Nervreizung durch Brustimplantat: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Brustimplantate sind ein gängiger Eingriff zur Brustvergrößerung oder -rekonstruktion. Obwohl sie im Allgemeinen sicher sind, können sie in einigen Fällen zu Nervenreizungen und anderen Komplikationen führen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Nervenreizungen durch Brustimplantate, die Symptome, die auftreten können, und die verschiedenen Behandlungsansätze.

Einführung

Viele Patientinnen beschreiben ihre Erfahrungen mit der sogenannten "Breast Implant Illness" (BII) ähnlich: "Ich war ständig müde, hatte Gelenk- und Muskelschmerzen und konnte mich auf nichts konzentrieren. Mein Herz raste, mein linker Arm fühlte sich häufig pelzig an … Es waren so viele Symptome! Aber ich bin lange nicht auf die Idee gekommen, dass meine Brustimplantate dahinterstecken könnten." Es ist wichtig, diese Beschwerden ernst zu nehmen und die möglichen Ursachen zu verstehen.

Was ist die Breast Implant Illness (BII)?

Die Breast Implant Illness (BII), auch bekannt als ASIA-Syndrom (Autoimmune Syndrome Induced by Adjuvants) oder SSBI (Systemic Symptoms Associated with Breast Implants), ist keine offizielle Diagnose, sondern ein Sammelbegriff für diverse unspezifische Symptome, die im Zusammenhang mit Silikon-Brustimplantaten auftreten können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die BII bisher nicht als eigenständige Erkrankung klassifiziert, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht existiert. Vielmehr liegt es an der mangelhaften Forschungslage.

Symptome der BII

Die Symptome der BII sind vielfältig und können von Frau zu Frau unterschiedlich sein. Häufig genannte Beschwerden sind:

  • Erschöpfung (Fatigue)
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Angstzustände und Depressionen
  • Herzrasen
  • Taubheitsgefühle
  • Hautausschläge
  • Migräne
  • Hormonelle Beschwerden

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Daher ist eine gründliche Diagnostik unerlässlich, um andere Ursachen auszuschließen.

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Diagnostik der BII

Es gibt kein spezifisches Testverfahren, um die BII eindeutig nachzuweisen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Ausschluss anderer möglicher Ursachen. Ein erfahrener Arzt wird die Patientin ernst nehmen, ihre Beschwerden verstehen und eine umfassende Anamnese erheben. Gegebenenfalls werden Laborwerte analysiert, um bestimmte Störungen nachzuweisen oder auszuschließen.

Nervreizung durch Brustimplantate: Ursachen

Neben der BII können Brustimplantate auch direkt Nervenreizungen verursachen. Dies kann verschiedene Ursachen haben:

  1. Direkte Nervenschädigung während der Operation: Bei der Implantation können Nerven im Operationsgebiet verletzt werden. Der Chirurg sollte die Operation so durchführen, dass die Nerven so weit wie möglich geschont werden.
  2. Druck auf Nerven: Das Implantat kann Druck auf umliegende Nerven ausüben, insbesondere wenn es zu groß ist oder falsch platziert wurde. Überdimensionierte Implantate, eine Kapselkontraktur sowie Reizungen aufgrund übermäßiger Implantatbewegung können Schmerzen hervorrufen.
  3. Kapselfibrose: Die Bildung einer Kapsel aus Narbengewebe um das Implantat (Kapselfibrose) kann ebenfalls Druck auf Nerven ausüben und zu Schmerzen führen. Eine Überreaktion des Körpers führt dann zu einer Kapselfibrose. Als mögliche Ursachen für die Ausbildung einer Kapselfibrose werden Entzündungen diskutiert, die von einer Bakterienbesiedlung auf dem Brustimplantat ausgelöst werden.
  4. Verschiebung der Implantate: Im Laufe der Jahre können sich Implantate verschieben oder ihre Position verändern, was zu Schmerzen und einem unnatürlichen Aussehen führen kann.
  5. Entzündungen und Infektionen: Entzündungen oder Infektionen im Bereich des Implantats können ebenfalls Nervenreizungen verursachen.

Symptome einer Nervreizung

Die Symptome einer Nervreizung durch Brustimplantate können vielfältig sein und umfassen:

  • Schmerzen: An der operierten Stelle sowie im Brustmuskel, in der Schulter oder im Arm.
  • Taubheitsgefühle: In der Brust, den Brustwarzen oder anderen Bereichen des Oberkörpers.
  • Kribbeln oder Brennen: In den betroffenen Bereichen.
  • Eingeschränkte Sensibilität: Verminderte oder veränderte Empfindung in der Brust.
  • Muskelschwäche: In den Armen oder der Brustmuskulatur.

