Blutstau im Gehirn bei der Geburt: Ursachen und Folgen

Ein Schlaganfall, auch „Hirnschlag“ oder „Gehirnschlag“ genannt, bezeichnet Durchblutungsstörungen (Apoplexie) im Gehirn, die unterschiedliche Ursachen haben können. Während bei Erwachsenen oft der Lebenswandel für die Durchblutungsstörung im Gehirn verantwortlich ist, sind die möglichen Ursachen bei Jüngeren vielschichtig. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche, Kinder, Neugeborene und sogar Ungeborene können einen Schlaganfall erleiden. In Deutschland erleiden pro Jahr 300 bis 500 Kinder und Jugendliche zwischen dem 29. Lebenstag und dem 18. Lebensjahr einen Schlaganfall.

Ursachen für Schlaganfälle im Kindes- und Jugendalter

Die Ursachen bei jungen Patientinnen und Patienten sind sehr komplex. Angeborene Fehlanlagen in Gefäßen, zum Beispiel Aneurysmen oder Blutschwämmchen, können im Gehirn freie Blutungen verursachen, die zu Störungen der Nervenversorgung führen. Auch ein Hirntumor kann Nerven abdrücken und einen Schlaganfall hervorrufen. Außerdem gibt es Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Gehirngefäße attackiert. Hierdurch bilden sich Gefäßentzündungen, die eine Durchblutungsstörung nach sich ziehen können.

Die Ursachen von Schlaganfällen bei Kindern sind in erster Linie altersabhängig. Das heißt, die Ursachen sind bei Feten und Neugeborenen meist andere als bei Kindern und Jugendlichen. Die Ursachen für einen Schlaganfall in der Perinatalperiode (von der 20. Schwangerschaftswoche bis zum 28. Lebenstag) sind vielfältig.

Arteriopathien

Arteriopathien sind die häufigste Ursache von Schlaganfällen im Kindes- und Jugendalter. Im Rahmen der so genannten transienten cerebralen Arteriopathie (TCA) kommt es vor allem mit Gefäßwandschäden in den großen Gehirnarterien, die zu dann zu schweren Minderdurchblutungen in lebenswichtigen Gehirnregionen (Basalganglien) führen. Bei Erkrankungen des Bindegewebes kann es wie bei Gefäßentzündungen nach Infektionen oder im Rahmen von Schädel-Hirn-Verletzungen zu Einrissen und Aufspaltungen (Dissektionen) in Gefäßwänden und in der Folge zu Einblutungen ins Hirngewebe kommen. Diese Einblutungen können auf Blutgefäße in ihrer Umgebung drücken und so wiederum zu akuten Durchblutungsstörungen in der betroffenen Hirnregion führen. Neben der Einblutung kann es auch direkt zur Bildung eines Gerinnsels in der Arterie kommen und damit eine Durchblutungsstörung der betroffenen Hinrregion ausgelöst werden. Kinder und Jugendliche mit Arteriopathien haben ein bis zu 10 % erhöhtes Risiko, wiederholt Schlaganfälle zu erleiden.

Herzkrankheiten

Verschiedene angeborene und erworbene Herzkrankheiten stellen wichtige Risikofaktoren dar.

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Stoffwechselerkrankungen

Manche angeborene Erkrankungen des Stoffwechsels führen zu Ablagerungen von Stoffwechselprodukten an den Innenwänden von Blutgefäßen. Andere gehen mit einer gestörten Funktion der Blutgefäße einher, die eine Gerinnselbildung fördert.

Medikamente und Behandlungen

Zahlreiche Medikamente und Behandlungen können durch ihre gerinnungsfördernden Nebenwirkungen beziehungsweise durch direkte Schädigung von Blutgefäßen im Gehirn das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Neonataler Schlaganfall

Bei Neugeborenen spricht man von einem neonatalen Schlaganfall. Hier ist oftmals eine komplizierte Geburt, etwa eine Zangengeburt, die Ursache. Auch die Frühgeburtlichkeit kann die Entstehung eines Schlaganfalls begünstigen, da die Gefäße bei Frühgeborenen sehr fragil und empfindsam sind.

