Ein bosartiger Hirntumor ist eine ernste Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Überlebensstatistik, Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungen von bosartigen Hirntumoren. Ziel ist es, Betroffenen und ihren Angehörigen fundierte Informationen an die Hand zu geben, um informierte Entscheidungen treffen zu können.
Einführung in Hirntumoren
Hirntumoren sind Neubildungen im Gehirn, die entweder direkt im Hirngewebe entstehen (primäre Hirntumoren) oder von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen (Hirnmetastasen). Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder Tumor im Gehirn ein Gehirntumor ist. So werden beispielsweise Hypophysen-Adenome von Fachleuten den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet.
Die Beschwerden, die ein Patient mit einem Hirntumor hat, hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Betroffene können unterschiedliche Therapien erhalten, darunter Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie, je nach Erkrankungssituation auch zielgerichtete Medikamente. Neue Therapien erhalten Patienten im Rahmen von klinischen Studien.
Häufige Typen von Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zellen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen. Diese Tumoren werden als Gliome bezeichnet. Zu den häufigsten Arten von Gliomen gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
Weitere häufige Hirntumoren sind:
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- Meningeome: Tumoren, die aus Zellen der Hirnhaut entstehen.
- Neurinome/Schwannome: Tumoren, die aus den Zellen entstehen, die die Hirnnerven umhüllen.
- Medulloblastome: Tumoren, die aus unreifen Zellen im Kleinhirn entstehen.
Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Die Behandlung von Hirnmetastasen orientiert sich auch an der ursprünglichen Krebsart.
Wie häufig sind Hirntumoren?
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten. Sie können jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Erwachsene in Deutschland an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren. Der häufigste bösartige primäre Hirntumor ist das Glioblastom.
Bei Kindern sind Hirntumoren mit etwa einem Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter relativ häufig. Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs, und etwa jedes vierte Kind hatte einen Hirntumor. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.
Ursachen und Risikofaktoren
Über Risikofaktoren für Hirntumoren ist bisher nicht viel bekannt. Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei:
- Bestimmten erblichen Krankheitsbildern wie dem Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöser Sklerose.
- Einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
- Familiärer Vorbelastung.
- Einer Computertomografie (CT) im Kindesalter.
Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Hirntumoren, da diese insgesamt eher selten sind und es keine einfachen und regelmäßig durchführbaren Tests gibt. Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren zur Früherkennung beitragen können.
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Symptome von Hirntumoren
Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Neu auftretende epileptische Krampfanfälle
- Kopfschmerzen, vor allem nachts und am frühen Morgen
- Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen wie Benommenheit, Verwirrtheit und Konzentrationsstörungen
- Neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühl, Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen und Gleichgewichtsstörungen
Diagnose von Hirntumoren
Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor, werden in der Regel bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt. Um die Diagnose abzusichern, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt, bei der Gewebe aus dem verdächtigen Bereich entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird.
Therapie von Hirntumoren
Die Therapie von Hirntumoren ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Tumortyp, dem WHO-Grad, der Lage des Tumors, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten. Zu denStandardtherapien gehören:
- Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen.
- Strahlentherapie: Hierbei werden hochenergetische Strahlen eingesetzt, um die Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen.
- Chemotherapie: Bei der Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum der Krebszellen hemmen.
Zusätzlich zu diesen Standardtherapien gibt es auch zielgerichtete Therapien, die spezifische Eigenschaften der Tumorzellen angreifen, sowie Immuntherapien, die das Immunsystem des Körpers aktivieren, um die Krebszellen zu bekämpfen.
Supportive Therapie
Die supportive Therapie zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, die durch den Hirntumor selbst oder durch die Therapie verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Krampfanfälle.
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Reha und Nachsorge
Nach der Therapie und Rehabilitation sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um einen Rückfall der Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel körperliche Untersuchungen, neurologische Tests und bildgebende Verfahren wie MRT.
Glioblastom: Der aggressivste Hirntumor
Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Er entwickelt sich vor allem im Großhirn und wächst sehr schnell und invasiv in angrenzendes gesundes Gewebe. Die Prognose der Patienten ist dementsprechend schlecht. Selbst unter intensiver Therapie führen Glioblastome meist innerhalb eines Jahres zum Tod.
Symptome des Glioblastoms
- Neu auftretende epileptische Krampfanfälle
- Kopfschmerzen, vor allem nachts und am frühen Morgen
- Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen
- Neurologische Ausfälle
Diagnose und Behandlung des Glioblastoms
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch MRT und Biopsie. Die Behandlung umfasst die operative Entfernung des Tumors, Strahlentherapie und Chemotherapie mit Temozolomid.
Prognose des Glioblastoms
Die Prognose für Patienten mit Glioblastom ist trotz intensiver Forschungsarbeiten weiterhin schlecht. Im Mittel liegt das Überleben nach der Diagnosestellung bei 15 bis 18 Monaten. Aber es gibt Menschen mit Glioblastom, die nach der Behandlung mehr als fünf Jahre überleben.
Leben mit einem Hirntumor
Die Diagnose eines Hirntumors kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung darstellen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen, sei es bei Selbsthilfegruppen, Psychoonkologen oder anderen Fachleuten. Auch Sport und Bewegung können helfen, die Lebensqualität zu verbessern.
Sport und Bewegung
Regelmäßige Bewegung und aktiver Sport haben eine positive Wirkung sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation von Tumorpatienten. Besonders geeignet sind eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport, Joggen, Walken, Radfahren, Tanzen und Schwimmen. Es ist jedoch wichtig, Überlastung und Überhitzung zu vermeiden und ausreichend zu trinken.
Urlaub und Freizeit
Auch im Urlaub und bei sonstigen Freizeitaktivitäten sollten Patienten auf ihren Körper achten und sich nicht überanstrengen. Vor einer Reise sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden, um mögliche Risiken zu besprechen.
Mobilität
Autofahren bedeutet für viele Menschen aktiv, mobil und unabhängig zu sein. Nach einer Hirnoperation sollte die Fahrtauglichkeit im Rahmen der regelmäßigen Nachuntersuchungen angesprochen werden. Bei epileptischen Anfällen ist das Führen eines Fahrzeugs nicht erlaubt.
Kinderwunsch und Familienplanung
Jüngere Patienten mit der Diagnose Hirntumor oder Krebs haben häufig Angst, keine eigenen Kinder mehr bekommen zu können. Vor einer Therapie sollten die verschiedenen Möglichkeiten der Fertilitätsprotektion mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Forschung und Ausblick
Die Forschung im Bereich der Hirntumoren schreitet stetig voran. Es werden kontinuierlich neue Therapien entwickelt, die das Überleben und die Lebensqualität der Patienten verbessern sollen.
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