Ursachen von Blutungen im Hirnstamm und Balken

Der Hirnstamm ist ein lebenswichtiger Teil des Gehirns, der eine Vielzahl von Funktionen steuert. Blutungen in diesem Bereich können schwerwiegende Folgen haben. Auch der Balken, der die beiden Hirnhälften verbindet, kann von Blutungen betroffen sein. In diesem Artikel werden die Ursachen von Blutungen im Hirnstamm und Balken erläutert.

Der Hirnstamm: Eine Einführung

Der Hirnstamm ist ein Teil des zentralen Nervensystems, das sich aus dem Gehirn und dem Rückenmark zusammensetzt. Er befindet sich im innersten Abschnitt des Gehirns und beinhaltet verschiedene Zentren für die Regulation lebenswichtiger Vorgänge wie Atmung, Herzschlag, Blutdruck und Bewusstsein.

Das Gehirn lässt sich grob in Großhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn und Hirnstamm gliedern. Der Hirnstamm selbst besteht aus Mittelhirn (Mesencephalon), Brücke (Pons) und verlängertem Mark (Medulla oblongata), das den Übergang zum Rückenmark bildet.

  • Mittelhirn: Leitet Informationen zwischen den einzelnen Gehirnabschnitten weiter und enthält Fasern der Hör- und Sehbahn sowie wichtige motorische Zentren. Hier haben auch einige der zwölf Hirnnerven ihre Kerngebiete.
  • Brücke: Enthält Nervenfasern, die Informationen zwischen den beiden Gehirnhälften austauschen.
  • Verlängertes Mark: Beinhaltet Kerngebiete einiger Hirnnerven sowie wichtige regulatorische Zentren wie das Atem- und Kreislaufzentrum.

Aufgrund seiner vielfältigen und lebenswichtigen Funktionen kann eine Schädigung des Hirnstamms weitreichende Folgen haben.

Hirnstammläsionen: Was sind das?

Unter Hirnstammläsionen versteht man alle Schädigungen von Nervengewebe im Bereich des Mittelhirns, der Pons oder der Medulla oblongata. Sie können durch akute Ereignisse oder chronische Prozesse verursacht werden. Meist liegt der Schädigung eine Durchblutungsstörung des entsprechenden Bereichs zugrunde. Je nach Ort und Ausmaß der Schädigung kann es zur Ausbildung eines Hirnstammsyndroms kommen, das sich in einer Reihe von Symptomen äußert. Die Symptomatik ist davon abhängig, welche Bereiche betroffen sind. Auch die Schwere der Symptome richtet sich nach der Funktion der betroffenen Strukturen und dem Ausmaß der Schädigung.

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Ursachen von Hirnstammläsionen und Blutungen

Hirnstammläsionen können vielfältige Ursachen haben. Die verschiedenen Strukturen des Hirnstamms können sowohl durch akute Ereignisse als auch durch chronische Prozesse geschädigt werden. Die häufigsten Ursachen sind:

Hirninfarkte und Hirnblutungen (Schlaganfall)

Eine der häufigeren Ursachen einer Hirnstammläsionen ist der Schlaganfall. Hierbei unterscheidet man zwischen einem ischämischen Schlaganfall, bei dem die Blutversorgung des Gehirns durch ein Gerinnsel in einem Gefäß gestört wird, und einem hämorrhagischen Schlaganfall, bei dem eine Blutung vorliegt, die auf das Hirngewebe starken Druck ausüben kann. Ischämische Schlaganfälle kommen deutlich häufiger vor als hämorrhagische.

Die durch den Schlaganfall verursachte Minderdurchblutung des Gehirngewebes kann die Funktion der jeweiligen Areale stark beeinflussen. In vielen Fällen sind dabei die Hirnnerven beeinträchtigt, wodurch es zu verschiedenen Ausfällen in der Motorik und auch der Sensibilität kommen kann.