Diagnose von Nervreizungen

Um die Ursache der Nervreizung zu bestimmen, sind verschiedene Untersuchungen möglich:

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Brust abtasten und auf Verhärtungen, Schwellungen oder andere Auffälligkeiten untersuchen.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall, Mammographie oder MRT können eingesetzt werden, um das Implantat und das umliegende Gewebe zu beurteilen und mögliche Komplikationen wie Kapselfibrose, Ruptur oder Verschiebung zu erkennen.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Nervenschädigung kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.

Behandlung von Nervreizungen

Die Behandlung von Nervreizungen durch Brustimplantate richtet sich nach der Ursache der Beschwerden:

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  • Konservative Therapie: Bei leichten Beschwerden können Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Massagen und Physiotherapie helfen, die Symptome zu lindern. In der Anfangsphase können regelmäßige Massagen und Krankengymnastik dazu beitragen, dass die Nerven schneller heilen, da die Durchblutung des Gewebes gefördert wird.
  • Chirurgische Intervention: In vielen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache der Nervreizung zu beheben. Dies kann beispielsweise die Entfernung oder der Austausch des Implantats, die Korrektur einer Kapselfibrose oder die Behebung einer Nervenkompression umfassen.

Explantation

Wenn Brustimplantate unerwünschte „Nebenwirkungen“ haben, kann eine Explantation der Implantate ein erster Schritt sein, der manchmal jedoch nicht der letzte ist. Patientinnen sowie Ärzte berichten immer wieder von einer Besserung der Symptome nach einer Explantation der Silikon-Implantate. Es kann jedoch sein, dass die Anzeichen auch ohne Implantate zumindest teilweise fortbestehen. In diesem Fall gilt es, ein möglichst individuelles Therapiekonzept zu erstellen.

Kapselfibrose Behandlung

Bei einer Kapselfibrose kann eine Kapsulektomie (Entfernung der Kapsel) oder eine Kapsulotomie (Einschnitt in die Kapsel) erforderlich sein, um den Druck auf die Nerven zu reduzieren. Bei leichten Verformungen kann es ausreichen, die Kapsel teilweise zu entfernen. Minimalinvasive Schnitte der Kapsel sorgen dafür, dass sich das Implantat wieder ausdehnen kann. Bei schwereren Formen ist eine Entfernung der Kapsel samt Implantat notwendig. Während derselben Operation kann ein neues Implantat eingesetzt werden. Wenn Sie kein neues Implantat möchten, ist auch eine Bruststraffung denkbar, um das gedehnte Gewebe zu entfernen und der Brust eine schöne Form zu verleihen.

Persönliches Gesundheitsmanagement

Da die Symptome sehr unterschiedlich sind, gibt es nicht die „eine“ Therapie gegen BII. Vielmehr bemühen wir uns, Ihr Krankheitsbild im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs zu verstehen. Daraufhin entwickeln wir ein maßgeschneidertes Therapiekonzept, das Schulmedizin und auf Wunsch auch Naturheilkunde einbezieht.

Spezifische Behandlung bei Folgeerkrankungen

Haben Sie Hashimoto, eine Allergie oder eine andere Folgeerkrankung entwickelt, erhalten Sie eine zielgerichtete Therapie etwa im Rahmen der Hyposensibilisierung oder einer Hormontherapie.

Mikronährstofftherapie

Wir haben unter anderem bei Fatigue gute Erfahrungen mit der orthomolekularen Medizin gemacht. Ein gezielter Infusionsmix mit hochdosierten Mikronährstoffen kann helfen, den Energiestoffwechsel anzutreiben. Neurotransmitter wie GABA oder Serotonin können in bestimmten Fällen außerdem neurologische Leiden lindern.

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Überweisung an andere Fachärzte

Hautausschläge, Lähmungserscheinungen oder andere Symptome können die Untersuchung oder Behandlung bei bestimmten Fachärzten erforderlich machen. Wir verfügen über ein langjähriges erprobtes Netzwerk und organisieren zeitnahe Termine.

Langfristige Begleitung

Nicht immer lässt sich eine BII heilen. In diesem Fall passen wir die Behandlung regelmäßig an Ihre aktuelle Situation an. Verein können sich Betroffene außerdem mit anderen Frauen vernetzen.