Hypoxischer Hirnschaden

Für die meisten Eltern ist die Geburt ihres Kindes ein lang ersehnter und emotionaler Moment. Doch wenn unmittelbar nach der Entbindung die Diagnose „hypoxischer Hirnschaden“ im Raum steht, bricht für viele Eltern eine Welt zusammen. Plötzlich steht nicht mehr das Glück über das Neugeborene im Mittelpunkt, sondern die Angst um die Zukunft des Kindes. Betroffene Eltern sind in dieser Situation häufig von Unsicherheit und Schuldgefühlen geplagt. Besonders schwer zu verkraften ist es, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass der Schaden vermeidbar gewesen wäre.

Ein hypoxischer Hirnschaden entsteht, wenn das Gehirn eines Neugeborenen unter der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Solche Situationen treten häufig in schwierigen Geburtsverläufen auf. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass nicht jede kurzfristige Sauerstoffunterversorgung zwangsläufig zu einem bleibenden Schaden führt. Bleibt der Sauerstoffmangel jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen oder wird nicht rechtzeitig auf die kritische Situation reagiert, kann das empfindliche Gehirn des Neugeborenen nachhaltig geschädigt werden.

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Ursachen für hypoxischen Hirnschaden während der Geburt

In der Geburtshilfe ist es Standard, die Herztöne und Wehentätigkeit mittels CTG (Kardiotokographie) zu überwachen. Ein häufiger Fehler besteht darin, diese Auffälligkeiten nicht rechtzeitig zu erkennen oder nicht angemessen zu bewerten. Zudem wird oft versäumt, weitere diagnostische Schritte einzuleiten. Häufig unterbleibt auch der rechtzeitige Beizug eines erfahrenen Facharztes für Geburtshilfe. Eine verzögerte Entscheidung für eine Notfall-Sectio (Kaiserschnitt) oder eine vaginal-operative Entbindung (z.B.

Neben den Fehlern unter der Geburt kann auch die Erstversorgung des Kindes nach der Geburt mangelhaft sein. Wenn ein Kind nach der Geburt Anzeichen einer Sauerstoffunterversorgung zeigt, wie etwa auffällige Werte in der Blutgasanalyse oder niedrige APGAR-Werte oder Auffälligkeiten beim Kreislauf, muss es unverzüglich und richtig beatmet werden.

Warnsignale für Sauerstoffmangel

Typische Warnsignale sind Auffälligkeiten im CTG, grünes Fruchtwasser, niedrige APGAR-Werte oder auffällige Blutgaswerte.

  • APGAR-Werte: Der APGAR-Test wird direkt nach der Geburt mehrmals erhoben und bewertet Atmung, Puls, Muskeltonus, Reflexe und Hautfarbe.
  • Blutgasanalyse: Diese kann unter der Geburt als sogenannte Fetalblutanalyse oder nach der Geburt meist anhand von Nabelschnurblut durchgeführt werden, um den pH-Wert und den Sauerstoffgehalt im Blut des Babys zu kontrollieren.

Folgen eines hypoxischen Hirnschadens

Ein hypoxischer Hirnschaden kann eine Cerebralparese (CP) (oft auch „Zerebralparese“ geschrieben) nach sich ziehen. Die CP ist eine chronische Bewegungsstörung, die sich durch spastische Lähmungen, Koordinationsprobleme oder andere motorische Beeinträchtigungen äußern kann. Je nach Schweregrad kann dies bedeuten, dass ein Kind Probleme beim Greifen, Sitzen oder Laufen hat. Manche Kinder sind dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen, andere haben Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken. Auch feinmotorische Aufgaben wie das selbstständige Essen oder Schreiben können eingeschränkt sein. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nicht jede Cerebralparese auf einer Sauerstoffunterversorgung unter der Geburt beruht. Es gibt auch andere Ursachen wie genetische Faktoren oder Infektionen in der Schwangerschaft.

Periventrikuläre Leukomalazie (PVL)

Eine besondere Form des hypoxischen Hirnschadens ist die periventrikuläre Leukomalazie (PVL). Dabei handelt es sich um eine Schädigung der sogenannten weißen Substanz des Gehirns, also der Nervenbahnen, die für die Weiterleitung von Signalen verantwortlich sind. Besonders betroffen sind Frühgeborene, da ihr Gehirn in diesen Regionen besonders empfindlich auf Sauerstoffmangel und Durchblutungsstörungen reagiert. Die PVL ist eine Sonderform des hypoxischen Hirnschadens, die vor allem bei Frühgeborenen auftritt. Dabei wird die weiße Substanz des Gehirns geschädigt, häufig infolge von Sauerstoffmangel oder Durchblutungsstörungen. Die Folgen einer PVL ähneln denen anderer hypoxisch-ischämischer Hirnschäden, reichen aber oft von spastischen Lähmungen (häufig der Beine) über Entwicklungsverzögerungen bis hin zu kognitiven Einschränkungen.

