Casper: Zwischen Klassiker-Anspruch und der Suche nach Wahrheit

Benjamin Griffey, besser bekannt als Casper, ist einer der umstrittensten Rapper Deutschlands. Geboren 1982 in Extertal bei Lemgo als Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners, hat er sich in der Musikszene einen Namen gemacht. Seine Karriere ist geprägt von dem ständigen Streben nach künstlerischer Relevanz und dem Wunsch, einen Klassiker zu schaffen.

Der Antrieb: Mehr als nur Geld

Casper selbst betont, dass es ihm nicht primär um finanziellen Erfolg geht. Vielmehr ist es der Wunsch, ein Werk zu schaffen, das die Zeit überdauert. Er nennt Beispiele wie "Bambule" von Absolute Beginner, "Blueprint" von Jay-Z oder "21" von Adele - Alben, die für ihn Klassikerstatus haben. Dieser Anspruch treibt ihn an, seine Komfortzone zu verlassen und neue Einflüsse in seine Musik zu integrieren.

"Das ist tatsächlich wichtiger als Geld, dieser Moment, in dem man einen Klassiker abliefert, der Fan- und Kritikerliebling ist, relevant ist und zugleich Grenzen sprengt."

Hinterland: Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Provinz

Sein Album "Hinterland" ist eine Auseinandersetzung mit seiner Heimat Deutschland, insbesondere mit dem Leben in der Provinz. Casper thematisiert die Fassaden, die in Dörfern aufrechterhalten werden, und die Diskrepanz zwischen Schein und Sein. Er beobachtet, wie sehr auf Äußerlichkeiten geachtet wird, während hinter den Kulissen oft zerrüttete Familien und soziale Probleme existieren. Dieses Gefühl, ausbrechen zu wollen, sei universell, so Casper.

"Ich finde es ebenso faszinierend wie verstörend, wie in Dörfern sehr auf den Schein geachtet wird. Sowohl in Amerika, als auch in Deutschland wird der Hof schön sauber gehalten, nichts soll nach außen dringen."

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Berlin: Nicht das erhoffte Mekka

Obwohl viele junge Menschen Berlin als das Mekka der Kreativität sehen, teilt Casper diese Ansicht nicht. Er rät zur Mäßigung und betont, dass auch Berlin seine Schattenseiten hat. Seine Verbundenheit zu Kraftklub rührt auch daher, dass beide Bands aus der Provinz stammen und ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

"Berlin ist für mich nicht das Mekka wie für viele andere Leute. Wenn man Jüngere so hört: 'Berlin ist der Wahnsinn, das ist der Himmel, da müssen wir hin.' Dann sage ich: Naja, mach mal halblang, so toll ist es auch nicht."

Die Suche nach Authentizität und Ehrgeiz

Casper betont, dass er sich seinen Erfolg hart erarbeiten musste, da er aus einer Kleinstadt stammt und nicht die gleichen Startbedingungen hatte wie Künstler aus Großstädten. Er sieht dies jedoch auch als Ansporn und betont seinen Ehrgeiz, einen Klassiker aufzunehmen.

"Ich musste zwanzig mal so ehrgeizig sein wie andere. Ich bin auf der konstanten Jagd, einen Klassiker aufzunehmen. Ich will diesen Moment der immer währenden Relevanz."

Lang lebe der Tod: Eine düstere Reise in das Selbst

Mit seinem Album "Lang lebe der Tod" schlägt Casper neue Wege ein. Das Album ist düsterer und persönlicher als seine vorherigen Werke und behandelt das Thema Tod auf vielfältige Weise. Es geht um Sensationsgier, den Umgang mit Medien und den Unwillen, den eigenen Standpunkt zu verlassen.

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Casper nimmt den Hörer mit auf eine Reise in sein Inneres und thematisiert Ängste, Depressionen und die Suche nach Wahrheit. Er kritisiert die Reality-TV-Kultur und die Oberflächlichkeit der Gesellschaft. Gleichzeitig sucht er nach Befreiung und Frieden inmitten des Wahnsinns.

"Eigentlich sucht Casper nur seinen Frieden inmitten der ganzen Falschheit unserer Zeit. Nach dem bisschen Wahrheit zwischen all den Lügen. Nach irgendeiner Form der Befreiung von dem Wahnsinn, der ihn umgibt."

Musikalische Vielfalt und Einflüsse

Caspers Musik ist geprägt von einer großen stilistischen Bandbreite. Er integriert Elemente aus verschiedenen Genres wie Gitarrenrock, Hip-Hop und sogar Einflüsse von Bands wie Type O Negative, Muff Potter und den Editors. Diese Vielfalt spiegelt seinen Wunsch wider, sich nicht auf ein Genre festlegen zu lassen und immer wieder neue musikalische Wege zu gehen.

Kontroverse und Akzeptanz

Casper ist ein Künstler, der polarisiert. Er eckt an, bricht mit Konventionen und scheut sich nicht, Tabus zu thematisieren. Dies führt immer wieder zu Kontroversen, insbesondere in der Rap-Szene. So wird ihm beispielsweise Homosexualität unterstellt, was er jedoch nicht als Beleidigung empfindet.

Casper selbst sieht seine Musik als Einladung an alle, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung. Er positioniert sich klar gegen Sexismus, Homophobie und Ausgrenzung.

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"Ich stehe krass gegen Sexismus, Homophobie oder sonstiges Randgruppen-Bashing. An meiner Musik soll jeder teilhaben können, sie soll nicht limitiert sein."

Nur Liebe, Immer: Ein Mixtape-artiges Album mit Blick in die Vergangenheit

Sein sechstes Studioalbum "Nur Liebe, Immer" erschien ungewöhnlich schnell nach seinem Vorgänger. Es hat Mixtape-Charakter und verspricht mit dem Cover, das Casper als Kind zeigt, einen Blick in die Vergangenheit. Tatsächlich blickt Casper auf diesem Album oft aus der Distanz auf lange Zurückliegendes, thematisiert Beziehungen und seine Jugend im Extertal. Musikalisch gibt es Anspielungen auf frühere Werke, aber auch neue Experimente wie House-Rap. Insgesamt ist das Album gefühlvoll und persönlich, aber erfüllt nicht ganz die hohen Erwartungen von Medien und Fans.

Billie Jo: Ein Anti-Kriegssong über familiäre Tragödie

Die Single "Billie Jo" ist ein Anti-Kriegssong, der die Geschichte von Caspers Cousine erzählt, die 2016 zusammen mit ihren Kindern bei einem Amoklauf ihres Mannes ums Leben kam. Der Song thematisiert die Hintergründe der Tat, die durch die Kriegserlebnisse des Täters und seine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ausgelöst wurde. Casper geht auf die Symptome der PTBS und die Behandlung mit Medikamenten wie Xanax ein. Er thematisiert auch die Drogenabhängigkeit des Täters und die gefaltete Flagge, die als Symbol für gefallene Soldaten steht.

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