Die 18. Schwangerschaftswoche markiert einen bedeutenden Zeitpunkt in der Entwicklung des ungeborenen Kindes, insbesondere im Hinblick auf die Gehirnentwicklung. In dieser Phase werden wichtige Grundlagen für die zukünftigen kognitiven Fähigkeiten gelegt.
Entwicklung des Babys in der 18. SSW
In der 18. Schwangerschaftswoche ist das Baby etwa so groß wie eine Avocado, etwa 14 cm lang und wiegt rund 190 Gramm. Die Hände und Füße sind bereits vollständig entwickelt und weisen sogar winzige, weiche Nägel auf. Das Baby kann seine Hände zum Greifen benutzen, beispielsweise nach der Nabelschnur. Auch das Nuckeln am Daumen wird immer häufiger. Mit den Beinchen tritt es, berührt die Wand der Gebärmutter und betastet die Nabelschnur. All diese Bewegungen versorgen sein Gehirn mit den Sinneseindrücken, die es zur Entwicklung braucht.
Die Gehirnentwicklung im Detail
Frühe Phasen der Gehirnentwicklung
Die Entwicklung des Gehirns beginnt bereits sehr früh in der Schwangerschaft, etwa um den 18. Tag, mit der Abschnürung des Neuralrohrs. Dieses Neuralrohr ist der Vorläufer des Rückenmarks und des Gehirns. Am vorderen Ende des Neuralrohrs bilden sich drei Ausstülpungen, die als Hirnbläschen bezeichnet werden. Aus diesen Hirnbläschen entwickeln sich später die verschiedenen Hirnstrukturen.
Zellteilung und Differenzierung
Die Entwicklung des Organismus beginnt mit zahlreichen Zellteilungen. Aus der befruchteten Eizelle entsteht die Morula, dann die Blastula. In ihr finden sich die Zellen zusammen, aus denen der Embryo entsteht.
Neuronen und Synapsen
Das Gehirn ist die komplexeste Struktur, die wir kennen: Rund 86 Milliarden Nervenzellen, verbunden in einem einzigartigen Muster durch Billionen Synapsen. Bis es ausgereift ist, dauert es Jahre. Wachstumsfaktoren und Nachbarzellen leiten die Neuronen an ihren Platz im Gehirn. Neuronen und Synapsen werden zuerst in viel zu großer Zahl gebildet, nur die stabilsten bleiben bestehen. So stellt sich das Gehirn auf seine Umwelt ein.
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Radiale Gliazellen
Bei der Entwicklung des Gehirns spielt eine besondere Art von Gliazellen eine wichtige Rolle, die radialen Gliazellen. Radiale Gliazellen entstehen zu Beginn der Neurogenese aus den Epithelzellen des Neuralrohrs. Als „Progenitorzellen“ stehen sie zwischen den Stammzellen und den ausdifferenzierten Zellen: Sie können einige, aber nicht alle Zellarten hervorbringen, wie Studien zeigen. Ein Teil der radialen Gliazellen erzeugt andere Arten von Gliazellen, darunter die Oligodendrozyten, die Isolierhüllen der Axone, und die Astrozyten, die erst als Wegweiser und später unter anderem als Ernährer der Neurone wirken. Ein anderer Teil aber generiert bei der Teilung die Neuronen selbst. Im späten Entwicklungsstadium des Embryos und nach der Geburt haben sich die meisten radialen Gliazellen zu anderen Zellformen ausdifferenziert.
Die Rolle der Sinneseindrücke
Die Bewegungen des Babys in der 18. SSW, wie das Treten, Berühren der Gebärmutterwand und Betasten der Nabelschnur, sind entscheidend für die Gehirnentwicklung. Diese Aktivitäten liefern dem Gehirn wichtige Sinneseindrücke, die es zur Entwicklung benötigt.