Ein Blutgefäß im Gehirn kann reißen oder platzen, was zu einer Gehirnblutung führt. Das ausgetretene Blut kann zusätzlich im Gehirn Druck verursachen und das umliegende Gebiet schädigen.

Schlaganfälle bilden immer einen Notfall und müssen in jedem Fall so schnell wie möglich behandelt werden.

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  • Aneurysma: Eine Gefäßerweiterung im Gehirn, die durch Bindegewebsschwäche entsteht. Platzt das Aneurysma (Ruptur), kommt es zur Blutung (Schlaganfall).
  • Verstopfung einer Hirnarterie: Führt zu einer Minderdurchblutung der von dieser Arterie versorgten Gehirnregionen. Ein Blutgerinnsel verstopft die Arterie, entweder entsteht dieses Gerinnsel direkt an dieser Stelle (Thrombose) oder ein Thrombus wandert an diese Stelle (Embolie).

Traumata (Schädel-Hirn-Trauma)

Eine weitere mögliche Ursache für Hirnstammläsionen sind Unfälle mit Beteiligung des Kopfes, medizinisch spricht man auch von einem Schädel-Hirn-Trauma.

Dieses kann in verschiedenen Schweregraden auftreten. Dabei zeigt ein Schädel-Hirn-Trauma Grad I keine Hirnstammläsion, Grad II eine einseitige und die Grade III und IV eine beidseitige Hirnstammläsion.

Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (Contusio cerebri) tritt nach dem Unfall in aller Regel zunächst ein Zustand ein, bei dem der Patient die Augen wie im Halbschlaf geschlossen hat, aus dem er durch nichts geweckt werden kann. Das sogenannte Koma kann mehrere Stunden, Tage oder gar Wochen anhalten. Solange der Patient komatös ist, liegt immer noch eine akute Erkrankung des Gehirns vor. Der Druck im Inneren des Schädels kann weiterhin erhöht und die Hirnfunktion durch Wassereinlagerungen im Hirngewebe gestört sein. In Teilen des Gehirns können die Stoffwechselvorgänge stark beeinträchtigt sein.

  • Primäre Schäden: Zum Zeitpunkt der Gewalteinwirkung hervorgerufene Gewebsschädigungen.
  • Sekundäre Schäden: Eine Reihe von komplexen biochemischen Veränderungen, die durch die primäre Schädigung ausgelöst werden und sich über Minuten, Stunden, Tage, Wochen und sogar Monate posttraumatisch entwickeln können.

Entzündliche Prozesse

Auch verschiedene Entzündungsprozesse können eine Läsion von Strukturen des Hirnstammes nach sich ziehen. Ein relativ häufiges Krankheitsbild, im Rahmen dessen eine solche Läsion auftreten kann, ist die Multiple Sklerose.

Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu chronisch-entzündlichen Prozessen im Bereich des zentralen Nervensystems kommen kann. Dabei kann auch der Hirnstamm betroffen sein.

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Tumorerkrankungen

Bei Tumoren handelt es sich um gutartige oder bösartige Neubildungen von Gewebe. Auch wenn ein Tumor an sich gutartig und somit von einer Krebserkrankung zu unterscheiden ist, kann das Wachstum benachbarte Strukturen bedrängen und dadurch schädigen.

Ein Tumor im Bereich des Hirnstammes kann auf diese Weise eine Hirnstammläsion verursachen. Häufig wächst der Tumor dabei langsam und führt so zu einem chronischen Verlauf des Hirnstamm-Syndroms. Eine ausführliche Diagnostik ist daher besonders wichtig.

Symptome von Hirnstammläsionen

Die Symptomkombination einer Hirnstammläsion wird als Hirnstamm-Syndrom bezeichnet. Das Krankheitsbild hängt dabei ganz von der Lokalisation und dem Ausmaß der Schädigung ab.

Da sich im Hirnstamm die verschiedenen Kerngebiete der Hirnnerven befinden, zeigt sich eine entsprechende Läsion meist in einem Ausfall bestimmter Hirnnerven.

