CBD-Öl bei Epilepsie: Studien, Anwendung und Perspektiven

Epilepsie ist eine komplexe neurologische Störung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft und oft durch unvorhersehbare Anfälle gekennzeichnet ist. In Deutschland treten epileptische Anfälle ohne ersichtlichen Auslöser bei ungefähr einem von 100 Menschen auf. Werden Gelegenheitsanfälle hinzugerechnet, erleiden schätzungsweise zehn von 100 Menschen mindestens einen Anfall im Laufe ihres Lebens. Angesichts der Herausforderungen, die mit herkömmlichen Behandlungen verbunden sind, wächst das Interesse an natürlichen Alternativen, insbesondere an Cannabidiol (CBD). Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Medikamenten, die oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden sind, bietet CBD eine weniger invasive Behandlungsweise. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Vorteile von CBD bei Epilepsie, basierend auf aktuellen Studien und Expertenmeinungen.

Was ist Epilepsie? Ursachen, Symptome und Diagnose

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit, die durch wiederkehrende Krampfanfälle charakterisiert ist. Diese Erkrankung des zentralen Nervensystems betrifft rund 50 Millionen Menschen global und kann in jedem Lebensalter auftreten. Die Epilepsie Diagnose basiert auf Anamnese, Berichten von Angehörigen und Tests wie EEG, CT/MRT oder Lumbalpunktion.

Epilepsie Ursachen

Die Ursachen einer Epilepsie sind vielfältig: Genetische Faktoren, traumatische Hirnverletzungen, Infektionen und Schlaganfälle sind als mögliche Auslöser identifiziert worden. Genetische Veränderungen, Hirnschäden durch Schlaganfall oder Tumore können Anfälle auslösen. Bei etwa 50 % der Betroffenen bleibt die Ursache unklar. Die genaue Ursache von Epilepsie ist oft schwer zu bestimmen, doch es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Disposition und äußeren Faktoren wie Hirnverletzungen und Infektionen eine Rolle spielt.

Epilepsie Symptome

Epilepsie Symptome variieren je nach Anfallstyp:

  • Fokal: Wahrnehmungsveränderungen, Schwindel, Halluzinationen.
  • Generalisiert:
    • Tonisch: Verkrampfung.
    • Klonisch: Zuckungen.
    • Tonisch-klonisch: Verkrampfung und Zuckungen.
    • Atonisch: Muskeltonusverlust.
    • Myoklonisch: Schnelle Zuckungen.
    • Absencen: Bewusstseinspausen.

Ein Status epilepticus (>5 Minuten) ist ein Notfall. Zur Behandlung von Epilepsie werden meist Antiepileptika eingesetzt, die darauf abzielen, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren. In schweren Fällen können chirurgische Eingriffe notwendig sein.

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Cannabidiol (CBD): Ein Überblick

CBD, kurz für Cannabidiol, ist eine von über 100 chemischen Verbindungen, die natürlich in der Cannabispflanze vorkommen. Anders als THC (Tetrahydrocannabinol), das für seine psychoaktiven Effekte bekannt ist, hat CBD keine berauschenden Wirkungen und führt nicht zu einem "High". CBD interagiert mit dem Endocannabinoid-System (ECS) des Körpers, einem komplexen Netzwerk von Rezeptoren und chemischen Signalen, das eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der neuronalen Aktivität spielt. Dieses System trägt dazu bei, das Gleichgewicht im Nervensystem aufrechtzuerhalten. CBD übt seine Wirkung über mehrere biologische Wege aus. Im Gegensatz zu THC bindet CBD nur sehr schwach an die Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2) und verursacht keine Euphorie oder einen Rausch. Dennoch hat CBD eine breite pharmakologische Wirkung, die für die genannten Erkrankungen relevant ist.

Wechselwirkungen mit dem Endocannabinoid-System

CBD ist ein Modulator des CB1-Rezeptors, was bedeutet, dass es den Rezeptor indirekt beeinflusst und möglicherweise die Wirkung der körpereigenen Cannabinoide verändert. Darüber hinaus hemmt CBD die Wiederaufnahme und den Abbau von Endocannabinoid-Stoffen (wie Anandamid). Dies kann das Endocannabinoid-System aktiver machen und die neuronale Reizübertragung beeinflussen.

