Boxenstopp für das Gehirn: Tipps für mehr Konzentration und Fokus

In unserer schnelllebigen Welt, in der wir ständig von Informationen und Aufgaben überflutet werden, ist es eine Herausforderung, konzentriert und produktiv zu bleiben. Hektik und Stress können zu Fehlern, emotionaler Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit führen. Dieser Artikel bietet Ihnen bewährte Strategien und praktische Tipps, um Ihre Konzentration zu steigern, Stress abzubauen und Ihre geistige Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Die Falle der Hektik: Ein Teufelskreis

Viele von uns kennen das Gefühl, unter hohem Druck zu stehen und versuchen, Aufgaben so schnell wie möglich zu erledigen. Dies kann jedoch zu einem Teufelskreis führen: Hektik führt zu Fehlern, Fehler führen zu noch mehr Arbeit, der Druck steigt - und führt zu noch mehr Hektik. Wenn wir immer schneller machen, setzen wir unseren Körper unter Stress. Dann treten die uralten, in uns verankerten Mechanismen in Kraft. Unser Gehirn schaltet in den „Flucht- oder Kampf-Modus“. Das bedeutet, dass wir in den Überlebensmodus geraten und unsere kognitiven Fähigkeiten, wie z.B. klares Denken, Problemlösung und Kreativität eingeschränkt werden. Gleichzeitig übernehmen Impulsivität und Tunnelblick die Kontrolle.

Entschleunigung als Schlüssel zur Konzentration

Die Antwort auf diesen Teufelskreis liegt im bewussten Entschleunigen. Wir müssen lernen, mit unserer Energie vernünftig umzugehen und das Tempo zu drosseln. Denn nur wenn wir bewusst innehalten, können wir Klarheit gewinnen und wieder die richtigen Entscheidungen treffen. Manchmal ist der schnellste Weg zum Ziel ein Schritt zurück. Langsamkeit soll nicht verstanden werden als Trödeln, Verzögern oder Verschleppen. Langsamkeit eröffnet uns die Möglichkeit, das große Ganze zu sehen. Wenn wir langsam machen, aktivieren wir den präfrontalen Kortex, den Teil des Gehirns, der für rationales Denken und Planung verantwortlich ist. Mit Hilfe von Langsamkeit werden wir produktiver.

Praktische Tipps für mehr Langsamkeit und Konzentration

1. Mikropausen: Kleine Auszeiten mit großer Wirkung

Schon eine Mikropause von 1 Minute kann dir dabei helfen, dich wieder zu fokussieren. Setze dich entspannt auf deinen Stuhl, schließe die Augen, wenn du magst. Atme tief ein, halte den Atem kurz an und atme wieder aus. Schaue bewusst weg vom Monitor, am besten durch ein Fenster. Lasse den Blick in die Weite schweifen, ohne zu fokussieren. Atme dabei bewusst ein und aus. Nutze Elemente der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Eine Übung, die du auch gut im Büro durchführen kannst: Schließe die Augen, lege deine Hände entspannt auf deine Oberschenkel. Jetzt schließe die rechte Hand zur Faus und erhöhe den Druck ganz bewusst. Wichtig dabei: ruhig weiteratmen, ohne sich zu verkrampfen. Halte die Spannung für einige Sekunden, dann löse die Faust wieder und lege die Hand entspannt auf deinen Oberschenkel.

2. Die Eisenhower-Matrix: Prioritäten setzen und Fokus bewahren

Um bei hoher Arbeitsbelastung den Überblick zu behalten, ist die Eisenhower-Matrix ein bewährtes Werkzeug. Sie hilft dir, Aufgaben in vier Kategorien einzuteilen: wichtig und dringend, wichtig, aber nicht dringend, dringend, aber nicht wichtig und weder dringend noch wichtig. Viele Nachrichten, die uns „dringend“ erscheinen, sind oft nur unnötige Ablenkungen - etwa, wenn sie im cc-Verteiler landen. Hier hilft die klare Kategorisierung, den Fokus auf die wirklich relevanten Aufgaben zu lenken und deinen Tag strukturiert zu gestalten.