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Juristische Aspekte

Aus juristischer Sicht ist bei der Frage, ob bei einem hypoxischen Hirnschaden ein geburtshilflicher Behandlungsfehler vorliegt, entscheidend, ob während der Geburt alle medizinischen Standards eingehalten wurden: Haben die behandelnden Ärzte und das gesamte medizinische Personal bei der Geburt nach den jeweils geltenden medizinischen Richtlinien und anerkannten Regeln der ärztlichen Kunst gehandelt? Der Standard richtet sich dabei nach dem Stand der Medizin und den Vorgaben, die für das jeweilige Versorgungsumfeld gelten - im Fall eines Geburtsschadens also nach den medizinischen Standards, die in der jeweiligen Einrichtung für eine Geburt gelten.

Dabei wird wiederum nach einem einfachen und einem groben Behandlungsfehler unterschieden. Ein grober Behandlungsfehler bei einer Geburt liegt vor, wenn gegen elementare Standards verstoßen wurde, also wenn ein Verhalten vorliegt, das aus objektiver Sicht eines erfahrenen Arztes oder einer Hebamme nicht nachvollziehbar erscheint. Dann kann es zu einer Beweislastumkehr kommen. In einem solchen Fall müsste die Klinik (bzw.

Neben Behandlungsfehlern sind auch Aufklärungsfehler bei hypoxischen Hirnschäden ein immer wiederkehrendes Thema in Gerichtsverfahren. Eltern müssen insbesondere in Situationen mit erhöhtem Risiko rechtzeitig und umfassend aufgeklärt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Aufklärung über die Möglichkeit einer Notfall-Sectio bei kritischen CTG-Befunden oder bei einem bereits festgestellten Sauerstoffmangel.

Schadensersatz und Schmerzensgeld

Ein hypoxischer Hirnschaden kann ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Während manche Kinder nur leichte Einschränkungen haben, sind andere ihr Leben lang schwer- oder gar schwerstbehindert und auf umfassende Pflege angewiesen. Betroffene Familien können Schmerzensgeld und Schadensersatz verlangen. Erstattet werden können unter anderem Kosten für Pflege, Therapien, behindertengerechte Umbauten sowie ein möglicher Verdienstausfall der Eltern. Welche Ansprüche im Einzelfall bestehen, hängt maßgeblich von der Schwere der Schädigung und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen ab. Bei einer schweren Behinderung mit lebenslanger Pflegebedürftigkeit stehen natürlich ganz andere Ansprüche im Vordergrund als bei einem leichten Geburtsschaden.

Im Arzthaftungsrecht gilt: Der Patient muss grundsätzlich beweisen, dass ein Fehler vorlag und dieser den Schaden verursacht hat. Bei groben Behandlungsfehlern oder Aufklärungsversäumnissen kann sich die Beweislast jedoch umkehren. In einem Rechtsstreit sind daher medizinische Gutachten und die genaue Analyse der Patientenakte von entscheidender Bedeutung. Die Patientenakte dokumentiert den gesamten Behandlungsverlauf und ist ein zentrales Beweismittel, um mögliche Pflichtverletzungen und Behandlungsfehler nachzuweisen. Insbesondere bei Geburtsschäden wie dem hypoxischen Hirnschaden lässt sich anhand der Akte nachvollziehen, ob z.B. kritische CTG-Befunde korrekt erkannt wurden und rechtzeitig und mit den notwendigen Maßnahmen darauf reagiert wurde. Eltern sollten alle medizinischen Unterlagen wie Mutterpass, Geburtsbericht und CTG-Protokolle sichern. Betroffene Familien sollten zeitnah alle relevanten Informationen zusammentragen, um ihre rechtlichen Chancen auf die ihnen zustehenden Ansprüche optimal zu nutzen.

