Die C7-Nervenwurzel spielt eine entscheidende Rolle für die Funktion der oberen Extremitäten. Ein Ausfall dieser Nervenwurzel, oft als C7-Radikulopathie bezeichnet, kann zu einer Vielzahl von motorischen und sensorischen Defiziten führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von C7-bedingten Muskelausfällen.
Einführung in die C7-Radikulopathie
Eine Radikulopathie entsteht, wenn eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt, eingeklemmt oder geschädigt wird. Im Falle der zervikalen Radikulopathie ist eine Nervenwurzel der Halswirbelsäule betroffen. Die C7-Nervenwurzel ist eine der häufigsten betroffenen Nervenwurzeln in der Halswirbelsäule. Sie verlässt den Wirbelkanal zwischen dem sechsten und siebten Halswirbelkörper (C6/C7) und versorgt bestimmte Muskeln und Hautbereiche mit Nervenimpulsen.
Ursachen von C7-bedingten Muskelausfällen
Es gibt viele Ursachen für die Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln. Die häufigsten Ursachen für C7-bedingte Muskelausfälle sind:
- Bandscheibenvorfall: Bandscheibenvorfälle sind die häufigsten Ursachen für eine Radikulopathie. Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn der weiche Kern einer Bandscheibe durch den äußeren Faserring bricht und auf die Nervenwurzel drückt. Im Bereich der Halswirbelsäule kann dies zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche in Arm und Hand führen. Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule zwischen den Halswirbelkörpern (HWK) C6 und C7 oder zwischen C5 und C6 auf.
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylose, Spondylarthrose): Durch Verschleiß entstehen z. B. Knochensporne (Osteophyten), die auf Nervenwurzeln drücken.
- Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) kann ebenfalls Druck auf die Nervenwurzeln ausüben.
- Tumoren: Tumoren im Wirbelkanal oder in der Nähe der Wirbelsäule können auf die Nervenwurzeln drücken. Beispiele sind Chondrosarkome und Osteosarkome. Allerdings verursachen häufiger Metastasen anderer Malignome Verengungen im Bereich von Nervenwurzeln.
- Hämatome: Blutergüsse im Wirbelkanal können so groß werden, dass sie auf Nervenwurzeln drücken.
- Infektionen: Nervenwurzeln können auch direkt durch Infektionskrankheiten bedroht sein.
Symptome eines C7-bedingten Muskelausfalls
Die Symptome eines C7-bedingten Muskelausfalls können je nach Schweregrad der Nervenwurzelkompression variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen: Schmerzen, die vom Nacken in die Schulter, den Arm und die Hand ausstrahlen. Die Schmerzausstrahlung folgt meist dem Hautabschnitt (Dermatom), welches von der Nervenwurzel C7 versorgt wird. Häufig geben die Patienten mit einem Bandscheibenvorfall in der Höhe C6/C7, und dies ist nur typisch für einen Bandscheibenvorfall in dieser Höhe, einen stechenden bohrenden Schmerz unter dem Schulterblatt an, so als wenn „mir jemand ein Messer hinten rein drückt“.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Fingern (insbesondere Zeige-, Mittel- und Ringfinger). Kribbeln und Ameisenlaufen, oder ein Taubheitsgefühl nimmt der Patient meist in den Fingern 2 bis 4 (also Zeigefinger bis Ringfinger) wahr.
- Muskelschwäche: Schwäche oder Lähmung bestimmter Muskeln im Arm und in der Hand. Der Kennmuskel, also der Muskel der einer bestimmten Nervenwurzel zuzuordnen ist, ist bei der Nervenwurzel C7 der Musculus triceps brachii, der Triceps. Dieser Muskel sitzt an unserem hinteren Oberarm und streckt den Arm im Ellenbogen, also diesen Muskel trainieren und brauchen wir zum Beispiel bei der Durchführung von Liegestützen. Bei Druck auf die Nervenwurzel C7 kann es zu einer Lähmung, d.h. einen Kraftverlust des Triceps kommen.
- Spezifische Klinik:
- Parese des M. triceps brachii, M. pectoralis, lange Fingerbeuger, M. pronator teres
- Hypalgesie über dem dorsalen Unterarm mit Ausstrahlung in Digiti II bis IV (palmar und dorsal)
- Schmerzen zwischen den Schulterblättern sowie im Bereich des Dermatoms
- Abschwächung/Ausfall des Trizepssehnenreflexes
- Spezifische Klinik:
Diagnose von C7-bedingten Muskelausfällen
Die Diagnose eines C7-bedingten Muskelausfalls umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren.
