von Epilepsien besonders bemerkbar machen, da die optimale Dosierung für jeden Patienten sehr sorgfältig individuell eingestellt wird. Allerdings existieren auch Studien, die in einem stark schematischen Rahmen dargelegt haben, dass die Blutspiegel in der Regel doch nicht sehr weit voneinander abweichen.

Ein Präparatetausch stellt für viele Betroffene eine Verunsicherung dar, gerade wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden müssen. Es ändern sich Form und Farbe der Tabletten, die häufig schlecht beschriftet sind, man kommt leichter durcheinander und Einnahmefehler treten auf. Die insbesondere durch Rabattverträge nicht mehr kontrollierbare Abgabe von unterschiedlichen Präparaten mit dem gleichen Wirkstoff ist bei der Behandlung von Epilepsien nicht geeignet.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE)

Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) den verordnenden Ärzten insbesondere bei anfallsfreien Patienten das „Aut-idem-Kreuz“ zu setzen, das einen Austausch des Präparates durch ein anderes wirkstoffgleiches Medikament eines anderen Herstellers ausschließt. Dadurch soll verhindert werden, dass das oft mühevoll erreichte Therapieziel einer dauerhaften Anfalls- und/oder Nebenwirkungsfreiheit in irgendeiner Weise gefährdet wird. Vor allem bei diesen Patienten sollte die erfolgreiche Arzneimittelzubereitung, sei es ein Originalpräparat oder Generikum, konstant eingesetzt werden, um eine verlässliche Situation beim Betroffenen zu gewährleisten. Zu beachten ist, dass zum Teil Generika mit identischer Formulierung z. B. von demselben Hersteller des Originalpräparates auf den Markt gebracht werden. Diese Empfehlungen hat die DGfE auch in einer offiziellen Stellungnahme niedergelegt, die unter www.dgfe.org eingesehen werden kann.

Kommt es nämlich zu einem Rückfall, steht für den Betroffenen viel auf dem Spiel. Es drohen Verlust der Kraftfahreignung oder andere berufliche wie private Probleme und der Arzt könnte mit Haftungsfragen konfrontiert sein, v. a. Da etwa 2/3 aller Antiepileptika durch Hausärzte/Internisten und Kinderärzte verschrieben werden, empfiehlt die DGfE darüber hinaus, in Arztbriefen von Epilepsie-Patienten z. B. als Fußzeile einen Zusatz aufzunehmen, der von dem Austauschen des Präparats abrät.

Weitere Aspekte der Epilepsiebehandlung

Ist eine Epilepsie diagnostiziert und die Form der epileptischen Anfälle genau charakterisiert, kann eine passende Therapie angewandt werden. Diese beginnt meist mit Medikamenten (Anfallssuppressiva / Antikonvulsiva), mit deren Hilfe etwa zwei von drei Patientinnen und Patienten anfallsfrei werden. Allerdings müssen die Medikamente dafür häufig über Jahre, oder sogar ein Leben lang eingenommen werden. Zudem wirken die verschiedenen Wirkstoffe nicht bei allen Betroffenen gleichermaßen und gehen oft mit unterschiedlichsten Nebenwirkungen einher. Die genaue Auswahl und Einstellung der Medikation kann deshalb oft Monate oder sogar Jahre dauern und erfordert regelmäßige Untersuchungen und vor allem ein großes Vertrauen zwischen Angehörigen, Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten.

Stellt sich allerdings nach mindestens einem Jahr, unter maximal möglicher Dosierung und der Verabreichung von mindestens zwei unterschiedlichen Anfallssuppressiva (entweder in Mono- oder Kombinationstherapie) noch immer kein Behandlungserfolg ein, also eine Verbesserung des Anfallsgeschehens, handelt es sich eventuell um eine pharmakoresistente Epilepsie (Epilepsie spricht nicht auf Medikamente an). Dann gibt es weitere Optionen. In diesem Fall können unter Umständen andere Behandlungsmöglichkeiten greifen, zum Beispiel die Epilepsiechirurgie und Neurostimulation (Vagusnervstimulation). Doch zunächst geht es darum, die medikamentöse Therapie zu optimieren und mit verschiedensten Maßnahmen zu unterstützen. So können zum Beispiel auch eine Umstellung der Ernährung (ketogene Ernährungstherapie), Psychotherapie, Neuropsychologie und gezielten Anfallsunterbrechung zur Verbesserung des Anfallsgeschehens beitragen.