Die Bedeutung der Neurulation
Die Zellen des Embryoblast falten sich zu den drei Keimblättern Endoderm, Mesoderm und Ektoderm. Aus dem Endoderm entstehen später die inneren Organe, aus dem Mesoderm Knochen, Muskeln und Bindegewebe. Aus dem Ektoderm entsteht die Haut - und, in einem Prozess namens Neurulation, das zentrale Nervensystem samt Gehirn.
Entwicklung der Hirnstrukturen
Nach sechs Wochen entstehen die Anlagen zu Hirnstrukturen wie Brücke und Kleinhirn, Thalamus, Basalganglien und Großhirnrinde. In der neunten Woche beginnt das Rückenmark, erste Bewegungen zu steuern. Nach drei Monaten hat der Fetus gut ausgebildete Strukturen im Mittel- und Hinterhirn, aber seine Großhirnrinde ist noch glatt und undifferenziert. Erst um die 24. Woche bilden sich die ersten Furchen, wie sie für das menschliche Gehirn typisch sind.
Neuronale Wanderung und Spezialisierung
Die jungen Neuronen entstehen aus Stammzellen in einer Gewebeschicht des Neuralrohrs. Von dort wandern sie an ihre Zielorte im Gehirn und beginnen bereits während dieser Wanderung, sich für ihre Aufgabe zu spezialisieren: in Sehzellen etwa oder Riechzellen. Was ihre Aufgabe sein wird, hängt von ihrer Entstehungszeit und von chemischen Faktoren in ihrer Umgebung ab. Zuerst entstehen die inneren Schichten des Großhirns, die jüngeren Zellen wandern an den älteren vorbei und bilden die weiter außenliegende Schicht. Dabei nutzen sie radiale Gliazellen als eine Art Geländer, an dem sie sich entlanghangeln.
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Synaptische Verbindungen und Myelinisierung
Ist ein Neuron an seinem Platz angekommen, muss es sich mit seiner Zielregion verbinden. Dazu streckt es einen „Arm“ aus, einen Neuriten, an dessen Spitze ein Wachstumskegel sitzt. Hat der Wachstumskegel sein Ziel erreicht, ist das Neuron noch längst nicht fertig. Tatsächlich führt die massenhafte Produktion von Neuronen im Gehirn des Embryos dazu, dass es zeitweise viel zu viele Neurone gibt. Sie konkurrieren miteinander: Nur die mit den stabilsten Verbindungen bleiben bestehen. Ein Großteil der erfolgreichen Axone wird später von Oligodendrozyten umkleidet. Diese so genannte Myelinisierung beginnt in den ältesten Strukturen des Gehirns, dem Hirnstamm, und setzt sich bis in die jüngsten fort. Sie isolieren die Axone von den Vorgängen in ihrer Umgebung und ermöglichen eine bis zu hundert Mal schnellere Weiterleitung der elektrischen Impulse, mit denen die Zellen kommunizieren.
Die Bedeutung der frühen Entwicklung
Die ersten 1.000 Tage, also die Zeit nach der Befruchtung bis zum zweiten Geburtstag, sind besonders wichtig, da hier die Grundlage für die weitere Gehirnentwicklung festgelegt wird. Von einem “fertigen” Gehirn spricht man erst nach 20 Jahren.
Was die Mutter in der 18. SSW beachten sollte
Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung der Mutter ist entscheidend für die gesunde Entwicklung des Gehirns des Babys. Dazu gehören ausreichend Obst, Gemüse, Ballaststoffe und Eisen. Auf bestimmte Lebensmittel wie rohes Fleisch, Rohmilchprodukte, rohe Eier und rohen Fisch sollte verzichtet werden, da diese Bakterien enthalten können, die die Gesundheit des Kindes gefährden.
Vermeidung von Schadstoffen
Während der gesamten Schwangerschaft sind die neuronalen Strukturen äußerst empfindlich und damit anfällig gegenüber äußeren Einflüssen. Alkoholkonsum, Rauchen, Strahlung, Jodmangel und bestimmte Erkrankungen der Mutter, wie beispielsweise Infektionskrankheiten, können zu einer Schädigung des sich entwickelnden Nervensystems führen. Auch Medikamente sollten nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden, um eventuelle negative Auswirkungen auf den Embryo zu verhindern.
