Brustmuskelschmerzen bei Frauen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Brustschmerzen sind ein weit verbreitetes Symptom bei Frauen und können viele verschiedene Ursachen haben. Obwohl sie oft Anlass zur Besorgnis geben, sind sie in den seltensten Fällen ein Anzeichen für Brustkrebs. Die Schmerzen können sich unterschiedlich äußern, von Spannungsgefühlen und Berührungsempfindlichkeit bis hin zu starken Schmerzen, die die Lebensqualität, den Schlaf und die sexuelle Gesundheit beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Ursache der Brustschmerzen zu ermitteln, um die richtige Behandlung zu finden.

Ursachen von Brustmuskelschmerzen

Der Brustkorb ist eine komplexe Struktur, die aus Organen, Muskeln, Rippen und Brustdrüsengewebe besteht. Schmerzen im Brustbereich können daher viele Ursachen haben. Einige Anzeichen können Hinweise darauf geben, was die Ursache für die Brustschmerzen ist.

Zyklusabhängige Mastodynie

Viele Frauen erleben Brustschmerzen im Zusammenhang mit dem hormonellen Zyklus. Diese Schmerzen der weiblichen Brust sind durch hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus bedingt. Häufig treten die Beschwerden in der Woche vor dem Einsetzen der Blutungen, der sogenannten Lutealphase, auf und verschwinden vor oder zu Beginn der Menstruation. Sie werden durch die Vermehrung des Brustdrüsengewebes sowie durch Flüssigkeitseinlagerungen unter dem Einfluss des Hormons Progesteron verursacht und sind ein mögliches Symptom des Prämenstruellen Syndroms (PMS). Meist handelt es sich dabei um diffuse Brustschmerzen beidseitig, in den oberen äußeren Quadranten der Brüste. Zwei Drittel der Patientinnen mit Brustschmerzen leiden unter zyklusabhängiger Mastodynie.

Zyklusunabhängige Mastodynie

Rund ein Drittel der Patientinnen mit Brustschmerzen leiden unter zyklusunabhängiger Mastodynie. Die Schmerzen treten in der weiblichen Brust einseitig oder beidseitig auf, konstant oder schubweise. Es kommen unterschiedliche Ursachen in Frage:

  • Große Brüste: Sehr große, hängende Brüste können aufgrund der starken Dehnung Schmerzen in den Brüsten verursachen. Zusätzlich treten oft Nacken-, Rücken- und Schulterschmerzen sowie Kopfschmerzen auf.
  • Hormonersatztherapie: Bis zu ein Drittel der Frauen, die in den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie erhalten, leidet unter nichtzyklischen Brustschmerzen, die spontan auftreten und abklingen können.
  • Gutartige Knoten in der Brust: Einzelne Zysten in der Brust können zu Brustschmerzen führen, vor allem wenn sie schnell wachsen.
  • Mastitis: Eine Entzündung der Brustdrüse äußert sich typischerweise durch eine schmerzhaft geschwollene, gerötete Brust und Fieber. Meist tritt diese bakterielle Entzündung der Brust zu Beginn der Stillzeit auf, sie kann aber auch in seltenen Fällen bei Frauen außerhalb der Stillzeit auftreten. Dann ist immer auch ein bösartiger Prozess auszuschließen. Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Milchstau oder eitrige Milch können weitere Symptome einer Mastitis sein. Es ist wichtig, durch regelmäßiges Stillen und eine vollständige Entleerung der Brust einem Milchstau vorzubeugen, damit es gar nicht erst zu einer bakteriellen Besiedelung kommt.

Extramammäre Schmerzen

Seltener sind Erkrankungen, die nicht von der Brust ausgehen, Ursache für Brustschmerzen - die sogenannten extramammären Schmerzen. Grund für die Schmerzen ist dann zum Beispiel eine Nervenreizung im Bereich der Brust oder der Brustwand, eine Wirbelsäulenerkrankung, ein Trauma oder eine Vernarbung. Auch Erkrankungen der Galle, der Lunge, der Speiseröhre oder des Herzens können Brustschmerzen verursachen.

