Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Einblicke in das Innere des Körpers ermöglicht. Bei einer MRT des Gehirns stellt sich oft die Frage, ob der Einsatz von Kontrastmitteln notwendig ist. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Kontrastmitteln bei MRT-Untersuchungen des Gehirns, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik zu vermitteln.
Was sind Kontrastmittel und wie funktionieren sie?
Kontrastmittel sind Substanzen, die in der medizinischen Bildgebung verwendet werden, um bestimmte Gewebe oder Strukturen im Körper besser sichtbar zu machen. Bei der MRT werden häufig Gadolinium-haltige Kontrastmittel eingesetzt. Gadolinium ist ein Metall, das magnetische Eigenschaften besitzt und die Signalstärke in den MRT-Bildern verstärken kann. Kontrastmittel reichern sich in stark durchbluteten Geweben an, z.B. in Tumoren oder Entzündungsherden, wodurch diese Bereiche besser von gesundem Gewebe abgegrenzt werden können.
Wann ist der Einsatz von Kontrastmitteln bei einer MRT des Gehirns erforderlich?
Der Einsatz von Kontrastmitteln bei einer MRT des Gehirns ist nicht immer notwendig. Entscheidend ist die medizinische Fragestellung und die zu untersuchende Körperregion. In bestimmten Fällen können Kontrastmittel jedoch wertvolle Zusatzinformationen liefern und die Diagnose erleichtern.
Bessere Darstellung von Gewebeunterschieden
Kontrastmittel helfen, Gewebe mit geringen Dichteunterschieden besser voneinander abzugrenzen. Dies ist besonders wichtig bei der Erkennung von Tumoren, Entzündungen oder anderen krankhaften Veränderungen im Gehirn. Muskeln und Blutgefäße sehen sich zum Beispiel im MRT sehr ähnlich. Das MRT Kontrastmittel erlaubt es den Medizinern, die einzelnen Gewebearten besser voneinander zu unterscheiden.
Untersuchung von Gefäßen
Kontrastmittel können auch verwendet werden, um die Blutgefäße im Gehirn darzustellen. Dies ist hilfreich bei der Diagnose von Gefäßerkrankungen wie Verengungen (Stenosen), Aussackungen (Aneurysmen) oder Gefäßverschlüssen (z.B. nach einem Schlaganfall). Die Gefäßdarstellung im CT mit Kontrastmittel wird auch als CT-Angiographie bezeichnet und gilt bei vielen Gefäßerkrankungen als Goldstandard. Bei einer Kopf-MRT mit Gefäßdarstellung (MR-Angiographie) lassen sich die hirnversorgenden Arterien abbilden und beurteilen - sowohl die Gefäße im Kopf als auch die Halsgefäße.
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Früherkennung von Tumoren
Kontrastmittel können auch bei der Früherkennung von Tumoren hilfreich sein. Tumore bilden vermehrt Blutgefäße aus, weshalb sich das Kontrastmittel dort vermehrt anreichert. Dies ermöglicht eine genauere Darstellung der Nervenstrukturen, wodurch sich eventuelle Schäden und Tumore schneller erkennen lassen.
Diagnose von Multipler Sklerose
Insbesondere auch bei Multipler Sklerose hilft es, versteckte Entzündungsherde festzustellen.
Risiken und Nebenwirkungen von Kontrastmitteln
Wie bei allen medizinischen Verfahren sind auch mit dem Einsatz von Kontrastmitteln gewisse Risiken verbunden.
Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn
Studien haben gezeigt, dass sich Spuren von Gadolinium im Gehirn von Patienten ablagern können, die MRT-Untersuchungen mit diesen Kontrastmitteln erhalten. Freies Gadolinium ist hoch toxisch. Das hängt damit zusammen, dass Gadolinium-Ionen ähnlich groß sind wie Kalzium-Ionen. Deshalb kann Gadolinium unter anderem der Funktion von Kalzium an Muskeln (auch dem Herzmuskel) und bei der Blutgerinnung entgegenwirken. In einem chemischen Komplex gebundenes Gadolinium, wie es in MRT-Kontrastmitteln eingesetzt wird, ist nach bisherigem Wissensstand jedoch gut verträglich. Nach Einschätzung der Studienautoren wäre es jedoch möglich, dass Gadolinium in kleinen Mengen aus dem Kontrastmittel freigesetzt wird, sich in freier Form im Gehirn ablagert und dort Strukturen schädigt. Eine Rolle könnte spielen, wie "fest" das Gadolinium im jeweiligen Kontrastmittel gebunden ist. Bisher gibt es nach Aussagen des Bundesministeriums für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zwar keine Hinweise darauf, dass im Gehirn abgelagertes Gadolinium tatsächlich zu Symptomen oder Nebenwirkungen führt. Trotzdem soll die Sicherheit von Gadolinium-Kontrastmitteln jetzt systematisch untersucht werden, um mögliche Risiken zu finden oder auszuschließen.
Allergische Reaktionen
In seltenen Fällen können Kontrastmittel allergische Reaktionen auslösen. Diese äußern sich meist durch leichte Hautrötungen an der Injektionsstelle. Durch die Gabe wirksamer Gegenmittel verschwinden die Symptome schnell wieder. In sehr seltenen Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.
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Nierenschädigung
Einige Kontrastmittel können die Nieren schädigen, insbesondere wenn diese vorgeschädigt sind. Vor einer Kontrastmitteluntersuchung werden meist die Nierenwerte untersucht, um ein Risiko zu minimieren. Wird trotz Nierenfunktionsstörung ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel verabreicht, kann dies zur sogenannten nephrogenen Fibrose, einer Bindegewebserkrankung, führen. Daher hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sogenannte lineare Kontrastmittel mit Gadolinium von 2018 an verboten. Weiterhin zugelassen und unbedenklicher sind sogenannte makrozyklische Kontrastmittel mit Gadolinium. Sie binden das Metall besser, die Substanzen werden daher im Körper nicht freigesetzt, sondern wieder ausgeschieden.
Weitere Nebenwirkungen
Gelegentlich kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, einem gestörten Geschmacksempfinden oder Kältegefühl an der Injektionsstelle kommen.
Alternativen zu Kontrastmitteln
Da gängige Kontrastmittel für den Körper belastend sein können, erforschen Mediziner zudem Alternativen. Wissenschaftlern am Deutschen Krebsforschungszentrum und am Universitätsklinikum Heidelberg ist es zum Beispiel gelungen, Gehirntumore mithilfe von Traubenzucker (Glukose) darzustellen. Diese MRT-Methode macht es sich zunutze, dass Tumore einen sehr hohen Energiebedarf haben und entsprechend viel Zucker aufnehmen. Oft kann eine Entzündung auch in einem MRT ohne Kontrastmittel (= natives MRT) dargestellt werden. Dazu ist ein MRT mit einer hohen Feldstärke von mindestens 3 Tesla geeignet.
Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen
- Nutzen-Risiko-Abwägung: Vor jeder MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel sollte eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Im Einzelfall muss das Risiko abgewogen werden, ohne MR-Kontrastmittel einen wichtigen, unter Umständen auch lebensbedrohlichen Befund zu übersehen, gegenüber den durch ihren Einsatz möglichen Nebenwirkungen.
- Nierenfunktion prüfen: Vor der Gabe von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln sollte die Nierenfunktion des Patienten überprüft werden.
- Information des Patienten: Jeder Patient sollte vor einer MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel umfassend über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Wenn Sie keine Kontrastmitteluntersuchung wünschen, sollten Sie dies dem Personal so früh wie möglich mitteilen. Am besten noch beim Aufklärungsgespräch. Möglicherweise sind Aufnahmen ohne Kontrastmittel ausreichend oder es kann eine andere Untersuchungsmethode gewählt werden.
- Alternative Untersuchungsmethoden: In einigen Fällen können alternative Untersuchungsmethoden wie Ultraschall oder Myokardszintigraphie in Betracht gezogen werden.
- Vermeidung unnötiger Mehrfachuntersuchungen: Mehrfachuntersuchungen, die wegen des fehlenden Strahlenrisikos bei der MRT bislang als unbedenklich eingestuft werden, sollten Patienten nach Möglichkeit vermeiden.
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