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3. ALI: Atmen, Lächeln, Innehalten

Darf ich dir ALI vorstellen? ALI steht für Atmen, Lächeln, Innehalten. Wir nutzen die Methode, um bewusst Raum für Überlegungen zu schaffen. Wenn alles um uns herum hektisch wird, nehmen wir uns die Zeit, um bewusst zu atmen. Siehe auch Mikropause - Atemübung. Atme 2-3 mal tief ein und aus. Lächle, auch wenn dir gerade nicht nach lachen zu Mute ist. Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen echtem Lachen und gefaktem Mundwinkelhochziehen. Das wichtige dabei ist, dass die Muskeln durch das Lächeln auf unser Nervensystem wirken und damit Stress reduzieren.

4. Selbstreflexion: Der innere Boxenstopp

Die Selbstreflexion gehört zu den kleinen Methoden, die wir uns leicht angewöhnen können und die einen Unterschied machen. Selbstreflexion ist wie ein innerer Boxenstopp: ein kurzer Moment des Innehaltens, um Energie zu tanken, Klarheit zu gewinnen und den eigenen Kurs zu überprüfen. Sie hilft, bewusst wahrzunehmen, was gerade geschieht - im Kopf, im Herzen und in der Umwelt. Ein bewährtes Werkzeug dafür ist ein täglicher oder wöchentlicher Check-in. Du nimmst dir wenige Minuten Zeit, um aufzuschreiben, was gut lief, wo Herausforderungen lagen und welche Veränderungen nötig sind. Besonders hilfreich ist es, dabei den Fokus auf die eigenen Werte und langfristigen Ziele zu legen. Das stärkt nicht nur die Verbindung zu deinen Bedürfnissen, sondern hilft dir auch, in turbulenten Zeiten fokussiert und handlungsfähig zu bleiben. Ich nutze dafür seit ca. 2 Jahren meine eigene Version eines Bullet-Journals. Mir gefällt am Bullet-Journal, dass ich mir jeweils zu Jahresbeginn, Quartalsbeginn, Monatsbeginn und Wochenbeginn klar mache, was für mich wichtig ist, welche Termine anstehen und welche Schritte zur Zielerreichung notwendig sind.

5. Den Biorhythmus nutzen: Im Einklang mit der inneren Uhr

Jeder Mensch hat seinen ganz individuellen Biorhythmus Tagesverlauf. Es gibt dennoch zwei Hauptausprägungen: Morgen- und Abendmenschen. Die einen sind früh wach und produktiv, während die anderen nachmittags oder Abends auftauen. Viele haben einen Leistungshöhepunkt zwischen 9 und 12 Uhr, einen zweiten zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Es wäre ein brutaler Kampf mit dem ständig nach unten fallenden Augenrollo, wenn du z.B. nach dem Mittagessen einen schweren Text lesen wolltest oder den Fehler in der Excel-Tabelle finden willst. Deine mentalen Kapazitäten sollten optimal ausgelastet sein. Erledige daher konzentrationsintensive Aufgaben (Konzepte, Texte schreiben, Berechnungen) am Vormittag. Neben den Hauptphasen schwankt unser Biorhythmus in Wellenform im circa 90-Minuten-Rhythmus. Wenn du gähnen musst, Hunger oder Durst verspürst oder wenn du plötzlich leichter ablenkbar bist und dich nur noch schwer konzentrieren kannst, dann hast du ein Zwischentief erreicht. Nutze diese Phasen zur Entspannung oder um Rücksprachen zu halten, Unterlagen zu sortieren, die Wohnung zu putzen oder um einzukaufen.

Tipps zur Nutzung des Biorhythmus:

  1. Finde deine individuelle Energiekurve: Wann musst du gähnen, verspürst Hunger oder Unruhe? Wann hast du gute Arbeitsphasen und gute Gedanken?
  2. Pausen sind wichtig: Egal ob Morgen- oder Abendmensch: Pausen gehören zum ökonomischen Umgang mit der Energie.
  3. Lege "Denk-leichte" Aufgaben in Leistungstiefs: Lege Netzwerktreffen, Arzttermine, Einkäufe, Behördengänge und alles, bei dem du nicht viel denken musst, auf Leistungstiefs. Baue solche Aufgaben bewusst als Erholung und Pausentätigkeiten ein.
  4. Entspannung bei leerem Akku: Wenn der Akku wirklich leer ist, ist „Zähne zusammenbeißen“ nicht der richtige Weg. Statt sich zu zwingen hilft es umso mehr, sich zunächst richtig zu entspannen: Nimm ein Bad, lass dich in deinem Lieblingssessel so richtig hängen, gönne dir einen frühen Feierabend. Genieße die Zeit, tanke Energie. Ein Spaziergang im Park, Sporteln, ein Einkaufsbummel oder ein Kinoabend tun dir jetzt besser als noch mehr Zahlen, Informationen, Korrekturen.
  5. Wichtige Termine planen: Lege wichtige Termine, Meetings, Verkaufsgespräche, Klausuren, mündliche Prüfungen, Bewerbungsgespräche etc.
  6. Biorhythmus anpassen: Kannst du einen Termin nicht beeinflussen und liegt er z.B. 9 Uhr morgens, wenn du ein Abendmensch bist, dann versuche, den Biorhythmus etwas vorzuziehen, indem du abends zeitiger schlafen gehst, aber auch zeitiger aufstehst, damit dein geistiger Prozessor Zeit hat hochzufahren und du langsam in Schwung kommst.
  7. Wachmacher bewusst einsetzen: Kaffee kickt, kann aber leicht nervös machen. Grüntee ist die sanfte Alternative, Schwarz- und Matetees sind stärker. Doch überdenke Menge und Zeitpunkt: Wie gesagt, es ist nicht nachhaltig, Müdigkeit in Tiefphasen durch Kaffee wegzudrücken. Trinke Kaffee eher zu Beginn einer Leistungsphase, um diese zu verlängern.
  8. Leichtere Aufgaben in schwächeren Zeiten: In den biorhythmisch schwächeren Zeiten kannst du dennoch an wichtigen Aufgaben arbeiten. Die Tätigkeiten an sich sollten nur leichter, kürzer und spaßvoller sein.
  9. Ausruhen für stärkere Hochphasen: Wenn man das Tief „auslebt“ und sich wirklich ausruht, ist man nicht nur entspannter, sondern das nachfolgende Hoch fällt auch ausgeprägter aus. Nutze daher öfter die energetisierende Wirkung eines 20-Minuten-Mini-Schlafes (Powernap) - sei es zu Hause, im parkenden Auto oder in der Bibliothek.

6. Weitere Tipps für mehr Konzentration und Wohlbefinden

  • Bewegung: Studien zeigen, dass viel Sitzen und wenig Bewegung das Leben verkürzen können. Der Slogan "Sitzen ist das neue Rauchen" fasst zusammen, dass Forschungsergebnisse zeigen, dass Sitzen ähnlich ungünstige Auswirkungen wie Rauchen hat. Deshalb: Runter vom Sofa, rein in die Turnschuhe. Sanfte gymnastische Übungen, die mit einem Physiotherapeuten abgesprochen werden, eignen sich auch für Einsteiger. Laut AOK helfen bereits 20 Minuten Bewegung am Tag.
  • Achtsamkeit: Hilfreich ist, die Verbindung zum "beobachtenden Selbst" aufzunehmen, sich unmittelbar mit den Erfahrungen zu verbinden, im Hier und Jetzt präsent zu sein. Auch wer seine Dankbarkeit trainiert, kann negatives Grübeln reduzieren.
  • Soziale Kontakte: Einsamkeit wirkt sich ungünstig auf das Wohlbefinden aus. Es ist also wichtig, sich mit anderen Menschen zu verbinden.
  • Emotionale Resilienz: Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann eine Anforderung in eine zu große Belastung umschlägt, ist entscheidend. Menschen, die ihre Belastungsgrenzen kennen und sie kommunizieren, beugen nicht nur Burnout vor, sondern nehmen auch ihre Vorbildfunktion gegenüber ihrem Team wahr.
  • Atemtechniken: Der „4711-Atem“ ist ein praktisches Tool zur Emotionsregulation. Das ist nicht das neue „Kölnisch Wasser“, sondern eine sehr wirksame Atemtechnik. Dabei atmet man vier Sekunden lang ein und atmet dann sieben Sekunden lang aus, das Ganze elf Mal wiederholen (oder 11 Minuten lang). Diese Technik kann das Nervensystem beruhigen und hilft in stressigen Situationen die eigenen Emotionen zu regulieren.
  • Tagebuch der emotionalen Achtsamkeit: Ein weiteres effektives Werkzeug zur Emotionsregulation ist ein „Tagebuch der emotionalen Achtsamkeit“ zu führen. Es werden täglich erlebte Emotionen, ihre Auslöser und die Reaktionen (Körper, Verhalten und Psyche) aufgeschrieben. So entwickelt sich ein tieferes Verständnis für die eigenen emotionalen Muster und es fördert die Selbstkenntnis, um in Zukunft Herausforderungen besser zu meistern.
  • Soziale Interaktion: Das menschliche Gehirn ist ein soziales Organ. Interaktionen und Beziehungen im Team zu fördern, kann die Arbeitsleistung signifikant verbessern.