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- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Sensibilität und die Reflexe prüfen, um die Höhe der Nervenwurzelreizung festzustellen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird die Muskelkraft und die Sensibilität in Arm und Hand testen.
- Bildgebende Verfahren: Mithilfe der Bildgebung wird versucht, die Ursache und die genaue Lokalisation für die Nervenreizung zu finden. In der Regel reicht dazu eine MRT oder CT des betroffenen Areals. Manchmal bleibt trotz bildgebender Diagnostik die Ursache einer Radikulopathie im Dunkeln.
- Elektromyographie (EMG): Das EMG ist eine elektrophysiologische Untersuchung, mit der die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen wird. Es kann helfen, die Nervenwurzel zu identifizieren, die betroffen ist.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Die NLG misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern. Sie kann helfen, Nervenschäden zu erkennen.
- Liquorpunktion: Manchmal führt der Arzt eine Liquorpunktion durch und untersucht die entnommene Hirnflüssigkeit. So lassen sich z. B. Entzündungen oder Infektionen nachweisen.
Differentialdiagnostik
Es ist wichtig, C7-bedingte Muskelausfälle von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:
- Läsionen peripherer Nerven: Periphere Nervenläsionen können ähnliche Symptome wie eine Radikulopathie verursachen. Es ist wichtig, die spezifischen Ausfälle und Sensibilitätsstörungen zu berücksichtigen, um die richtige Diagnose zu stellen.
- Läsion des N. axillaris: Atrophie des M. deltoideus, eingeschränkte Schulterabduktion, Hypästhesie über dem M. deltoideus.
- Läsion des N. musculocutaneus: Schwäche der Ellbogenbeugung, Hypästhesie über der lateralen Seite des Unterarms.
- Läsion des N. medianus: Karpaltunnelsyndrom, Schwäche der Daumenabduktion und -opposition, Sensibilitätsstörungen im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und radialen Hälfte des Ringfingers.
- Läsion des N. ulnaris: Schwäche der Handinnenmuskeln, Sensibilitätsstörungen im Kleinfinger und ulnaren Hälfte des Ringfingers.
- Läsion des N. radialis: Fallhand, Sensibilitätsstörungen auf der dorsalen Seite des Daumens und der Hand.
- Karpaltunnelsyndrom: Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Kompression des Nervus medianus im Karpaltunnel des Handgelenks. Es kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern führen, insbesondere im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger.
- Thoracic-Outlet-Syndrom: Das Thoracic-Outlet-Syndrom ist eine Kompression von Nerven und Blutgefäßen im Bereich des Schultergürtels. Es kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in Arm und Hand führen.
- Myelopathie: Eine Myelopathie ist eine Schädigung des Rückenmarks. Sie kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen und Blasen- und Darmfunktionsstörungen.
Behandlung von C7-bedingten Muskelausfällen
Die Behandlung eines C7-bedingten Muskelausfalls richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome. In den meisten Fällen wird zunächst eine konservative Therapie versucht.
Konservative Therapie
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, die Schmerzen zu lindern. Bei starken Schmerzen können die Ärzte vorübergehend auch Opioide verordnen.
- Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können helfen, Muskelverspannungen zu lösen.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Nervenwurzel zu entlasten.
- Physiotherapie: Krankengymnastik dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen. Je nach Ursache können physiotherapeutische Behandlungen helfen, z. B. mit Kälte oder Wärme. Bei Bedarf verordnen die Ärzte manchmal für kurze Zeit eine Halskrause.
- Psychotherapie: Bei chronischen Verläufen raten die Leitlinien zu psychotherapeutischer Unterstützung (z. B. Verhaltenstherapien) oder zur Verordnung von Antidepressiva.
- Interventionelle Schmerztherapie: Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass eine konservative Therapie nichts ausrichten kann. Dann empfehlen die Rückenspezialisten die interventionelle Schmerztherapie. Dabei wird z. B. ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmittel an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt. Dies kann zu einer vorübergehenden Linderung führen.
- Thermotherapie: Thermotherapie kann eine sinnvolle Ergänzung zur konservativen Behandlung von Bandscheibenbeschwerden sein. Dabei ist es ratsam, sich vor der Behandlung ärztlich beraten zu lassen und die individuellen Voraussetzungen zu berücksichtigen.