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Muskelverspannungen und das Brustwandsyndrom

Muskelverspannungen im Brustbereich können ebenfalls zu Schmerzen führen. Zu hohe muskulär-fasziale Spannungen können sich auch beim Atmen bemerkbar machen: Der Brustmuskel, die Zwischenrippenmuskeln und das Zwerchfell bewegen sich bei der Atmung. Der Brustkorb verläuft wie eine knöcherne Rüstung um den ganzen Oberkörper herum. Vor allem Fehlhaltungen in der Wirbelsäule machen sich oft vorne und hinten bemerkbar. Vom vielen Sitzen wird die Körpervorderseite eher eng und das Gewebe unnachgiebig. Wenn dann ein Rundrücken entsteht, muss die Rückenmuskulatur stärker anspannen, um den Körper aufrecht zu halten.

Das Brustwandsyndrom ist eine häufige Ursache für Brustschmerzen, die von Muskeln, Rippen oder Gelenken im Brustbereich ausgehen können. Es kommt durch Muskelverspannungen im Brustbereich zu meist eher stechenden Schmerzen. Diese sind oft auslösbar, indem man an der schmerzenden Stelle von außen auf den Brustkorb drückt.

Weitere Ursachen

  • Infektionen: Bei einer Virusinfektion arbeitet das Immunsystem auf vollen Touren, wodurch die Schmerzwahrnehmung im menschlichen Körper erhöht werden kann. Studien zeigen, dass nach einer milden Corona-Infektion neben Kopf- und Gesichtsschmerzen auch Brustschmerzen auftreten können. Da das Corona-Virus oft die Lunge angreift, kann es bei schwereren Verläufen zu Kurzatmigkeit, Lungenentzündungen und in seltenen Fällen zu einem Lungenversagen kommen. Auch entzündetes Lungengewebe wie bei einer Bronchitis kann schmerzen.
  • Erkrankungen der Speiseröhre: Durch Erkrankungen der Speiseröhre kann es zu Brustschmerzen kommen. Schmerzen hinter dem Brustbein mit Druckgefühl und Schluckbeschwerden können durch eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) hervorgerufen werden.
  • Hormonelle Veränderungen: Schmerzen in der Brustwarze sind meistens hormonell bedingt. Während der Schwangerschaft und Stillzeit verändert sich die Brust und das kann schmerzhaft sein.
  • Herzerkrankungen: Bei Herzerkrankungen und Lungenerkrankungen ist die Atmung erschwert, weil entweder das Herz nicht genug Sauerstoff bekommt oder weil der Gasaustausch in der Lunge nicht richtig funktioniert.
  • Psychische Ursachen: Angststörungen oder Depressionen zum Beispiel können sich auch körperlich als Brustschmerzen äußern. Ärztinnen oder Ärzte werden daher nicht nur nach körperlichen Gründen für Brustschmerzen suchen, sondern auch psychische Auslöser, wie Ängste oder Stress, berücksichtigen.
  • Gürtelrose: Bei der Gürtelrose (Herpes zoster) kommt es typischerweise zu einem einseitigen, schmerzhaften, gürtelförmigen Hautausschlag aus Rötungen und Bläschen. Die Schmerzen können dem Hautausschlag vorausgehen. Manche Betroffene haben Schmerzen, es fehlen jedoch alle Anzeichen auf der Haut. Auslöser für die Gürtelrose ist das Windpocken-Virus, das nach einer Infektion im Körper verbleibt und reaktiviert wird. Eine zeitnahe Untersuchung und Behandlung ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Schmerzen am Brustmuskel: Schmerzen am Brustmuskel können diverse Ursachen haben. Diese reichen von Überbelastung durch Sport bis hin zum Tietze-Syndrom. Allerdings können sie möglicherweise ein Hinweis für eine Angina pectoris sein.

