Die Entscheidung für eine Brustvergrößerung ist ein bedeutender Schritt, der wohlüberlegt sein sollte. Ein wichtiger Aspekt, der im Vorfeld oft diskutiert wird, sind mögliche Schmerzen und Beschwerden nach der Operation. Viele Frauen fragen sich, wie lange die Schmerzen anhalten können und welche Ursachen sie haben könnten. Ein spezifisches Problem, das in diesem Zusammenhang auftreten kann, ist der Druck eines Brustimplantats auf einen Nerv. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieses Phänomens.
Schmerzen und Beschwerden nach einer Brustvergrößerung
Nach einer Brustvergrößerung sind Schmerzen im Operationsbereich normal. Diese können sich unterschiedlich äußern: von ziehenden Schmerzen über ein leichtes Druckgefühl bis hin zu Schmerzen in oder um die Brustwarzen. Das Schmerzempfinden ist sehr subjektiv.
- Leichte ziehende Beschwerden oder Schmerzen: Dauern etwa ein bis zwei Wochen an.
- Druckgefühl: Kann bis zu zwei bis drei Wochen anhalten. Es entsteht, weil das Implantat unter den Muskel eingesetzt wird und dieser das Implantat zunächst von sich wegdrücken möchte. Beim Einatmen drückt der Brustkorb das Implantat gegen den Muskel, was das Druckgefühl verstärken kann.
Ursachen für Nervdruck durch Brustimplantate
Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen können, dass ein Brustimplantat auf einen Nerv drückt:
Individuelle Anatomie: Unsere Körperhälften sind nicht identisch. Eine Brustseite kann mehr Nerven haben, die Schmerzreize weiterleiten, sodass Schmerzen dort stärker wahrgenommen werden. Auch die Brustmuskulatur kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, was den Widerstand gegen das Implantat beeinflusst.
Lage des Implantats: Die Platzierung des Implantats spielt eine entscheidende Rolle. Es gibt zwei Hauptmethoden:
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- Subglanduläre Brustvergrößerung: Das Implantat wird vor dem Brustmuskel platziert.
- Submuskuläre Brustvergrößerung: Das Implantat wird unter dem Brustmuskel platziert. Diese Methode wird häufiger angewendet, kann aber zu stärkeren Schmerzen führen, da der Muskel gedehnt und möglicherweise teilweise abgetrennt werden muss.
Größe und Form des Implantats: Ein zu großes Implantat kann das umliegende Gewebe und die Nerven stark belasten.
Postoperative Faktoren: Blutergüsse, Schwellungen und Entzündungen im Operationsbereich können zusätzlichen Druck auf die Nerven ausüben.
Kapselfibrose: Eine Kapselfibrose ist eine häufige Komplikation, bei der sich um das Implantat eine Kapsel aus Narbengewebe bildet. Diese Kapsel kann sich zusammenziehen und Druck auf das Implantat und die umliegenden Nerven ausüben.
Symptome von Nervdruck durch Brustimplantate
Die Symptome, die durch den Druck eines Brustimplantats auf einen Nerv entstehen, können vielfältig sein:
- Schmerzen: Lokalisierte oder ausstrahlende Schmerzen im Brustbereich, die sich bei bestimmten Bewegungen oder Berührungen verstärken können.
- Druckgefühl: Ein unangenehmes Druckgefühl in der Brust, das sich bis in den Nacken oder Rücken ziehen kann.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Diese Empfindungsstörungen können in der Brustwarze, der Brust oder im umliegenden Bereich auftreten.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Schmerzen und Druck können die Beweglichkeit des Arms und der Schulter einschränken.
- Muskelverspannungen: Der Körper versucht, den Druck auszugleichen, was zu Verspannungen in der Brust-, Nacken- und Rückenmuskulatur führen kann.
Diagnose von Nervdruck durch Brustimplantate
Die Diagnose von Nervdruck durch Brustimplantate erfordert eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese. Der Arzt wird folgende Schritte unternehmen:
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Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich der Details zur Brustvergrößerung, der Art der Implantate und der aufgetretenen Symptome.
