Immer mehr Menschen suchen nach alternativen Behandlungsmethoden für chronische Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen. CBD-Öl (Cannabidiol), ein Wirkstoff der Cannabispflanze, rückt dabei immer stärker in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Vorteile von Cannabis bzw. CBD-Produkten bei der Linderung von Nervenschmerzen, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Erfahrungsberichten.
CBD Öl gegen Schmerzen: Was sagt die Forschung?
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass CBD-Produkte bei der Linderung von Schmerzen sinnvoll eingesetzt werden können. Herkömmliche Schmerzmittel bieten zwar Linderung, sind aber oft mit Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten bei längerer Einnahme verbunden. Die Wirkstoffe aus der Hanfpflanze sind in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus gerückt, wenn es um die Suche nach natürlichen Alternativen geht.
Viele Forschungs- und Studienergebnisse zeigen eine schmerzlindernde Wirkung von Cannabidiol (CBD), auch wenn der Wirkmechanismus noch nicht vollkommen wissenschaftlich entschlüsselt und belegt ist. Zentral ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass CBD in Verbindung mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems treten kann. Durch die Interaktion mit den Rezeptoren kann sich die Wirkung von CBD Öl schmerzlindernd und auch entzündungshemmend zeigen. Zudem gehen Forscher der Hypothese nach, dass die Einnahme von CBD Öl die körpereigene Herstellung von Cannabinoiden aktivieren kann.
Bekannt ist in der Medizin seit längerem, dass Schmerzen durch eine zu geringe Konzentration an Anandamid entstehen. Hierbei handelt es sich um ein körpereigenes Cannabinoid. Das zeigt, dass es sich bei CBD Öl um einen natürlichen Wirkstoff handelt, der körpereigenen Prozessen sehr entgegenkommt. In der Forschung wird derzeit untersucht, ob CBD den Körper daran hindert, Anandamid abzubauen. Es gibt bereits zahlreiche Studien, die eine positive Wirkung von Cannabidiol aus der Hanfpflanze bei Schmerzen bestätigen. So verwundert es nicht, dass immer mehr Ärzte CBD als Ergänzung oder auch Bereicherung der klassischen Schmerztherapie anwenden.
Anwendungsformen von CBD bei Schmerzen
Mit CBD Öl steht eine frei verkäufliche Alternative bereit, die jeder testen kann. Wichtig ist, dass der gesetzliche vorgeschriebene Maximalwert für THC bei höchstens 0,2 % liegt, wodurch eine Nachweisbarkeit von THC im Blut nicht gegeben ist. Im Gegensatz zu Cannabidiol handelt es sich bei THC um einen berauschenden Wirkstoff.
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CBD Öl: Einfache Anwendung und Dosierung
Einer der großen Vorteile ist: CBD gegen Schmerzen in Form von Öl ist besonders einfach anzuwenden, weshalb viele Interessenten zu dieser Lösung greifen. Die Tropfen lassen sich einfach einnehmen, was besten direkt im Mund geschieht. Über die Schleimhaut wird der Wirkstoff am schnellsten aufgenommen.
Wie viel CBD Öl gegen Schmerzen einzunehmen ist, sollte den Dosierungsanweisungen des Herstellers entnommen werden. Je nach Körpergewicht und Schmerzempfinden kann es keine völlig allgemeinverbindliche Dosierungsempfehlung geben. Um Wirkung und Verträglichkeit zu testen, sollten Sie immer mit einer niedrigen Dosis starten. Je stärker die Schmerzen und somit Einschränkungen sind, desto höher kann die Dosierung ausfallen. Schaut man auf Angaben von Herstellern, so erscheinen 2 Mal 3 Tropfen pro Tag bei mittelschweren Schmerzen angemessen (bei einem CBD Öl mit einem Gehalt zwischen 5 und 10 %). Bei starken oder chronischen Schmerzen können 2 Mal 4 Tropfen CBD Öl (10 % Gehalt) eingenommen werden. Eine Steigerung auf 15 Tropfen pro Tag ist möglich, wenn der Körper gut anspricht und sich keine Nebenwirkungen von CBD zeigen. Abgesehen von harmloser Mundtrockenheit ist vor allem ein möglicher Abfall des Blutdrucks zu beachten.
