Medizinisches Cannabis bei Epilepsie im Kindesalter: Tilray Studien und Forschung

Medizinisches Cannabis gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Behandlung verschiedener Erkrankungen, darunter auch Epilepsie, insbesondere bei Kindern. Tilray Medical, ein führendes Unternehmen im Bereich der Erforschung und Herstellung von medizinischem Cannabis, engagiert sich intensiv in der klinischen Forschung, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabisprodukten für verschiedene Patientengruppen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Tilray in der Forschung zu medizinischem Cannabis, insbesondere im Zusammenhang mit Epilepsie bei Kindern, und fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus aktuellen Studien zusammen.

Tilray's Engagement in der medizinischen Cannabis-Forschung

Tilray Medical hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Patient*innen durch den Zugang zu medizinischem Cannabis zu verbessern. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von EU-GMP-zertifizierten medizinischen Cannabisprodukten in über 20 Ländern. Tilray engagiert sich nicht nur in der Produktion und dem Vertrieb, sondern auch in der klinischen Forschung, um die wissenschaftliche Grundlage für die Anwendung von medizinischem Cannabis zu erweitern.

Klinische Studien und Partnerschaften

Tilray unterstützt weltweit mehr als 20 klinische Studien und Beobachtungsstudien, um die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei verschiedenen Indikationen zu untersuchen. Dazu gehören chronische Schmerzen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV), essentieller Tremor und chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Kooperation mit dem Hospital for Sick Children in Toronto (SickKids), wo eine Phase-II-Studie zur Untersuchung einer Cannabinoid-Kombinationstherapie für Kinder mit dem Dravet-Syndrom durchgeführt wird. Das Dravet-Syndrom ist eine seltene und schwer zu behandelnde Form der Epilepsie, die im Kindesalter beginnt und durch häufige, schwer zu kontrollierende Anfälle und Entwicklungsverzögerungen gekennzeichnet ist. Diese Studie ist die erste klinische Studie, bei der ein aus einem Pflanzenextrakt gewonnenes flüssiges Cannabinoidpräparat mit präziser Dosierung oral verabreicht wird.

MCOPS-Studie

Die von Tilray geleitete MCOPS-Studie (Medical Cannabis for Patients Over Age 50: A Multi-Site, Prospective Study of Patterns of Use and Health Outcomes) umfasste 299 Teilnehmerinnen mit einem Durchschnittsalter von 66,7 Jahren, wobei 62,2 % der Befragten weiblich waren. Etwa 90 % der Patientinnen verwendeten medizinisches Cannabis zur Behandlung von chronischen Beschwerden wie Schmerzen und Arthritis. Die Anwendung von Medizinalcannabis zeigte innerhalb der MCOPS-Studie eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik, der Schlafqualität und der Lebensqualität in einer weltweit wachsenden Patientengruppe.

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Medizinalcannabis bei Epilepsie

Medizinalcannabis hat sich als vielversprechend bei der Behandlung von Epilepsie erwiesen, insbesondere bei Formen, die auf herkömmliche Medikamente nicht ansprechen. Die Forschung konzentriert sich dabei auf die beiden Hauptwirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), wobei CBD aufgrund seiner nicht-psychoaktiven Eigenschaften und seines Potenzials zur Reduzierung von Anfällen besonders im Fokus steht.

Cannabidiol (CBD) bei kindlicher Epilepsie

Für Kinder mit schwerer Epilepsie erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten: Künftig dürfen Kinder, die an den seltenen, aber sehr schweren Epilepsieformen, dem Lennox-Gastaut-Syndrom oder dem Dravet-Syndrom leiden, mit Cannabidiol behandelt werden.

Eine Meta-Analyse von 199 Veröffentlichungen zu CBD-basierten Medikamenten mit insgesamt 670 Betroffenen mit therapieresistenter Epilepsie zeigte, dass fast Zweidrittel der Patient*innen (64%) ihre Anfallshäufigkeit durch CBD reduzieren konnten. Dabei waren Vollspektrumpräparate reinen CBD-Medikamenten signifikant überlegen.

