Die Haltung von Ameisen, insbesondere von Königinnen der Art Camponotus vagus, ist ein faszinierendes Hobby, das Einblicke in das komplexe Sozialleben dieser Insekten bietet. Dieser Artikel fasst Erfahrungen und Informationen zusammen, um einen umfassenden Leitfaden für die erfolgreiche Haltung von Camponotus vagus Königinnen zu bieten, von der Gründung einer Kolonie bis zur Pflege einer etablierten Gemeinschaft.
Gründung einer Kolonie
Die Suche nach einer Königin
Der Beginn jeder Ameisenkolonie liegt in der erfolgreichen Gründung durch eine Königin. Camponotus vagus Königinnen können auf verschiedene Weisen gefunden werden. Eine Möglichkeit ist die Suche unter der Rinde von Baumstämmen, wie in den Erfahrungen eines Ameisenhalters beschrieben: „Die erste Königin fand ich unter der Rinde eines alten Bretts.“ Es ist jedoch wichtig, gefundene Königinnen nicht mit Arbeiterinnen anderer Kolonien zu vermischen, da dies zum Tod der Königin führen kann.
Einzelhaltung vs. Gemeinschaftshaltung
Gefundene Königinnen können entweder einzeln oder in kleinen Gruppen gehalten werden. Ein Halter berichtete davon, zwei Königinnen zunächst zusammen in einem Reagenzglas gehalten zu haben, was jedoch nicht zur Eiablage führte. Nach der Trennung legte eine der beiden Königinnen kurz darauf Eier. Dies deutet darauf hin, dass die Einzelhaltung für die Eiablage förderlicher sein kann.
Unterstützung der Königin
Um den Start der Kolonie zu unterstützen, können der Königin Puppen, Eier und Larven gegeben werden. „Später gab ich beiden Königinnen je eine Puppe, viele Eier und viele Larven.“ Die Puppen schlüpften schnell, sodass jede Königin bald ihre ersten Arbeiterinnen hatte. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Königin ohne Arbeiterinnen möglicherweise schwieriger zu versorgen ist.
Überwinterung
Die Überwinterung ist eine kritische Phase für Camponotus vagus Kolonien, da sie eine Ruheperiode benötigen, um ihre Lebensfunktionen zu verlangsamen und Energie zu sparen. Ein Halter berichtete, dass es schwierig war, einen geeigneten Ort für die Überwinterung zu finden, bis er feststellte, dass die Temperatur in seinem Zimmer aufgrund einer weit geöffneten Balkontür auf 10°C gesunken war. Während des Winters fielen die Temperaturen sogar auf -2.5°C.
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Temperatur
Die Temperatur spielt eine entscheidende Rolle bei der Überwinterung. Es ist wichtig, einen Ort zu finden, an dem die Temperaturen niedrig genug sind, um die Ruheperiode einzuleiten, aber nicht so niedrig, dass die Ameisen erfrieren. Ein Halter überwinterte seine Kolonie im Keller bei moderaten Temperaturen.
Nestbau und Umzug
Miniformicarien
Nach der Überwinterung ist es wichtig, den Ameisen ein geeignetes Nest zu bauen. Ein Halter baute seinen Ameisen drei „Miniformicarien“, bestehend aus einer Arena, die durch einen Schlauch mit einem Ytongnest verbunden ist.
Umzug ins Nest
Um die Königin zum Umzug ins Nest zu bewegen, kann das Reagenzglas einfach auf den Schlauch gesteckt werden, der später das Ytongnest mit der Arena verbindet. Durch ständige Beleuchtung des Reagenglases kann die Königin dazu bewegt werden, in den etwas lichtgeschützteren Schlauch zu ziehen.
Geduld
Es ist wichtig, geduldig zu sein und die Königin nicht zu zwingen, ins Nest zu ziehen. Ein Halter schob ein Taschentuch durch den Schlauch bis an die Königin, um sie zu bedrängen, etwas weiter in Richtung Ytongnest zu gehen. Dies wurde so lange fortgesetzt, bis die Königin schließlich im Ytongnest war.