Symptome von Brustmuskelschmerzen

Die Symptome von Brustmuskelschmerzen können je nach Ursache variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Schmerzen: Die Schmerzen können sich unterschiedlich anfühlen, etwa drückend, ziehend, reißend, stechend oder brennend. Sie können im vorderen und seitlichen Brustkorbbereich auftreten, aber auch in angrenzende Körperregionen ausstrahlen, zum Beispiel in Rücken, Hals oder Kiefer, in die Arme oder die Magengegend.
  • Druckempfindlichkeit: Akut verspannte Muskeln im Brustraum sind oft druckempfindlich und verhärtet. Eine dauerhaft zu hohe Spannung in der Muskulatur kann sich über ein Brennen und Ziehen äußern. Betroffene haben außerdem das Gefühl, dass ihr Brustkorb zu eng ist und die Schultern nach vorne gezogen werden.
  • Atembeschwerden: Wenn Faszien und Muskulatur wie beim Brustwandsyndrom eine zu hohe Spannung aufweisen, kann das Atmen unangenehm sein oder als erschwert empfunden werden. Wer dauerhaft eine unelastische Muskulatur in der Brust hat, leidet häufiger unter einer flachen Atmung. Bei einer akuten Verspannung in der Muskulatur kann jeder Atemzug ein unangenehm stechendes Gefühl auslösen.
  • Schwellung und Blutergüsse: Gerade bei Verletzungen ist eine Schwellung, einhergehend mit einem Bluterguss, häufig.
  • Bewegungseinschränkungen: Aufgrund von Schmerzen und Schwellungen kann es zu Einschränkungen bei der Bewegung des Armes oder auch der Schulter kommen.
  • ** vegetative Symptome:** Auch Angst und vegetative Symptome wie Schwitzen können bei Angina pectoris und psychosomatischen Erkrankungen auftreten.

Diagnose von Brustmuskelschmerzen

Um die Ursache der Brustschmerzen zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine Anamnese erheben und Sie körperlich untersuchen. Dabei wird er Ihnen Fragen zu Ihren Beschwerden stellen, wie zum Beispiel:

  • Wo genau treten die Schmerzen auf?
  • Wie fühlen sich die Schmerzen an?
  • Seit wann haben Sie die Schmerzen?
  • Treten die Schmerzen in bestimmten Situationen auf?
  • Haben Sie weitere Beschwerden?

Anschließend wird der Arzt Ihren Brustkorb abtasten und abhören. Je nach Verdacht kann er weitere Untersuchungen veranlassen, wie zum Beispiel:

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  • EKG (Elektrokardiogramm): Um Herzerkrankungen auszuschließen.
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Um Erkrankungen der Lunge oder des Brustkorbs zu erkennen.
  • Ultraschalluntersuchung der Brust: Um Veränderungen im Brustgewebe zu beurteilen.
  • MRT (Magnetresonanztomographie) des Brustmuskels: Ein MRT vom Brustmuskel kann in einigen Situationen nötig werden, wird jedoch nicht als Mittel erster Wahl bei Schmerzen im Brustmuskel verwendet. Ein MRT ist besonders gut geeignet, um Weichteilstrukturen wie Muskeln, Sehnen und Bänder darzustellen. Bei Verdacht auf Verletzungen in diesen Geweben kann ein MRT sinnvoll sein. Auch bei komplexeren Verletzungen wie Muskelfaserrissen oder Sehnen- und Bänderverletzungen kann ein MRT wichtige Details liefern.
  • EMG (Elektromyographie): Bei Lumedis in Frankfurt können wir Ihnen ein EMG als diagnostische Untersuchung anbieten. EMG steht für Elektromyographie und es werden Elektroden in die Haut eingeführt und über diese kann die Muskelantwort auf Nervenstimulation gemessen werden. Somit können wir die elektrische Aktivität der Muskeln messen.

Behandlung von Brustmuskelschmerzen

Die Behandlung von Brustmuskelschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Allgemeine Maßnahmen

  • Schmerzlinderung: Bei leichten Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Auch entzündungshemmende Gele können die Schmerzen lindern.
  • Kühlung: Bei akuten Schmerzen kann es helfen, die Brust mit Kühlpads oder -kompressen zu kühlen.
  • Wärme: Bei Muskelverspannungen kann Wärme helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Entspannung: Stress und Angst können Brustschmerzen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Anpassung des BHs: Ein bügelfreier BH, der die Brust komprimiert, aber nicht einschnürt, verschafft vielen Frauen Linderung. Oft hilft es, den BH auch nachts zu tragen.

