BSV: Ursachen, Symptome und Behandlung von Bandscheibenvorfällen mit Gefahr für das Rückenmark

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der der Gallertkern einer Bandscheibe durch den Faserring bricht und auf Nervenstrukturen drückt. Dies kann zu Schmerzen, Empfindungsstörungen und im schlimmsten Fall zu Lähmungen führen. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten eines Bandscheibenvorfalls ausführlich erläutert.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Insgesamt 23 Bandscheiben dienen in der Wirbelsäule als Puffer und federn die Bewegungen der Wirbelkörper ab. Erst die Bandscheiben ermöglichen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule und verteilen den Druck, der auf der Wirbelsäule lastet, gleichmäßig. Die Bandscheibe ist etwa 1,2 Zentimeter hoch und liegt zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Eine dicke, elastische Hülle aus festem Bindegewebe (Anulus fibrosus) umgibt den gelartigen Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus). Im Gallertkern befinden sich Knorpelzellen (Chondrozyten). Da die Bandscheiben nicht durchblutet sind, bildet ihr passiver Flüssigkeitsaustausch mit der Umgebung die Grundlage für Ernährung und Stoffwechsel. Damit der weiche Kern der Bandscheibe seine Pufferfunktion erfüllen kann, arbeitet er gegen den harten, elastischen und mehrschichtigen Faserring.

Ein Bandscheibenvorfall wird definiert als Durchbruch des Gallertkerns einer Bandscheibe durch ihren schützenden Faserring. Dabei kann das austretende Material auf Nerven im Wirbelkanal drücken und Schmerzen verursachen. Jede Bandscheibe besteht aus einem inneren Gallertkern, der wie ein Gelkissen wirkt, und einem festen Faserring, der die Bandscheibe stabil in der Wirbelsäule hält. Mit zunehmendem Alter verliert die Bandscheibe an Wassergehalt und damit an Elastizität. Wenn der Faserring Risse bekommt, kann sich der Gallertkern nach außen vorwölben.

Schematische Darstellung einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) und eines Bandscheibenvorfalls (Bandscheiben- oder Diskusprolaps): Der Gallertkern der Bandscheibe wölbt sich bei einer Bandscheibenprotrusion in den Wirbelkanal vor. Der feste Faserring ist noch intakt. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern der Bandscheibe den festen Faserring und tritt nach außen. Wenn ein Nerv oder das Rückenmark eingeengt wird, hat der Bandscheibenvorfall ernste Folgen: Schmerzen, Lähmungen und dauerhafte Ausfälle sind möglich.

Bandscheibenvorwölbung (Protrusion)

Bei einer Protrusion ist die Bandscheibe vorgewölbt und drückt häufig schmerzhaft auf das Rückenmark oder eine Nervenwurzel (Radikulopathie). Ursache ist eine instabile, poröse Bandscheibenhülle. Bei der Protrusion tritt noch kein Material aus dem Inneren der Bandscheibe, dem Nucleus pulposus, aus und der Faserring ist noch intakt. Eine Bandscheibenprotrusion stellt in gewisser Weise die Vorstufe für einen Bandscheibenvorfall dar.

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Bandscheibendegeneration

Alterung, Überlastung oder eine ungünstige Stoffwechsellage lassen die Hülle der Bandscheibe brüchig werden. Sie regeneriert sich nur langsam und verliert an Elastizität. Fällt eine Bandscheibe aus, bilden sich knöcherne Anbauten am Rand der Wirbelkörper, sogenannte Spondylophyten. Dies engt den verfügbaren Raum für das Rückenmark und die Spinalnerven ein und stört langfristig die normale Funktion des Nervensystems.

Ursachen: Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall?

