Botox bei Migräne: Zusammenhang mit der Halswirbelsäule und moderne Therapieansätze

Migräne ist eine der häufigsten und schmerzhaftesten neurologischen Erkrankungen, von der Millionen Menschen betroffen sind. Die Symptome der Migräne wurden erstmals 3000 v. Chr. in alten mesopotamischen Schriften beschrieben. Heute zählt die Migräne zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Allein in Deutschland sind etwa 18 Millionen Menschen betroffen. In den letzten Jahren hat insbesondere die Zahl der an Migräne erkrankten Kinder deutlich zugenommen.

Viele Mythen ranken sich um die Migräne. Das Buch „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner ist dafür ein gutes Beispiel. Es gibt eine ausgeprägte genetische Komponente, und in der Zwischenzeit sind über 35 Gene identifiziert, die mit einer Migräne assoziiert sind. Epidemiologisch gesehen gibt es Überlappungen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen. Viele Menschen, die unter Migräneattacken leiden, sind psychisch beeinträchtigt. Die Häufigkeit erreicht ihren Gipfel zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Bei Frauen wird die Migräne zu Beginn der Wechseljahre oftmals schlechter und anschließend besser. Bei einigen Frauen verschwindet die Migräne in den zehn Jahren nach den Wechseljahren, während andere auch bis ins hohe Alter noch Migräneattacken haben können, die jedoch weniger intensiv sind als in der Jugend. Im Folgenden werden die Ursachen und Therapiemöglichkeiten kritisch beleuchtet, wobei auch ein Ausblick in die Zukunft gewagt wird.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genaue Ursache der Migräne ist noch nicht vollständig geklärt. Früher wurde die Halswirbelsäule oft für Migräne verantwortlich gemacht, aber moderne Forschungsergebnisse zeigen, dass die Migräne selbst eine Funktionsstörung des Gehirns ist, bei der insbesondere die Hirnrinde empfindlicher reagiert als bei Menschen ohne Migräne. Trotzdem können auch Nackenschmerzen im Zusammenhang mit Migräne vorkommen.

Die Migräne selbst gliedert sich in vier Phasen. Bei 15 Prozent der Patienten kommt es zu einer sogenannten Aura, die beispielsweise Sehstörungen und Gefühlsstörungen verursachen kann. Der Kopfschmerz selbst hat einen pulsierenden Charakter, begleitet von Übelkeit und gelegentlich Erbrechen, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Nach der Migräneattacke kommt es zu vermehrten Flüssigkeitsausscheidungen.

Ein gewisses Maß an Reizen kann entweder spontan oder durch äußere Faktoren, sogenannten Triggern, zum Auslösen einer Migräneattacke führen. Ein möglicher Trigger ist tatsächlich ein Wetterwechsel. Weitere wichtige Trigger sind beispielsweise die Periode bei Frauen, Veränderungen des Schlaf-wach-Rhythmus, Stress und Stressabfall, unregelmäßige Nahrungsaufnahme und Alkoholgenuss. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Faktoren nicht die Ursachen der Migräne sind, sondern lediglich potentielle Auslöser.

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Es gibt auch eine Assoziation zwischen Migräne und Depressionen. Zum Teil ist diese Assoziation genetisch bedingt, zum Teil aber auch dadurch erklärt, dass Menschen, die an einer Depression leiden, vermehrt schmerzempfindlich sind, oder dass Menschen, die unter einer schweren Migräne leiden, durch die Schmerzen und die Beeinträchtigung depressiv werden. Daher werden Migräne und Depressionen oft gemeinsam behandelt.

Die Aura-Phase der Migräne

Bei einer Migräne mit Aura können sogar eine vorübergehende teilweise Lähmung auftreten. Diese Symptome entwickeln sich langsam und erreichen nach etwa 20 Minuten ihren Höhepunkt und bilden sich dann langsam zurück. Die Ursache der Aura ist eine kurzzeitige Erregung der Hirnrinde, gefolgt von einer langanhaltenden Hemmung der Aktivität der Hirnrinde, die sich langsam ausbreitet. Dies erklärt, warum sich die Symptome langsam entwickeln und sich langsam zurückbilden. Frauen mit schwerer Migräne mit Aura haben tatsächlich ein minimal erhöhtes Schlaganfallrisiko, insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren für vaskuläre Erkrankungen wie Bluthochdruck, Zucker, Cholesterin oder Nikotinmissbrauch.