Fütterung und Ernährung
Vielfältige Ernährung
Ameisen benötigen eine vielfältige Ernährung, um gesund und produktiv zu bleiben. Kohlenhydrate dienen den Ameisen als „Energielieferant“ für ihren eigenen Stoffwechsel. Diese nehmen sie meistens in Form von Fructose (Fruchtzucker) oder Glucose (Traubenzucker) auf. Proteine werden bei den Ameisen für die Entwicklung der Brut benötigt.
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Kohlenhydrate
Für die Versorgung mit Kohlenhydraten können verschiedene Dinge angeboten werden, z.B. Zuckerwasser, Honig oder Ahornsirup. Ein Halter bietet seinen Kolonien normalerweise ihr Zuckerwasser immer über Tränken an. Er mischt sein Zuckerwasser im Verhältnis 1:3 (Zucker : Wasser, Gewicht) und kocht das Wasser vorher ab.
Proteine
Als Proteinquellen können Heimchen, Schokoschaben und Grillen verfüttert werden. Ein Halter bietet seinen Miniheimchen überbrüht an. Es ist wichtig zu beachten, dass kleine Kolonien noch nicht viele Proteine benötigen und selbst ein kleines Heimchen möglicherweise nicht verwertet bekommen.
Beobachtungen und Verhaltensweisen
Schreckhaftigkeit
Ein Halter beobachtete, dass seine Ameisen zweimal aus unerfindlichen Gründen sehr schreckhaft und alarmbereit waren. Die Arbeiterinnen rannten wild in der Box umher und es schien, als würden sie alles was in der Nähe war angreifen wollen. Dieses Verhalten legte sich jedoch innerhalb von ca. 1 Minute.
Bewachung des Eingangs
Ein weiteres beobachtetes Verhalten war, dass an beiden „Ausgängen“ des Papiernests immer jeweils eine Arbeiterin stand und es den Eindruck machte, als bewache sie den Eingang.
Müllhaufen
Mit der Zeit legen die Ameisen einen Müllhaufen an. Innerhalb der Nestbox kann in einer Ecke ein Müllberg aus den Resten der Futtertiere angelegt werden.
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Gegenseitige Fütterung
Gegenseitige Fütterungen unter den Ameisen können ebenfalls beobachtet werden. Ein Halter sah sogar, wie eine Arbeiterin zwei andere gleichzeitig fütterte.
Formicarium Gestaltung
Natürliche Umgebung
Bei der Gestaltung des Formicariums sollte versucht werden, eine möglichst natürliche Umgebung zu schaffen. Ein Halter versuchte, das Ganze ein wenig nach Wald aussehen zu lassen, mit einer orangefarbenen Sand-/Lehmmischung, kleinen Hölzchen, Stöckchen, einer Eichel, Walnuss, Bambuswurzel, einer Tränke und einem Trinkbrunnen aus Kunstharz.
Nestmöglichkeiten
Es ist wichtig, den Ameisen verschiedene Nestmöglichkeiten anzubieten. Ein Halter bot seinen Ameisen ein Reagenzglasnest mit Wassertank, ein längliches Ytongnest mit Sand/Lehmmischung bestrichen, ein 3-Kammer naturbelassenes Ytongnest hochkant und ein Holznest.
Herausforderungen und Lösungen
Larvenfressen
Eine Herausforderung bei der Haltung von Camponotus vagus Königinnen kann das Fressen der Larven oder Puppen sein. Ein Halter berichtete, dass seine Königin die Angewohnheit hatte, ihre Larven oder Puppen zu fressen, nur um kurz darauf wieder neue Eier zu legen.
Futtersuche
Eine weitere Herausforderung kann sein, dass die Königin zur Futtersuche das Reagenzglas verlässt. Dies kann jedoch behoben werden, indem die Königin von den Arbeiterinnen ausreichend versorgt wird.
Die Bedeutung der Beobachtung
Die erfolgreiche Haltung von Camponotus vagus Königinnen erfordert eine aufmerksame Beobachtung und Anpassung der Haltungsbedingungen. Durch die Beobachtung des Verhaltens der Ameisen und die Reaktion auf Veränderungen in ihrer Umgebung können Halter sicherstellen, dass ihre Kolonien gesund und produktiv bleiben.
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