Der Tyrannosaurus rex gilt als gnadenloser Räuber, aber viele Mythen über ihn sind falsch. Die Welt der Dinosaurier ist voller Wunder und Geheimnisse, die uns seit der Entdeckung der ersten Fossilien in ihren Bann ziehen. Doch mit dem Fortschritt der Wissenschaft und neuen Entdeckungen werden viele alte Annahmen und Mythen widerlegt. Dieser Artikel befasst sich mit einigen der hartnäckigsten Dinosaurier-Mythen und untersucht, was wirklich über diese faszinierenden Kreaturen bekannt ist, insbesondere im Hinblick auf den Mythos vom Brontosaurus mit zwei Gehirnen.
Die Anatomie des Schreckens: Wie der T-Rex wirklich aussah
Wer an den berüchtigtsten aller Dinosaurier denkt, hat ein ziemlich genaues Bild vor Augen: gefletschte Zähne, durchdringendes Brüllen, blutrünstige Verfolgungsjagden. Doch stimmt das alles auch so? Dem Dinoforscher Raimund Albersdörfer, 58 Jahre alt, rutscht auf diese Frage ein Lachen heraus: "Nein, der T-Rex war kein liebes Kerlchen. Aber er sah vielleicht weniger monsterhaft aus als in Filmen." Albersdörfer leitet das Tyrannosaurus-rex-Zentrum im Dinosaurier Museum Altmühltal im bayerischen Denkendorf. Außerdem erforscht er als Paläontologe die Spuren der Vergangenheit. Dutzende Dinosaurier-Skelette hat er schon aus dem Boden ausgegraben, bearbeitet und untersucht. "Weil die Tyrannosaurier seit 66 Millionen Jahren ausgestorben sind, haben wir nur Knochen zur Verfügung. Daraus ziehen wir unsere Schlüsse", erklärt er.
Jahrelang glaubten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass T-Rex ein Sprinter war, der seine Beute mit hoher Geschwindigkeit verfolgte, bevor er sie erlegte. Etwa 50 bis 60 Kilometer pro Stunde soll er gerannt sein, schneller als ein Auto in der Stadt. Falsch! Warum die Forschenden das glauben? Sie haben in Computermodellen durchgespielt, welche Kräfte auf bestimmte Körperteile des Tieres gewirkt haben müssen. Um seinen neun Tonnen schweren Körper auf Tempo zu bringen, hätte der Saurier riesige Beinmuskeln gebraucht. Die hatte er aber nicht. Daraus folgt auch schon der vermutlich zweite Irrtum: Wenn T-Rex kein flinker Jäger war, könnte er vielleicht ein Aasfresser gewesen sein. Dafür spricht, dass er ein recht großes Gehirn hatte, wohl gut riechen und somit tote Tiere aufspüren konnte. Es kann aber auch sein, dass die Dinos "Lauerjäger" waren, sich also an ihre Opfer anschlichen oder sich versteckten und auf sie warteten, um sie zu überraschen.
Eine Studie aus dem vergangenen Jahr hat die Größe, Form und Abnutzungsspuren von Zähnen des T-Rex mit denen von Krokodilen verglichen. Das Ergebnis: Tyrannosaurier hatten wahrscheinlich Lippen, die die Zähne weitgehend verdeckten. Denn bei Lebewesen wie Krokodilen, bei denen die Zähne aus dem Maul ragen, nutzt sich der Teil, der herausschaut, stark ab. Ein Grund dafür: der fehlende Speichel. Ohne ihn trocknen Zähne schneller aus, was sie empfindlicher macht. An Tyrannosaurier-Zähnen fanden sich jedoch keine solchen Abnutzungsspuren. Anders als heutige Säugetiere konnten die Raubsaurier die Lippen allerdings nicht zurückziehen und absichtlich die Zähne fletschen. Dazu fehlten ihnen die entsprechenden Muskeln.