Weitere mögliche Komplikationen nach Brustimplantation

Neben Nervreizungen und Kapselfibrose gibt es weitere mögliche Komplikationen, die nach einer Brustimplantation auftreten können:

  • Implantatruptur: Ein Riss in der Implantathülle, der zu einem Austreten des Füllmaterials (Silikon oder Kochsalzlösung) führen kann.
  • Serome: Ansammlung von seröser Flüssigkeit um das Implantat herum, die zu Schmerzen und Schwellungen führen kann.
  • Infektionen: Können sich als Fieber und/oder Entzündung äußern.
  • Brustimplantat-assoziiertes anaplastisches großzelliges Lymphom (BIA-ALCL): Eine seltene Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, die im Zusammenhang mit Brustimplantaten auftreten kann.
  • Brustimplantat assoziierte Plattenepithelkarzinom (BIA-SCC): ein seltenes, aber potenziell aggressives Plattenepithelkarzinom der Brust, das in der Kapsel von Silikon- und Kochsalzsilikonimplantaten seinen Ursprung hat.

Brustkrebsrisiko

Die verfügbaren umfangreichen Studien zeigen, dass Frauen mit Brustimplantaten keinem höheren Brustkrebsrisiko ausgesetzt sind als Frauen ohne Brustimplantate. Es ist wichtig, dass Sie alle üblichen Brustuntersuchungen wie die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust, die jährliche Vorsorgeuntersuchung bei Ärzt:innen und mögliche Bildgebungsverfahren zur Früherkennung von Brustkrebs wahrnehmen.

Vorbeugung von Komplikationen

Um das Risiko von Komplikationen nach einer Brustimplantation zu minimieren, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Sorgfältige Auswahl des Chirurgen: Wählen Sie einen erfahrenen und qualifizierten plastischen Chirurgen, der sich mit Brustimplantationen auskennt. Dr. Bauer macht wohl seit über 25 Jahren ausschließlich Brustchirurgie, was mich ebenfalls sehr von ihm überzeugt hat. Er macht die perfekte individuelle Beratung & achtet ganz klar darauf, dass das Ergebnis natürlich und passend zur Patientin wird.
  • Realistische Erwartungen: Besprechen Sie Ihre Erwartungen und Wünsche ausführlich mit dem Chirurgen und lassen Sie sich realistisch beraten.
  • Sorgfältige Operationsplanung: Der Chirurg sollte die Operation sorgfältig planen und die richtige Implantatgröße und -position auswählen, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren. Es sollte möglichst atraumatisch und schonend operiert werden, größere Blutungen sollten vermieden werden.
  • Steriles Arbeiten: Es muss immer zu 100 % steril gearbeitet werden. Die Implantate dürfen immer nur mit neuen, sterilen Handschuhen angefasst werden, es wird vor der Implantation erneut desinfiziert und die Implantathöhlen sorgsam ausgespült.
  • Antibiotika: Während der Operation wird ein Antibiotikum intravenös verabreicht.
  • Postoperative Nachsorge: Befolgen Sie die Anweisungen des Chirurgen zur postoperativen Pflege und Nachsorge, um eine optimale Heilung zu gewährleisten. Postoperativ ist eine Ruhigstellung in einem Kompressions-BH ggf. sinnvoll.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Nehmen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Chirurgen wahr, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Empfindungsverlust der Brüste

Einige Frauen berichten nach einer Brust-OP über Empfindungsverlust der Brust. Zwar ist dies grundsätzlich möglich, berichtet Dr. Patrick Bauer, aber lediglich in den Fällen, in dem die Patientin ein überdimensional großes Implantat für Ihre Brustvergrößerung wählt. Bei der Bruststraffung oder der Brustverkleinerung kommen Sensibilitätsstörungen schon öfter vor, sind aber meistens nur vorübergehend. Durch den geringeren Durchmesser dieser Implantatgrößen ist der Bereich des Operationsgebietes, der von Nervensträngen durchzogen wird, wesentlich kleiner. Es kommt sehr selten vor, dass Sie bei einer Brustvergrößerung mit Implantaten nichts mehr in Ihrer Brust empfinden. Zwei bis drei von tausend Patientinnen klagen nach der Brustoperation über bleibende Empfindungsverluste. Oftmals liegt hier wiederum der Fall vor, dass in diesen Fällen überdurchschnittlich große Implantate gewünscht wurden oder es sich um eine Bruststraffung bzw. -verkleinerung handelte. Kleinere Empfindungsstörungen gehören jedoch im Narbenbereich dazu.

Um den Gefühlsverlust nach einer Brustimplantation zu verringern, sind vor und nach der Operation einige wichtige Faktoren zu beachten. Erstens kann die Wahl des richtigen Prothesentyps und der richtigen Operationstechnik dazu beitragen, die Schädigung der Nerven zu minimieren. Es ist auch sehr wichtig, während des Heilungsprozesses die Empfehlungen des Arztes zu befolgen, z. B. übermäßige Bewegungen zu vermeiden und keinen direkten Druck auszuüben. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und ein frühzeitiges Eingreifen im Falle von Komplikationen können das Risiko eines dauerhaften Gefühlsverlusts verringern.

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