Nichts fürchten wir mehr als den allmählichen Verlust unserer Hirnfunktion. Die Vorstellung eines geistigen Verfalls im Alter ist für viele beängstigender als ein schneller Tod. Doch was passiert wirklich in unserem Gehirn, wenn wir älter werden, und was können wir dagegen tun? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des alternden Gehirns, von den natürlichen Abbauprozessen bis hin zu Möglichkeiten der Prävention und Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit.
Die Angst vor dem Verlust: Was uns wirklich ängstigt
Wir alle machen uns von Zeit zu Zeit Sorgen um die Funktionstüchtigkeit unseres Gedächtnisses und unseres Verstandes, insbesondere mit Überschreiten des 50. Lebensjahres. Die Angst vor Demenz und Alzheimer ist weit verbreitet, und das Gefühl, die Kontrolle über die eigenen geistigen Fähigkeiten zu verlieren, ist beunruhigend.
Was wir wissen: Der Abbauprozess und seine Auswirkungen
André Aleman, ein holländischer Neuropsychologe, zeigt in seinem Buch, dass der Rückgang unserer Gehirnleistungen früher beginnt, als wir glauben. Wenn sich erste Anzeichen nachlassender intellektueller Fähigkeiten bemerkbar machen, sind bereits mindestens 70 Prozent der Hirnsubstanz abgebaut. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dieser Abbau nicht gleichbedeutend mit einem vollständigen Verlust der geistigen Fähigkeiten ist.
Während einige mentale Funktionen wie etwa die Denkgeschwindigkeit und die Konzentrationsfähigkeit nachweislich abnehmen, bleiben andere, darunter das Weltwissen und der Wortschatz, unangetastet oder verbessern sich sogar. Ein älteres Gehirn ist auch besser darin, Stress zu verkraften und mit komplexen Situationen zurechtzukommen, als ein junges.
Die gute Nachricht: Resilienz und Anpassungsfähigkeit des Gehirns
Unser Gehirn leistet Erstaunliches, und das sehr lange. Es ist ein äußerst anpassungsfähiges Organ, das in der Lage ist, den Abbau bestimmter Funktionen bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Ein älteres Gehirn kann beispielsweise auf einen größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen und dadurch komplexe Probleme effizienter lösen.
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Was wir tun können: Prävention und Erhaltung der Hirnfunktion
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Abbau der Hirnfunktion zu verlangsamen und die geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten. Dr. Spitzbart zeigt in seinem Buch, wie man aktiv gegensteuern kann. Hier sind einige wichtige Strategien:
1. Richtige Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist essentiell für die Gesundheit des Gehirns. Bestimmte Nährstoffe, wie z.B. Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und B-Vitamine, spielen eine besonders wichtige Rolle für die kognitive Funktion.
2. Ausreichend Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Wachstum neuer Nervenzellen anregen. Sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining sind empfehlenswert.
3. Entspannung und Stressbewältigung
Chronischer Stress kann sich negativ auf die Hirnfunktion auswirken. Es ist daher wichtig, Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln, wie z.B. Meditation, Yoga oder autogenes Training.
4. Neue Anreize für das Gehirn
Das Gehirn braucht ständige Herausforderungen, um aktiv und leistungsfähig zu bleiben. Neue Hobbys, das Erlernen einer neuen Sprache oder das Lösen von Denksportaufgaben können das Gehirn stimulieren und die kognitive Reserve erhöhen.
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5. Das Kohärenzgefühl stärken
Ein starkes Kohärenzgefühl, also das Gefühl, dass das Leben sinnvoll, handhabbar und verstehbar ist, kann die psychische Widerstandskraft stärken und vor den negativen Auswirkungen von Stress schützen.
6. Offenheit für Neues
Die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen und sich auf neue Situationen einzulassen, kann die Flexibilität des Gehirns erhalten und die Anpassungsfähigkeit fördern.
7. Liebe und soziale Kontakte
Soziale Interaktion und liebevolle Beziehungen sind wichtig für das psychische Wohlbefinden und können die kognitive Funktion positiv beeinflussen. Einsamkeit und soziale Isolation hingegen können das Risiko für Demenz erhöhen.
Die Bücher: Ratgeber für ein gesundes Gehirn im Alter
Es gibt eine Vielzahl von Büchern, die sich mit dem Thema "Gehirn und Alterung" beschäftigen und wertvolle Informationen und praktische Tipps liefern.
- "Wenn das Gehirn seinen Verstand verliert" von Michael Spitzbart: Dieses Buch zeigt, wie man schon bei den ersten frühen Warnsignalen von Demenz aktiv gegensteuern kann. Der Autor gibt praktische Ratschläge zu Ernährung, Bewegung, Entspannung und neuen Anreizen für das Gehirn.
- "Wenn das Gehirn älter wird - Was uns ängstigt. Was wir wissen." von André Aleman: Der holländische Neuropsychologe erklärt auf verständliche Weise, was im Gehirn passiert, wenn wir älter werden. Er erläutert, welche Anzeichen wirklich auf Alzheimer hinweisen und was wir tun können, um die fabelhaften Fähigkeiten unseres Gehirns auf jeder Entwicklungsstufe zu nutzen. Das Buch schließt mit einem Fünf-Punkte-Plan, um beim Älterwerden die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu erhalten: Ernährung, Bewegung, Herausforderungen, Offenheit für Neues und - last but not least - Liebe.
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