Die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls (Diskusprolaps) liegen meist in verschleißbedingten (degenerativen) Prozessen. Nur selten ist ein Unfall (Trauma) für einen Bandscheibenvorfall verantwortlich. Die in der Evolution erfolgte Anpassung der menschlichen Wirbelsäule an den aufrechten Gang liegt in der menschlichen Entwicklung relativ kurz zurück. Normale Alterungsprozesse, Bewegungsmangel und sitzende berufliche Tätigkeiten wirken sich negativ auf die Gesundheit der Bandscheibe aus. Ihre Versorgung mit Nährstoffen und Wasser ist herabgesetzt und sie verliert an Höhe und Elastizität. Haltungsfehler und Fehlstellungen der Wirbelsäule: z. B. Meist geht dem Riss des Faserknorpels ein längerer, degenerativer Prozess voraus. Die Bandscheibendegeneration ist ein Rückgang der normalen Bandscheibenfunktion, meist aufgrund einer Störung im Stoffwechsel. Eine Degeneration der Bandscheibe betrifft bereits 30 Prozent der 30- bis 35-Jährigen, dabei sind die meisten in diesem Alter noch beschwerdefrei. Die Bandscheibendegeneration verläuft in mehreren Stadien. Bei der intakten Bandscheibe ist der flüssige Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) von dem zähen Anulus fibrosus umgeben. Gibt diese zähe Bandscheibenhülle unter dem Druck des Gallertkernes nach, liegt eine Bandscheibenprotrusion vor: Die Bandscheibe wölbt sich vor. Erst wenn das gallertartige Innere der Bandscheibe nach außen tritt, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Im letzten Stadium bildet sich ein Sequester. Der Nucleus pulposus hat sich dann vollständig aus dem Inneren der Bandscheibe gelöst.

Ein Bandscheibenvorfall tritt vor allem dann auf, wenn die Bandscheibe vorne komprimiert wird. Dies ist zum Beispiel beim Hochheben einer Last aus gebeugter Haltung der Fall.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall können sein:

  • Altersbedingter Verschleiß der Bandscheiben
  • Falsche Sitzhaltung
  • Untrainierte Rückenmuskulatur
  • Übergewicht und unausgewogene Ernährung
  • Falsches Heben und Tragen
  • Rauchen
  • Veränderungen an der Wirbelsäule
  • Genetische Veranlagung

Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität. Der Faserring wird spröder und kann durch Belastung leichter reißen. So entsteht in vielen Fällen ein Bandscheibenvorfall. Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder ständiges Sitzen erhöhen den Druck auf die Bandscheiben zusätzlich. Dies betrifft besonders Personen in sitzenden Berufen, etwa Büroangestellte oder LKW-Fahrerinnen und -Fahrer. Auch das Heben schwerer Gegenstände bei krummer Körperhaltung kann zu einer falschen Belastung der Lendenwirbelsäule führen, mit Schmerzen an der Bandscheibe oder sogar einem Vorfall als Folge. Darüber hinaus können genetische Einflüsse das Risiko steigern. Wenn nahe Angehörige bereits Bandscheibenvorfälle erlitten haben, ist auch bei jüngeren Menschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gegeben.

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Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Nicht jeder Bandscheibenvorfall geht mit Symptomen einher. Beschwerden entstehen erst, wenn die Bandscheibe auf eine Nervenwurzel (Radikulopathie), das Rückenmark oder eine benachbarte Nervenfaser drückt. Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) strahlt in Kopf, Nacken, Schultern und Arme aus. Ist das Rückenmark mitbetroffen, kann es neben Nackenschmerzen zu Gefühlsstörungen in Armen und Händen mit Kribbeln, Taubheitsgefühl bis hin zu Muskelschwächen oder Lähmungserscheinungen kommen. Auch Durchblutungsstörungen der Arme und Hände, Schwindel, Ohrgeräusche oder ein Druckgefühl in den Ohren können auftreten.

Ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule ist im Vergleich zur Hals- oder Lendenwirbelsäule eher selten und geht häufig mit einer Blockade der kleinen Wirbelgelenke einher. Die Schmerzen sind lokal auf die Brustwirbelsäule beschränkt oder strahlen im Rippenverlauf gürtelförmig aus.

Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule stellen die häufigsten Fälle dar. Bei einem LWS-Bandscheibenvorfall treten typischerweise stechende Schmerzen auf, die auf den Rücken begrenzt sein können oder bis in die Beine und Füße ausstrahlen. Die Patienten nehmen Schonhaltungen ein und vermeiden starkes Pressen oder Husten, wodurch der Schmerz häufig noch verstärkt wird. Ist das Rückenmark tangiert, können auch hier Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten. Auch die Schließmuskulatur von Blase und Darm kann betroffen sein.