Business Energie Retreats: Nachhaltige Erholung und Leistungssteigerung

Der Trend geht hin zu Energie Retreats und Business Energie Retreats, also weg von Kurzzeit-Effekten hin zu Auszeiten mit langfristiger Wirkung. Die pure Natur ist gefragt, nachhaltige Entspannung, Zeit für sich selbst sowie delikates, gesundes Essen. (Business) Energie Retreats sollen sinnvoll eingesetzt werden und nachhaltig sein. Als Teilnehmer möchten Sie auch nach der Abreise die tiefe Erholung und Entspannung spüren; also eine anhaltende Wirkung in den Alltag mitnehmen.

Was macht Business Energie Retreats besonders?

  • Ganzheitlicher Ansatz: Neben den körperlichen Aspekten stehen die mentalen und seelischen Veränderungen im Mittelpunkt.
  • Persönlichkeitsentwicklung: Die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und die Arbeit am eigenen psychischen Wohlbefinden sind wichtig und von den Teilnehmern ausdrücklich gewünscht.
  • Stressmanagement: Das Interesse am Stressmanagement, Detox, Yoga und Meditation steigt enorm.
  • Naturverbundenheit: Energie Retreats finden an Orten inmitten purer Natur statt.
  • Bewusstseinserweiterung: Eine Veränderung des Bewusstseins (Geist, Mind, Gehirn) erzeugt direkte nachweisbare physiologische Effekte im Körper eines jeden Menschen. Dadurch verbessert sich Ihre emotionale und kognitive Leistungsfähigkeit enorm - ganz ohne körperlichen, emotionalen und seelischen Raubbau.

Vorbereitung ist der Schlüssel: Tipps für Vorträge und Präsentationen

  1. Vorbereitung ist alles: Wer sich auf einen Vortrag nicht vorbereitet, bekommt nur die Hälfte mit. Dabei reicht es schon, den Text oder die Folien vorher zu überfliegen. Verschaffe dir einen Einblick in das Thema, kläre Fachbegriffe durch einen Blick ins Web-Lexikon. Welche Folien/Infos hast du auf Anhieb verstanden? Die schweren Stellen markierst du dafür deutlich und weißt, dass du hier besonders aufmerksam sein musst.
  2. Empathie: Versetze dich voll und ganz in den anderen hinein. Aussage herüberzubringen, zu verstehen. Denke weiter, als der Redner es explizit tut.
  3. Pausen sind erlaubt: Es ist normal, dass wir bei 90 Minuten Vorlesung mal einen Aussetzer haben. Konzentriere dich auf die wesentlichen Teile und schalte bei ausufernden Diskussionen und Exkursen ab. Oder gönne dir eine individuelle Toiletten- bzw. Raucherpause.
  4. Aktive Teilnahme: Gehe nie ohne konkrete Fragen in die Vorlesung. Wenn die nicht beantwortet werden, hake nach! Oder wenn du etwas Wesentliches nicht verstanden hast, schön Pfötchen heben! Ignoriere das nicht.
  5. Der beste Platz: Die Vorlesung ist (leider) kein Kinosaal. Hier sind die besten Plätze vorn: Die Schrift ist größer, du wirst weniger leicht abgelenkt und hast den „Star“ der Vorstellung direkt vor dir. Non-verbale Kommunikation erleichtert Konzentration und Verständnis stark!

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