Die Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici) ist eine entzündliche Erkrankung des Sehnervs, die zu Sehstörungen unterschiedlichen Schweregrades führen kann. Die Therapie zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren und die Sehkraft wiederherzustellen. Eine der Therapieoptionen, insbesondere wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken, ist die Plasmapherese, umgangssprachlich auch Blutwäsche genannt.
Therapieansätze bei Sehnerventzündung
Die Therapie einer Sehnerventzündung richtet sich nach dem Stadium und Verlauf der Erkrankung, den individuellen Krankheitszeichen sowie dem Alter und Geschlecht des Patienten. Auch ein eventueller Kinderwunsch und andere bestehende Erkrankungen werden berücksichtigt.
Kortison-Stoßtherapie
Die hochdosierte Kortison-Stoßtherapie mit Methylprednisolon, einem synthetischen Glukokortikoid, gilt als Standardtherapie bei akuten Schüben, beispielsweise im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS). Glukokortikoide wirken entzündungshemmend und unterdrücken das Immunsystem.
Anwendung:
- Üblicherweise erfolgt die Gabe als intravenöse Infusion an drei aufeinanderfolgenden Tagen.
- In der Regel ist kein Ausschleichen mit Kortison-Tabletten erforderlich.
- Bei unzureichender Besserung kann die Therapie auf fünf Tage verlängert werden.
- Bei weiterhin bestehenden Symptomen nach zwei Wochen kann die Therapie mit einer höheren Dosierung (bis zu 2000 mg über fünf Tage) wiederholt werden.
Wirkung:
- Hohe Dosierungen können zu einer schnelleren und besseren Rückbildung der Krankheitserscheinungen führen.
Nebenwirkungen:
- Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen
- Unruhe, Schlafstörungen
- Psychische Störungen
- Unverträglichkeitsreaktionen
- Erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetikern
- Erhöhtes Risiko für epileptische Anfälle bei Veranlagung
Eine Dauertherapie mit Glukokortikoiden sollte aufgrund möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen vermieden werden.
Plasmapherese (Blutwäsche) als Therapieoption
Die Plasmapherese stellt eine Option zur Behandlung des akuten Schubs dar, wenn die Kortison-Stoßtherapie nicht ausreichend wirkt und die Gefahr schwerer Sehstörungen oder anderer Symptome besteht.
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Ablauf:
- Blutentnahme aus der Hals- oder Armvene.
- Trennung des flüssigen Plasmas von den Blutzellen in einer Zentrifuge.
- Ersatz des Plasmas durch Fremdplasma oder humanes Albumin.
- Rückführung des "gewaschenen" Blutes in den Körper des Patienten.
Die Behandlung erfolgt in der Regel stationär in einem spezialisierten Zentrum über zehn Tage, in Ausnahmefällen auch ambulant.
Wirkung:
- Entfernung von Antikörpern und anderen Bestandteilen des Immunsystems aus dem Blut, die an der Entzündung beteiligt sind.
- Besonders erfolgversprechend, wenn sie innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Beginn der Schubsymptome durchgeführt wird.
Erfolgsquote:
- Die Angaben zur Erfolgsquote variieren zwischen 40 % und 70 %.
- Nicht jeder Patient spricht auf die Plasmapherese an.
- Eine bestimmte Subgruppe von Patienten mit Ablagerungen von Antikörpern und Komplement in den entzündeten Bereichen profitiert besonders von der Behandlung.
Risiken und Nebenwirkungen:
- Wie bei der Blutspende: kleiner Bluterguß, in sehr seltenen Fällen Nervenschädigung und Venenentzündung.
- Kreislaufreaktionen.
- Nebenwirkungen durch das gerinnungshemmende Mittel, das dem Blut zugesetzt wird.
Die Plasmapherese ist nicht für die langfristige Immuntherapie geeignet.
Weitere Therapieansätze
Neben der Kortison-Stoßtherapie und der Plasmapherese gibt es weitere Therapieansätze, die je nach Ursache und Verlauf der Sehnerventzündung in Betracht gezogen werden können:
- Immunmodulatoren: Beeinflussen die Immunantwort im Körper und können das Gleichgewicht zwischen immunstimulierenden und immundämpfenden Mechanismen wiederherstellen. Beispiele sind Glatirameracetat und Interferone.
- Immunsuppressiva: Unterdrücken die Funktion von Immunzellen, um die schädigende Attacke auf das Nervensystem zu verhindern.
- Symptomatische Therapie: Behandlung von Begleiterscheinungen wie Schmerzen oder Spastiken.
- Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag: Maßnahmen zur Kompensation von Sehstörungen, wie z.B. feste Lichtquellen, Kontraste und Sprachsteuerung.
Ursachen und Diagnose der Sehnerventzündung
Die Ursachen der Multiplen Sklerose und der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD), die häufig mit Sehnerventzündungen einhergehen, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die Diagnose einer Sehnerventzündung umfasst verschiedene Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte, einschließlich Fragen zu Symptomen, Vorerkrankungen und familiärer Vorbelastung.
- Augenärztliche Untersuchung:
- Bestimmung der Sehschärfe
- Prüfung der Pupillenreaktion
- Prüfung der Augenbeweglichkeit
- Bestimmung des Gesichtsfeldes
- Untersuchung des Augenhintergrundes (Funduskopie)
- Prüfung der Farbwahrnehmung
- Test der Sehnervleitung (visuell evozierte Potentiale, VEP)
- Weiterführende Diagnostik:
- Kernspintomografie (MRT) von Kopf und Wirbelsäule zur Diagnose einer Multiplen Sklerose.
- Liquorpunktion zur Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit auf Entzündungszeichen.
- Blutuntersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen.
Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie eine Sehnerventzündung verursachen können, wie z.B. die Stauungspapille oder Vergiftungen.
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Erfahrungen von Patienten
Erfahrungsberichte von Patienten zeigen, dass der Verlauf einer Sehnerventzündung und der Erfolg der Therapie sehr unterschiedlich sein können. Einige Patienten erleben eine vollständige Rückbildung der Sehstörungen, während bei anderen bleibende Schäden zurückbleiben. Die Plasmapherese kann in einigen Fällen eine wirksame Therapieoption sein, insbesondere wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen.
Ljuba, eine Patientin mit MS, wurde eine Plasmapherese angeboten, als sie eine sehr intensive Sehnerventzündung am rechten Auge hatte mit 90% Sehverlust. Da die Cortisontherapie nicht funktionierte wurde die Blutwäsche empfohlen. Ljuba berichtet im Interview über ihre Ängste und Erfahrungen und wie wichtig die Unterstützung durch ihren Mann und ihre Familie war.
Unterstützung und Rehabilitation
Unabhängig vom Therapieerfolg ist es wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen Unterstützung und Informationen erhalten. Es gibt verschiedene Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Hilfe anbieten. Bei bleibenden Sehstörungen können Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag die Lebensqualität verbessern. Eine Rehabilitation kann ebenfalls sinnvoll sein, um dieFunktionsfähigkeit und Selbstständigkeit zu fördern.
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