Bewegung und Sport
Ein weiterer wichtiger Entwicklungskatalysator stellt das natürliche Bewegen und Sport treiben dar. Dies aktiviert nicht nur das Muskelsystem, sondern den gesamten Stoffwechsel, vor allem den Hirnstoffwechsel.
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Emotionale Ausgeglichenheit
Alles, was die Mutter erlebt, erlebt auch der Fötus. Emotionale Erlebnisse können das Ungeborene beeinflussen und auch Stressreaktionen auslösen. Daher ist es wichtig, Stress zu vermeiden und für Ruhe und Entspannung zu sorgen.
Schlaf und Ruhephasen
Vor allem Ruhe und Schlaf sind für die Entwicklung eines gut balancierten Gehirns extrem wichtig. In Ruhephasen erhalten die Nervenfasern eine Isolationsschicht, die für ihre Funktionalität entscheidend ist.
Weitere Entwicklungen in der 18. SSW
Wahrnehmung und Sinne
Der Hörsinn des Ungeborenen entwickelt sich ca. ab der 18. Schwangerschaftswoche. Schon im Mutterleib nimmt das Gehirn des Ungeborenen Informationen auf. So geht man davon aus, dass durch das Wahrnehmen der Sprache der Eltern das Erlernen der Muttersprache schon vor der Geburt geprägt wird.
Körperliche Veränderungen der Mutter
In der 18. SSW verspüren manche Schwangere zum ersten Mal ein federleichtes Blubbern, Stupsen oder Flattern im Bauch - ein aufregender Moment! Es ist aber auch ganz normal, wenn sich das Baby mit solchen „Anwesenheitsbeweisen“ noch bis zur 20. oder auch 22. Woche Zeit lässt. Erfahrene Mütter, die schon das zweite oder dritte Baby erwarten, tun sich naturgemäß etwas leichter, die winzigen Tritte und Stöße in der 18. SSW im Bauch von Darmbewegungen zu unterscheiden.
Sodbrennen
Rund die Hälfte aller schwangeren Frauen leidet im zweiten Schwangerschaftstrimester unter Sodbrennen. Dagegen helfen kleinere, fettarme Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt. Auch gut: Haselnüsse oder Mandeln langsam zerkauen. Das bindet überschüssige Magensäure. Falls du besonders nachts von Sodbrennen geplagt wirst, stell das Kopfende deines Bettes höher oder nimm ein dickeres Kopfkissen.
Finanzielle Planung
Ab und zu plagen dich die Gedanken, ob ihr euch ein Kind finanziell überhaupt leisten könnt? Vielleicht ist es ganz gut, frühzeitig einen Finanzplan zu erstellen. Damit könnt ihr dann gemeinsam abschätzen, welche Kosten vor und nach der Geburt auf euch zukommen und wo ihr vielleicht ein bisschen sparen könnt.
Ultraschall in der 18. SSW
Die 18. Schwangerschaftswoche ist ein üblicher Zeitpunkt für einen der detaillierten Ultraschall-Scans, die während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Diese Untersuchung bietet deiner Gynäkologin die Möglichkeit, die Entwicklung deines Babys genau zu überwachen und verschiedene Gesundheitsaspekte zu prüfen. Dabei nutzt der Ultraschall hochfrequente Schallwellen, die von einem speziellen Gerät erfasst und in hochauflösende Bilder umgewandelt werden. Es wird die Gebärmutter, Plazenta, Nabelschnur, Fruchtblase und das Fruchtwasser detailliert betrachtet. Das Ultraschallbild zeigt nicht nur die Position und Größe des Babys, sondern auch vitale Aspekte wie Herzschlag, Bewegungen und manchmal sogar Gesichtsausdrücke.