- Kälteanwendungen: Klassische Kälteanwendungen wie Kühlpads, kühlende Schmerzgele, Eiskompressen oder Kältesprays können sich positiv auf einen akuten Bandscheibenvorfall auswirken, da sie die Durchblutung reduzieren, einen abschwellenden und schmerzlindernden Effekt haben und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.
- Wärmeanwendungen: Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Infrarotlicht oder eine heiße Rolle fördern die Durchblutung im Gewebe, wirken schmerzlindernd und unterstützen die Muskulatur. Dadurch können sie eine wohltuende Wirkung auf Verspannungen haben, die im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls in der Regel auftreten. Die Wärmetherapie lässt sich vor allem nach der Akutphase und bei chronischen Beschwerden gut einsetzen.
Operative Therapie
In etwa 20 % der Radikulopathien muss die - meist mechanische - Ursache operativ beseitigt werden. Häufig liegt ein Bandscheibenvorfall zugrunde, manchmal auch eine Spinalkanalstenose. Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist oder wenn neurologische Ausfälle wie Muskelschwäche oder Lähmungen auftreten.
- Mikrochirurgische Dekompression: Die mikrochirurgische Dekompression ist eines der möglichen Verfahren zur Behandlung einer Radikulopathie. Ziel der Operation ist die Dekompression der beengten Nervenwurzel. Dazu gibt es verschiedene Verfahren. Entfernung von störendem Gewebe den Druck von der komprimierten Nervenwurzel nimmt. Bei diesem Eingriff kommt ein spezielles Mikroskop und feinste Instrumente über einen kleinen Zugang in den Wirbelkanal ein.
- Ventrale Fusion: Bei der ventralen Fusion ist der große Vorteil, daß der Operateur von ventral (=von vorne) an die Halswirbelsäuke gelangt. Das heisst das sehr empfindliche Rückenmark liegt weiter entfernt nach hinten und der Operateur gelangt zuerst an die Bandscheibe. Bei einem Bandscheibenvorfall in der Höhe C6/C7 wird also die zunächst die Bandscheibe von vorne dargestellt und dann komplett entfernt mit kleinen Faßzangen und Stanzen. Unter der ausgeräumten Bandscheibe stellt sich dann das hintere Längsband dar (s.o.) und häufig auch die Durchtrittsstelle des Bandscheibenvorfalls. Das Band wird ebenfalls mit bestimmten Instrumenten entfernt, dann der Bandscheibenvorfall dargestellt und idealerweise in einem Stück herausgezogen. Erst unterhalb des Längsbandes findet sich das Rückenmark bzw. die Nervenhaut, die das Rückenmark umgibt. Durch die vorherige Freilegung des Bandes und Entfernung der Bandscheibe besteht eine gute Kontrolle über das Rückenmark, da genügend Platz ist und das Rückenmark nicht weggedrückt werden muss. Dies kann nämlich zu bleibende Veränderungen und Schädigung des Rückenmarks führen. In das ausgeräumte Bandscheibenfach wird nun ein passendes Implantat eingesetzt, als Platzhalter und um eine Verknöcherung des Bandscheibenfaches auszulösen. Das ist das Ziel der Operation, Ruhe in das operierte Segment zu bringen und eine Stabilisierung zu erreichen = Fusion der beiden Wirbelkörper.
- Dorsale Foraminotomie nach Frykholm: Die Operation von hinten=dorsal ist eine „ältere“ Methode und ein Zugang zur Halswirbelsäule und dem Bandscheibenvorfall. Diese Technik wird als dorsale Foraminotomie nach Frykholm bezeichnet. Diese Operationstechnik wurde fast komplett verdrängt von der oben beschriebenen ventralen Fusion.
Rehabilitation
Nach der Behandlung eines C7-bedingten Muskelausfalls ist eine Rehabilitation wichtig, um die Funktion des Arms und der Hand wiederherzustellen. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie und Schmerztherapie umfassen.
Prävention
Es gibt einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um das Risiko eines C7-bedingten Muskelausfalls zu verringern:
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- Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung bei der Arbeit und bei anderen Aktivitäten.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
- Rauchen: Rauchen kann die Durchblutung der Wirbelsäule beeinträchtigen.
- Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit viel Kalzium und Vitamin D.
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