CBD Cremes und Gels: Punktgenaue Anwendung auf der Haut
Neben CBD Öl gibt es mit Cremes oder einem speziellen Gel noch andere, punktgenaue Anwendungsmöglichkeiten auf der Haut. Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller spezielle Cremes mit CBD an, die auf der Haut aufgetragen werden. Auch auf der Haut in Form von Cremes oder Salben wirkt CBD schmerzlindernd, da auch hier das Cannabinoid-System beeinflusst wird, sodass von einer schmerzlindernden Wirkung auszugehen ist.
Zu beachten ist, dass eine CBD Creme gegen Schmerzen auch andere kosmetische Verbesserungen nach sich ziehen kann. Bei chronisch entzündlichen Hauterkrankungen kann eine solche Creme spürbare Verbesserungen herbeiführen und das Hautbild verbessern. Der Einsatz ist nicht nur auf Schmerzen begrenzt, sondern auch mit Blick auf unangenehme Begleiterscheinungen wie etwa Juckreiz bei Neurodermitis.
In den letzten Jahren wurden spezielle CBD Gels gegen Schmerzen entwickelt, die eine so genannte topische Anwendung ermöglichen. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nicht notwendigerweise direkt in den Blutkreislauf gelangen muss. Vor allem Sportler entdecken immer öfter die positiven Effekte von CBD Gel gegen Schmerzen. Ein solches Gel kann Muskelschmerzen verringern sowie bei Prellungen helfen und die körperliche Regeneration auf natürliche Weise fördern.
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CBD bei Rückenschmerzen
CBD Öl und andere Produkte können Rückenschmerzen natürlich lindern. Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit, da Millionen von Menschen betroffen sind. Langes Arbeiten im Sitzen und zu wenig Bewegung sowie Übergewicht sind Faktoren, die Rückenschmerzen begünstigen. Je nach Schwere der Schmerzen kann CBD in Öl-Form eingenommen werden, um eine lindernde Wirkung zu prüfen. Falls es sich nur um temporäre Schmerzen handelt, kann auch ein CBD Gel punktgenau auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden. In der punktgenauen Anwendung ist bei Schmerzen am Rücken bzw.
CBD bei Nervenschmerzen (Neuropathie)
Nervenschmerzen sind nicht nur belastend und unberechenbar. Viele Medikamente bringen für Betroffene nicht die erwünschte Wirkung. In den letzten Jahren ist CBD auch immer öfter in Verbindung mit der Behandlung von Nervenschmerzen genannt worden. Neuropathie bzw. Nervenschmerzen, die sich in Form von Kribbeln und Brennen äußern können, sind sehr schwer zu behandeln. Studienergebnisse deuten an, dass CBD auch bei dieser sehr speziellen Art von Schmerz wirksam sein kann. Auch wenn die Datenlage noch gering ist, wurde bereits ein Präparat mit Inhaltsstoffen aus CBD aber auch THC für die Behandlung von Multipler Sklerose zugelassen. Daneben konnte ein Forschungsteam in Tschechien ein Spray mit CBD und Inhaltsstoffen erfolgreich zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen einsetzen. Es wurde diesbezüglich eine Studie mit 303 Patienten durchgeführt. Ob als Öl oder Gel: CBD kann laut Erfahrungsberichten bei Gelenkschmerzen eine effektive Linderung herbeiführen, so die Erfahrungsberichte und Kommentare von betroffenen Anwendern. Die Forschung sieht immer mehr Belege dafür, dass Cannabidiol auf die Schmerzregulation einwirkt. Durch die Aktivierung des Cannabinoid-Systems könnte die Schwelle für die Schmerzempfindlichkeit hochgesetzt werden.