Die drastischste Folge einer Bandscheibenruptur ist das Cauda-equina-Syndrom. Die Cauda equina ("Pferdeschweif") ist ein Bündel von Nervenwurzeln, die zwischen dem Lendenwirbelsegment L1 und dem Kreuzbein im Wirbelkanal verlaufen. Eine massive Quetschung der Cauda equina durch einen Bandscheibenvorfall gilt als medizinischer Notfall und erfordert eine operative Dekompression innerhalb der nächsten 72 Stunden. Das Querschnittssyndrom führt zu schlaffen Lähmungen der unteren Extremitäten. Meist leiden Betroffene auch unter Sensibilitätsstörungen in den versorgten Bereichen. Taubheit und Kribbeln sind die Folge. Es können unterschiedlich ausgeprägte Lähmungen nach einer Nervenkompression auftreten. Häufig ist der Großzehenheber gelähmt, was Einfluss auf das Gangbild des Patienten hat.

Schmerzen und Empfindungsstörungen nach Bandscheibenvorfall können - je nach betroffenem Segment der Wirbelsäule - unterschiedlich lokalisiert sein. Der Orthopäde kann vom Hautareal mit Empfindungsstörungen, dem sogenannten Dermatom, auf den zugehörigen geschädigten Spinalnerven schließen.

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Nicht jeder radiologisch sichtbare Befund führt tatsächlich zu starken Beschwerden. Viele Vorfälle sehen im Bild drastisch aus, verlaufen klinisch aber unauffällig. Andererseits gibt es Beschwerden, die ein Röntgen- oder MRT-Bild nicht erklären kann. Es gibt Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben und dabei keinerlei Schmerzen empfinden. Offensichtlich treten Schmerzen nur auf, wenn die Nervenwurzel bereits vorher eine Empfindlichkeit (Sensibilisierung) für den Bandscheibenvorfall entwickelt hat. In diesen Fällen wurde bei feingeweblichen Untersuchungen die Ausbildung von Schmerzfühlern im Bereich der Nervenwurzel und der Bandscheiben beobachtet.

Warnsignale

Es gibt Warnsignale (Red flags), die Sie nicht ignorieren dürfen! Warnsignale wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, Störungen beim Wasserlassen oder eine unkontrollierte Darmentleerung erfordern jedoch sofortigen ärztlichen Rat. Kommt es zu Problemen der Darm- und Blasenentleerung, sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden!

Lokalisation des Bandscheibenvorfalls und zugehörige Symptome

  • Halswirbelsäule: Druck in diesem Bereich kann Schmerzen verursachen, die in die Schultern oder Arme ausstrahlen. Auch Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Händen sind möglich. Spezielle Indizien für diesen Diskusprolaps sind Nacken- und Rückenschmerzen, welche in die Arme oder Schultern ausstrahlen.
  • Brustwirbelsäule: Weil Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall BWS im Brust- oder Herzbereich empfunden werden können, denken viele Betroffene zunächst an Herz-, Lungen- oder Magenprobleme. Blasen- oder Mastdarmstörungen (z. B. Solche Symptome können darauf hinweisen, dass nicht nur eine einzelne Nervenwurzel, sondern das Rückenmark im Brustbereich mitbetroffen ist.
  • Lendenwirbelsäule: Im Bereich der Lendenwirbelsäule treten häufig starke Rückenschmerzen auf, die bis in ein oder beide Beine ziehen. Auch Bewegungseinschränkungen sind möglich. Taubheitsgefühle im Rücken, die bis ins Gesäß, das Bein oder in den Fuß ausstrahlen bzw. Schmerzen im Lendenwirbel- bzw. Kraftausfälle, wie z. B.
  • Rückenmark: Wenn das Rückenmark betroffen ist, können intensive Schmerzen, Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle sowie eine Schwäche oder Lähmung von Armen und/oder Beinen entstehen. Es kann zu diffusen Schmerzen im gesamten Körper kommen, zu Gefühlsstörungen, zu einer Unsicherheit beim Laufen als hätte man zu viel Alkohol getrunken und zu Störungen der Blasen- und Darmkontrolle sowie zu Sexualfunktionsstörungen. Ist ein solcher Schaden bereits entstanden, kann die Operation meist nur ein Fortschreiten dieser Beschwerden aufhalten, die vorhandenen Störungen aber oft nicht mehr rückgängig machen.
  • Pferdeschweif (Cauda equina): Liegt der Druck auf den Nerven am unteren Ende des Rückenmarks, kann es zu Störungen beim Wasserlassen oder der Darmentleerung kommen. Auch Taubheitsgefühle im Bereich des Afters, der Oberschenkelinnenseiten oder der Genitalien sind typische Warnzeichen.

Diagnose: Wie stellt der Arzt einen Bandscheibenvorfall fest?

Zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls stellt die Ärztin oder der Arzt zunächst ausführliche Fragen zu den bestehenden Symptomen und Beschwerden. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, um mögliche Taubheitsgefühle, Bewegungseinschränkungen oder Reflexausfälle zu erkennen. Ein Bandscheibenvorfall kann sicher durch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) nachgewiesen werden. Diese Verfahren zeigen, ob ein Teil des Gallertkerns in den Wirbelkanal vorgedrungen ist und eventuell auf Nerven drückt. In bestimmten Fällen kann zusätzlich eine Myelografie eingesetzt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel in den Rückenmarkskanal gespritzt und anschließend eine Röntgenaufnahme oder ein CT durchgeführt.

Die Diagnose besteht in der Regel aus drei Teilen: dem Vorgespräch, der sogenannten Anamnese, einer körperlichen Untersuchung sowie zuletzt einem bildgebenden Verfahren. Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind oft unspezifisch und verlaufen meist schleichend. Im Rahmen des Vorgesprächs nimmt der Facharzt daher eine ausführliche Anamnese vor, indem der Patient seine Beschwerden bestmöglich schildert. Wie würden Sie den Schmerz beschreiben (z. B. Im Anschluss folgt die eigentliche Untersuchung durch den Arzt. Hierzu dienen bestimmte Sensibilitäts- und Motoriktests, welche die Nervenfunktion prüfen und Auffälligkeiten sichtbar machen. Für eine Befundung zieht der Arzt Schnittbildverfahren mittels Computertomografie (CT) hinzu.

Nach ausführlicher, intensiver, organbezogener neurologischer und körperlicher Untersuchung veranlassen wir bei Vermutung eines Bandscheibenvorfalls bildgebende Untersuchungen. Wir bevorzugen die Kernspintomographie (strahlenfreie Untersuchung) der Halswirbelsäule. In akuten Fällen (selten) ist eine Untersuchung noch am gleichen Tag nötig. Dies wird dann meist aus Zeitgründen im gleichen Haus durchgeführt. In einigen Fällen, wenn z.B. eine zusätzliche Information zur Beurteilung nötig ist, oder bei Patienten mit einem Herzschrittmacher, ist eine Computertomographie notwendig. Nur in Ausnahmefällen wird eine Myelographie bzw.

Behandlungsmöglichkeiten

Den Wirbelsäulen-Spezialisten der Gelenk-Klinik steht ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung, Patienten mit einem Bandscheibenvorfall wieder zu weitgehender Schmerzfreiheit und Mobilität zu verhelfen. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen des Bandscheibenvorfalls zu reduzieren und die normale Funktion der betroffenen Bandscheibe wiederherzustellen.

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls beginnt meist mit konservativen Therapien, zu denen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente gegen Rückenschmerzen und Nervenreizungen gehören. Auch Wärmeanwendungen, Physiotherapie und gezielte Injektionen können helfen, die Symptome eines Bandscheibenvorfalls zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Führen diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg oder treten neurologische Ausfälle wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle auf, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.

Konservative Therapie

In bis zu 90 Prozent der Fälle ist bei einem Bandscheibenvorfall eine Behandlung ohne Operation möglich. Konservative Therapien können die Symptome deutlich lindern oder vollständig verschwinden lassen. Zu den bewährten Maßnahmen zählen:

  • Schmerzlindernde Medikamente: Sie helfen, Bandscheibenschmerzen zu reduzieren und Entzündungen im Bereich der betroffenen Nerven zu verringern. Häufig kommen NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Bei starken muskulären Verspannungen können Muskelrelaxanzien sinnvoll sein, insbesondere wenn ein Schutzmuskelkrampf („Hartspann“) die Beschwerden zusätzlich verstärkt.
  • Wärme: Wärmeanwendungen entspannen die Muskulatur und tragen zur Linderung der Schmerzen bei. Wärme fördert zusätzlich die Durchblutung, lockert verspannte Muskulatur und kann Beschwerden deutlich lindern.
  • Lagerungsmaßnahmen: Durch das Hochlagern der Beine - etwa in einem Stufenbett - kann der Druck auf die Wirbelsäule reduziert werden. Entlastungspositionen wie die Stufenlagerung (Beine im 90°-Winkel) reduzieren kurzfristig den Druck auf die Lendenwirbelsäule.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Rückenmuskulatur, verbessern die Flexibilität und fördern die aktive Bewegung. Individuell angepasste Übungen stärken die Rücken- und Bauchmuskulatur, verbessern die Beweglichkeit und fördern eine stabile Körperhaltung. Dehnprogramme für verkürzte Muskelgruppen (z. B. Physiotherapeutische Behandlung vermittelt zusätzlich rückenschonende Bewegungsmuster im Alltag, z. B. beim Bücken, Tragen oder Sitzen.
  • Injektionen: Bei ausgeprägten Schmerzen können bildgesteuerte Injektionen mit Lokalanästhetika und/oder Kortison in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel die Entzündung reduzieren und Schmerzen rasch lindern. Infiltrationen werden unter Bildwandlerkontrolle (Durchleuchtung) durchgeführt. Dadurch lässt sich die Nadel millimetergenau positionieren, was Sicherheit und Wirksamkeit entscheidend erhöht. Periradikuläre Therapie (PRT): gezielte Injektion an die betroffene Nervenwurzel zur Linderung von radikulären Schmerzen (z. B. Diese Verfahren ermöglichen eine gezielte, lokale Schmerzlinderung, insbesondere wenn herkömmliche Schmerzmittel allein nicht ausreichen.