Lange glaubten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Tyrannosaurier einen Schuppenpanzer trugen. Vor etwa 20 Jahren kam dann die Theorie auf, dass die Tiere von einem Federkleid bedeckt waren. Inzwischen herrscht die Meinung vor, dass erwachsene Tiere am Kopf, Hals und Hinterleib Federn trugen, der Rest aber von Schuppen bedeckt war. Tyrannosaurier-Babys waren möglicherweise komplett von Flaum umhüllt, wie Küken heute. Selbst die Töne, die ein T-Rex ausstieß, klangen vermutlich anders als das markerschütternde Brüllen, das man aus Hollywoodfilmen kennt. Darin wurden Töne genutzt, die sich an Geräuschen heutiger Räuber wie Löwen orientieren. Untersuchungen der Stimmorgane und Atemwege der Dinosaurier ergaben jedoch, dass die Tiere vermutlich eher wie Tauben gegurrt oder wie große Vögel geschrien haben.
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Der Mythos vom doppelten Denkorgan: Hatte der Stegosaurus zwei Gehirne?
Unwillkürlich fragt man sich: Wie soll das gehen? Stegosaurus gleich ein zweites Gehirn konstruierten. Die Annahme, dass der Stegosaurus ein zweites Gehirn besaß, ist einer der bekanntesten Dinosaurier-Mythen. Die Vorstellung entstand aufgrund der geringen Größe des Gehirns im Vergleich zur enormen Körpergröße des Tieres. Paläontologen suchten nach einer Erklärung für die Steuerung des riesigen Körpers und spekulierten, dass sich im Bereich des Beckens oder des Schwanzes ein weiteres Nervenzentrum befand.
Die wissenschaftliche Erklärung für diese Annahme liegt in der Entdeckung einer vergrößerten Struktur im Hüftbereich des Stegosaurus. Diese Struktur, auch bekannt als "Neuralkanal", ist eine Verdickung des Rückenmarks im Bereich des Beckens. Einige frühe Paläontologen interpretierten dies als ein zweites Gehirn, das dazu diente, die hinteren Körperteile des Stegosaurus zu steuern.
Diese Theorie wurde jedoch später widerlegt. Moderne Forschungen haben gezeigt, dass es sich bei der vermeintlichen zweiten Gehirnstruktur um eine Ansammlung von Nervenzellen handelte, die als "Plexus" bezeichnet wird. Dieser Plexus diente wahrscheinlich dazu, die Bewegungen der Hinterbeine und des Schwanzes zu koordinieren und sensorische Informationen an das Gehirn weiterzuleiten. Es wird vermutet, dass sich im sogenannten Plexus, wie bei Vögeln ein großes Glykogendepot befand. Diese Struktur ist vergleichbar mit dem, was bei Vögeln als Glykogenspeicher dient, um die Schwanzmuskulatur zu versorgen.
Dinosaurier-Gehirne im Vergleich: Größe und Intelligenz
Dinosaurier waren zwar mitunter riesige Echsen - ihr Denkorgan war jedoch winzig. Der Stegosaurus zum Beispiel war ein Koloss von acht bis neun Metern Länge und rund vier Tonnen Gewicht. Sein Gehirn aber war kaum größer als eine Walnuss. Setzt man das Ganze auch bei anderen Saurier-Arten noch in die Relation zur Körpergröße, sind Dino-Hirne wirklich sehr winzig. Sauropoden mit einer Größe von rund 15 Metern etwa hatten ein Gehirn mit gerade einmal acht Zentimetern Durchmesser. Zum Vergleich: Die Gehirne von Säuglingen haben bereits rund ein Viertel der Größe eines ausgewachsenen Menschen, dessen Denkorgan rund 1300 bis 1400 Gramm wiegt.
Die Gehirne von Flugsauriern und Vögeln haben zwar vergleichbare Aufgaben gemeistert - unterscheiden sich aber erheblich. Das Fliegen ist eine hochkomplexe Angelegenheit: Der Körper darf nicht zu schwer sein, es braucht Flügel, Kraft und Ausdauer - und nicht zuletzt ein Gehirn, das Informationen während des Fluges verarbeitet und Bewegungen koordiniert. Die heutigen Vögel sind zwar Nachfahren einer bestimmten Gruppe von Dinosauriern, der Coelurosaurier - leichtgewichtigen, schon vogelartigen Raubsauriern. Doch ihre Gehirne ähneln denen der Flugsaurier kaum, die vor etwa 215 bis 66 Millionen Jahren lebten.