So zeigte eine Studie zum Einsatz von Cannabidiol bei Osteoarthritis, dass Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit Osteoarthritis erfolgreich behandelt werden können, beim rechtzeitigen Einsatz von CBD in der Entstehungsphase der Krankheit. Unter anderem konnten akute Gelenkentzündungen durch eine lokale CBD-Behandlung reduziert werden. Eine weitere Studie zum Einsatz von CBD bei Arthritis kam zu ähnlichen Ergebnissen. Auch hier zeigten sich positive Ergebnisse wie eine Reduzierung von Gelenksschwellungen und eine Reduktion der Schmerzen.
Multimodale Therapie und chronische Schmerzen
Chronische oder schwer behandelbare Beschwerden waren letztlich in der Medizin der Grund, warum CBD gegen Schmerzen als mögliche Alternative immer öfter auf den Behandlungsplan gerufen wurde. Immer mehr Mediziner sprechen sich bei chronischen Schmerzen für eine so genannte multimodale Therapie aus. Das bedeutet, dass auf verschiedene Fachdisziplinen und Behandlungsoptionen zurückgegriffen wird. Diesbezüglich gibt es auch eine ganze Reihe von Studien, die den Einsatz von CBD Produkten in der Schmerztherapie und bei chronischen Schmerzen geprüft haben. Die Studien haben eine Vielzahl von Ergebnissen gezeigt. Während manche nur einen Placebo-Effekt nachgewiesen haben, haben andere eine hohe Wirksamkeit und Effektivität bestätigt. So zeigte sich in einer Studie zum Einsatz von Cannabisextrakten bei neurogenen Symptomen deutliche Verbesserungen eine Reduktion der Schmerzen von Patienten, die unter chronischen Krankheiten wie Multipler Sklerose oder Rückenmarktverletzungen leiden. Bei der CBD-Behandlung bei Fibromyalgie zeigten sich auch sehr positiven Wirkungen und es wurde in der Kombination mit THC eine Schmerzreduktion von mehr als 30% festgestellt, was deutlich mehr ist als bei der Verabreichung von Placebos.
Erfahrungsberichte und Patientenperspektiven
Erfahrungen von CBD Öl gegen Schmerzen von Patienten sind vor allem in Bewertungsplattformen und Social Media Portalen zu finden. Jenseits der aktuellen Forschung zeigen Erfahrungsberichte von Anwender*innen, welche Wirkung sich mit Cannabidiol aus Öl oder Cremes erzielen lässt. Ein Querschnitt aus tausenden Erfahrungsberichten zu CBD Öl gegen Schmerzen zeigt, dass die Mehrheit gute Erfahrungen gemacht hat. Viele Schmerzpatienten äußern sich positiv über die gute Wirkung, die gute Verträglichkeit und die sehr seltenen Nebenwirkungen, die in keiner Relation zu starken, pharmazeutischen Schmerzmitteln stehen. In vielen Berichten ist zu lesen, dass CBD sich lindernd auf Schmerzen auswirkt und gerade bei einer chronischen Erkrankung zu einer spürbaren Linderung führen kann. Bei einigen Testern ist die Wirkung so gut, dass sie die Dosierung anderer Schmerzmittel herabsetzen konnten.
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Kauf von CBD Öl: Was ist zu beachten?
Wenn Sie CBD Öl gegen Schmerzen kaufen wollen, können Sie das in Deutschland völlig legal und rezeptfrei tun. Wichtig ist, dass der THC-Gehalt bei maximal 0,2 % liegt. Andernfalls würde die ärztliche Verschreibungspflicht greifen. Der Gehalt an CBD liegt je nach Öl oder Creme meistens in der Bandbreite zwischen 4 und 10 %. Beim Kauf ist vor allem Wert auf die Herkunft und die Reinheit des CBD Öls zu legen.
