Eine Bypass-Operation ist ein bedeutender Eingriff, der die Durchblutung des Herzmuskels bei verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen wiederherstellen soll. Obwohl die Operation selbst erfolgreich sein kann, klagen manche Patienten danach über Schmerzen. Diese Schmerzen können verschiedene Ursachen haben und erfordern eine sorgfältige Diagnose, um die geeignete Behandlung einzuleiten.
Einführung
Die koronare Herzkrankheit (KHK), oft verursacht durch Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, kann zu Brustenge (Angina Pectoris) und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen. Eine Bypass-Operation schafft eine "Umgehungsstraße" um die verengten Stellen, um den Herzmuskel wieder ausreichend mit Sauerstoff und Blut zu versorgen. Obwohl die Operation lebensrettend sein kann, berichten einige Patienten nach dem Eingriff über Schmerzen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen.
Ursachen von Schmerzen nach einer Bypass-Operation
Schmerzen nach einer Bypass-Operation können vielfältige Ursachen haben:
- Wundschmerz: Nach einer konventionellen Bypass-OP, bei der das Brustbein durchtrennt wird (Sternotomie), sind Wundschmerzen im Brustbereich üblich. Diese Schmerzen können durch die Heilung des Knochens und des umliegenden Gewebes verursacht werden.
- Nervenschmerzen (Neuropathische Schmerzen): Nerven können während der Operation durchtrennt, gequetscht oder gedehnt werden. Diese Verletzungen können zu chronischen Nervenschmerzen führen, die sich als brennend, stechend oder elektrisierend anfühlen können. Postoperative neuropathische Schmerzen bzw. Nervenschmerzen allgemein sind durch eine charakteristisch veränderte Hautsensibilität gekennzeichnet. So reagieren Betroffene unter- oder überempfindlich (manchmal auch beides) auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck. Betroffene berichten von Taubheitsgefühlen und/oder Schmerzattacken. Letztere können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern. Manchmal vermeiden die Betroffenen es, den schmerzbereitenden Körperteil zu bewegen, wodurch die entsprechenden Muskeln verkümmern können.
- Muskelschmerzen: Muskelverspannungen oder -schmerzen können durch die Lagerung während der Operation oder durch die postoperative Schonhaltung entstehen. Ein druckdolenter Pectoralis kann beispielsweise auf Muskelverspannungen hinweisen.
- Schmerzen im Zusammenhang mit der Venenentnahme: Wenn für den Bypass eine Vene aus dem Bein entnommen wurde, kann dies zu Abflussproblemen, Schwellungen und Schmerzen im Bein führen.
- Schmerzen aufgrund von Cerclagen: Bei der herkömmlichen Methode mit durchgesägtem Sternum und Cerclagen versorgt, können Schmerzen auftreten, wenn die Cerclagen nicht richtig halten. Evtl. RÖ Aufnahme zur Kontrolle,ob alle Spangen noch richtig sitzen.Ansonsten dauert die Heilung bis zu 12 Wochen….da dürfen auch Schmerzen vorkommen.
- Druckverhältnisse am Thorax: Die Druckverhältnisse am Thorax während des Liegens und Sitzens können ebenfalls Schmerzen verursachen. Beim Liegen in RL werden die Rippen nach vorne gedrückt, was zu viel Bewegung im eröffneten Bereich des Sternums führen kann. Ähnlich kann beim Sitzen der Thorax komprimiert werden, was Druck auf das Sternum ausübt.
- Psychosomatische Komponenten: In einigen Fällen können psychische Faktoren wie Angst oder Stress die Schmerzwahrnehmung verstärken oder sogar Schmerzen verursachen, die keine klare körperliche Ursache haben.
- Medikamente: Subjektiv geschilderte Nebenwirkungen mancher Herzmedikamente beschreiben sehr viele Patienten mit und ohne OP solche Beschwerden (Bruststiche), die nicht herzspezifisch sind, sondern eher den Nerven oder anderen Strukturen des Bewegungsapp. zuzuordnen sind.
- Durchblutungsstörungen: Ein Zusammenspiel zwischen Durchblutungssituation und Nähten am Sternum kann ebenfalls eine Rolle spielen.
Diagnostische Verfahren
Um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:
- Anamnese: Eine ausführliche Befragung des Patienten über Art, Lokalisation, Intensität und Verlauf der Schmerzen sowie über eventuelle Auslöser und lindernde Faktoren ist entscheidend.
- Körperliche Untersuchung: Eine sorgfältige Untersuchung des Brustbereichs, der Rippen, der Wirbelsäule und der Muskulatur kann Hinweise auf die Schmerzursache liefern. Dabei sollte auf Bewegungseinschränkungen, Druckschmerzhaftigkeit und Veränderungen der Hautsensibilität geachtet werden.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen können helfen, den Zustand des Brustbeins und der Cerclagen zu beurteilen. Ultraschalluntersuchungen können Durchblutungsstörungen im Bein nach Venenentnahme aufdecken.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf Nervenschmerzen kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
- Herzkatheter-Untersuchung: Vor der Operation ist eine Herzkatheter-Untersuchung erforderlich, bei der die Engstellen an den Herzkranzgefäßen genau lokalisiert werden.