Symptome eines Schlaganfalls

Wie genau sich ein Schlaganfall äußert, hängt von der Stärke, Ursache und dem betroffenen Hirnareal ab. Durch Blutungen und Hirntumore verursachte Anfälle führen zu starken Kopfschmerzen, die einer schweren Migräne ähneln. Die Betroffenen empfinden dies als schmerzhaften Stich oder Schlag auf den Kopf. Schädigt die Durchblutungsstörung motorisch relevante Bereiche im Gehirn, setzen Lähmungserscheinungen ein. Sind das Sprachzentrum oder die Sehrinde betroffen, können eine verwaschene, eingeschränkte Sprache beziehungsweise ein stark eingeschränktes Sehvermögen auftreten. Derartige Ausfallerscheinungen und plötzliche, massive Kopfschmerzen sind Alarmzeichen, auf die Eltern umgehend reagieren sollten.

Erste Maßnahmen bei Verdacht

Hier gilt die Devise „time is brain“, also „Zeit ist Schutz des Gehirns“.

Diagnose und Behandlung

Der erste Schritt ist eine umfassende Differenzialdiagnostik. Die Spezialisten für Neurologie, Blutgerinnung, Autoimmunerkrankungen und Tumore kommen zusammen und bringen ihr gesamtes Wissen ein, um schnellstmöglich die Ursache des Schlaganfalls zu finden. Dann erhält jede junge Patientin oder jeder junge Patient eine speziell auf sein Krankheitsbild zugeschnittene Behandlung.

Behandlungsmethoden

Weisen die Ärztinnen und Ärzte eine Gefäßentzündung aufgrund einer Autoimmunerkrankung nach, kann es notwendig sein, das Immunsystem über einen längeren Zeitraum hinweg kontrolliert zu unterdrücken. Bei Fehlanlagen in Gefäßen und bei Hirntumoren sind eine Operation oder der Einsatz von Betablockern mögliche Maßnahmen. Liegt ein Gefäßverschluss vor, ist eine gerinnselauflösende Therapie denkbar. Die häufigste Behandlungsform ist aber die symptomatische Therapie: Experten versuchen, die durch einen Schlaganfall eingetretenen Folgen auszugleichen und zu mildern.

Rehabilitation und Heilungschancen

Die Rehabilitation im Kindesalter erfolgt entsprechend der jeweiligen Grunderkrankung in Zusammenarbeit mit Physiotherapeutinnen, Logopädinnen, Ergotherapeutinnen, Immunspezialistinnen und Neurolog*innen. Sie begleiten die jungen Patientinnen und Patienten teilweise über mehrere Jahre. Kinder sind sehr lernfähig und haben deshalb gute Aussicht auf Heilung. Je nach Schwere des Schlaganfalls können Einschränkungen zurückbleiben, mit denen die Betroffenen erfahrungsgemäß aber durchaus gut zurechtkommen können. Somit ist die Prognose in vielen Fällen positiv.

Hydrocephalus als Folge von Hirnblutungen

Von einem Hydrocephalus spricht man, wenn sich das Liquorvolumen staut und es zu einer Drucksteigerung kommt. Die Ventrikel vergrößern sich und das Hirngewebe steht unter Spannung, wodurch die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Hirns beeinträchtigt werden. Ein Hydrocephalus kann sich ebenfalls als Folge von Hirnblutungen bei Frühgeborenen (Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche) entwickeln.

Symptome eines Hydrocephalus

  • Kopfschmerzen, Nackenschmerzen (anfangs meist morgens)
  • Übelkeit, Erbrechen (anfangs morgendliches Nüchternerbrechen)
  • Sehstörungen (Stauungspapillen, Doppelbilder)
  • Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe
  • Beim Säugling: Unruhe, verändertes Trinkverhalten, ausdauernd schrilles Schreien, gespannte Fontanellen
  • HAKIM-Trias: (typisch bei Normaldruckhydrocephalus)
    • Gangunsicherheiten (kleinschrittig, breitbasig, wie auf Watte)
    • Demenz und Wesensveränderungen (Vergesslichkeit, Verlangsamung, verstärkter Reizbarkeit)
    • Blasen- und Stuhlinkontinenz