Antiepileptische Wirkung

CBD hat in Tier- und Zellmodellen antiepileptische Eigenschaften gezeigt. Es scheint bestimmte Rezeptoren wie GPR55 zu blockieren und andere Rezeptoren wie den GABA- und Glycinrezeptor positiv zu modulieren, was eine hemmende Wirkung auf übermäßige neuronale Entladungen hat. Übermäßige neuronale Entladungen können zu Krampfanfällen und anderen neurologischen Störungen führen.

Angsthemmende und antipsychotische Effekte

CBD wirkt auch auf Systeme außerhalb des Endocannabinoid-Systems. CBD wirkt als Agonist des 5-HT-1A Serotoninrezeptors, was bedeutet, dass es diesen Rezeptor aktiviert und so angsthemmende Effekte auslöst. Diese Wirkung ist mit angsthemmenden Effekten vergleichbar, wie sie auch bei bestimmten Angsthemmern und Antidepressiva beobachtet werden, die auf Serotonin wirken. Dies könnte erklären, warum CBD soziale Phobie in experimentellen Settings reduziert. Darüber hinaus hat CBD in einigen Studien bei Erwachsenen ein antipsychotisches Profil gezeigt, möglicherweise durch die Beeinflussung von Dopamin- und Glutamat-Signalwegen.

Entzündungshemmung und Neuroprotektion

CBD wird in der Literatur auch eine entzündungshemmende Wirkung im Gehirn zugeschrieben, die über die Aktivierung von PPAR-γ-Rezeptoren und die Modulation der Zytokinproduktion erfolgt. Kurz gesagt, CBD wirkt auf verschiedene Rezeptoren und Signalwege, die an neuronaler Erregbarkeit, Stimmung und Verhalten beteiligt sind. Diese Vielseitigkeit ist wahrscheinlich der Grund, warum CBD bei einer Vielzahl von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (von Epilepsie bis Angststörungen) wirksam sein kann. Speziell bei Kindern spielt das Endocannabinoid-System eine Rolle in der Gehirnentwicklung (z. B. bei der Synapsenbildung und Gehirnreifung). Es gibt noch begrenzte Forschung über die Auswirkungen von CBD auf das sich entwickelnde Gehirn. Kurzzeitstudien bei Kindern haben keine offensichtlichen kognitiven oder entwicklungsbedingten Nebenwirkungen berichtet, aber die langfristigen Effekte (mit jahrelanger Medikation in der Kindheit) sind noch unbekannt.

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Wie CBD bei Epilepsie wirken kann

Insgesamt zeigt sich, dass CBD durch seine vielfältigen Wechselwirkungen mit dem Endocannabinoid-System und anderen biologischen Pfaden das Potenzial bietet, als Teil eines umfassenden Behandlungsplans für Epilepsie zu dienen.

  • Modulation der elektrischen Aktivität im Gehirn: Studien legen nahe, dass CBD die unkontrollierte elektrische Aktivität, die epileptische Anfälle auslöst, dämpfen kann. Indem es die Aktivität von Neuronen moduliert, kann CBD dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit und -intensität zu verringern.
  • Verringerung von Entzündungsreaktionen im Gehirn: Neuroinflammation ist ein bekannter Faktor, der zur Pathophysiologie von Epilepsie beiträgt. CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften, die dazu beitragen können, Entzündungsreaktionen im Gehirn zu reduzieren.
  • Schutz vor oxidativem Stress: Oxidativer Stress spielt eine Rolle bei der Schädigung von Gehirnzellen und kann epileptische Anfälle und deren Folgen verschlimmern. CBD besitzt antioxidative Eigenschaften, die dazu beitragen können, die durch freie Radikale verursachten Schäden zu minimieren.
  • Beeinflussung der Neurotransmitter: CBD kann auch die Freisetzung bestimmter Neurotransmitter beeinflussen, die an der Regulierung der neuronalen Erregbarkeit beteiligt sind.

