Sportliche Aktivität ist grundsätzlich förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden und wird auch für Menschen mit Epilepsie empfohlen. Allerdings gibt es im Zusammenhang mit dem Boxsport einige Aspekte zu berücksichtigen, um Risiken zu minimieren und die Sicherheit der Sportler zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten des Themas Boxsport und Epilepsie, von den potenziellen Gefahren bis hin zu den Möglichkeiten, wie Menschen mit Epilepsie sicher und erfolgreich an diesem Sport teilnehmen können.
Epilepsie und Sport: Allgemeine Überlegungen
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel und Lichteinwirkung. Es ist wichtig zu beachten, dass es keine Sportart gibt, die frei von Unfalls- oder Verletzungsrisiko ist. Daher ist eine sorgfältige Abwägung der Risiken und Vorteile jeder Sportart für Menschen mit Epilepsie unerlässlich.
Risiken im Boxsport für Menschen mit Epilepsie
Boxen birgt aufgrund der Natur der Sportart spezifische Risiken für Menschen mit Epilepsie. Neurologen warnen davor, dass bereits Erschütterungen, die für gesunde Sportler unbedenklich wären, bei Epileptikern gefährliche Krampfanfälle oder Blutungen auslösen können. Jeder Faustschlag kann mehr als nur eine Platzwunde bedeuten. Der Ring wird so noch mehr zur potenziellen Gefahrenzone.
Einige Sportarten sind generell weniger geeignet, insbesondere wenn durch einen Anfall erhebliche Risiken auftreten können. Dazu gehören beispielsweise Klettern, Bergsteigen, Motorsport, Boxen und Tauchen. Beim Tauchen beispielsweise lässt der Auftrieb im Wasser nach, und die Betroffenen sinken schneller ab, was zum Ertrinken führen kann.
Sicherheitsmaßnahmen und Empfehlungen
Trotz der Risiken ist es für Menschen mit Epilepsie nicht grundsätzlich ausgeschlossen, Boxsport zu betreiben. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die Sicherheit zu erhöhen und das Risiko von Anfällen zu minimieren:
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- Ärztliche Beratung: Vor Aufnahme des Boxsports sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Dieser kann die individuelle Situation beurteilen, die Anfallsgefahr einschätzen und Empfehlungen für geeignete Sicherheitsmaßnahmen geben. Es kann auch sinnvoll sein, ein Dreiergespräch zwischen Arzt, Trainer und dem Trainierenden zu führen, um alle Risiken und Vorsichtsmaßnahmen zu besprechen.
- Medikamenteneinstellung: Eine gut eingestellte Medikation ist entscheidend, um Anfälle zu kontrollieren. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen der Medikamente sind wichtig, um eine optimale Anfallskontrolle zu gewährleisten.
- Kenntnis der Anfallsauslöser: Es ist wichtig, die individuellen Anfallsauslöser zu kennen und diese so gut wie möglich zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise Schlafmangel, Stress, Alkohol oder bestimmte Lichtverhältnisse.
- Information des Trainers und der Trainingspartner: Der Trainer und die Trainingspartner sollten über die Epilepsie informiert sein und wissen, wie sie im Falle eines Anfalls reagieren müssen. Es kann auch sinnvoll sein, einen DIN A4 Zettel mit wichtigen Hinweisen bei einem epileptischen Anfall in der Umkleidekabine auszuhängen.
- Erste-Hilfe-Kenntnisse: Sowohl der Trainer als auch die Trainingspartner sollten über Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügen, um im Notfall adäquat helfen zu können.
- Geeignete Trainingsform: Therapeutisches Boxen kann eine gute Alternative zum Wettkampfboxen sein. Hier stehen das eigene Wahrnehmen und Erleben im Vordergrund. Die Übenden entladen ihren Frust und Stress gezielt beim Schattenboxen, beim Training mit dem Sandsack oder einem Partner. Der achtsame und respektvolle Umgang miteinander ist dabei ein wichtiger Aspekt.
- Vermeidung risikoreicher Tageszeiten: Aktivitäten zu risikoreichen Tageszeiten nach Möglichkeit zu meiden.
- Besondere Vorsicht bei Medikamentenumstellung: Besondere Vorsicht ist bei Medikamentenumstellung oder Absetzen der Medikamente geboten.
Die Rolle des Trainers
Ein verantwortungsbewusster Trainer spielt eine entscheidende Rolle bei der Integration von Menschen mit Epilepsie in den Boxsport. Er sollte nicht nur über die Erkrankung informiert sein, sondern auch bereit sein, individuelle Anpassungen im Training vorzunehmen und auf die Bedürfnisse des Sportlers einzugehen. Dazu gehört auch, die Anfallsgefahr richtig einschätzen zu können und im Notfall adäquat zu reagieren.
Einige Boxstudios haben bereits Erfahrung im Umgang mit Epilepsie. So liegt beispielsweise im Kühlschrank eines Dojos ein entsprechendes Medikament für einen Schüler bereit, falls dieser einen aufkommenden Anfall bemerkt.
Perspektiven und Erfahrungen
Viele Menschen mit Epilepsie lassen sich von ihrer Erkrankung nicht einschränken und gehen ihren sportlichen Leidenschaften nach. Sie berichten von positiven Erfahrungen und einem gesteigerten Selbstvertrauen durch den Sport. Es ist wichtig, sich nicht von Vorurteilen und Ängsten entmutigen zu lassen, sondern die eigenen Grenzen auszuloten und die Freude am Sport zu genießen.
Silvia beispielsweise konnte durch das therapeutische Boxen deutlich mehr Selbstvertrauen aufbauen. Sie setzt gezielte Boxschläge auf die Schlagpolster ihres Boxpartners und nimmt ihren Körper durch das Training positiv wahr.
Rechtliche Aspekte
In Bezug auf Wettkämpfe gibt es klare Richtlinien. Laut dem Bund Deutscher Berufsboxer e.V. (BDB) sind Menschen mit Epilepsie grundsätzlich von Wettkämpfen ausgeschlossen. Internationale Fachgremien wie die Association of Ringside Physicians bestätigen diese Richtlinie eindeutig.
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