Die konservative Behandlung wird üblicherweise über 6-12 Wochen durchgeführt. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden in diesem Zeitraum deutlich oder verschwinden vollständig.

Es sei hier nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle konservativen Therapiemethoden (PRT, Schmerzmittel, Krankengymnastik etc.) nur das Ziel haben, die Zeit des Abwartens erträglich zu machen. Keine Methode (auch nicht die Krankengymnastik) kann das rausgerutschte Stück Bandscheibe wieder „zurückschieben“. Chiropraktik (= „Einrenken“) kann bei Vorliegen eines Bandscheibenvorfalles in der Halswirbelsäule die Beschwerden verstärken und sollte deshalb nicht unkritisch angewendet werden.

Operative Therapie

Nur in seltenen Fällen ist eine Bandscheibenvorfall-OP nach Bandscheibenschäden notwendig. Sie wird in Erwägung gezogen, wenn:

  • Eine konservative Therapie nicht erfolgreich war.
  • Der Bandscheibenvorfall starke, schmerzmittelresistente Schmerzen verursacht.
  • Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen im Körper auftreten.
  • Ein Eingriff notwendig ist, um das ausgetretene Bandscheibengewebe zu entfernen und den Druck auf die betroffene Nervenwurzel zu verringern.
  • Lähmungen wie ein Kraftverlust im Arm oder der Hand ein Grund zur sofortigen Operation. Hierdurch ist die Chance für eine Erholung der Nerven und damit auch eine Wiederherstellung der Kraft sehr viel besser. Dies ist wissenschaftlich mehrfach belegt.
  • Das Cauda-equina-Syndrom vorliegt. Die einzige wirksame Therapie ist eine sofortige operative Druckentlastung (Dekompression), idealerweise innerhalb weniger Stunden.

Ist eine Operation angeraten, stehen in der Wirbelsäulenchirurgie verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Mikrochirurgische Diskektomie: Ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem mithilfe eines Operationsmikroskops und spezieller Instrumente die betroffene Bandscheibe sowie ausgetretenes Gewebe entfernt werden. Ziel ist die Entlastung der betroffenen Rückenmarksnerven.
  • Offene Diskektomie: Diese Technik wird meist bei komplexen Fällen oder Fehlbildungen der Wirbelsäule eingesetzt. Sie kommt heute seltener zum Einsatz, da viele Operationen mikrochirurgisch durchgeführt werden.
  • Endoskopische Diskektomie: Bei diesem schonenden Verfahren werden Endoskope und feine Mikroinstrumente über kleine Hautschnitte eingeführt. Meist genügt eine örtliche Betäubung. Patientinnen und Patienten profitieren dabei von geringerer Gewebeschädigung und schnellerer Mobilisation.
  • Wirbelsäulenkathetertechnik nach Dr. Die Wirbelsäulenkathetertechnik ist ein bewährtes minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, insbesondere wenn starke Entzündungen oder Verklebungen im Epiduralraum vorliegen. Über einen kleinen Hautzugang wird ein dünner, flexibler Katheter in den Wirbelkanal eingeführt. Dr. Schneiderhan hat die ursprünglich von Prof. Racz entwickelte Methode weiter verfeinert.
  • Mikrolasertherapie: Die Mikrolasertherapie ist ein ebenfalls minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, das ohne Hautschnitt auskommt. Dabei wird über eine feine Kanüle ein Laserstrahl in die Bandscheibe geleitet. Sie eignet sich besonders bei kleinen oder mittelgroßen Vorfällen an der LWS und HWS. Die Behandlung selbst dauert rund 30 Minuten, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.