Studienlage zu CBD und Epilepsie

Die Epilepsie-Studienlage zu Cannabis ist vielversprechend, aber unterschiedlich je nach Patientengruppe. Bei Kindern mit seltenen Epilepsieformen wie Dravet- oder Lennox-Gastaut-Syndrom zeigen Studien klare Vorteile von CBD bei Epilepsie, mit signifikanter Reduktion der Anfälle. Bei Erwachsenen ist die Evidenz schwächer, da groß angelegte Studien fehlen. Cannabis-Studien zu Epilepsie bei Erwachsenen zeigen zwar positive Einzelfälle, aber keine breite Bestätigung. Langzeitdaten zur Sicherheit und Wirksamkeit von Cannabis-Therapie bei Epilepsie sind begrenzt, was weitere Forschung erfordert.

Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS)

Eine doppelblinde Studie mit Kindern, die am Lennox-Gastaut-Syndrom leiden, zeigte, dass flüssiges CBD die epileptischen Anfälle um die Hälfte reduzieren konnte. Zuvor hatten die Probanden durchschnittlich 85 Sturzanfälle pro Monat, und etwa sechs Antiepileptika zeigten keine Wirkung. Die Forscher beobachteten bei etwa 40 Prozent der Kinder mit LGS, die zusätzlich zu ihren durchschnittlich drei Epilepsie Medikamenten ein CBD-haltiges Öl bekamen, eine Reduktion der epileptischen Sturzanfälle um mindestens 50 Prozent. Bei jenen, die ein Placebo einnahmen, profitierten hingegen nur 15 Prozent in vergleichbarem Ausmaß. Insgesamt wurden 212 Patienten im Alter von durchschnittlich 16 Jahren untersucht. Davon erhielten 76 LGS-Patienten CBD-Öl gemischt mit Sesamöl zweimal täglich in einer Dosierung von 20 mg/kg, 73 bekamen 10 mg CBD pro Kilogramm und 76 ein Placebo über einen Zeitraum von zwei Wochen. Die höhere Dosierung erzielte bei den Teilnehmern eine etwas bessere Wirkung (40 Prozent versus 36 Prozent 50-prozentige Sturzanfallreduktion).

Dravet-Syndrom

In einer Studie mit 120 Kindern und jungen Erwachsenen mit Dravet-Syndrom erhielten die Patientinnen und Patienten zusätzlich zu ihrer Medikation entweder CBD-Öl (20 mg/kg/Tag) oder ein Placebo. Nach 14 Wochen war die durchschnittliche Anfallshäufigkeit in der CBD-Gruppe von 12,4 auf 5,9 pro Monat gesunken - im Vergleich zu einem Rückgang von 14,9 auf 14,1 in der Placebo-Gruppe. Das bedeutet, dass CBD im Vergleich zum Placebo zu einer deutlich stärkeren Reduktion der Anfälle führte. Auch berichteten mehr Eltern in der CBD-Gruppe (62 %) von einer allgemeinen Verbesserung des Zustands ihres Kindes als in der Placebo-Gruppe (34 %).

Tuberöse Sklerose (TS)

Bei der Tuberösen Sklerose (TS) - einer genetischen Erkrankung, die mit Epilepsie einhergehen kann - zeigte eine Studie mit 224 Patientinnen und Patienten (Erwachsenen und Kindern), dass CBD in zwei Dosierungen (25 bzw. 50 mg/kg/Tag) die Anfallshäufigkeit im Vergleich zu einem Placebo signifikant reduzierte. Nach 16 Wochen lag die durchschnittliche Reduktion der Anfälle in beiden CBD-Gruppen bei etwa 48 %, während sie in der Placebo-Gruppe rund 26 % betrug.

