Brennen im Brustbereich kann viele Ursachen haben, die von harmlosen Verdauungsstörungen bis hin zu ernsthaften Herzerkrankungen reichen. Eine oft übersehene Ursache ist die Beteiligung des Nervus Vagus, eines der wichtigsten Nerven des Körpers, und des Nervus phrenicus, der das Zwerchfell steuert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Brennen im Brustbereich, wobei der Fokus auf der Rolle des Nervus Vagus und des Nervus phrenicus sowie deren Zusammenhänge mit Refluxerkrankungen liegt.
Einführung
Jeder kennt Wadenkrämpfe, aber Beschwerden im Brustbereich können vielfältige Ursachen haben. Oftmals wird bei Brustschmerzen zuerst an das Herz gedacht, was dazu führt, dass Betroffene zunächst einen Kardiologen aufsuchen. Es ist jedoch wichtig, auch andere mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen, insbesondere solche, die mit der Speiseröhre und dem Nervensystem zusammenhängen.
Ursachen für Brennen im Brustbereich
Speiseröhrenkrämpfe
Speiseröhrenkrämpfe können sich schleichend entwickeln und mit der Zeit stärker werden. Betroffene beschreiben ein Gefühl, als würde sich der Brustraum verkrampfen oder als bliebe Nahrung im Hals stecken. Schluckbeschwerden sind ein häufiges Symptom.
Achalasie
Eine mögliche Ursache für Speiseröhrenkrämpfe ist die Achalasie, eine Bewegungsstörung der Speiseröhre. Bei dieser Erkrankung zieht sich die Speiseröhre unnormal zusammen, wodurch ein hoher Druck entsteht. Ärzte messen bei der Druckmessung Werte bis zu 600 mmHg im Verlauf der Speiseröhre und am Magenschließmuskel. Die genauen Ursachen der Achalasie sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird eine gewisse Veranlagung vermutet.
Refluxkrankheit
Beschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen und Schluckbeschwerden können auch Folge einer Refluxkrankheit sein. Dabei fließt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, was zu Reizungen und Schädigungen der Speiseröhrenschleimhaut führt. Normalerweise verhindert der Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre zum Magen diesen Rückfluss, aber bei einer Refluxkrankheit versagt diese Barriere.
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Die Refluxkrankheit wird oft als "Wohlstandskrankheit" bezeichnet, da ihr Auftreten in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Auch bestimmte Medikamente können Refluxbeschwerden auslösen oder verschlimmern. In schweren Fällen kann die Refluxkrankheit zu einem Barrett-Syndrom führen, bei dem sich die Speiseröhrenschleimhaut verändert und das Risiko für Speiseröhrenkrebs steigt.
Nicht-Refluxbedingte Speiseröhrenentzündung
Neben der Refluxkrankheit kann eine Speiseröhrenentzündung auch durch andere Ursachen ausgelöst werden, wie Krankheitserreger oder physikalische bzw. chemische Reize. Eine infektiöse Speiseröhrenentzündung tritt häufig bei abwehrgeschwächten Menschen auf, während physikalisch-chemisch bedingte Entzündungen beispielsweise durch Magensonden, Strahlentherapie oder Verätzungen entstehen können.
Ösophagusfunktionsstörungen
Ösophagusfunktionsstörungen umfassen definierte Motilitätsstörungen der Speiseröhre wie Achalasie, diffuser Ösophagusspasmus, hyperkontraktiler Ösophagus und Hypomotilität der glattmuskulären Speiseröhre bei Sklerodermie. Leitsymptome sind Dysphagie, Regurgitation unverdauter Nahrung und Brustschmerzen.
Funktionelle Ösophaguserkrankungen
Funktionelle Ösophaguserkrankungen beschreiben speiseröhrenbezogene Beschwerden, für die sich keine organischen Korrelate oder definierte Funktionsstörung nachweisen lassen. Sie werden in funktionelles Sodbrennen, Dysphagie, Globus und Thoraxschmerzen eingeteilt.