Häufig gestellte Fragen zu CBD und Schmerzen
- Hilft CBD wirklich gegen Schmerzen? Ja, das legen Forschungsergebnisse und viele positive Erfahrungsberichte von Betroffenen nahe. Auch wenn der Wirkmechanismus dieses Bestandteils der Hanfpflanze noch nicht endgültig entschlüsselt ist, zeigt sich ein klares schmerz- sowie entzündungshemmendes Potenzial.
- Wie schnell wirkt CBD Öl gegen Schmerzen? Jeder Organismus reagiert anders und das Schmerzempfinden ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Vor diesem Hintergrund sind 1 bis 2 Stunden nur als Richtwert für die eintretende Wirkung zu sehen.
- Ist CBD Öl ein Medikament? Nein, frei verkäufliches CBD Öl ist kein Medikament, sondern eher als Nahrungsergänzungsmittel mit schmerzstillendem Potenzial einzuordnen. Solange der THC-Gehalt nicht mehr als 0,2 % beträgt, sind solche Öle vollkommen legal frei verfügbar. Bislang gibt es erst ein Medikament mit dem Wirkstoff CBD, das 2018 für die Behandlung von Epilepsie zugelassen wurde.
- Hilft CBD Öl auch bei chronischen Schmerzen? Erfahrungsberichte zeigen, dass CBD Öl auch bei chronischen Schmerzen Linderung herbeiführen kann. Medizinisch lässt sich das durch die Interaktion mit den Rezeptoren des Cannabinoid-Systems erklären.
- Ist CBD Öl legal? Bei einem THC-Gehalt von max. 0,2 Prozent ist ein CBD Öl gegen Schmerzen legal frei zu erwerben. Bei sehr starken Schmerzen können Ärzte auch weitere, spezielle Cannabis-Präparate verschreiben. Diese sind nicht frei verkäuflich! Ein neues Gesetz hat 2017 ermöglicht, dass Cannabis nun auch als Medizin zum Einsatz kommen kann.
Das Endocannabinoid-System und seine Rolle bei Nervenschmerzen
Das Endocannabinoidsystem (ECS) spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Schmerzen - insbesondere auch bei neuropathischen Schmerzen. Es ist gewissermaßen ein „körpereigenes Gleichgewichtssystem“, das dafür sorgt, dass Signale wie Schmerz, Stress, Entzündung oder Appetit nicht aus dem Ruder laufen. Das ECS besteht aus drei Hauptbestandteilen: den Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2), den Endocannabinoide (Anandamid und 2-AG) und den zugehörigen Enzymen, die diese Stoffe auf- und abbauen. Bei Nervenschäden wird das ECS besonders aktiv, weil es versucht, die Übererregbarkeit von Nervenzellen herunterzufahren. THC wirkt über CB1- und CB2-Rezeptoren, beeinflusst Schmerz- und Stresszentren im Gehirn. CBD wirkt entzündungshemmend, beeinflusst die Nervenrezeptoren und reduziert Schmerzempfinden. Bildgebende Studien zeigten eine veränderte Hirnaktivität in dem Bereich, der mit reduzierter Schmerzwahrnehmung in Verbindung steht. Medizinisches Cannabis besitzt das Potenzial, das aus dem Gleichgewicht geratene System zu beeinflussen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Studienlage
Die wissenschaftliche Lage ist vielversprechend - aber noch nicht abschließend. Einige Studien zeigen, dass ein Teil der Patient:innen mit neuropathischen Schmerzen von medizinischem Cannabis profitiert - vor allem, wenn andere Therapien (z.B. In einer aktuellen Übersichtsarbeit wurden 11 randomisierte kontrollierte Studien zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen aus den Jahren 2014 bis 2024 ausgewertet [2]. Die Autoren kommen zu dem Fazit, dass Medizinalcannabis neuropathische Schmerzen reduzieren, die Schlafqualität verbessern und die Lebensqualität steigern kann. Zudem scheint die Kombination von THC und CBD wirksamer zu sein und kann psychoaktive Nebenwirkungen von THC abmildern. Die Wirkung variiert je nach Verabreichungsform (z. B. oral, inhalativ). Inhalative Darreichungen zeigen schneller einsetzende Effekte. Es gibt erste Hinweise auf eine dosisabhängige Wirkung und potenzielle Einsparung anderer Schmerzmittel, insbesondere bei Patienten, die mit ihrer bisherigen Medikation keine ausreichende Schmerzlinderung erreichen konnten.
