Campylobacter-Infektionen sind weltweit verbreitet und stellen eine häufige Ursache für Durchfallerkrankungen dar. Die Bakterien der Gattung Campylobacter lösen eine akute Magen-Darm-Entzündung aus, die in der Regel von selbst abklingt. In diesem Artikel werden die wichtigsten Aspekte der Campylobacter-Infektion beleuchtet, einschließlich der Ursachen, Symptome, Komplikationen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen.
Was ist Campylobacter?
Campylobacter sind spiral- oder S-förmige Bakterien, die ansteckende Durchfallerkrankungen verursachen. Es gibt über 30 verschiedene Arten, wobei Campylobacter jejuni mit etwa 90 % der Fälle die häufigste Ursache für Erkrankungen beim Menschen ist, gefolgt von Campylobacter coli (ca. 8 %) und Campylobacter lari (weniger als 2 %). Die Bakterien leben natürlicherweise im Verdauungstrakt von Tieren, insbesondere von Wildtieren, Haustieren und Nutztieren, oft ohne dass diese selbst erkranken.
Wie wird Campylobacter übertragen?
Die Hauptansteckungsquelle für Campylobacter ist der Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, insbesondere:
- Nicht ausreichend erhitztes Geflügelfleisch und Geflügelprodukte: Geflügelfleisch, insbesondere Hühnerfleisch, gilt als bedeutendste Infektionsquelle.
- Rohmilch oder Rohmilchprodukte: Nicht pasteurisierte Milch kann Campylobacter-Bakterien enthalten.
- Nicht durchgegartes Hackfleisch: Auch Hackfleisch kann eine Infektionsquelle darstellen.
- Frische Rohwurstsorten wie Mettwurst: Diese Produkte können ebenfalls mit Campylobacter belastet sein.
- Verunreinigtes Trinkwasser: Insbesondere Brunnenanlagen können verunreinigtes Trinkwasser liefern.
Weitere Übertragungswege sind:
- Schmierinfektionen: Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch ist über eine Schmierinfektion möglich, bei der Erreger von Stuhlresten über verschmutzte Hände in den Mund gelangen.
- Direkter Tierkontakt: Tierbesitzer können sich bei ihren Haustieren anstecken, insbesondere über den Kot der Tiere.
- Verunreinigtes Wasser: Gelegentlich sind auch Badeseen mit Campylobacter verunreinigt, so dass eine Ansteckung beim Verschlucken von Wasser möglich ist.
Welche Symptome treten bei einer Campylobacter-Infektion auf?
Nach einer Inkubationszeit von zwei bis fünf Tagen, in manchen Fällen auch bis zu zehn Tagen, können erste Symptome auftreten. Die Erkrankung beginnt oft mit grippeähnlichen Beschwerden wie:
Lesen Sie auch: Alles über Small-Fiber-Neuropathie
- Fieber (38 bis 40°C)
- Kopfschmerzen
- Gelenkschmerzen
- Muskelschmerzen
- Allgemeines Krankheitsgefühl
Innerhalb von 12 bis 24 Stunden kommen typische Magen-Darm-Beschwerden hinzu:
- Akuter, wässriger Durchfall, manchmal blutig und/oder schleimig
- Bauchkrämpfe
- Übelkeit
- Erbrechen
- Müdigkeit
Durch den starken Durchfall und das Erbrechen kann es zu Flüssigkeitsverlust und Dehydration kommen, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen. Anzeichen dafür sind trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten und geringe Harnmenge.
Komplikationen einer Campylobacter-Infektion
In den meisten Fällen verläuft eine Campylobacter-Infektion unkompliziert und heilt innerhalb einer Woche von selbst aus. In seltenen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten:
- Reaktive Arthritis: Einige Wochen nach der Infektion kann es zu einer Gelenkentzündung kommen.