Ein typisches Erscheinungsbild der Hirnstammläsion ist die sogenannte gekreuzte Hirnstammsymptomatik. Es zeigt sich dabei eine Schädigung von Hirnnerven auf der Seite der Läsion in Kombination mit sensiblen und motorischen Beeinträchtigungen auf der Gegenseite. Dies lässt sich dadurch erklären, dass ein Großteil des Gehirns kontralateral organisiert ist. Das bedeutet, die verschiedenen Nervenfasern kreuzen in ihrem Verlauf durch das Gehirn zur Gegenseite, sodass ein rechtsseitiger Hirnnerv Strukturen der linken Körperhälfte versorgt und entsprechend andersherum.

Die Hirnnerven erfüllen vielfältige Aufgaben, sodass es im Rahmen einer Läsion beispielsweise zu Ausfällen im Bereich der Gesichtsmuskulatur, des Berührungsempfindens, des Geschmackes, des Sehens und Hörens oder des Gleichgewichtssinnes kommen kann. Auch Störungen des Schluckvorganges können auf Schädigungen von Hirnnerven hinweisen.

Da einige Hirnnerven aber auch vegetative Funktionen erfüllen, kann es auch hier zu Funktionsstörungen kommen. Vegetative Funktionen können nicht aktiv durch das Bewusstsein gesteuert werden. Es kann also im Falle eines Hirnstammsyndroms beispielsweise zu Veränderungen der Schweiß- oder Tränensekretion, aber auch zu Kreislaufstörungen kommen.

Der Hirnstamm beinhaltet wichtige regulatorische Zentren wie das Atem- und Kreislaufzentrum. Kommt es zu Läsionen in einem dieser Bereiche, kann dies unter Umständen lebensbedrohlich sein. Häufig ist dabei auch das Brechzentrum mitbeteiligt, sodass sich die Patienten oft initial übergeben müssen.

In einem solchen Fall ist eine sofortige medizinische Behandlung dringend angeraten, um die wichtigsten Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. In einigen Fällen kann eine andauernde Symptomatik auch die dauerhafte medizinische Überwachung auf einer Intensivstation notwendig machen.

Mögliche Symptome im Überblick:

  • Lähmungs- und Taubheitsgefühle: Plötzliche Lähmungen in Gesicht, Arm oder Bein, Berührungsempfindungsstörungen (Kribbeln), hängender Mundwinkel.
  • Sehstörungen: Doppelbilder, Gesichtsfeldausfall, Erblindung, eingeschränktes Sichtfeld.
  • Sprech- und Sprachstörungen: Unverständliches, undeutliches Sprechen, Verständigungsschwierigkeiten, Stottern, abgehacktes Sprechen, Sprachverlust, Verdrehungen von Silben und/oder Lauten, Wortfindungsstörungen, Schreib- und Leseschwierigkeiten.
  • Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Schlucken von Speisen und/oder Speichel.
  • Schwindel und Gangunsicherheit: Plötzlicher Schwindel und fehlender Gleichgewichtssinn.
  • Starke Kopfschmerzen: Plötzlich auftretende Kopfschmerzen ohne bekannte Ursache.

Diagnose von Hirnstammläsionen

Bei Verdacht auf eine Hirnstammläsion ist eine ausführliche Diagnostik unerlässlich. Dabei folgt auf eine Anamnese, in der vor allem Fragen zu möglichen Unfällen und dem genauen zeitlichen Verlauf des Beschwerdebildes gestellt werden, die körperliche Untersuchung.

Im Rahmen dieser können bereits erste Anzeichen von Schädigungen sichtbar sein. Dabei ist vor allem die neurologische Untersuchung wegweisend, um beispielsweise den Ausfall bestimmter Hirnnerven zu detektieren.