Diagnostik der Migräne

Es ist eine Fehleinschätzung, dass man eine Migräne mittels bildgebender Verfahren wie der Kernspintomographie des Gehirns darstellen könnte. Die Migräne ist eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, während die Struktur des Gehirns völlig intakt ist. Daher ist in aller Regel die Kernspintomographie bei Patienten mit Migräne normal, es sei denn, es gibt eine andere neurologische Vorgeschichte. Eine Bildgebung muss immer dann erfolgen, wenn die Kopfschmerzen ganz plötzlich mit hoher Intensität und nach körperlicher Belastung auftreten, um eine Hirnblutung oder eine Blutung in die Hirnhäute auszuschließen. Eine Bildgebung muss auch erfolgen, wenn neu aufgetretene Kopfschmerzen mit hohem Fieber und Nackensteifigkeit einhergehen, da dann eine Hirnhautentzündung vorliegen kann. In aller Regel ist das Kernspintomogramm bei Menschen mit Migräne normal. Bei manchen Menschen, die unter einer Migräne mit Aura leiden, kann es in der Kernspintomographie kleine, weiße Flecken geben, die keinen Krankheitswert haben.

Traditionelle und moderne Therapieansätze

Akuttherapie

Migräneattacken können tatsächlich relativ gut mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) behandelt werden. Gleich wirksam sind andere Schmerzmittel wie beispielsweise Ibuprofen. Paracetamol ist weniger wirksam. Vor einigen Jahren wurden spezifische Migränemittel, die sogenannten Triptane, entwickelt. Triptane wirken nur bei Migräne und nicht beim Spannungskopfschmerz. Es wurde lange vermutet, dass die Migräne durch eine Erweiterung der Gefäße in der Hirnhaut zustande kommt. Triptane wirken jedoch nicht an den Gefäßen, sondern in den Umschaltstellen im Gehirn, wo sie die Schmerzweiterleitung blockieren können. Triptane sind zur Behandlung akuter Migräneattacken wirksamer als Schmerzmittel, haben allerdings eine begrenzte Wirkdauer. Sie kommen zum Einsatz, wenn klassische Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen nicht ausreichend wirksam sind. Triptane wirken bei Migräneattacken, indem sie die erweiterten Gefäße im Bereich der Hirnhaut und der Hirnbasis verengen, und sie hemmen die Entstehung und Weiterleitung von Schmerzsignalen im Gehirn.

Prophylaktische Behandlung

Bei Patienten, die unter häufigen Migräneattacken haben, reicht die Behandlung akuter Migräneattacken nicht aus. Wenn die Migräne die Lebensqualität massiv beeinträchtigt und wenn sie nicht mehr ausreichend auf Akuttherapie anspricht, besteht die Indikation zu einer vorbeugenden Behandlung (Prophylaxe). Hier werden nichtmedikamentöse und medikamentöse Maßnahmen unterschieden.

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Zu den medikamentösen Maßnahmen gehören Betablocker (Medikamente gegen erhöhten Blutdruck), zwei Medikamente gegen Epilepsie (Valproinsäure und Topiramat), das Antidepressivum Amitriptylin und der Kalziumantagonist Flunarizin. Diese Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden, um zu einer Reduktion der Migränehäufigkeit um etwa 50 Prozent zu führen. Leider vertragen viele Menschen mit Migräne diese Medikamente nicht so gut. Daher ist die nichtmedikamentöse Vorbeugung von Migräne von großer Bedeutung. Hierzu gehören Ausdauertraining oder Yoga, Krankengymnastik und Physiotherapie sowie Stressbewältigung.

Die Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung und kann daher nicht geheilt werden. Sie hat einen unvorhersehbaren Verlauf, und es kann durchaus längere Phasen im Leben geben, in denen die Migräne spontan besser oder schlechter wird. Dies gilt insbesondere für die Wechseljahre.

Botox-Behandlung bei Migräne

Die Entdeckung der Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei Migräne erfolgte zufällig. Schönheitschirurgen stellten bei Patienten, die sich einer Botulinumtoxin-Behandlung unterzogen, fest, dass sich die Migräne als Nebenwirkung besserte. Seitdem wurde intensiv geforscht, um herauszubekommen, welche Patienten wirklich von Botulinumtoxin profitieren und an welche Stellen und in welcher Dosis es gespritzt werden muss. Mittlerweile ist erwiesen, dass Botulinumtoxin insbesondere bei der sogenannten chronischen Migräne wirksam ist. Chronische Migräne ist definiert als Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, die die Charakteristika einer Migräneattacke mit pulsierend-pochenden Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Lichtscheu und Wärmeempfindlichkeit erfüllen müssen.