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS): In sehr seltenen Fällen kann es zu dieser neurologischen Erkrankung kommen, die zu Lähmungserscheinungen führen kann. Dabei greifen Antikörper zur Abwehr der Campylobacter-Infektion auch Nervenzellen an.
- Bakteriämie/Sepsis: Bei immungeschwächten Personen kann sich die Infektion auf den Blutkreislauf ausbreiten und eine Blutvergiftung verursachen, was lebensbedrohlich sein kann.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Campylobacter-Infektionen und der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
Diagnose einer Campylobacter-Infektion
Bei Verdacht auf eine Campylobacter-Infektion wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Eine Stuhlprobe wird im Labor auf Campylobacter-Bakterien untersucht. Gegebenenfalls wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt, um Entzündungszeichen oder eine Sepsis festzustellen.
Behandlung einer Campylobacter-Infektion
In den meisten Fällen ist keine spezielle Behandlung erforderlich, da die Infektion von selbst ausheilt. Im Vordergrund steht der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts durch ausreichendes Trinken von Wasser, Tee oder Elektrolytlösungen. Bei Bedarf können auch Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen oder Bauchkrämpfe eingesetzt werden.
Lesen Sie auch: Formen von Kopfschmerzen und neurologischen Ausfällen
Eine antibiotische Behandlung ist nur in Ausnahmefällen notwendig, z.B. bei schweren Verläufen, immungeschwächten Patienten oder bei Verdacht auf eine Sepsis. In diesen Fällen werden Makrolid-Antibiotika wie Azithromycin oder Ciprofloxacin eingesetzt.
Was kann man selbst tun?
- Ausreichend trinken: Trinken Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Geeignet sind Wasser, Tee, Brühe oder verdünnte Fruchtsäfte.
- Elektrolytlösungen: Um den Verlust von Mineralstoffen auszugleichen, können Elektrolytlösungen aus der Apotheke hilfreich sein.
- Leichte Kost: Essen Sie leicht verdauliche Nahrung in kleinen Portionen, z.B. Bananen, Zwieback oder Reis.
- Hygienemaßnahmen: Achten Sie auf gute Händehygiene, insbesondere nach dem Toilettengang und vor der Zubereitung von Speisen. Reinigen Sie die Toilette regelmäßig und vermeiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen, solange Sie an Durchfall leiden.
Prävention von Campylobacter-Infektionen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Campylobacter-Infektion zu verringern:
- Gute Küchenhygiene:
- Garen Sie Fleisch, insbesondere Geflügelfleisch, immer vollständig durch.
- Verwenden Sie getrennte Küchenutensilien für rohe und gegarte Lebensmittel.
- Reinigen Sie Arbeitsflächen und Geräte nach jedem Arbeitsgang gründlich.
- Waschen Sie sich die Hände gründlich vor und nach der Zubereitung von Speisen.
- Sichere Lebensmittel:
- Kochen Sie Rohmilch vor dem Verzehr ab oder bevorzugen Sie pasteurisierte Milch.
- Vermeiden Sie den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch.
- Achten Sie auf die Qualität des Trinkwassers.
- Händehygiene: Waschen Sie sich die Hände regelmäßig mit Wasser und Seife, insbesondere nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen und nach dem Kontakt mit Tieren.
- Vorsicht beim Baden: Vermeiden Sie das Verschlucken von Wasser in Badeseen, die möglicherweise verunreinigt sind.
Meldepflicht
Campylobacter-Infektionen sind in Deutschland meldepflichtig. Das bedeutet, dass ein Arzt oder ein Labor eine festgestellte Infektion dem Gesundheitsamt melden muss. Dies dient der Überwachung der Erkrankung und der Verhinderung von Ausbrüchen. Personen, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, müssen sich bereits bei Verdacht auf eine Erkrankung melden. Kinder unter 6 Jahren dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen erst 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder besuchen.
Lesen Sie auch: Schlaganfall und Kopfschmerzen: Was Sie wissen müssen
tags: #campylobacter #kopfschmerzen #hirnhautentzundung