Ursachen eines Hydrocephalus

  • Störungen der Liquorzirkulation durch Passagebehinderungen (Zysten, Tumoren, Blutungen) = obstruktiver (Verschluss-) Hydrocephalus
  • Störungen der Liquorresorption (Entzündungen, Blutungen, Hirnverletzungen)
  • Angeborene Ursachen: Entwicklungsstörungen im Mutterleib (Spina bifida = offener Rücken, Neuralrohrdefekte), eine Chiari-Malformation (Fehlentwicklung der Hirnstrukturen der hinteren Schädelgrube) oder ein Dandy-Walker-Syndrom (zystenartige Umbildungen im Bereich des IV. Ventrikels u. des Kleinhirns).
  • Infektionen der Schwangeren

Diagnostik eines Hydrocephalus

  • Computertomografie (plumpes erweitertes Hirnkammersystem, frontal (vorn) betonte Dichteminderung in Ventrikelnähe = Druckkappen, verstrichene Hirnfurchen)
  • Magnetresonanztomografie (zeigt mögliche Ursachen wie Tumoren, Septierungen, Zysten, Verengungen oder Verschlüsse)
  • Hirndruckmessung (Messung des Drucks im Hirn durch Sonden)
  • Ultraschall (bei Kindern durch die Fontanellen oder dünnen Schädelknochen gut zu bewerkstelligen, günstig, da keine Belastung mit Röntgenstrahlen, Aussagen zur Ventrikelweite und Verlaufskontrollen sehr gut möglich, Ursachen des Hydrocephalus können dargestellt werden)
  • TAP-Test = Liquorablasstest (über eine Lumbalpunktion = Entnahme von 30-50 ml Nervenwasser aus dem Wirbelkanal, anschließend wird der Patient beobachtet)

Behandlung eines Hydrocephalus

Unbehandelt führt der Hydrocephalus zu schweren Funktionsdefiziten infolge der irreversiblen Nervenzellschädigung. Wenn es möglich ist, wird die Ursache eines Hydrocephalus (z. B. ein Hirntumor) operativ beseitigt. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten der operativen Therapie:

  • Endoskopische Ventrikulostomie (ETV): Hier wird der Boden des III. Ventrikels mit Hilfe eines Endoskopes und eines Katheters eröffnet, um einen Umgehungskreislauf für den Liquor innerhalb des Ventrikelsystems zu schaffen.
  • Implantation eines Shunt-Systems: Ein Shunt besteht aus einem Katheter (Schlauch), der ins Hirnkammersystem eingeführt wird. Verbunden ist dieser Katheter mit einem Ventil, das den Liquorabfluss reguliert. Es folgt dann ein weiterer Katheter, der im Bauchraum unter dem Peritoneum (Bauchfell) oder im rechten Herzvorhof endet und das Hirnwasser ableitet.

Kephalhämatom (Kopfblutgeschwulst)

Das Kephalhämatom (auch Cephalhämatom oder Kopfblutgeschwulst) ist eine Blutansammlung am Kopf eines Neugeborenen. Es entsteht vor allem bei schwierigen Geburten und einem engen Geburtskanal. Das Kephalhämatom ist nach der Geburt am Kopf des Neugeborenen zunächst meist als schlaffe, später als pralle Geschwulst tastbar. In der Regel verschwindet es innerhalb einiger Wochen von allein wieder.

Ursachen und Risikofaktoren

Der Grund für die Entstehung eines Kephalhämatoms sind Scherkräfte, die in der Enge des Geburtskanals auf den Kopf des Neugeborenen wirken. Durch diese Kräfte verschieben sich die Weichteile des Kopfes und die Knochenhaut wird vom Knochen abgeschert. Unter der Knochenhaut gelegene Gefäße reißen dabei ein und beginnen zu bluten. Die Knochenhaut ist gut durchblutet, daher ist die Blutung mitunter relativ stark. Ist der Raum zwischen der wenig dehnbaren Knochenhaut und dem Knochen gefüllt (Anzeichen: prallelastische Schwellung), kommt die Blutung zum Stillstand.

Als Risikofaktoren für die Entstehung eines Kephalhämatoms gelten vor allem die Saugglockengeburt und die Zangengeburt. Aber auch ein besonders schneller Durchtritt des kindlichen Kopfes durch das mütterliche Becken oder ein sehr enger Geburtskanal verursachen Scherkräfte, die manchmal zu einem Kephalhämatom führen. Ein weiterer Risikofaktor ist die sogenannte Hinterhauptslage oder Scheitelbeinstellung. Dabei liegt der kindliche Kopf nicht mit der Stirn voran im Beckeneingang der Mutter, sodass der Eintritt in den Geburtskanal erschwert ist.