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Die Forschenden nahmen dafür CT-Scans von fossilen Schädeln von Flugsauriern und Dinosauriern, aber auch von heutigen Krokodilen und Vögeln. Eine besondere Rolle kam dabei einem flugunfähigen Saurier zu. Das Skelett eines Ixalerpeton pelesinensis - ein Reptil aus der Gruppe der Lagerpetide und ein naher Verwandter der Flugsaurier - stammt aus dem Süden des heutigen Brasiliens und wurde auf ein Alter von 233 Millionen Jahren datiert. Aber die Forschenden stellten auch auffällige Unterschiede fest: "Ihre für das Sehsystem zuständigen Hirnlappen, das sogenannte Tectum opticum, waren vergrößert und seitlich angeordnet wie bei den Flugsauriern und den Vogelvorfahren", sagt der Leiter der Studie, Dr. Mario Bronzati von der Universität Tübingen in einer Pressemitteilung. Während die Anatomie des Gehirns bei Flugsauriern und den Vorfahren der Dinosaurier ähnlich sei, zeige das Gehirn der heutigen Vögel allerdings einen stark abweichenden Aufbau, ergänzt Studienautor Professor Akinobu Watanabe von der New York University. Eine weitere Erkenntnis der Studie: "Flugsaurier hatten viel kleinere Gehirne als Vögel, was beweist, dass man zum Fliegen kein großes Gehirn braucht", sagt Studienautor Professor Matteo Fabbri von der Johns Hopkins University, USA. Als spezifische Anpassung an die innovative Fortbewegungsart haben Flugsaurier demnach einen vergrößerter Flocculus, eine Kleinhirn-Struktur, in der Sinnesinformationen verarbeitet wurden - Informationen, die ihnen dabei halfen, auch im ruckelnden Flug die Augen fest auf ein Ziel zu richten.
Weitere Dinosaurier-Mythen und Fakten
Neben dem Mythos vom doppelten Gehirn gibt es noch viele weitere falsche Vorstellungen über Dinosaurier, die sich hartnäckig halten. Hier sind einige Beispiele:
Dinosaurier lebten nur in Amerika: Tatsächlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass Dinos nur dort lebten, wo heute die USA liegen. Nordamerika. Antarktis sind ihre fossilen Knochen gefunden worden. Die geringe Größe des Wirbels, der gerade einmal 2,5 cm lang und 1 cm breit ist, zeigt, dass dieses Exemplar von Dysalotosaurus unter einer schweren Skoliose litt und offenbar nicht sehr alt wurde.
Alle Dinosaurier waren riesig: Obwohl es viele riesige Dinosaurier gab, waren die meisten Arten eher klein bis mittelgroß. Es gab Dinosaurier von der Größe eines Huhns bis hin zu den gigantischen Sauropoden.
Dinosaurier waren schlechte Eltern: Die Vorstellung, dass Dinosaurier ihre Jungen sich selbst überließen, ist ebenfalls falsch. Es gibt zahlreiche Beweise dafür, dass Dinosaurier ihre Nester bauten, ihre Eier bebrüteten und sich um ihre Jungen kümmerten.
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Dinosaurier starben plötzlich aus: Das Aussterben der Dinosaurier war ein komplexer Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckte. Der Einschlag eines Asteroiden trug zwar maßgeblich zum Aussterben bei, aber auch andere Faktoren wie Klimaveränderungen und vulkanische Aktivität spielten eine Rolle.