Eine retrospektive Beobachtungsstudie untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von medizinischem Cannabis bei 99 Patient:innen mit chronischen neuropathischen Schmerzen [3]. Alle Patient:innen inhalierten medizinische Cannabisblüten (THC-Gehalt 12-22 %) per Vaporizer, meist 0,15-1 g/Tag. Der mittlere Schmerzscore sank von 7,5 auf 3,75 nach 6 Wochen; der Anteil schwerer Schmerzen fiel von 96 % auf 15 %. Gleichzeitig zeigte sich eine Schlafverbesserung. Es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf; nur milde Effekte wie trockene Schleimhäute (5 %), Müdigkeit (5 %) und gesteigerter Appetit (3 %). Somit zeigt auch diese Studie, dass inhalatives medizinisches Cannabis bei chronischen neuropathischen Schmerzen schnell, deutlich und nachhaltig wirken kann - bei guter Verträglichkeit und geringem Risiko für Nebenwirkungen.
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrolliert Studie wurde anhand von 27 erwachsenen Patient:innen mit chronischem neuropathischem Schmerz die Wirksamkeit von inhalativem THC untersucht [4]. Bereits sehr geringe THC-Dosen (0,5 bzw. Medizinisches Cannabis kann helfen, wenn andere Behandlungen bei Nervenschmerzen nicht ausreichend wirken. Dann sind Cannabinoide eine vielversprechende, natürliche Ergänzung zur Schmerztherapie - besonders bei chronischen, neuropathischen Schmerzen.
Cannabis als Medizin in Deutschland
Seit 2017 dürfen Ärzte in Deutschland Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen und bei fehlenden Therapiealternativen Cannabis (Cannabinoide) zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Viele Schmerzpatienten haben hohe Erwartungen und große Hoffnung auf cannabishaltige Medikamente. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass lediglich bei einem Bruchteil der Erkrankungen mit speziellen chronischen Schmerzen erwiesen ist, dass cannabisbasierte Arzneimittel helfen.
Einsatzgebiete und Wirksamkeit
Cannabinoide dürfen nur in Einzelfällen bei schwerwiegenden körperlichen Erkrankungen gegeben werden, bei denen andere Medikamente keine Wirkung gezeigt haben. Eine Krankheit gilt dann als schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie eine so schwere Gesundheitsstörung verursacht, dass die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt ist. Cannabinoide können meist keine Schmerzfreiheit herstellen, die Schmerzen werden aber unter Umständen vermindert wahrgenommen und schmerzbedingte Schlafstörungen können sich verbessern. Für eine deutliche Schmerzreduktion um mind. 50% liegt kein Beweis vor.
Als mögliche Einsatzgebiete für cannabisbasierte Medikamente gelten derzeit insbesondere chronische Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen), Spastik (langandauernde Muskelverkrampfung) bei Multipler Sklerose sowie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen unter Chemotherapie. Akutschmerzen und Gewebeschmerzen wie z.B. muskuläre Schmerzen scheinen weniger auf Cannabinoide anzusprechen. Bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, rheumatoider Arthritis, chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung, Morbus Crohn, Schiefhals und Reizdarmsyndrom konnten keine eindeutigen Verbesserungen erzielt werden.