Neben der Ursache der Epilepsie werden auch die Anfallsform, zusätzlich bestehende Krankheiten und weitere medizinische Befunde zur Diagnose und Auswahl der richtigen Medikamente bzw. Behandlungsmöglichkeit herangezogen. So wirken manche Medikamente zum Beispiel nur bei bestimmten Epilepsie-Syndromen, während die Epilepsiechirurgie häufig nur bei fokalen Epilepsien anwendbar ist. Auch das Alter des Betroffenen bei Krankheitsbeginn spielt eine sehr wichtige Rolle.

Therapieansätze

Zur Behandlung steht eine Vielzahl von Wirkstoffen zur Verfügung, jedoch wirken nicht alle Medikamente bei allen Epilepsie-Formen. Es gibt Präparate, die nur bei fokalen Anfällen wirksam sind und andere, die insbesondere bei generalisierten Anfällen wirken. Wieder andere wirken bei beiden Anfallsformen oder nur bei ganz bestimmten Epilepsie-Syndromen. Um das wirksamste und verträglichste Anfallssuppressivum für Betroffene zu finden, müssen bei der Wahl des Präparats weitere Faktoren, wie z. B.

Es gibt eine Vielzahl von Wirkstoffen, die je nach Verträglichkeiten, Alter und Form der Epilepsie als Mono- oder Kombinationsbehandlung verabreicht werden können. Gängige Substanzen bei Epilepsie sind z. DESITIN hat fast alle diese Substanzen und noch weitere, im Sortiment und stellt die verschiedenen Medikamente daraus fast alle in Hamburg bzw.

Die verwendeten Anfallssuppressiva und Medikamente werden immer in enger Abstimmung mit Arzt oder Ärztin gewählt. Mittel wie Valproat werden jedoch häufiger als andere für die Behandlung idiopathischer generalisierter Epilepsiesyndrome verschrieben, während z. B. Ethosuximid vor allem bei Absencen im Schulkindalter verwendet wird, da es besser verträglich ist. Da es aber noch weitaus mehr Faktoren bei der Auswahl zu berücksichtigen gilt, ist das vertrauensvolle Verhältnis zwischen behandelndem Ärztinnen und Ärzte und Patient*in sehr wichtig.

Es gibt noch weitere Therapie-Ansätze, z. B. bei der Behandlung des West-Syndroms (auch BNS-Epilepsie), bei der Hormone wie ACTH und Glucocorticoide zum Einsatz kommen.

An der Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind Botenstoffe (Neurotransmitter) beteiligt. Sie sorgen dafür, dass Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergegeben werden. Im Gehirn gibt es verschiedene Arten von Neurotransmittern, die sich alle in einem Gleichgewicht zueinander befinden. Wird dieses Gleichgewicht gestört, reagieren die Nervenzellen mit einer gesteigerten Erregbarkeit und es kann (z. B. durch eine Entzündung, Kopfverletzungen, hormonelle Schwankungen oder andere Auslöser) zu einem epileptischen Anfall kommen. Fast alle Anfallssuppressiva bewirken das Aufrechterhalten bzw. Wiederherstellen dieses Gleichgewichts. Das ist allerdings nur möglich, solange eine bestimmte Menge des Wirkstoffs im Blut vorhanden ist. Sinkt der Medikamentenspiegel im Blut unter eine bestimmte für jeden Betroffenen individuell zu bestimmende Schwelle, wirkt das Präparat nicht.

Auswahl der Anfallssuppressiva

Neben den bereits genannten Faktoren wie Alter, Vor- und Begleiterkrankungen und EEG-Befunden der Patientinnen und Patienten spielt vor allem die konkrete Anfallsform eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der Anfallssuppressiva. Das „Gewitter im Gehirn“ betrifft entweder Teilbereiche des Gehirns (fokale Epilepsie) oder das gesamte Gehirn (generalisierte Epilepsie). Bestimmte Abläufe, Häufigkeiten und Symptome werden zu sogenannten Epilepsie-Syndromen zusammengefasst, etwa der Juvenilen Absence-Epilepsie, dem Dravet-Syndrom oder der Rolando-Epilepsie. Zudem ist nicht jeder einmalige Krampfanfall gleichbedeutend mit einer Epilepsie. Im Kindesalter ist die Prognose außerdem sehr gut, sodass nicht jeder einmalige Anfall sofort zu einer dauerhaften Therapie führen muss.