Vollspektrum-Extrakte vs. isolierte Cannabinoide

Medizinalcannabis enthält mehr als 100 Phytocannabinoide, wobei Zubereitungen der ganzen Cannabispflanze, sogenannte Vollspektrum-Präparate (Cannabisblüten, Vollspektrumextrakte), oft wirksamer und verträglicher sind als isolierte Cannabismedikamente wie Dronabinol (synthetisches oder halbsynthetisches THC). Die vorteilhafte Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Pflanzeninhaltsstoffen wird Entourage-Effekt genannt.

In einer Studie an Kindern mit CBD-reichem Extrakt an der pädiatrischen Neurologie am Sheba Medical Center hatten 89 Prozent der 74 Teilnehmerinnen weniger Anfälle. Daneben linderte ein CBD-Vollspektrumextrakt auch andere Beschwerden bei Epileptikerinnen: Aufmerksamkeit, Schlafqualität, Stimmung, Verhalten und Aggression, Sprache und Kognition und Motorik besserten sich. Derartige positive Auswirkungen wurden in Studien mit reinem CBD nicht beobachtet.

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CBDA als Vorstufe von CBD

Ein amerikanisches Forscherteam zeigte in einer präklinischen Studie an Ratten, dass Cannabidiolsäure (CBDA), die nicht-decarboxylierte Vorstufe von CBD, die krampflösende Wirkung verstärkt. Insgesamt zeigt das Tiermodell, dass CBDA-reiche Cannabisextrakte ähnlich krampflösend wirken wie CBD.

Der Entourage-Effekt

Der Entourage-Effekt beschreibt synergistische Wirkungen zwischen verschiedenen Cannabinoiden sowie anderen Pflanzeninhaltsstoffen. Intra-Entourage-Effekt bezeichnet Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Cannabinoiden. So kann durch Kombination von THC mit nicht psychotropem CBD die Bioverfügbarkeit von THC verbessert und der psychotrope Effekt reduziert werden.

Synergie zwischen Cannabinoiden und Terpenen

Es wird intensiv am Wechselspiel zwischen Cannabinoiden und Terpenen geforscht, auch zur Rolle der Flavonoide gibt es erste Studien. Der Entourage-Effekt wurde erstmals 1998 von dem israelischen Chemiker Raphael Mechoulam entdeckt und beschreibt synergistische Wirkungen zwischen verschiedenen Cannabinoiden sowie anderen Pflanzeninhaltsstoffen.

Klinische Bedeutung des Entourage-Effekts

Der Entourageeffekt könnte erklären, warum viele Betroffene Vollspektrumpräparate gegenüber Einzelsubstanzen bevorzugen. Unterschiedliche Verhältnisse von Haupt- und Nebencannabinoiden und Terpenen können diese Wirkunterschiede erklären.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es auch Herausforderungen bei der Anwendung von medizinischem Cannabis bei Epilepsie. Die Studienlage ist noch begrenzt, und es bedarf weiterer Forschung, um die optimalen Dosierungen, Anwendungsformen und langfristigen Auswirkungen von Cannabisprodukten zu verstehen.

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Mögliche Nebenwirkungen

CBD gilt nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen als ähnlich sicher wie andere Antiepileptika, trotzdem ist es nicht risikolos. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Appetitveränderungen, Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Störungen und Durchfall, Gewichtsveränderungen, Fatigue und Übelkeit.

Individuelle Unterschiede

Ein Ausprobieren ist dennoch unverzichtbar, da Cannabis selbst bei gleichem Gehalt an THC, CBD und Terpenen bei jeder Person anders wirkt.

Pro-epileptogene Wirkung von THC

In einigen tierexperimentellen Modellen für Epilepsie wurden in den siebziger und achtziger Jahren für THC pro-epileptogene nachgewiesen. Es gibt Hinweise darauf, dass THC in Einzelfällen auch bei Menschen entsprechende Wirkungen haben kann.

Kosten

Bei CBD braucht man vergleichsweise hohe Dosen. Bei Kindern wurden in klinischen Studien 5-25 mg/kg (bis 50 mg/kg) Körpergewicht verwendet. Dies kann zu einem erheblichen Kostenproblem führen.

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