Die Operation wird in Vollnarkose und in Rückenlage durchgeführt. Nach Röntgendurchleuchtung zur Identifizierung der zu operierenden Bandscheibe wird ein etwa 3 cm langer Hautschnitt (rechts der Mitte) vorne am Hals angelegt. Anschließend wird die Halsmuskulatur in der Tiefe schonend auseinander geschoben, bis die Halswirbelsäule dargestellt ist. Nach Entfernung der Bandscheibe wird mit feinen Instrumenten der Bandscheibenvorfall bzw. der Bandscheibensequester (allein im Spinalkanal liegendes Bandscheibengewebe ohne Verbindung zum Bandscheibenraum) entfernt. Anschließend wird in den Bandscheibenraum ein Titan-Bandscheibenersatz, ein Ersatz aus Kunststoff (PEEC) oder eine Bandscheibenprothese implantiert und die Lage radiologisch kontrolliert.

Rehabilitation

Um die volle Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule wiederherzustellen, ist nach einem chirurgischen Eingriff häufig eine strukturierte Rehabilitation erforderlich. Eine gezielte Reha nach dem Bandscheibenvorfall kann nicht nur die Genesung unterstützen, sondern auch zukünftigen Beschwerden vorbeugen. Eine Reha kann folgende Bestandteile umfassen:

  • Physiotherapie: Sie hilft dabei, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die Rückenmuskulatur gezielt zu stärken.
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie lernen Patientinnen und Patienten, alltägliche Bewegungen rückenfreundlich zu gestalten, z. B., um die Brustwirbelsäule zu entlasten und Rückfälle zu vermeiden.
  • Schmerzmanagement: Wenn Bandscheibenschmerzen nach dem Eingriff nicht vollständig abklingen, unterstützt dieser Ansatz den bewussten Umgang mit den Beschwerden und kann helfen, Schmerzen langfristig zu reduzieren.

Meist ist nach einer OP der Bandscheibe keine stationäre Reha oder erweiterte ambulante Reha-Maßnahme nötig. Dennoch ist der persönliche Einsatz der Patienten gefragt.

Vorbeugung

Ja, einem Bandscheibenvorfall lässt sich in vielen Fällen gezielt vorbeugen. Einen gesunden Lebensstil, der die Wirbelsäule entlastet und die Rückenmuskulatur stärkt, ist besonders wichtig. Vorbeugende Maßnahmen können helfen, die Belastung der Bandscheiben im Alltag zu reduzieren und Beschwerden langfristig zu vermeiden.

Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung:

  • Regelmäßige Bewegung und rückenfreundlicher Sport (z. B.
  • Übergewicht abbauen: Übergewicht ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor, wenn es um das Vorbeugen eines Diskusprolaps geht. Das überschüssige Gewicht strapaziert Rücken und Wirbelkörper zusätzlich.
  • Aktivitätslevel erhöhen: Ein aktiver Lebensstil ist für gesunde Bandscheiben essenziell. Durch das aktive Stimulieren der Rückenmuskulatur wird die Wirbelsäule besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt.
  • Muskulatur aufbauen: Eine gut ausgebaute Rückenmuskulatur ist erwiesenermaßen eine der besten Maßnahmen, um einer Diskushernie vorzubeugen.
  • Körperhaltung verbessern: Egal, ob beim Erdbeeren pflücken, Fahrrad oder Auto fahren: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und stellen Sie, wenn nötig, den Sitz im Vergleich zum Lenker oder Lenkrad etwas niedriger ein.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Verbringen Sie täglich viele Stunden am Schreibtisch? Dann achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
  • Gesunder Schlaf: Häufig unterschätzt ist ebenfalls eine gute Matratze.
  • Vermeiden Sie bei einem Diskusprolaps im Bereich der Halswirbelsäule vor allem langes Arbeiten am Laptop, Autofahren sowie Fernsehen. Während dieser Tätigkeiten nehmen wir oft unbewusst Haltungen ein, welche die Bandscheiben belasten.
  • Beim Heben schwerer Gegenstände sollte darauf geachtet werden, dass man in die Knie geht und der Rücken gerade gehalten wird.
  • Auch beim Schlafen ist eine gute Körperhaltung wichtig. Hierfür empfiehlt sich die Rückenlage, im Optimalfall sogar ohne Kissen.

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