Bei der Behandlung wird Botulinumtoxin in kleinen Mengen an 31 Stellen im Bereich der Stirn, der Schläfe, des Hinterkopfes, des Nackens und der Schulter injiziert. Die Wirkung hält etwa drei Monate an. Es ist wichtig zu beachten, dass auch bei der Botox-Behandlung ein Placeboeffekt eine Rolle spielt, d.h. die Erwartungshaltung der Patienten, dass eine bestimmte Therapie bereits eine Wirksamkeit hat. Der Placeboeffekt ist allerdings bei operativen Eingriffen immer sehr viel höher als bei Medikamenten.

Es gibt auch alternative chirurgische Methoden zur Migränebehandlung. So haben Schönheitschirurgen eine Methode entwickelt, bei denen sie einen Muskel unter der Gesichtshaut im Bereich der Nasenwurzel entfernen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ein offenes Foramen ovale (eine Verbindung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die sich normalerweise nach der Geburt verschließt) mit Kopfschmerzen in Verbindung stehen kann.

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Interessanterweise wurde auch festgestellt, dass Menschen, die unter chronischer Migräne haben, signifikant häufiger übergewichtig sind als Menschen mit einer episodischen Migräne. Diese Erkenntnis hat therapeutische Konsequenzen, denn eine Gewichtsreduktion führt zu einer ebenfalls signifikanten Abnahme der Migränehäufigkeit.

Fortschritte in der Migränetherapie

Die Therapie der Migräne hat in den vergangenen Jahren dramatische Fortschritte gemacht. Ein wichtiger Meilenstein in der Behandlung der Attacken war die Einführung der Triptane vor einigen Jahren. Weiterer Fortschritt war die Erkenntnis, dass bestimmte Medikamente vorbeugend wirksam sind, wie beispielsweise das Antiepileptikum Topiramat und ein Blutdrucksenker namens Candesartan. Bei chronischer Migräne wurde entdeckt, dass die Botulinumtoxin-Injektionen wirksam sind.

CGRP-Antikörper: Eine neue Generation von Medikamenten

Ein besonders vielversprechender Fortschritt ist die Entwicklung einer neuen Generation von vorbeugenden Medikamenten zur Migränebehandlung, die auf dem sogenannten „Calcitonin Gene-Related Peptide“ (CGRP) basieren. Dieses Peptid wird während der Migräneattacken ausgeschüttet und führt zu einer deutlichen Erweiterung der Blutgefäße des Gehirns und der Hirnhaut. Zudem verstärkt CGRP die Schmerzübermittlung im Gehirn. Daher wurden monoklonale Antikörper gegen CGRP oder gegen den Rezeptor an den Gefäßen im Gehirn oder an den Fasern des Gesichtsnervs entwickelt. Diese CGRP-Antikörper müssen wie bei einer Impfung gespritzt werden und haben eine ähnliche Wirksamkeit wie die bisherigen Medikamente zur Migränevorbeugung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie deutlich weniger Nebenwirkungen haben als die bisher verwendeten Substanzen.

Botox bei CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion)

Botox ist vielen als ästhetische Behandlung bekannt, bietet jedoch auch in der Medizin hilfreiche Ansätze. Insbesondere bei der Behandlung von CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion = schmerzhafte Fehlregulation des Kauapparates) hat sich Botox als effektive Methode zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität erwiesen. Botox (Botulinumtoxin) ist ein natürlich vorkommendes Protein, das in geringen Dosierungen die Muskulatur entspannen kann.

Ablauf der Botox-Therapie bei CMD

  1. Individuelle Planung: Vor der ersten Injektion steht eine gründliche neurologische bzw. schmerztherapeutische Untersuchung. Wir identifizieren die individuell relevanten Muskelgruppen und Injektionspunkte (z.B.
  2. Die Injektion: Mit einer feinen Nadel wird das Präparat präzise in die vorher definierten Muskeln injiziert.
  3. Der Effekt: Der volle therapeutische Effekt entfaltet sich innerhalb von etwa 10 bis 14 Tagen. Die Wirkung hält in der Regel 3 bis 6 Monate an.

Ob die Botulinumtoxin-Therapie der richtige Weg für Sie ist, klären wir in einem ausführlichen Gespräch.

Was ist nach der Migränebehandlung mit Botox® zu beachten?

Die Migräne Therapie in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. So gehen wir sicher, dass das Botox® in der gewünschten Region verbleibt und wirkt. Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

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