Medikamentös induzierte Ösophagusschäden
Medikamentös induzierte Ösophagusschäden sind lokalisierte Schleimhautläsionen, die durch eine verlängerte Kontaktzeit zwischen Medikament und Speiseröhrenschleimhaut bedingt sind. Typische Beschwerden sind retrosternale Schmerzen, Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie) und Dysphagie.
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Eosinophile Ösophagitis
Die eosinophile Ösophagitis ist eine zunehmend diagnostizierte Speiseröhrenentzündung, die neben Dysphagie, Brustschmerzen und Bolusobstruktion typische entzündliche Schleimhautveränderungen und eine Vermehrung von eosinophilen Granulozyten aufweist.
Roemheld-Syndrom
Das Roemheld-Syndrom, benannt nach dem deutschen Internisten Ludwig Roemheld, der es im frühen 20. Jahrhundert beschrieb, ist ein Komplex von Symptomen, der durch die Auswirkungen von Verdauungsstörungen auf das Herz verursacht wird. Blähungen und übermäßige Gasbildung im Magen-Darm-Trakt können dazu führen, dass das Zwerchfell nach oben gedrückt wird und Druck auf das Herz ausübt. Dieser Druck kann verschiedene Symptome auslösen, die oft mit Herzerkrankungen verwechselt werden können.
Die Symptome des Roemheld-Syndroms können vielfältig sein und umfassen:
- Brustschmerzen
- Herzstolpern oder Herzrasen
- Atembeschwerden
- Schwindel
- Angstzustände
Die genauen Ursachen des Roemheld-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus Faktoren eine Rolle spielt, darunter:
- Übermäßige Gasbildung im Magen-Darm-Trakt
- Zwerchfellhochstand
- Reizung des Nervus Vagus
Rolle des Nervus Vagus
Der Nervus Vagus, auch bekannt als "der umherschweifende Nerv", ist einer der wichtigsten Nerven im Körper. Er entspringt im Hirnstamm und zieht sich durch Hals, Brustraum und Bauchraum. Der Nervus Vagus ist an vielen wichtigen Körperfunktionen beteiligt, darunter:
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- Verdauung
- Herzschlag
- Atmung
- Immunfunktion
- Stressregulation
Störungen im Verlauf oder in der Funktion des Nervus Vagus können eine Vielzahl von Symptomen auslösen, die oft scheinbar unzusammenhängend sind. Ein eingeklemmter oder überreizter Nervus Vagus kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen, wie Herzstolpern, Verdauungsprobleme, Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, chronische Müdigkeit und Nackenschmerzen.
Vagusnerv und Reflux
Der Vagusnerv spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Verdauung. Er stimuliert die Bildung von Magensäure, kontrolliert die Darmbewegungen und reguliert das Hungergefühl. Bei einer Störung des Vagusnervs kann es zu einer Überproduktion von Magensäure kommen, was Refluxbeschwerden verstärken kann. Auch die Ausschüttung von Insulin und anderen Botenstoffen aus der Bauchspeicheldrüse sowie die Abgabe von Gallenflüssigkeit können durch eine Vagusnerv-Störung beeinträchtigt werden.
Ein Zwerchfellbruch kann den Vagusnerv reizen, da er entlang der Speiseröhre bis zum Magen verläuft und durch die Hiatusschlinge des Zwerchfells treten muss. Wenn sich der Magen durch die gelockerte Hiatusschlinge schiebt, kann der Vagusnerv gequetscht und gereizt werden, was zu Verdauungsbeschwerden führt.
Vagusnerv und Immunsystem
Es gibt eine wichtige Verbindung zwischen dem Vagusnerv und dem Immunsystem. Der Vagusnerv kann Entzündungsreaktionen im Körper beeinflussen und spielt eine Rolle bei der Regulierung des Immunsystems.
Was schadet dem Vagusnerv?