Wichtig ist auch, dass die nachfolgenden Informationen lediglich einen Überblick ermöglichen, aber keinesfalls die individuelle ärztliche Beratung und Verordnung ersetzen sollen. In Deutschland sind diese Medikamente für die Therapie von generalisierten Epilepsien zugelassen. Sie können entweder alleine (Monotherapie) oder in Kombination (Kombinationstherapie) verabreicht werden. Die nachfolgende Übersicht zeigt einige Medikamente, die in Deutschland für die Therapie von fokalen Epilepsien zugelassen sind. Die Wirksamkeit der genannten Medikamente ist meist ähnlich, jedoch können Unterschiede in der Verträglichkeit und Handhabung bestehen. Daher basiert die Therapie oft auf praktischen Überlegungen, Erkenntnissen aus der Diagnose der Anfallsform, z.B. aus EEG- Untersuchungen und bereits gemachten Erfahrungen, sowohl der Patientinnen und Patienten als auch der Ärztinnen und Ärzte.

Gemäß den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und zusätzlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) werden zwei Medikamente, Lamotrigin und Levetiracetam, für die Ersttherapie bei neu diagnostizierter fokaler Epilepsie empfohlen. Diese Empfehlungen basieren unter anderem auf der SANAD II Studie. Andere Medikamente haben individuelle Nachteile, etwa bestimmte Wechselwirkungen, Kontraindikationen oder vermehrte bzw. spezielle Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Sprachstörungen, Gewichtszunahme, Zittern oder Haarausfall, können aber in bestimmten Fällen als erste Wahl in Betracht gezogen werden. Das gilt zum Beispiel für Carbamazepin, Gabapentin, Oxcarbazepin, Topiramat, Valproat und Zonisamid.

Mono- vs. Kombinationstherapie

Ein zentraler Aspekt ist, ob die Epilepsie mit einem oder mehreren Medikamenten behandelt werden sollte. In der Regel wird mit einer Monotherapie begonnen. Wenn diese nicht erfolgreich ist, kann eine zweite Monotherapie oder auch bereits eine Kombinationstherapie in Erwägung gezogen werden. Die Monotherapie, bei der nur ein Antikonvulsivum eingesetzt wird, ist in der Regel der erste Schritt in der Behandlung von Epilepsie. Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Einfachheit: Es gibt eine klare Übersicht über Wirksamkeit und Nebenwirkungen, und die Medikamenten-Compliance der Patientinnen und Patienten ist am höchsten. Bei Epilepsien fokalen Ursprungs sind beispielsweise Carbamazepin, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat und Valproinsäure Mittel der ersten Wahl.

Die Kombinationstherapie kommt ins Spiel, wenn die Monotherapie nicht den gewünschten Erfolg bringt. Hier werden zwei oder mehr Antikonvulsiva kombiniert, um verschiedene, sich ergänzende Wirkmechanismen zu nutzen. Dies kann die Wirksamkeit der Behandlung erhöhen. Die Entscheidung zwischen Mono- und Kombinationstherapie sollte immer individuell getroffen werden, basierend auf dem klinischen Bild der Patientinnen und Patienten, den bisherigen Therapieerfahrungen und den potenziellen Nebenwirkungen der Medikamente.

Oberstes Ziel einer jeden antiepileptischen Therapie muss Anfallsfreiheit oder doch wenigstens Anfallskontrolle sein und zwar mit möglichst geringen Nebenwirkungen. Es gibt beträchtliche Unterschiede in Bezug auf das Risiko für Nebenwirkungen. So sind bei Phenobarbital oder Primidon sehr viel häufiger negative Auswirkungen zu erwarten als bei Carbamazepin oder Valproat. Einige Anfallssuppressiva, wie z. B. Lamotrigin und Levetiracetam, zeichnen sich durch deutlich seltener auftretende kognitive Nebenwirkungen aus. Das Risiko steigt auch mit der Anzahl der Medikamente, die eine Therapie …

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