- Doppler-Untersuchung: Eine Doppler-Untersuchung der hirnversorgenden Halsgefäße ist ebenfalls notwendig. Gegebenenfalls untersuchen wir auch die Beinvenen oder Armarterien per Doppler-Ultraschall, um beurteilen zu können, ob wir diese als Bypass-Material verwenden können.
- Laboruntersuchungen: Zusätzlich führen unsere Mediziner Laboruntersuchungen des Patientenblutes, ein EKG und ein Röntgenbild des Brustkorbes durch. Bei relevanten Nebenerkrankungen leiten wir weitere Untersuchungen ein, etwa einen Lungenfunktionstest.
Behandlung von Schmerzen nach einer Bypass-Operation
Die Behandlung von Schmerzen nach einer Bypass-Operation richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
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- Schmerzmittel: Leichte bis mäßige Schmerzen können mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide erforderlich sein, die jedoch aufgrund ihres Suchtpotenzials nur kurzzeitig eingesetzt werden sollten.
- Neuropathische Schmerzen: Gegen neuropathische Schmerzen werden spezielle Medikamente eingesetzt, wie Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin, Pregabalin) oder Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Duloxetin). Diese Medikamente können die Nervenaktivität beeinflussen und die Schmerzwahrnehmung reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren. Atemtherapie zur Kräftigung der Intercostalmuskulatur. Isometrische Übungen Bauch- und Rückenmuskulatur. Erlernen Rückengerechten Verhaltens. Je nach Zustand leichtes Belastungs- und Ausdauertraining.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann eingesetzt werden, um Blockaden der Rippen oder der Wirbelsäule zu lösen und die Gelenkfunktion zu verbessern.
- Lokale Injektionen: Bei lokalisierten Schmerzen können Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in die betroffenen Muskeln oder Gelenke helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Nervenblockaden: Bei starken Nervenschmerzen können Nervenblockaden durchgeführt werden, bei denen die Nerven, die die Schmerzen verursachen, gezielt betäubt werden.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit chronischen Schmerzen umzugehen, Stress abzubauen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Atemtherapie: Schmerzen werden bei intensiver Atmung mit dosierter Lippenbremse besser.
- Kompressionstherapie: Wichtiger Bestandteil der Nachbehandlung ist die Kompressionstherapie, bei der gleichmäßiger Druck auf das Bein ausgeübt und so das „Absacken“ des Blutes in tiefere Regionen verhindert wird.
- Schonung: Grundsätzlich sollte man diesen Bereich einige (um die 3) Monat schonen, so empfehlen es viele Ärzte.
Spezielle Aspekte
Neuropathische Schmerzen nach OP
Neuropathische Schmerzen wirken sich enorm auf die Lebensqualität aus: Etwa 2/3 aller an Nervenschmerzen leidender Menschen fühlen sich im Alltag sehr stark eingeschränkt. Neuropathien beeinflussen sowohl die Arbeits- und Leistungsfähigkeit als auch den Schlaf von Betroffenen im großen Ausmaß.
Die Therapie postoperativer neuropathischer Schmerzen kann wie folgt aussehen:
- Medikamentöse Therapie: Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente sind unter anderem Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Die nicht-medikamentöse Behandlung neuropathischer Schmerzen erstreckt sich unter anderem auf warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Applikation von Kälte, Physio- und Ergotherapie und Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
- Invasive Therapie: Manchmal ist es sinnvoll beziehungsweise erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln. Dies erfolgt unter anderem durch selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.
Korrektur-Operation nach Venenentnahme
Zu einer Korrektur-Operation nach Venenentnahme wird dann geraten, wenn nach der Bypass-Operation der Abfluss über die verbliebenen Venen nicht richtig funktioniert. Das Bein schwillt dann an und kann auch schmerzhaft sein. Voraussetzung für die Operation ist immer eine genaue Untersuchung der Strömungsverhältnisse im betroffenen Bein. Dies passiert in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung.
Prävention
Einige Maßnahmen können helfen, Schmerzen nach einer Bypass-Operation vorzubeugen:
- Schonende Operationstechniken: Minimalinvasive Operationstechniken, bei denen das Brustbein nicht durchtrennt wird, können das Risiko von Wundschmerzen reduzieren.
- Sorgfältige Lagerung während der Operation: Eine korrekte Lagerung des Patienten während der Operation kann Nervenverletzungen vorbeugen.
- Frühzeitige Mobilisation: Eine frühzeitige Mobilisation nach der Operation kann Muskelverspannungen und -schmerzen reduzieren.
- Optimale Schmerztherapie: Eine adäquate Schmerztherapie nach der Operation kann die Entwicklung chronischer Schmerzen verhindern.
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