Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Menschen in ihrem Alltag beeinträchtigen. Spannungskopfschmerzen, oft durch verspannte Muskeln im Nacken- und Schulterbereich verursacht, sind besonders häufig. Während konventionelle Schmerzmittel eine schnelle Lösung bieten können, suchen viele Betroffene nach sanfteren, natürlichen Alternativen. Hier kann die Homöopathie eine vielversprechende Option sein, insbesondere in Kombination mit anderen komplementären Ansätzen.
Ursachen und Zusammenhänge von Muskelverspannungen und Kopfschmerzen
Anspannung ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens, der uns hilft, aktiv und leistungsfähig zu sein. Es ist wichtig, dass sich Muskeln und Geist nach der Anspannung wieder entspannen dürfen. Andernfalls können chronische Verspannungen entstehen, die sich auf verschiedene Körperbereiche auswirken und zu Kopfschmerzen führen können.
Muskelverspannungen im Bereich der Rückenmuskulatur sind besonders häufig. Diese können durch Fehlhaltungen im Nacken- und Schulterbereich ausgelöst werden, die sich über den oberen Wirbelsäulenbereich nach unten fortsetzen. Folgen solcher Verspannungen sind häufig Schwindel, Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Übelkeit und chronische Rückenschmerzen, die die Lebensqualität erheblich beeinflussen können.
Stress spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Muskelverspannungen und Kopfschmerzen. Ständiger Stress führt zu Verspannungen in der Muskulatur, was wiederum zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn und somit zu Kopfschmerzen führen kann. Auch psychosomatische Faktoren, wie Belastung im Beruf, Familien- oder Beziehungsprobleme, oder finanzielle Sorgen, können zu Kopfschmerzen führen.
Homöopathische Behandlung von Muskelverspannungen und Kopfschmerzen
Die Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die darauf basiert, den Körper zur Selbstheilung anzuregen. Nach dem Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem" wird ein homöopathisches Mittel gewählt, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde, wie sie der Patient aufweist.
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Eine Selbstbehandlung von Muskelverspannung mit Homöopathie ist nur bei vereinzelt auftretenden, leichten Beschwerden möglich. Die Homöopathie kann mit Globuli auch bei degenerativen (durch Verschleiß bedingten) Veränderungen der Bandscheiben und Wirbel helfen, die oft die Ursachen für Verspannungen, Rückenschmerzen oder einen Hexenschuss sind. Um aber die verursachende Erkrankung aufzuklären, sollte idealerweise ein homöopathisch arbeitender Arzt aufgesucht werden. Dasselbe gilt, wenn die Beschwerden wiederkehrend sind.
Den Beschwerden entsprechend stehen mehrere homöopathische Mittel zur Auswahl; eine individuelle Diagnose und das zutreffende Mittel können von einem Homöopathen verordnet werden. Zusätzlich zu homöopathischen Globuli können (je nach Art der Verspannung) bestimmte körperliche Übungen helfen, die von einem Arzt, Homöopathen oder Chiropraktiker angewiesen werden können.
Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Die Begleiterscheinungen äußern sich durch einen dumpfen Schmerz beim Aufstehen und Bücken, Steifigkeit, schwere Beine und einen trägen Kreislauf. Auslöser sind Kälte oder Verheben, Überanstrengung oder zu langes Sitzen. Die Begleiterscheinungen äußern sich durch einen steifen Nacken, schnelle Schweißausbrüche, besonders im Schlaf, eine Neigung zu feuchten Füßen und schwachen Knöcheln.
Einige häufig verwendete homöopathische Mittel bei Kopfschmerzen und Migräne sind:
- Belladonna: Bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind. Begleiterscheinungen sind, dass das Gesicht hochrot und heiß ist, die Augen gerötet sind und die Haut brennt.
- Aconitum napellus (Blauer Eisenhut): Zur natürlichen Schmerzlinderung hat sich der potenzierte Blaue Eisenhut bewährt. Aconit Schmerzöl kann zur Anregung des Wärmeorganismus und Integration von Stoffwechselprozessen bei schmerzhaften entzündlichen Erkrankungen, die vom Nerven-Sinnes-System ausgehen, angewendet werden.
- Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze): Kommt vor allem bei Migräne in den Wechseljahren zum Einsatz, die von Schwindel und stechenden Augenschmerzen begleitet wird.
- Cyclamen europaeum (Alpenveilchen): Kann Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen nach dem homöopathischen Arzneimittelbild lindern.
- Iris versicolor (Schwertlilie): Wird gern bei der sogenannten „Wochenendmigräne“ eingesetzt - also dann, wenn die Migräne während Entspannungsphasen und durch Ruhe schlimmer wird.
- Sanguinaria canadensis (Kanadische Blutwurz): Wird zur Linderung von Migräne-Schmerzen verwendet, die vor allem rechtsseitig auftreten.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl des richtigen homöopathischen Mittels sehr individuell ist und von einem erfahrenen Homöopathen vorgenommen werden sollte.
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Ergänzende Maßnahmen zur Linderung von Muskelverspannungen und Kopfschmerzen
Neben der homöopathischen Behandlung gibt es eine Reihe von ergänzenden Maßnahmen, die zur Linderung von Muskelverspannungen und Kopfschmerzen beitragen können:
- Wärme: In der akuten Phase tut Wärme gut. Wolle auf der Haut, warme Kirschkernkissen, Saunagänge, warme Bäder oder Wärmebehandlungen mit Fango fördern die Entspannung und lösen erste Verspannungen.
- Bewegung: So wichtig wie die Entspannung ist auch eine moderate Anspannung. Spaziergänge, Tanzen oder andere Formen der Bewegung verbinden Lebensfreude und wärmen nicht nur die Muskeln, sondern auch die Seele. Auch im Alltag können kurze Pausen zur aktiven Entspannung genutzt werden. Die Anthroposophische Medizin kennt weitere Bewegungsangebote, die sich auch bei Verspannungen empfehlen: rhythmische Massagen und Heileurythmie.
- Entspannungstechniken: Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Biofeedback, Fantasiereisen, Pilates, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Qigong oder Yoga können helfen, Verspannungen zu lösen und Stress abzubauen.
- Akupressur: Akupressur ist eine Art Druckmassage, die mit den Fingerspitzen ausgeführt wird. Über Akupunkturpunkte soll ein etwaiger negativer Energiefluss ausgeglichen werden. Bei Kopfschmerzen im Stirnbereich beispielsweise kann der Punkt Hsi-san helfen.
- Ernährung: Eine histaminarme Ernährung kann bei manchen Menschen mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne eine Verbesserung der Beschwerden bewirken. Es ist auch wichtig, ausreichend zu trinken, um Flüssigkeitsmangel zu vermeiden, der Kopfschmerzen auslösen kann.
- Hausmittel: Es gibt eine Vielzahl von Hausmitteln, die bei Kopfschmerzen helfen können. Dazu gehören kühlende oder wärmende Umschläge auf Stirn und Nacken, Weidenrindentee, Pfefferminzöl, Ingwer, Vanille und Zimt.
Warnzeichen und wann ein Arzt aufgesucht werden sollte
Obwohl Kopfschmerzen oftmals auf harmlose Ursachen zurückzuführen sind, gibt es deutliche Warnzeichen, die einen zeitnahen Arztbesuch nahelegen. Kommen hohes Fieber, Erbrechen, Bewusstseinseintrübung, Sehstörungen oder Nackensteife hinzu, dann ist Eile geboten, denn diese Symptome gelten als Leitsymptome der Hirnhautentzündung, die als absoluter Notfall gilt. Der Besuch beim Arzt oder in der Rettungsstelle sollte nicht weiter aufgeschoben werden.
Auch bei Kindern und Schwangeren sollten Kopfschmerzen immer untersucht werden. Erwachsene können sich zunächst vom Hausarzt untersuchen lassen und werden, wenn nötig, an einen Neurologen überwiesen.
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