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Anwendung von CBD bei Epilepsie

Die Anwendung von CBD bei Epilepsie erfordert sorgfältige Überlegung und ärztliche Begleitung. Hier sind einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Produktauswahl: Es gibt verschiedene Formen von CBD-Produkten, die bei der Behandlung von Epilepsie hilfreich sein können, darunter Öle, Kapseln und essbare Produkte. Besonders CBD Öl ist aufgrund seiner schnellen Absorption und der Möglichkeit, es genau zu dosieren, sehr beliebt.
  • Dosierung: Die optimale CBD-Dosierung kann von Person zu Person variieren, abhängig von Faktoren wie Körpergewicht, individueller Körperchemie und dem Schweregrad der Epilepsie. Es ist ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese schrittweise zu erhöhen, bis die gewünschte Wirkung erzielt wird. Die empfohlene Anfangsdosis von CBD beträgt zweimal täglich 2,5 mg/kg (5 mg/kg/Tag) über eine Woche. Nach einer Woche sollte die Dosis auf eine Erhaltungsdosis von zweimal täglich 5 mg/kg (10 mg/kg/Tag) erhöht werden. Je nach individuellem klinischen Ansprechen und Verträglichkeit kann die Dosis in wöchentlichen Schritten von 2,5 mg/kg zweimal täglich (5 mg/kg/Tag) erhöht werden bis zu einer empfohlenen Höchstdosis von zweimal täglich 10 mg/kg (20 mg/kg/Tag).
  • Ärztliche Unterstützung: Es ist äußerst wichtig, die Anwendung von CBD bei Epilepsie mit einer Fachperson abzustimmen, insbesondere wenn du bereits Medikamente gegen Epilepsie einnimmst. Ein Termin bei einem Neurologen kann klären, ob Cannabis auf Rezept für Sie infrage kommt. Vereinbaren Sie ein Arztgespräch, um die richtige Cannabis-Therapie bei Epilepsie zu finden.
  • Beobachtung und Anpassung: Wie bei jedem neuen Behandlungsansatz ist es entscheidend, die Wirkung von CBD genau zu beobachten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Indem du diese Richtlinien befolgst, kannst du CBD effektiv in deine bestehende Epilepsiebehandlung integrieren.

Epidyolex: Ein zugelassenes CBD-Medikament

Seit 2019 ist CBD in Europa als Antiepileptikum unter dem Handelsnamen Epidiolex zugelassen. Epidyolex mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) der Firma GW Pharmaceuticals wird als neue Therapieoption zum 15.10.2019 verfügbar sein. Das Orphan drug wird zusammen mit Clobazam bei Patienten ab 2 Jahren für die adjuvante Behandlung von Krampfanfallen, im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) oder dem Dravet-Syndrom (DS) angewendet. Die Zulassung von Epidyolex basiert laut Hersteller auf Daten aus einem klinischen Entwicklungsprogramm, das drei randomisierte und kontrollierte klinische Phase-3-Studien sowie eine offene Verlängerungsstudie umfasste. Letztere untersuchte die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit und schloss 189 Patienten aus zwei der vorherigen Phase-3-Studien ein. Die Studien umfassen Daten von 714 Patienten mit LGS oder DS. Die Ergebnisse der Verlängerungsstudie zeigten, dass die Behandlung mit Epidyolex die Krampfanfälle um 38% bis 44% und alle Krampfanfälle um 39% bis 51% verringerte.

Anwendung von Epidyolex

Epidyolex wird als 100 mg/ml Lösung zum Einnehmen auf dem deutschen Markt verfügbar sein. Die Einnahme soll konsequent entweder mit oder ohne Nahrungsaufnahme erfolgen, da Nahrung zu einer Erhöhung des CBD-Spiegels führt.

Gegenanzeigen

Epidyolex darf nicht angewendet werden bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen Sesamol oder einen in der Fachinformation genannten sonstigen Bestandteile. Außerdem besteht für Patienten mit erhöhten Transaminasewerten, die das Dreifache der oberen Normgrenze (ULN) übersteigen, und deren Bilirubinwerte das Zweifache der ULN übersteigen, eine Kontraindikation.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen unter der Anwendung von Epidyolex sind:

  • Somnolenz
  • Verminderter Appetit
  • Diarrhoe
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Erbrechen

Die häufigste Ursache für Behandlungsabbrüche war in klinischen Studien die Erhöhung von Transaminasen. Ebenfalls dosisabhängig berichteten die LGS-Patienten auch über Nebenwirkungen. Diese traten bei 94 Prozent beziehungsweise 84 Prozent der CBD-Patienten mit der geringeren Dosis auf. Selbst 72 Prozent der Kinder, die ein Placebo erhielten, klagten über dieselben Auswirkung: vor allem Schläfrigkeit und weniger Appetit.