Symptome

Ein Kephalhämatom macht sich oft gleich nach der Geburt bemerkbar. Typisch ist anfangs eine teigig-weiche, später prall-elastische, meist einseitige Schwellung am Kopf des Neugeborenen. Am häufigsten entsteht es an einem der beiden Scheitelbeine (Os parietale), das die Ober- und Hinterseite des knöchernen Hirnschädels formt. Das Kephalhämatom hat eine halbkugelige Form und erreicht mitunter die Größe eines Hühnereis. Die Knochenhaut ist schmerzempfindlich. Deshalb sind Neugeborene mit einem Kephalhämatom unter Umständen unruhiger und weinen mehr, vor allem, wenn von außen Druck auf das Kephalhämatom einwirkt. Bildet sich ein Kephalhämatom nicht zurück oder ist es sehr groß, gilt dies als möglicher Hinweis auf eine gestörte Blutgerinnung des Neugeborenen. In manchen Fällen verstärkt sich durch den Abbau des Kephalhämatoms eine Neugeborenengelbsucht (Neugeborenenikterus).

Behandlung

Das Kephalhämatom bedarf in der Regel keiner besonderen Behandlung. Es bildet sich innerhalb einiger Wochen von selbst zurück. Eine Punktion zum Absaugen des Hämatoms sollte unterbleiben: Sie stellt ein Infektionsrisiko für das Neugeborene dar. Die Gabe von Vitamin K ist bei Kindern mit einem Kephalhämatom empfohlen, um ein weiteres Wachstum des Blutergusses zu verhindern. Vitamin K spielt eine entscheidende Rolle in der Blutgerinnung. Allerdings erhalten ohnehin alle Neugeborenen, unabhängig von einem bestehenden Kephalhämatom, vorsorglich Vitamin K.

Prognose

Die Prognose beim Kephalhämatom ist insgesamt sehr gut. In den ersten Tagen nach der Geburt nimmt es oft an Größe zu und verändert sich in der Beschaffenheit. Das anfangs geronnene Blut des Hämatoms verflüssigt sich im Abbauprozess im Laufe der Zeit. Innerhalb weniger Wochen bis Monate verschwindet das Hämatom schließlich. In manchen Fälle verkalken jedoch die Ränder des Kephalhämatoms entlang der Schädelnähte und bleiben als knöcherner Vorsprung für längere Zeit tastbar. Dieser Knochenwall bildet sich im Laufe der Knochenentwicklung später zurück. Selten infiziert sich ein Kephalhämatom. Diese Situation ist potenziell lebensbedrohlich.

Intraventrikuläre Hirnblutung (IVH) bei Frühgeborenen

Bei 10-20 % aller Frühgeborenen mit einem Gestationsalter von weniger als 32 Wochen kommt es in den ersten Tagen nach der Geburt zu charakteristischen Blutungen am Boden der Seitenventrikel im Bereich der sog. germinalen Matrix. Je unreifer ein Kind bei der Geburt ist, desto höher ist das Risiko für eine intraventrikuläre Hirnblutung (IVH).

Diagnostik

Das bevorzugte Verfahren der IVH-Diagnostik stellt die bettseitige Schädelsonografie dar. Mit ihr lassen sich auch kleinere intraventrikuläre Blutungen nachweisen, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens meist klinisch stumm sind.

Folgen

Auch kleinere Blutungen (IVH Grad 1 und 2), früher als klinisch unbedeutsam eingestuft, können mit späteren Entwicklungsrückständen und -defiziten einhergehen. Bei großen Blutungen (IVH Grad 3) kann es infolge der Liquorabflussstörung durch geronnenes Blut in den ersten Wochen nach der Blutung zu einem progredienten posthämorrhagischen Hydrozephalus kommen. Eine paraventrikuläre hämorrhagische Infarzierung (IVH Grad 4) ist nahezu obligat mit einem Gewebeuntergang in der weißen Substanz verbunden. Nach einigen Wochen zeigt sich nach Resorption des nekrotischen Bezirks eine lokale Porenzephalie.

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