Nebenwirkungen und Risiken
Unter einer Therapie mit Cannabinoiden kann es zu Nebenwirkungen im Gehirn kommen, die sich z. B. in Form von Übelkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, Störungen der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung und des Denkens sowie Stimmungsschwankungen zeigen können. Weitere Nebenwirkungen sind Suchtentwicklung, Beeinflussung von Gedächtnisfunktionen, Verwirrtheit, Gewichtszunahme, Bewegungsbeeinträchtigungen, Nebenwirkungen auf das Herz- und Kreislaufsystem und Lustlosigkeit. Die bisherigen Untersuchungen beziehen sich auf kurze Behandlungszeiträume von wenigen Wochen bis Monaten, die besonderen Risiken einer Langzeitbehandlung sind weitestgehend unklar. Bei gleichzeitig zur Schmerzerkrankung bestehenden bestimmten psychiatrischen Erkrankungen wie Suchterkrankungen oder Psychosen ist von einer Behandlung mit Cannabinoiden abzusehen, da die Risiken und Nebenwirkungen hier besonders erhöht sind.
Unter medizinischer Anwendung ist das Lenken von Fahrzeugen und Bedienen von Maschinen vorrübergehend eingeschränkt. Diese Einschränkungen treten besonders bei Ersteinnahme, Entzug und je nach Dosishöhe auf. Die kontinuierliche Verfügbarkeit der Arznei ist z.B. bei Auslandsreisen zu gewährleisten, sonst kann es zu Entzugssymptomen kommen.
Verschreibung und Kostenübernahme
Die Cannabinoide können vom Arzt nur in speziellen Einzelfällen verschrieben werden. Der Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenkasse bedarf einer besonderen Begründung durch den behandelnden Arzt. In der Schmerztherapie kann es derzeit nur bei Patienten mit nicht anders behandelbaren schwersten chronischen Nervenschmerzen eingesetzt werden. Sie sollten nicht als einzige Maßnahme gesehen werden, sondern nur in Kombination mit physiotherapeutischen und psychotherapeutischen Verfahren. Eine langfristige Therapie ist nur bei einer anhaltenden positiven Wirkung sinnvoll. Allerdings gibt es noch keine ausreichenden Erfahrungen zu Erfolg und Sicherheit in der Langzeitbehandlung.
Rechtliche Aspekte: Teillegalisierung von Cannabis
Seit dem 1. April ist Cannabis teilweise legal. So will die Bundesregierung den unkontrollierten Handel und Konsum über den Schwarzmarkt und damit die organisierte Kriminalität eindämmen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit dem neuen Gesetz zudem den Jugendschutz erhöhen. Erwerb, Besitz und Anbau von Cannabis bleiben für Minderjährige verboten, werden aber nicht strafrechtlich verfolgt. Die Weitergabe von Cannabis an Minderjährige bleibt strafbar. Werden Jugendliche mit Cannabis erwischt, muss die Polizei die Eltern informieren und in schweren Fällen die Jugendämter einschalten. Minderjährigen Cannabis-Konsumenten soll die Teilnahme an Interventions- und Präventionsprogrammen angeboten werden.
Fazit: Cannabis als vielversprechende Option bei Nervenschmerzen?
Medizinisches Cannabis kann helfen, wenn andere Behandlungen bei Nervenschmerzen nicht ausreichend wirken. Dann sind Cannabinoide eine vielversprechende, natürliche Ergänzung zur Schmerztherapie - besonders bei chronischen, neuropathischen Schmerzen. Die medizinische Anwendung von Cannabis bietet neue Perspektiven in der Behandlung neuropathischer Schmerzen. Die Kombination aus THC und CBD scheint besonders wirksam und besser verträglich zu sein als THC allein. Trotz noch ausstehender Langzeitdaten spricht vieles dafür, Cannabis als festen Bestandteil moderner Schmerztherapie zu etablieren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Cannabis kein Wundermittel ist und die Behandlung mit medizinischem Cannabis nur nach Untersuchung und Verordnung eines Spezialisten erfolgen und mit anderen Maßnahmen wie beispielsweise Physio- und Bewegungstherapie sowie in vielen Fällen mit psychotherapeutischen Verfahren kombiniert werden sollte.