Wechselwirkungen

Für die Anwendung von Epidyolex sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

  • Die Plasmakonzentrationen von CBD und dessen Wirksamkeit können durch starke CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin, Enzalutamid, Mitotan, Johanniskraut und/oder starke CYP2C19-Induktoren wie Rifampicin verringert werden.
  • CBD ist ein Substrat für UGT1A7, UGT1A9 und UGT2B7. Es wurden keine formellen Arzneimittelwechselwirkungsstudien mit CBD in Kombination mit UGT-Inhibitoren durchgeführt. Bei gleichzeitiger Anwendung ist deshalb Vorsicht geboten.
  • Eine gleichzeitige Einnahme von anderen Antiepileptika kann außerdem zu Wechselwirkungen mit CBD führen.
  • Wenn Clobazam zusammen mit CBD angewendet wird, sollte bei Auftreten von Somnolenz oder Sedierung eine Verringerung der Clobazam-Dosis in Erwägung gezogen werden.
  • Die gleichzeitige Anwendung von CBD mit Valproat erhöht das Auftreten erhöhter Transaminasewerte.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von CBD mit Stiripentol kam es zu einem geringfügigen Anstieg der Stiripentolwerte. Die klinische Relevanz hierfür ist zwar unbekannt, doch sollten Patienten engmaschig auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen hin überwacht werden.
  • Die Exposition von Phenytoin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit CBD erhöht sein, da Phenytoin weitgehend über CYP2C9 metabolisiert wird, das in vitro durch CBD gehemmt wird.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von CBD mit Lamotrigin, kann der Lamotriginspiegel erhöht sein, da Lamotrigin ein Substrat für UGT-Enzyme ist, einschließlich UGT2B7, das in vitro durch CBD gehemmt wird.
  • In-vitro-Daten prognostizieren zudem Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung mit CYP1A2-Substraten (z.B. Theophyllin, Coffein), CYP2B6-Substraten (z.B. Bupropion, Efavirenz), UGT1A9 (z.B. Diflunisal, Propofol, Fenofibrat) und UGT2B7 (z.B. Gemfibrozil, Morphin, Lorazepam) bei gleichzeitiger Anwendung von CBD.
  • Auch klinisch signifikante Wechselwirkungen mit CYP2C8- (Repaglinid) und CYP2C9-Substraten (z.B. Warfarin) sind denkbar.
  • CBD ist nach in-vitro-Daten außerdem in der Lage CYP2C19 zu hemmen, was zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Arzneimitteln führen kann, die von diesem Isoenzym metabolisiert werden (z.B. Clobazam oder Omeprazol).

Regelmäßige Kontrollen von Leberwerten und Medikamentenspiegeln sind unerlässlich. Ein Neurologe hilft, die Cannabis-Therapie sicher zu gestalten.

Rechtliche Aspekte und Kostenübernahme in Deutschland

Medizinisches Cannabis unterlag in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und wurde durch das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) ersetzt. Seit April 2024 kann es auf ein einfaches Rezept von qualifizierten Ärzten, meist Neurologen, verschrieben werden, ohne die bisher erforderliche Betäubungsmittelrezeptierung. Die Cannabis Verschreibung bei Epilepsie setzt eine genaue medizinische Indikation voraus, etwa für zugelassene Präparate wie Epidyolex bei seltenen Epilepsieformen. Für Cannabis bei Kindern mit Epilepsie gelten strengere Vorgaben: Die Therapie erfolgt durch spezialisierte Zentren, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. Das Cannabisgesetz (CanG) und das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) von 2024 haben den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtert. Cannabis auf Rezept ist nun schneller verfügbar, da Ärzte es auf ein einfaches Rezept verschreiben können und Telemedizin für Beratungen anerkannt ist. Dennoch bleibt eine ärztliche Diagnose entscheidend, um die richtige Cannabis-Therapie bei Epilepsie sicherzustellen. Die Kosten für Epidyolex oder andere Cannabis-Medikamente können 2000-3000 Euro monatlich betragen. In Deutschland ist eine Cannabis Kostenübernahme durch Krankenkassen möglich, erfordert aber einen Antrag mit ärztlicher Begründung. Der Prozess kann komplex sein, doch ein Arztgespräch klärt, ob Cannabis auf Rezept für Sie infrage kommt.