Dem Vagusnerv können sowohl körperliche als auch psychische Belastungen schaden. Dauerhafte Verspannungen im Nacken-, Kiefer- oder Brustbereich sowie Fehlhaltungen können den Nerv mechanisch reizen oder einengen. Chronischer Stress, negative Emotionen oder traumatische Erfahrungen können seine Aktivität schwächen und die vagale Regulation stören. Auch Entzündungen, eine unausgewogene Darmflora oder schlechter Schlaf gelten als Risikofaktoren.
Was tut dem Vagusnerv gut?
Dem Vagusnerv tut alles gut, was Entspannung, Sicherheit und innere Ruhe fördert. Besonders wirksam sind tiefe, langsame Atemübungen, da sie direkt den Parasympathikus aktivieren. Auch Singen, Summen, Gurgeln oder kaltes Wasser im Gesicht können den Nerv sanft stimulieren.
Rolle des Nervus Phrenicus
Der Nervus phrenicus entspringt an der Halswirbelsäule und innerviert das Zwerchfell. Er steuert die Bewegungen des Zwerchfells, das eine wichtige Rolle bei der Atmung spielt. Eine Reizung oder Schädigung des Nervus phrenicus kann zu Veränderungen der Zwerchfellbewegung führen und Reflux verstärken.
Nervus Phrenicus und Reflux
Der linke Endast des Nervus phrenicus kann durch einen Zwerchfellbruch geschädigt oder gereizt werden, wenn der Magen immer wieder durch die Hiatusschlinge gleitet und Druck auf den Nerven ausübt. Dies kann die Spannung der Hiatusschlinge verringern und Reflux begünstigen.
Nervus Phrenicus und Scalenusmuskeln
Da der Nervus phrenicus aus der Halswirbelsäule entspringt, kann er auch von dort gestört sein. Verspannungen in den Scalenusmuskeln am Hals können den Nervus phrenicus beeinträchtigen und zu Verspannungen des Zwerchfells und der Brustwirbelsäule führen, was wiederum Reflux verursachen kann.
Diagnose
Um die Ursache für Brennen im Brustbereich zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen.
- Magenspiegelung (Ösophagogastroskopie): Dabei wird ein dünner, beweglicher Schlauch mit einer Kamera in die Speiseröhre und den Magen eingeführt, um Veränderungen der Schleimhaut zu erkennen und Gewebeproben zu entnehmen.
- Säuremessung (pH-Metrie): Eine Sonde misst über 24 Stunden den Säurerückfluss in die Speiseröhre.
- Speiseröhrendruckmessung (Ösophagusmanometrie): Eine Sonde misst die Druckverhältnisse in der Speiseröhre, um Bewegungsstörungen zu erkennen.
- Röntgenuntersuchung: Mit Hilfe von Röntgenstrahlen und einem Kontrastmittel können Veränderungen der Speiseröhre und des Magens dargestellt werden.
Therapie
Die Therapie von Brennen im Brustbereich richtet sich nach der Ursache. Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Medikamentöse Therapie: Protonenpumpenhemmer (PPI) hemmen die Säureproduktion im Magen und werden häufig bei Refluxbeschwerden eingesetzt. Antazida neutralisieren die Magensäure und können bei gelegentlichen Beschwerden helfen.
- Operative Therapie: Bei schweren Refluxerkrankungen oder Zwerchfellbrüchen kann eine Operation erforderlich sein, um den Schließmuskel der Speiseröhre zu stärken oder den Bruch zu beheben.
- Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten: Häufige, kleine, eiweißreiche, fettarme Mahlzeiten, Vermeidung von bestimmten Lebensmitteln und Getränken, Hochstellen des Bettkopfendes und Gewichtsreduktion können Refluxbeschwerden lindern.
- Naturheilkundliche Verfahren: Phytopharmaka, Rollkur, Homöopathie und andere naturheilkundliche Verfahren können bei leichten Refluxbeschwerden Linderung verschaffen.
- Vagusnerv-Stimulation: Atemübungen, Kälteanwendungen und andere Techniken können den Vagusnerv stimulieren und seine Funktion verbessern.
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