Dinosaurier-Forschung heute: Ein Puzzle aus Knochen
Immer wieder entdecken Forschende Neues zu den faszinierenden Tieren, die vor 68 bis 66 Millionen Jahren auf der Erde unterwegs waren. Sie graben versteinerte Knochen aus, untersuchen sie mit immer moderneren Methoden und fragen sich: War T-Rex womöglich ganz anders, als wir lange dachten? "Hundertprozentige Beweise gibt es nicht", sagt der Experte über das, was wir über das Aussehen und das Verhalten von T-Rex annehmen.
Gemeinsam mit anderen Expertinnen und Experten setzt er wie bei einem 3-D-Puzzle Hunderte Knochen zu Skeletten zusammen, die dann in anderen Museen ausgestellt werden. "Es ist verrückt, wie viele Tyrannosaurus-Geheimnisse wir dabei nach vielen Millionen Jahren lüften konnten", sagt er. Wie haben die Dinosaurier tatsächlich gelebt - als Bestien mit stets weit aufgerissenem Maul und ständigem Löwengebrüll samt Elefantenuntertönen? Oder als vegetarische Giganten im Zeitlupentempo, wie es die "Jurassic-Park"-Filme weismachen wollen? Oder haben sie gezwitschert und gegurrt wie ihre heute noch lebenden Nachfahren, die Vögel? Gerade haben Paläontologen zumindest Töne experimentell rekonstruiert, die der Parasaurolophus wahrscheinlich mit seinem spektakulären Hornfortsatz am Kopf, aber sicher ohne Stimmbänder, erzeugt hat: Sie klingen eher wie eine Posaune.
Dinosaurier als lebende Fossilien: Die Verbindung zu den Vögeln
Dass sie längst alle ausgestorben seien - diese Annahme ist wohl die Mutter aller Dinosauriermythen. Ansicht aber erst im späten 20. und seinen Schüler Robert Bakker. modernen Vögeln ihn faszinierte. exklusive Merkmale der Vögel schon von Dinosauriern entwickelt wurden. Zweibeinigkeit sowie Nestbau und Brutpflege. starben mit dem Ende des Erdmittelalters aus. Dinosaurier aber bis heute überlebt. 2. einzigen gefiederten Lebewesen. zusammen. war. bei den Dinosauriern. Hilfe in die Lüfte zu schwingen. imponieren, wie es die Vögel heute noch tun. Evolution. Theorien.
Wissenschaftler sind sich grundlegend darüber einig, dass die modernen Vögel von Dinosauriern abstammen, genauer gesagt von den Theropoden. Die Mitglieder dieser taxonomischen Dinosaurierfamilie waren Prädatoren mit drei Zehen an den Füßen (und teilweise auch Fingern an den Händen), unter ihnen bekannte Spezies wie Velociraptor mongoliensis und auch Tyrannosaurus rex.
Eine essenzielle Rolle bei der Evolution von Vögeln spielt das Gehirn. Vogelgehirne seien im Vergleich mit denen von Dinosauriern fortgeschrittener, erklärt Paläontologe Stig Walsh von der Universität Edinburgh in der ZDFinfo-Dokumentation "Die Erben der Dinos - Herrscher der Lüfte". "Aber bereits die Gehirne zweibeiniger Dinosaurier haben sich zunehmend in Richtung der Gehirne heutiger Vögel entwickelt. Die Entwicklung verläuft fließend - vom Gehirn eines T-Rex' zum Urvogel-Hirn", so Walsh. Das Gehirn von Urvögeln wie Archaeopteryx unterschied sich also bereits von Dinosauriern wie dem Tyrannosaurus rex. Doch die Evolution ging weiter: Urvögel entwickelten sich über Millionen Jahre zu den heutigen Vögeln, deren Gehirne eine erstaunliche Leistung vollbringen. "Ihr Gehirn weist eine hohe Konzentration von Nervenzellen auf", erklärt die Paläontologin Nicola Clayton. Die Dichte dieser Nervenzellen ist bei modernen Vögeln bis zu viermal höher als bei Säugetieren. Dadurch passt eine große Anzahl von Neuronen in einen kleinen Raum. Das hält das Gewicht niedrig - wesentlich fürs Fliegen.
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