Körperliche Untersuchung: Abtasten der Brust, um Verhärtungen, Schwellungen oder Asymmetrien festzustellen. Überprüfung der Sensibilität in der Brustwarze und der umliegenden Haut.
Bildgebende Verfahren:
- Ultraschall: Kann Flüssigkeitsansammlungen (Serome) oder Veränderungen im Gewebe erkennen.
- Mammographie: Dient der Beurteilung des Brustgewebes und des Implantats.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Implantats, des umliegenden Gewebes und der Nervenstrukturen. Sie kann auch eine Ruptur des Implantats oder eine Kapselfibrose erkennen.
Ausschluss anderer Ursachen: Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, wie z.B. Muskelverspannungen, Entzündungen oder andere Erkrankungen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Nervdruck durch Brustimplantate
Die Behandlung von Nervdruck durch Brustimplantate hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Symptome ab. Es gibt verschiedene Optionen:
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Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
- Muskelrelaxantien: Zur Entspannung der verspannten Muskulatur.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, zur Lockerung der Muskulatur und zur Reduzierung des Drucks auf die Nerven.
- Manuelle Therapie: Kann helfen, Blockaden und Verspannungen im Bereich der Brustwirbelsäule und des Brustkorbs zu lösen.
- Kühlen: Vorsichtiges Kühlen des Operationsbereichs kann Schwellungen und Entzündungen reduzieren.
- Kompressions-BH: Das Tragen eines speziellen Kompressions-BHs unterstützt die Heilung und stabilisiert die Brust.
Operative Behandlung: Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation erforderlich sein.
- Kapsulotomie oder Kapsulektomie: Bei einer Kapselfibrose kann die Kapsel eingeschnitten (Kapsulotomie) oder vollständig entfernt (Kapsulektomie) werden, um den Druck auf das Implantat und die Nerven zu reduzieren.
- Implantatwechsel: Ein Austausch des Implantats gegen ein kleineres oder anders geformtes Implantat kann den Druck auf das Gewebe verringern.
- Implantatentfernung: In manchen Fällen ist die Entfernung des Implantats die einzige Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Dies kann insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn andere Komplikationen vorliegen oder die Patientin unter der sogenannten "Breast Implant Illness" (BII) leidet.
- Nervenentlastung: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv direkt zu entlasten.
Zusätzliche Behandlungen:
- Akupunktur: Einige Patientinnen berichten von einer Linderung der Schmerzen und Verspannungen durch Akupunktur.
- Entspannungstechniken: Stress und Anspannung können die Schmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, die Beschwerden zu lindern.
Brustimplantat-Krankheit (BII)
Die "Breast Implant Illness" (BII) ist ein Begriff, der eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen beschreibt, die bei manchen Frauen nach dem Einsetzen von Brustimplantaten auftreten. Die Symptome können diffus sein und von Haarausfall und Depressionen bis hin zu Schüttelfrost und Hautausschlägen reichen. Obwohl die BII noch nicht als offizielle Krankheit anerkannt ist, sollten betroffene Frauen ihre Symptome ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Die Entfernung der Implantate kann in manchen Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden führen.
Die Wahl des richtigen Chirurgen und die Bedeutung der Nachsorge
Die Wahl eines erfahrenen und qualifizierten Chirurgen ist entscheidend für den Erfolg einer Brustvergrößerung und die Minimierung von Komplikationen. Ein guter Chirurg wird die individuellen anatomischen Gegebenheiten der Patientin berücksichtigen, die richtige Implantatgröße und -form auswählen und die Operation schonend durchführen.
Auch die Nachsorge spielt eine wichtige Rolle für einen optimalen Heilungsverlauf. Die Patientin sollte die Anweisungen des Arztes genau befolgen, sich ausreichend Ruhe gönnen, einen Kompressions-BH tragen und auf Alkohol und Nikotin verzichten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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