Spezifische Behandlungen

  • Zyklusabhängige Brustschmerzen: Manche Frauen berichten von einer positiven Wirkung auf die Beschwerden durch Mönchspfeffer. Dafür ist eine regelmäßige Einnahme erforderlich. Die Wirkung ist jedoch nicht durch medizinische Studien belegt. Das gilt ebenso für Nahrungsergänzungsmittel wie Gamma-Linolensäure, Vitamin E, Reduktion des Koffeinkonsums sowie eine fettreduzierte Diät. In bestimmten Fällen kann eine hormonelle Anpassung, etwa durch eine andere Antibabypille, helfen.
  • Zyklusunabhängige Brustschmerzen: Wenn die Schmerzen in der Brust auftreten, aber kein Knoten diagnostiziert wird, können beispielsweise eine entzündliche Brusterkrankung, Narben, ein Brusttrauma oder Zysten die Ursache für die Brustschmerzen sein. Dann erstellt der behandelnde Arzt oder die Ärztin einen individuellen Behandlungsplan. Das Tracken des Zyklus und der Schmerztage kann dann einen Zusammenhang erkennen lassen.
  • Muskelverspannungen: Langfristig hilft nur eins: Die Muskulatur samt Faszien muss regelmäßig gedehnt werden. So passen sich die Faszien in ihrer Struktur an und bleiben elastisch.
  • Tietze-Syndrom: Beim Tietze-Syndrom bedarf es häufig keiner Therapie, da es selbstlimitierend verlaufen kann.
  • Psychosomatische Ursachen: Bei psychosomatischen Ursachen ist keine weitere internistische oder chirurgische Abklärung und Therapie notwendig. Vielmehr kann den Patienten durch Stressreduktion oder Klärung der belastenden Situationen geholfen werden.

Übungen zur Stärkung der Brustmuskulatur

Auf Basis der Ergebnisse des EMGs können wir gemeinsam mit Ihnen einen geeigneten Behandlungsplan mit Übungen für Sie entwickeln. Einige Übungen, die sehr hilfreich sein können, werden im Folgenden erklärt.

  • Butterfly Maschine: Sie können die sogenannte Butterfly Maschine verwenden, um die Brustmuskulatur zu stärken.
  • Schulterblatt-Retraktionen: Setzen Sie sich oder stehen Sie aufrecht. Ziehen Sie die Schulterblätter zusammen, indem Sie die Schultern nach hinten und unten bewegen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und entspannen Sie sich dann.
  • Schulterrotation mit Theraband: Befestigen Sie ein Theraband an einer festen Stelle. Halten Sie das Band in beiden Händen und führen Sie Schulterrotationen durch.
  • Brustdehnung an der Wand: Stellen Sie sich mit dem Gesicht zur Wand, etwa einen Schritt entfernt. Legen Sie Ihre Hände auf Schulterhöhe an die Wand. Beugen Sie Ihren Oberkörper langsam vor, bis Sie eine Dehnung in der Brustmuskulatur spüren.
  • Brustmuskel-Dehnübungen mit einem Gymnastikball: Legen Sie sich mit dem Oberkörper auf einen Gymnastikball.
  • Trizeps-Dehnung mit dem Arm über den Kopf: Heben Sie einen Arm über den Kopf und beugen Sie den Ellenbogen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Haben Sie Schmerzen in der Brust, handelt es sich in den meisten Fällen um harmlose Veränderungen oder hormonbedingte Wassereinlagerungen. Lassen Sie die Beschwerden dennoch immer bei Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen abklären. Bringen Sie zu dem Termin Ihren Zykluskalender mit und idealerweise ein Schmerztagebuch, in dem steht, wann und in welcher Form die Schmerzen auftreten.

Notfall - wann sofort zum Arzt?

  • Starke Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten oder auch ein Engegefühl in der Brust. Die Schmerzen können in den Unterkiefer, die Arme oder auch den Oberbauch oder den oberen Rücken ausstrahlen.
  • Untypische Zeichen wie Müdigkeit, Übelkeit, Schlafstörungen und Kurzatmigkeit.
  • Schmerzen, die vor allem bei Anstrengung (Treppen steigen, Rennen …) auftreten.
  • Schmerzen, die als drückend und beengend empfunden werden.
  • Schmerzen, die mit Luftnot, Fieber oder Husten einhergehen.
  • Falls Sie bereits bekannte Gefäßerkrankungen haben.
  • Plötzlich auftretende, starke Brustschmerzen - insbesondere in Ruhe - sind immer ein Alarmzeichen, vor allem wenn sie von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kaltschweißigkeit, Blässe, niedrigem Blutdruck oder schnellem Puls begleitet werden.

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