Auch bildgebende Verfahren kommen bei der Diagnostik von Hirnstammläsionen zum Einsatz. An erster Stelle steht dabei die Magnetresonanztomographie, in der vor allem das Hirngewebe gut dargestellt werden kann. Mögliche Infarkte oder Blutungen können so gut lokalisiert werden.

Ein sogenanntes Elektroenzephalogramm, kurz EEG, kann die elektrischen Signale von Nerven messen und somit auch zur Diagnostik von Hirnstammläsionen eingesetzt werden. Mit Hilfe verschiedener Elektroden können dabei Hirnströme gemessen werden. Im Rahmen von Spezialuntersuchungen kann auch die Antwort der Nerven auf akustische und visuelle Reize dargestellt werden, wodurch vor allem eine genaue Untersuchung der Hör- und Sehbahn ermöglicht wird.

Therapie und Behandlungsmethoden

Die Therapie der Hirnstammsyndrome richtet sich stets nach der Ursache der Läsion. Daher kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Frage.

Liegt ein Hirninfarkt als Ursache für die Läsion vor, dann sollte dringend abgeklärt werden, ob es sich um einen Gefäßverschluss oder eine Blutung handelt. Je nach Form des Schlaganfalls kann die Therapie dann entweder in der Blutstillung oder der Eröffnung des Gefäßes bestehen, um die Durchblutung des Hirngewebes wiederherzustellen. Ein Hirninfarkt ist dabei in jedem Fall akut behandlungsbedürftig.

Auch bei schwerwiegenden Schädigungen des Hirnstammes mit Beeinträchtigung der Atmung und des Kreislaufs müssen sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Ausfälle der Muskulatur können auch nach Behandlung der Ursache der Hirnstammläsion ein langfristiges Problem für die Betroffenen darstellen. Gerade wenn die Gesichtsmuskulatur beeinträchtigt ist, kann dies enormen Leidensdruck verursachen. Daher können verschiedene Therapiekonzepte zur Anwendung kommen, die sowohl physiotherapeutische als auch logopädische und ergotherapeutische Behandlungen beinhalten.

Mögliche Therapieansätze:

  • Thrombolyse: Infusion mit gerinnungslösendem Arzneimittel (Alteplase) bei Hirninfarkt.
  • Mechanische Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mittels eines Katheters bei Hirninfarkt.
  • Medikamentöse (konservative) Behandlung: Engmaschige neurologische Überwachung sowie Kontrolle des Blutdrucks bei gleichzeitiger Bereitstellung eines ausreichenden Blutflusses zum Gehirn.
  • Rehabilitation: Frühzeitige Rehabilitation zur Begrenzung von Schäden durch den Schlaganfall, einschließlich Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie.

Der Balken (Corpus callosum) und seine Funktion

Das Großhirn besteht aus zwei Hälften, den Hemisphären, die durch den sogenannten Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Über ihn werden Informationen zwischen den beiden Hirnhälften ausgetauscht.

Die beiden Hemisphären sind für bestimmte Tätigkeiten zuständig (Lateralisierung der Funktionen). Bei der Sprache ist meist die linke Hemisphäre zuständig, bei der Musikalität eher die rechte.

Schädigung des Balkens

Wird das Gehirn durch einen Unfall geschädigt, kommt es darauf an, welche Regionen betroffen sind. Je nach Grad und Stelle der Schädigung treten entsprechend der Zuständigkeit dieser Hirnteile Fehlfunktionen auf.

Nach schwerer Hirnschädigung können psychische Veränderungen jeden Grades beobachtet werden. So kann es infolge einer posttraumatischen Hirnleistungsschwäche zu einer allgemeinen Verlangsamung, leichter Ermüdbarkeit, Lethargie, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche, Gedächtnis- und Denkstörung, depressiver Verstimmung, Kopfschmerz und Schwindel kommen. Auch Sprachstörungen (Aphasie) und Störungen beim Umsetzen von Bewegungsabläufen und Handlungsabsichten (Apraxie) sind häufig.

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