Selbstmedikation: Ein Risiko bei Epilepsie

Epilepsie und Selbstmedikation mit frei verkäuflichem CBD-Öl oder Hanföl bei Epilepsie ist gefährlich. Diese Produkte sind nicht standardisiert, nicht medizinisch geprüft und können unwirksam oder schädlich sein. Vertrauen Sie auf Cannabis auf Rezept und lassen Sie sich ärztlich beraten. Selbstmedikation über den Schwarzmarkt birgt hohe Risiken: Ungeprüfte Produkte können Verunreinigungen wie Pestizide oder Schwermetalle enthalten und unklare Wirkstoffgehalte aufweisen, was die Anfallskontrolle gefährden kann.

Mythen über Cannabis und Epilepsie

Ein häufiger Mythos ist, dass Cannabis jede Epilepsie heilt oder THC genauso wirksam wie CBD ist. Tatsächlich ist CBD bei Epilepsie nur für bestimmte Formen zugelassen, und THC zeigt keine Vorteile. Eine individuelle Therapieplanung durch einen Arzt ist entscheidend. Während dem nicht berauschenden Cannabidiol (CBD) eine krampflösende Wirkung zugeschrieben wird, ist die Datenlage bei THC widersprüchlich. Es klingt paradox: Eine Substanz, die Krämpfe lindern soll, kann sie unter Umständen selbst begünstigen. Tatsächlich zeigen einzelne Studien, dass der psychoaktive Cannabis-Wirkstoff THC in seltenen Fällen Anfälle auslösen kann - oder bestehende Epilepsien verstärkt.

Ein ganzheitlicher Ansatz bei Epilepsie

Ein ganzheitlicher Ansatz zur Lebensgestaltung sowie fundiertes Wissen über den Umgang mit epileptischen Anfällen sind neben der Verwendung von CBD als unterstützende Therapie bei Epilepsie essentiell.

Anfallsschutz und Sicherheitsmaßnahmen

Sicherheitsmaßnahmen im Alltag sind für Menschen mit Epilepsie von großer Bedeutung, um Verletzungen während eines Anfalls zu vermeiden.

Bewältigungsstrategien und Unterstützung

Der Umgang mit einer chronischen Erkrankung wie Epilepsie kann emotional herausfordernd sein. Die Deutsche Epilepsievereinigung oder Kliniken wie die Uniklinik Freiburg bieten Beratung.

Verhalten während eines Anfalls

  • Bleib ruhig: Bewahre Ruhe und sorge dafür, dass die Umgebung sicher ist.
  • Zeit nehmen: Beobachte die Dauer des Anfalls.

Fazit

Medizinisches Cannabis eröffnet neue Perspektiven für Epilepsie-Patienten. Gerade CBD hat großes Potenzial, Anfälle zu reduzieren. CBD hat sich als wirksame Unterstützung in der Behandlung von Epilepsie bewährt. CBD trägt dazu bei, die Häufigkeit und Schwere von Anfällen durch Interaktion mit dem Endocannabinoid-System des Körpers zu reduzieren. Ein kombinierter Behandlungsansatz, der CBD, traditionelle Medikamente und Anpassungen des Lebensstils umfasst, kann signifikant zur Verbesserung der Kontrolle über die Epilepsie beitragen. Es ist wichtig, sich von Ärzten beraten zu lassen und die Behandlungsmöglichkeiten individuell zu erkunden.

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